mini|Marktplatz Zossen Zossen ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.
Geografie Das Zentrum der Stadt Zossen liegt etwa 20 Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze an der Bundesstraße B 96. Das Stadtgebiet umfasst insgesamt 17.957 Hektar und grenzt im Norden an das Gebiet der Gemeinde Rangsdorf, im Nordosten und Osten an die Stadt Mittenwalde, im Südosten an das Amt Schenkenländchen, im Süden an die Stadt Baruth/Mark, im Südwesten an die Gemeinde Am Mellensee, im Westen an die Stadt Trebbin und im Nordwesten an die Stadt Ludwigsfelde. Der Ortsteil Zossen (mit Gemeindeteil Dabendorf) hat 2.859 Hektar.
Die Notte verläuft mitten durch das Stadtgebiet. Die frühere Burg, das heutige Schloss Zossen, lag auf einer Talsandinsel zwischen zwei Armen der Notte; der südliche Arm ist verlandet und zum Teil verfüllt.
Stadtgliederung Nach der Hauptsatzung von 2009 besteht Zossen aus folgenden Orts- und bewohnten Gemeindeteilen: Glienick mit Gemeindeteil Werben Horstfelde (bis 20. Oktober 1937: Dergischow) Kallinchen Lindenbrück mit den Gemeindeteilen Funkenmühle und Zesch am See. Nächst Neuendorf Nunsdorf Schöneiche Schünow Wünsdorf mit den Gemeindeteilen Neuhof und Waldstadt Zossen mit Gemeindeteil Dabendorf sowie den Wohnplätzen Ausbau, Buckowbrücke, Schöneicher Plan, Siedlung am Motzener See, Siedlung Horstfelde, Umspannwerk und Waldsiedlung.
Geschichte Frühzeit bis 16. Jahrhundert Wie Urnengrab-Funde nördlich der Weinberge im Jahr 2007 belegen, war das Gebiet um Zossen bereits zur Bronzezeit besiedelt. Zossen ist wie sehr viele Ortschaften in Brandenburg ursprünglich eine slawische Gründung. Der Name Zossen leitet sich vermutlich von der altsorbischen Bezeichnung für die Kiefer ab (sosny); hierauf bezieht sich auch das Stadtwappen. Urkundlich wird der Ort erstmals 1320 erwähnt als Sossen, Suzozne, Zozne. Die im Nordwesten der Stadt liegende frühdeutsche Burg auf einer kleinen Anhöhe entstand als markgräflich-meißnerische Grenzfeste und hatte als Vorgänger offensichtlich einen slawischen Burgwall in typischer Talinsellage am Notte-Übergang. Zossen wurde zu dieser Zeit im Jahr 1346 vom Bistum Meißen mit einer eigenen Propstei in Zossen seelsorgerlich betreut. Czossen (andere Schreibweisen waren Czosen oder Czoszen) erschien 1375 im Landbuch Karls IV. als Stadt und Burg (civitas et castrum; municio).
Zossen war im Mittelalter Hauptort einer kleinen Adelsherrschaft (Herrschaft Zossen) und gehörte seit vor 1349 der Familie zu Torgau (Towgow), den Herren zu Zossen, deren Besitz von Karl IV. bestätigt worden war. Sie bauten die Burg aus. Östlich entstand ein kleiner Marktflecken, weiter östlich an einem Nebenfließ der im Jahr 1430 genannte Kietz. Der historische Stadtkern hingegen lag an der Baruth-Berliner-Straße mit einem marktähnlichen Anger. Berichten zufolge war er unbefestigt und rund 330 m × 330 m groß. Die Herren zu Zossen gaben den Besitz 1478 an einen Georg von Stein weiter, der ihn jedoch nur bis in das Jahr 1490 hielt. In diesem Jahr wurde die Stadt vom brandenburgischen Markgrafen Johann Cicero erworben und in ein Amt umgewandelt. Die Macht erstreckte sich auf „Schloß und Städtchen“ sowie Kietz mit Ober- und Untergericht, Kirchenpatronat sowie Diensten und Hebungen. Laut Dehio-Handbuch entwickelte sich Zossen dabei zu einem „der reichsten Ämter in der Mark“. Zwei Jahre nach dem Erwerb erscheinen die von Glaubitz, die bis Anfang des 16. Jahrhunderts gemeinsam mit der Familie Glechow einen freien Hof zu Zossen besaßen, d. h. von Abgaben befreit waren. Außerdem besaßen sie einen weiteren freien Hof, den sie von der Familie Thümen erworben hatten.
Vor 1522 erschienen weiterhin die Familie von Otterstä(e)dt zu Dahlwitz, deren Freihaus mit Zubehör 1522 an die Familie Bardeleben überging. Im Jahr 1536 befand sich Zossen im Pfandbesitz des Eustachius von Schlieben, der Zossen zur Festung ausbauen und einige Vorwerke errichten ließ. Unter ihm wurden die Fischereigewässer ausgebaut, die Notte schiffbar gemacht und ein Amtsbrauhaus auf dem Burghof errichtet. Der weitere Ausbau von Zossen wurde allerdings zugunsten der Zitadelle Spandau nicht weiter verfolgt. Kurfürst Joachim II. verlieh dem Ort 1546 weitreichende Gerechtigkeiten und Privilegien. Dazu gehörten beispielsweise das Recht, Bau- und Brennholz auf der kurfürstlichen Zossenschen Heide zu schlagen, die Zollfreiheit über Weizen- und Korneinkauf, die Errichtung einer eigenen Brücke über das Fließ im Ha(a)ck (mit dem Recht, dort Abgaben zu erheben) sowie die Untergerichtsbarkeit. Er erlaubte den Zossenern weiterhin den Bau eines Rathauses sowie einer Ratswaage auf dem Markt und belehnte sie mit der Kirche St. Nicolai und Corporis Christi. Zur Herrschaft gehörten bis 1583 vier Vorwerke sowie weitere 26 Dörfer. Die Gemarkung blieb mit 40 Hufen unverändert, davon zwei für den Pfarrer. Es gab sieben Vierhufner, die 21 bis 30 Morgen Land bewirtschafteten, drei Dreihufer mit 19 bis 21 Morgen sowie einen Einhufner mit 6 Morgen. In Zossen lebten zu dieser Zeit 65 Einwohner ohne Hufner. Sie besaßen Gärten, Äcker und Wiesen und – so berichten die Dokumente – einer hatte zwei neue Wiesen „auff dem alten Buckow“. Es gab zwei Windmüller, 42 Hackleute (Hecker) mit Gärten, 21 Kietzer mit Wiesen, die zum Teil auch das Recht zur Fischerei besaßen. Überliefert waren weiterhin die beiden Lehngüter derer von Glaubitz sowie des Amtsschreibers Löckel. Zur Gemarkung gehörten ein alter Acker nach Schöneiche, einer im Weinberg in der Nähe der Windmühle sowie ein Garten „auff den Zeeßlingk“. Auf der Gemarkung „auffm alten Schöneiche“ entstand ein Amtsvorwerk mit über 228 Morgen Größe, der neu gerodete „Hartth“ mit 25 Morgen mit einer Schäferei, auf der bis zu 500 Tiere gehalten werden durften. Der Bardelebensche Anteil kam 1580 an die Familie Löckel, die ihn bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges 1646 besaß.
17. Jahrhundert Der Glaubitzsche Anteil ging 1623 an eine Familie Berchelmann, die ihn aber nur für zehn Jahre innehatte und danach an eine Familie Müller weitergab. Aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg bestand im Jahr 1624 das „Amt und Städtlein“. Von den Schweden im Krieg 1641 erobert, wurden die Grenzfeste sowie die Stadtpfarrkirche St. Katharinen zerstört. Im „Städtlein“ lebten 1652 der Bürgermeister mit seinem Sohn und einem Knecht sowie 59 weitere Bürger mit fünf Söhnen und fünf Knechten – mithin verglichen mit 1583 kein besonders starker Bevölkerungsrückgang. Im Jahr 1655 waren es bereits 65 Einwohner mit Gärten. Der Müllersche Anteil gelangte 1650 an die Familie Hertzberg zu Mittenwalde; ein weiteres Lehngut besaß die Familie des Pfarrers Herold, die 1646 den Löckelschen Anteil übernommen hatte und bis 1679 hielt. Es gab sieben Vierhufner, von denen einer zwei Höfe besaß, drei Dreihufner und einen Einhufner. Im Ort waren mittlerweile zahlreiche Handwerker ansässig, darunter zwei Schlächter, zwei Zimmerleute, zwei Schmiede, ein Böttcher, ein Leineweber, ein Schneider und ein Kürschner. Dem Subdiakon gehörte ein Acker bei Wünsdorf, der als „die Kerne“ bezeichnet wurde. Hinzu kam die Amtsverwaltung, die Ackerflächen jenseits des als „Koterbude“ bezeichneten alten Vorwerks besaßen. Die Schäfereigerechtigkeit war mittlerweile auf 1000 Schafe erhöht worden; es gab einen Kraut- und einen Obstgarten sowie einen Weinberg mit einer Fläche von 6¼ Morgen. Vor der Stadt standen drei Windmühlen, von denen eine als „hohe Windmühle“ bezeichnet wurde und sich im Besitz des Amtes befand, das sie an einen Pachtmüller weitergegeben hatte. Die vordere Mühle war eine Erbmühle des Bürgers Lamprecht, die mittlere eine Erbmühle des Bürgermeisters. In den Jahren 1662 und 1671 kam es zu verheerenden Stadtbränden, bei denen annähernd alle Gebäude zerstört wurden. Unter der Leitung von Johan Gregor Memhardt erfolgte ein Wiederaufbau. Er ließ einen rechteckigen Marktplatz anlegen, an dessen Nordwestende die Kirche stand. Westlich befand sich die Schlossanlage, die nach den Bränden wiedererrichtet und in ihrer Größe verdoppelt wurde. Vom Kietz ausgehend entstand die Mittenwalder Straße.
18. Jahrhundert Im Jahr 1719 war Zossen auf 116 Häuser und sechs Scheunen angewachsen. Es gab 1745 insgesamt sieben Häuser vor dem Berliner Tor, 13 Weinmeisterhäuser vor dem Mühlentor, 20 weitere Häuser, sechs Budenstellen und drei Freisitze in der Vorstadt Kietz. Außerhalb der Stadt befanden sich das königliche Amt und das Vorwerk, die Schäferei sowie das Weinmeisterhaus, das zum Amtsweinberg gehörte. Die drei bereits im 17. Jahrhundert erwähnten Windmühlen arbeiteten nach wie vor. Zossen wuchs weiter und 1750 gab es 127 Häuser, 46 Scheunen, aber auch zwei wüste Stellen; 1770 waren es 202 Häuser, 22 Scheunen und eine wüste Stelle. Friedrich II. ließ 1756 am östlichen Stadtrand die Kolonie Weinberge für „ausländische“ Siedler anlegen. Sie wurde 1809/1810 eingemeindet.
19. Jahrhundert mini|Stadtschule
Zossen bestand 1801 aus der Stadt, dem Schloss, der Vorstadt vor dem Berliner Tor, der Mittenwalder Vorstadt sowie dem Wohnplatz Kietz. Insgesamt gab es 227 Häuser, 48 Scheunen und zwei wüste Stellen. Das städtische Grundeigentum betrug 11.228 Morgen, wovon rund 3720 Morgen auf Acker, 1905 Morgen auf Wiese und fast ebenso viel auf Weidenflächen entfielen. Die Weinberge nahmen 84 Morgen Fläche ein, dazu gab es das Kleine Ellenbrucher Holz mit 96 Morgen. Auf dem Marktplatz wurden jährlich fünf Kram- und Viehmärkte abgehalten. Die Statistik erwähnte zahlreiche Handwerker, beispielsweise 21 Brauer, 21 Drechsler, einen Färber, fünf Fleischer, 30 Leineweber und 12 Schuhmacher. Hinzu kamen zwei Hebammen, aber auch einen Wundarzt und vier Stadtarme. Die Verwaltung bestand unter anderem aus sieben Akzisebediensteten, zwei Aktuaren, dem Bürgermeister und einem Kantor, einem Stadtmusikus, drei Predigern und einem Organisten. Nach der Kommunalreform in Preußen von 1808 und der damit einhergehenden Bildung von Gemeinden wurden 1809/1810 die Wohnplätze Kietz und Weinberge zu Zossen eingemeindet.
Es existierten 1840 in Zossen 191 Wohnhäuser, dazu 20 Wohnhäuser in der Kolonie Zossen. Die Burganlage wurde 1857 zum Schlosspark umgestaltet. Es 1858 arbeiteten 1858 hier 34 Hofeigentümer, die 18 Knechte und Mägde beschäftigten. Dazu gab es 173 nebengewerbliche Landwirte mit weiteren 106 Knechten und Mägden sowie 260 Arbeiter. Von den 207 Besitzungen waren 61 zwischen 30 und 300 Morgen groß (zusammen 4121 Morgen); allerdings gab es auch 80 Besitzungen unter fünf Morgen Größe, die gemeinsam gerade einmal auf 200 Morgen kamen. Die Versorgung der Bewohner wurde durch zahlreiche Handwerker sichergestellt. So gab es sechs Bäckermeister mit fünf Gesellen und zwei Lehrlingen, zehn Fleischermeister mit neun Gesellen und fünf Lehrlingen, 17 Schuhmachermeister mit sechs Gesellen und vier Lehrlingen sowie viele weitere Gewerke. In der Statistik erschienen beispielsweise erstmals zwei Putzmacherinnen mit einem Gehilfen, ein Korbwarenmachermeister, aber auch 14 Kaufleute, sechs Händler, neun Krämer sowie ein Fuhrgeschäft mit drei Pferden. Es gab vier Gasthöfe, einen Speisewirt, fünf Schankwirte sowie sechs Musikanten. Die Statistik wies auch einen Kammerjäger, 16 Beamte und 21 Arme aus.
mini|Denkmal für den Deutsch-Französischen Krieg
Im Jahr 1860 gab es die Stadt mit Kietz bei Zossen, die Kolonie Zossen sowie die Zossener Weinberge. Neben zehn öffentlichen Gebäuden gab es mittlerweile 226 Wohngebäude und 541 Wirtschaftsgebäude – darunter drei Brauereien, eine Destillation, eine Ziegelei, eine Irdenwarenfabrik sowie vier Getreidemühlen. In der ehemaligen Burg entstand ein Gerichtshaus. Auf dem Kietz wurde 1885 ein Denkmal für die Gefallenen der Kriege von 1864, 1866 und 1870/1871 eingeweiht. Durch einen Anbau wurde 1906 die Schule am Kirchplatz vergrößert.
mini|AEG-Schnellbahnwagen am Militärbahnhof Zossen, 1901