The Sixth Sense [] ( für ‚Der sechste Sinn‘) ist ein US-amerikanischer Spielfilm des Regisseurs M. Night Shyamalan aus dem Jahr 1999. Der Film wird dem Genre des Psychothrillers zugeordnet, weil die Spannung und der Horror nicht durch blutrünstige Monster oder Gewaltexzesse, sondern durch ein subtiles Bedrohungsszenario und eine Psychologie der Angst erzeugt werden.Cynthia Freeland: Horror and Art-Dead. In: Stephen Prince (Hrsg.): The Horror Film. New Brunswick NJ, London 2004, S. 189Ein weiterer Film von M. Night Shyamalan ist Signs – Zeichen (2002). Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Jungen, der behauptet, tote Menschen zu sehen, und deshalb bei einem Psychologen in Behandlung ist. Der Film gilt mit seiner überraschenden, aber geschickt konstruierten Auflösung als eines der bekanntesten Beispiele für ein sogenanntes Twist Ending.
Nachdem The Sixth Sense von den Kritikern überwiegend positiv aufgenommen worden war, erhielt der Film bei der Oscarverleihung 2000 sechs Nominierungen. Das weltweite Einspielergebnis betrug rund 670 Millionen US-Dollar.
Die deutsche Erstausstrahlung im Free TV fand im November 2002 auf ProSieben statt.
Handlung Inhalt mini|links|Hauptdarsteller Haley Joel Osment 2001, drei Jahre nach dem Dreh zu The Sixth Sense. Der erfolgreiche Kinderpsychiater Dr. Malcolm Crowe wird von der Stadt Philadelphia für seine Verdienste geehrt. Während er dies mit seiner Frau feiert, wird das Paar im Schlafzimmer von einem Eindringling überrascht. Es stellt sich heraus, dass es sich um einen ehemaligen Patienten Crowes handelt, Vincent Grey, dem er als Kind nicht hatte helfen können, seine Ängste zu überwinden, die ihn bis heute quälen. Der verzweifelte, wahnsinnig gewordene Mann schießt auf Dr. Crowe und tötet sich anschließend selbst.
Im folgenden Jahr betreut Dr. Crowe den neunjährigen Cole, der ihn stark an seinen früheren Patienten Grey erinnert, weshalb ihn der Fall reizt. Cole scheint von großen Ängsten geplagt, die er niemandem anvertraut. Von seinen Klassenkameraden wird er als „Psycho“ gehänselt und gemieden. Seiner Mutter spielt er jedoch vor, er werde in der Schule akzeptiert. Trotzdem ist Coles Mutter wegen seiner Ängste verzweifelt. Auch Dr. Crowe scheint dem Jungen zunächst nicht helfen zu können. Als Cole zu einem Geburtstag eingeladen wird, wird er von anderen Kindern gemobbt und erlebt eingesperrt in einem Kämmerlein etwas, das ihn tief traumatisiert und ohnmächtig werden lässt. Im Krankenhaus sucht der Psychologe seinen kleinen Patienten auf und verspricht ihm, ihn nicht allein zu lassen. Cole verrät ihm daraufhin schließlich sein Geheimnis: „Ich sehe tote Menschen. […] Sie wissen nicht, dass sie tot sind. […] Sie sind überall.“
Zunächst glaubt Dr. Crowe ihm nicht und diagnostiziert Wahnvorstellungen, doch dann kommen ihm Zweifel, und als er noch einmal den Fall seines früheren Patienten Vincent Grey aufarbeitet, bemerkt er fremde Stimmen auf einer alten Tonbandaufnahme, die er während einer Sitzung mit diesem Jungen gemacht hatte. Er erkennt, dass Cole ihm die Wahrheit gesagt hat und auch sein ehemaliger Patient Vincent Tote gesehen oder gehört haben muss. Er rät Cole, keine Angst vor den Toten zu haben, sondern ihnen zuzuhören und zu versuchen, ihnen zu helfen. Das gelingt Cole erstmals im Falle der kleinen Kyra, die von ihrer eigenen Mutter allmählich vergiftet worden ist (Münchhausen-Stellvertretersyndrom). Cole hilft dem toten Mädchen, den Mordfall für die Hinterbliebenen aufzudecken, und rettet zugleich Kyras jüngere Schwester davor, das nächste Opfer ihrer Mutter zu werden. Von da an verändert sich sein Leben positiv. Es wird klar, dass die Menschen, die Cole sieht, sämtlich auf gewaltsame Weise gestorben sind und seine Hilfe brauchen, um mit ihrem Leben abschließen zu können.
Seitdem auf Dr. Crowe geschossen wurde, ist er von seiner Frau entfremdet. Die beiden sprechen nicht miteinander, nicht einmal an ihrem Hochzeitstag, als Crowe seine Frau verspätet in einem Restaurant trifft und sie bei seiner Ankunft geht. Dr. Crowe ist dadurch schwer belastet, auch weil er seine Frau dabei zu beobachten glaubt, wie sie sich allmählich in einen Arbeitskollegen verliebt und sich eine neue Beziehung anbahnt. Cole gibt ihm den Rat, dann mit seiner Frau zu sprechen, wenn diese gerade eingeschlafen sei. Umgekehrt legt der Psychologe dem Jungen nahe, dass auch dieser sich einem wichtigen Menschen anvertrauen solle. Daraufhin fasst Cole sich ein Herz und erzählt seiner Mutter, dass er Tote sehen kann und auch die Großmutter ihn manchmal besucht. Zunächst glaubt die Mutter ihrem Sohn nicht, doch als Cole ihr Geheimnisse erzählt, die nur sie selbst und die tote Großmutter kennen können, schließt sie Cole erschüttert, aber glücklich in ihre Arme.
Nachdem Dr. Crowes Frau beim Anschauen ihres Hochzeitsvideos eingeschlafen ist, versucht ihr Mann noch einmal, mit ihr zu sprechen; sie fragt ihn im Halbschlaf, warum er sie verlassen habe. Crowe ist verwirrt und beteuert, sie doch gar nicht verlassen zu haben, da fällt sein Ehering aus ihren Händen auf den Boden. Dadurch wird ihm schlagartig klar, dass er selbst tot ist, seit Grey in jener Nacht auf ihn geschossen hat. Nur Cole konnte ihn sehen, genau wie die anderen Toten. Ihm wird nun auch klar, dass seine Frau um ihn trauert. Er akzeptiert daraufhin endlich seinen Tod und verlässt seine schlafende Witwe. Seine Aufgabe, Cole zu helfen und damit sein Versagen an Grey auszugleichen, sieht er als erfüllt an.
Form Die Handlung der Story ist in zwei parallel laufende Handlungsstränge gegliedert, die an vielen Stellen miteinander verknüpft sind. Der eine Handlungsstrang erzählt Coles Geschichte, wie sie seit der ersten Begegnung mit Malcolm Crowe verläuft. Der andere Erzählstrang handelt, ohne dass der Betrachter es zunächst bemerkt, von Crowes Geschichte seit jenem Abend, als er von seinem früheren Patienten erschossen worden ist. Beide Handlungsstränge für sich genommen werden aus der personalen Sicht geschildert. Da die Erzählweise neutral und wie die eines Beobachters verläuft, ist eine auktoriale Erzählerhaltung auszuschließen. Diese Parallelität zwischen den Handlungssträngen wird bis zuletzt aufrechterhalten, denn nachdem Cole seiner Mutter mitgeteilt hat, dass er Geister sehen könne, öffnet sich Crowe für die Realität und erkennt schlagartig, dass er selbst ein Geist ist, den seine Frau nicht sehen kann. Die Mutter und die Ehefrau dienen in dieser parabelartigen Erzählung als Projektion für die Hauptfiguren, um zur Selbsterkenntnis und damit zur Veränderung zu gelangen. Beide Hauptfiguren benötigen den jeweils anderen auf dieser Erkenntnissuche und gelangen durch das Einlassen auf den anderen zur Lösung.
Entstehung Malcolm Crowe Bruce Willis Manfred Lehmann Cole Sear Haley Joel Osment Sebastian Günther Anna Crowe Olivia Williams Claudia Urbschat-Mingues Dr. Hill M. Night Shyamalan Manfred Trilling Geist im Verlies Sean Oliver Andreas Neumann Kyra Collins Mischa Barton Jana Kilka Lynn Sear Toni Collette Elisabeth Günther Sean Glenn Fitzgerald Tobias Lelle Mr. Collins Greg Wood Andreas Neumann Mrs. Collins Angelica Torn Martina Duncker Stanley Cunningham Bruce Norris Ulrich Frank
Nachdem sein autobiografischer Film Praying with Anger von den Kritikern größtenteils positiv aufgenommen worden war, aber das Publikum sich nicht dafür interessierte und das Drama Wide Awake an den amerikanischen Kinokassen bei einem Budget von sechs Millionen US-Dollar nur 282.175 Dollar eingespielt hatte, brauchte Shyamalan endlich einen kommerziellen Erfolg. Der Filmemacher begann, ein Skript zu entwerfen. Aber schon bald distanzierte er sich davon. „Es war das Banalste, das man je las, mit klischeehaften Sätzen und nichtssagenden Einzeilern und abgedroschenen Spannungsbögen“, erinnerte er sich in einem Interview.DVD: The Sixth Sense. Making Of Der anschließende zweite Entwurf endete erneut unbefriedigend für den Autor. Mit der Idee, ein hypersensibles Kind in die Geschichte einzubauen, das tote Menschen sehen kann, machte er sich an einen dritten Entwurf. Inspiration fand er unter anderem bei der Fernsehserie Are You Afraid of the Dark? von David Winning. Als Shyamalan schließlich mit dem fertigen Drehbuch, das nun seinen Vorstellungen entsprach, nach einem Filmverleih Ausschau hielt, traf er auf David Vogel von der Walt Disney Company.
Laut dem Buch Disney War von James B. Stewart erwarb Vogel, nachdem er das Skript gelesen hatte, ohne Rücksprache mit seinen Vorgesetzten die Rechte für drei Millionen US-Dollar und engagierte Shyamalan als Regisseur. Als die Disney-Manager dies erfuhren, verkauften sie die Rechte an Spyglass Entertainment weiter, sicherten sich aber 12,5 % der Einspielergebnisse.
Betreut wurde Shyamalan von dem Produzentenpaar Frank Marshall und Kathleen Kennedy. Für die Rolle des Kinderpsychologen wurde Bruce Willis verpflichtet. Dieser „darf endlich mal Seele zeigen und weinen: Sein oft tränennasser Blick auf den armen kleinen Cole ist es, der auch im Publikum die Taschentücher mobilisiert, und diese Gabe macht Willis zum Idealsekundanten des wirklichen „Sixth Sense“-Stars […] Haley Joel Osment“. Der damals 10-jährige Haley Joel Osment verkörperte Cole Sear und erhielt später für seine Leistung eine Oscarnominierung als bester Nebendarsteller. Weitere Rollen wurden mit Toni Collette, Olivia Williams, Mischa Barton und Donnie Wahlberg besetzt. Der Regisseur M. Night Shyamalan hat selbst einen Cameo-Auftritt als Arzt, der mit Coles Mutter spricht.
Die Dreharbeiten fanden vom 21. September bis zum 13. November 1998 in Philadelphia, Pennsylvania, statt. Der Film wurde von der Firma Neue Tonfilm, München synchronisiert. Diaglogbuch und -regie stammen von Matthias von Stegmann.
Inszenierung Kamera Die Kameraführung von Tak Fujimoto bleibt in erster Linie Beobachter und passt sich den emotionalen wie physischen Bewegungen der Protagonisten an. Diese Ausrichtung hat für die Darstellung des Übernatürlichen zwei Folgen: „entweder wir sehen es explizit oder überhaupt nicht“.Marco Kreuzer: Die Dramaturgie des Unheimlichen bei M. Night Shyamalan. S. 52 Des Weiteren sind mehrere Szenen mit einer einzigen Kamera bzw. einer einzigen Kameraeinstellung aufgenommen. Ein Beispiel: Cole und seine Mutter frühstücken in der Küche. Sie steht auf und verlässt den Raum, um eine Krawatte für ihren Sohn zu holen. Die Kamera folgt ihr. Als sie wieder zurückkommt, sind sämtliche Schubladen und Schränke geöffnet. Der Zuschauer ist verstört, da deutlich wird, dass ein kleiner Junge dergleichen in diesem kurzen Zeitraum gar nicht hätte schaffen können.Marco Kreuzer: Die Dramaturgie des Unheimlichen bei M. Night Shyamalan. S. 50.
Die Szene, in der sich Dr. Crowe und seine Frau im Restaurant gegenübersitzen, ist ebenfalls in einer einzigen Einstellung gefilmt. Die Kamera wandert an Crowes Frau vorbei auf den redenden Psychologen zu. Sein Blick haftet auf dem Gegenüber, das sich außerhalb des Bildes befindet. Als die Rechnung auf den Tisch gelegt wird, folgt die Kamera Dr. Crowes Hand nach unten, fängt Annas Hand, die nach der Rechnung greift, ein und nimmt sie unter Ausblendung ihres Mannes vollständig ins Bild. Westerboer merkt an: „Dieser zentrale und handlungsgeleitete Schwenk hat eine doppelte Funktion: Erstens repräsentiert er zunächst Annas potentielle Verärgerung über Malcolm [Dr. Crowe] durch eine grobe Geste, später Malcolms tatsächliche Abwesenheit. Zweitens, und darin besteht sein funktionales Wesen, unterwandert er im wahrsten Sinne des Wortes die implizierte, aber unmögliche Erwiderung von Malcolms Blick durch Anna.“Nils Westerboer: Der innere Blick. S. 44 f.