mini|Die Internationale Friedensfahrt führte ab 1952 auch durch die DDR und wurde von einem großen Publikums- und Medieninteresse begleitet. Der Sport in der DDR wurde staatlich gelenkt und gefördert und organisierte sich in erster Linie unter dem Dach des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB). Die DDR versuchte, durch Spitzenergebnisse im Leistungssportsystem an internationalem Ansehen zu gewinnen – aus Sicht der SED waren die DDR-Athleten „Diplomaten im Trainingsanzug“ – wobei das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) die mit einem Netz von jährlich rund 3.000 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) absicherte und versuchte jeglichen Widerstand und Sportlerflucht aus der DDR zu unterbinden.

Es gab Sportclubs für den Hochleistungsbereich und Sportvereine, beispielsweise Betriebssportgemeinschaften (BSG), Sportgemeinschaften (SG) und Schulsportgemeinschaften (SSG) die immer einem staatlichen Träger zugeordnet waren. Daneben gab es Motorsportgemeinschaften und Motorsportclubs im ADMV, die paramilitärische GST für Sport mit möglichem Militärbezug (z. B. Segelflug) und zahlreiche eigens für Leistungssportförderung gegründete Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) sowie die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig, die Zentrale des staatlich betriebenen Zwangsdopingsystems war. Unabhängige rechtsfähige Vereine gab es im DDR-Sport nur 1990.

Schul- und Breitensport mini|Ulbricht beim III. Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig 1959 mini|Nordisch-Kombinierte bei der IX. Kinder- und Jugendspartakiade 1983 in Oberhof mini|Straßenradrennen Berlin - Leipzig 1988 mini|Wellenbecken des SEZ in Berlin 1981 Die Förderung der Körperkultur sowie des Schul- und Volkssports war in der Verfassung vorgeschrieben.Vgl. Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 6. April 1968 (in der Fassung vom 7. Oktober 1974), Art. 25. Abs. 3: Zur vollständigen Ausprägung der sozialistischen Persönlichkeit [...] wird die Teilnahme der Bürger [...] an der Körperkultur und am Sport durch den Staat und die Gesellschaft gefördert. sowie Art. 35 Abs. 2: Dieses Recht [auf Schutz der Gesundheit] wird durch [...] die Förderung der Körperkultur, des Schul- und Volkssports [...] gewährleistet. In diesem Sinne sah das Arbeitsrecht der DDR vor, dass Werktätige für die Mitwirkung an der Vorbereitung und Durchführung von sportlichen Veranstaltungen freizustellen waren, sofern diese Tätigkeit außerhalb der Arbeitszeit nicht möglich war.Arbeitsgesetzbuch der DDR §182 Auch waren Sportunfälle in ihrer rechtlichen Konsequenz Arbeitsunfällen gleichgestellt.Arbeitsgesetzbuch der DDR §220

Die DDR-Staatsführung versuchte von der Tradition der Arbeitersportbewegung zu partizipieren. Walter Ulbricht folgte selbst seiner 1959 ausgegebenen Losung „Jedermann an jedem Ort - macht einmal in der Woche Sport“. Er beteiligte sich als Vorturner bei Sportfesten oder ließ sich für das DDR-Fernsehen bei Skisport oder Tischtennis filmen.Vgl. Rundfunk Berlin-Brandenburg: 60x Deutschland - Die DDR turnt in Leipzig, eingesehen am 17. Februar 2011.

Ein Großteil der Sporttreibenden außerhalb des Leistungssports war im Rahmen des Deutschen Turn- und Sportbundes in Betriebssportgemeinschaften (BSG) organisiert. Der Trägerbetrieb hatte die Aktivitäten seiner BSG zu finanzieren. Die Betriebssportgemeinschaften gliederten sich in Sektionen für die einzelnen Sportarten auf. Die Mitgliedschaft in einer Sportgemeinschaft war nicht an die Tätigkeit in einem bestimmten Trägerbetrieb gebunden, sondern konnte frei nach dem Angebot an Sportarten gewählt werden.

Trotz der umfangreichen staatlichen Förderung des Leistungssportes (Ende der 1980er-Jahre rund 1,2 Milliarden Mark pro Jahr) war der Sport wirtschaftlichen Beschränkungen unterworfen. Schwimm- und Turnhallen oder Sportplätze waren gemessen am Bedarf und am Bestand in der Bundesrepublik Deutschland knapp und teils in schlechtem Zustand; bei Sportgeräten und -materialien bestanden Engpässe.Jutta Braun: »Jedermann an jedem Ort - einmal in der Woche Sport« - Triumph und Trugbild des DDR-Sports. In: Thomas Großbölting (Hrsg.): Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand. Berlin 2009, S. 182f. Knappe Sportmaterialien waren zum Teil nur über die Sportgemeinschaften in begrenztem Maße zu beziehen. 1989 gab es in der DDR 262 Sportstadien, 1175 Sportplätze, 3924 Sporthallen, 2139 Sportsäle, 212 Hallenschwimmbäder, 1449 Freibäder, 1298 Tennisplätze und 1800 Kegelsportanlagen.Statistisches Jahrbuch 1990 der DDR. ReWi, Berlin 1990, ISBN 3-329-00609-9.

Für den Freizeitsport wurde 1981 nach zweijähriger Bauzeit in Berlin das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) eröffnet, das in seiner Vielseitigkeit und Größe damals weltweit seinesgleichen suchte. Das SEZ war ein Besuchermagnet und umfasste unter anderem eine Badelandschaft mit sieben Becken inklusive Wellenbad, mehrere Sport- und Veranstaltungshallen, Bowlingbahnen und Fitnessstudios.

Es wurden auf Schul-, Kreis-, Bezirks- und landesweiter Ebene eine Vielzahl sportlicher Wettkämpfe veranstaltet. Die bedeutendste Veranstaltung dieser Art waren die ab 1965 nach sowjetischem Vorbild ausgetragenen Kinder- und Jugendspartakiaden. Diese wurden nicht nur in den stark verbreiteten Sportarten, sondern auch in nichtolympischen Disziplinen und Randsportarten wie Faustball, Billard und Reitsport ausgetragen. Die Spartakiaden wurden auf Gemeinde-/Stadt- und Kreisebene jährlich, auf Bezirksebene und Landesebene zweijährlich von eigenen Komitees des DTSB und der FDJ organisiert. 1983 nahmen an den Kreisspartakiaden 997.000 Kinder und Jugendliche im Sommersport und 30.600 im Wintersport teil.Statistisches Jahrbuch 1989 der DDR. Staatsverlag der DDR, Berlin 1989, ISBN 3-329-00457-6. Mit Bummi-Spartakiaden (für Kindergartenkinder) und Seniorenspartakiaden wurde dieses System zudem auf andere Altersgruppen ausgedehnt.

Alle größeren Betriebe organisierten für ihre Werktätigen und deren Angehörige Betriebssportfeste, wobei auch das regelmäßige Sporttreiben propagiert wurde. Bei den Betriebssportfesten wurden meist leichtathletische Disziplinen, aber je nach den Gegebenheiten auch andere Sportarten wie Kegeln oder Bogenschießen angeboten. Auf Kreisebene wurden die Kreissportfeste der Werktätigen organisiert, die verschiedene Sportarten umfassten und für die auch Vorausscheide durchgeführt wurden. Allerdings ließ das Interesse dafür in den 1980er-Jahren stark nach.

Die Talentsuche für den Spitzensport mündete in ein nahezu lückenloses Sichtungssystem, das alle Schulen und teilweise sogar Kindergärten erfasste, um Kinder für die geförderten Sportarten zu finden. Dabei spielte weniger das Interesse der Kinder für eine bestimmte Sportart eine Rolle als vielmehr deren körperlichen Voraussetzungen und Perspektiven.

Der Sportunterricht in der Schule umfasste zwei bis drei Wochenstunden. Auch an Hochschulen und Universitäten war Sportunterricht für alle Studenten obligatorisch.

Der Schulsport enthielt militärische Elemente wie F1- und Keulenweitwurf, wofür die Wurfgeräte die Form von Handgranaten besaßen. Durch die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurden Wehrsport, Wehrlager und Wehrspartakiaden für alle Schüler und Lehrlinge verpflichtend als vormilitärische Ausbildung organisiert. Die GST hatte als Arbeitsbereich „technische“ Sportarten wie Motorsport und bot die einzige Möglichkeit, bestimmte Sportarten (wie Segelfliegen und Motorfliegen, Schieß- und Tauchsport) legal auszuüben.

Motivierung zum Sporttreiben über die Medien Über die Medien wurde versucht, die Bevölkerung der DDR zum Sporttreiben zu animieren und anzuleiten. Dazu wurde beispielsweise werktags die Fernsehsendung „Medizin nach Noten“ und wöchentlich die Radiosendung „Hehehe - Sport an der Spree“ mit Heinz Florian Oertel als Moderator übertragen.

Auch über die Printmedien wurde versucht die Menschen stärker zu regelmäßiger und gesundheitsfördernder sportlicher Aktivität zu motivieren wie mit der republikweiten Aktion „Dein Herz dem Sport - Stark wie ein Baum“, bei der in den Tageszeitungen drei Bäume abgedruckt waren, an denen für „Kraft“, „Ausdauer“ und „Beweglichkeit“ so viele Blätter zu markieren waren, wie jeweils sportliche Aktivitäten ausgeführt wurden. Die Aktion erhielt vom Frühjahr 1986 bis Sommer 1987 rund eine halbe Million Einsendungen.Klaus Henning: Breitensportliche Kampagnen und Konstrukte. In: Jochen Hinsching: Alltagssport in der DDR. Meyer & Meyer, Aachen 1998, ISBN 3-89124-462-2.

Für Kinder wurde ab 1964 wöchentlich die Fernsehsendung „Mach mit, mach’s nach, mach’s besser“ mit dem Moderator Gerhard „Adi“ Adolph ausgestrahlt. In der Sendung traten Mannschaften aus Schulen verschiedener Städte in sportlichen Staffelspielen gegeneinander an. Die Sendereihe war als Turnier angelegt. Im Finale kämpften die Mannschaften um einen Wanderpokal des NOK der DDR. Die Sendereihe wurde 1991 mit der Abschaltung des DFF eingestellt.Der Sportlehrer der Nation Porträt über Gerhard Adolph auf mdr.de

Bekannte Veranstaltungen In der DDR wurde eine Vielzahl von Breitensportereignissen mit regionaler Ausstrahlung organisiert.

Republikweit bekannte Breitensportveranstaltungen waren: der GutsMuths-Rennsteiglauf der Berliner Friedenslauf der Kammlauf in Mühlleithen der Wettkampf Stärkster Lehrling, Sportlichstes Mädchen das Tischtennisturnier der Tausende die zweitägige Skikammwanderung Freundschaftsgrenze bei Johanngeorgenstadt die Volleyballturnierserie „Ran ans Netz“ die Radwanderung Erfurter Burgenfahrt der Landsportpokal für Mannschaften aus Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern

mini|Sportabzeichen der DDR für Kinder in Silber und Bronze aus den 1980er-Jahren Sportabzeichen

Das Sportabzeichen wurde in der DDR ab 1950 verliehen. Die Leistungsanforderungen waren nach Altersgruppen gestuft und mussten vor allem in den Disziplinen Schwimmen, Laufen, Springen, Werfen, Stoßen und Geräteturnen innerhalb von 24 Monaten erbracht werden. Die Abstufung des Sportabzeichens in Gold, Silber und Bronze war mit unterschiedlich hohen Leistungsanforderungen verbunden.

Sportklassifizierung

Für die Sportklassifizierung mussten sportartspezifische Leistungen erfüllt werden. Es gab die Stufen der Leistungsklasse III bis I und die Meisterklasse (Meister des Sports). Die Sportklassifizierung bestand für unterschiedliche Sportarten auch für nicht wettkampftypische Sportarten wie Wandern und Felsklettern.

Die Verleihung des Ehrentitels Verdienter Meister des Sports erfolgte sowohl für besondere sportliche Leistungen als auch an Trainer, Sportwissenschaftler und Sportfunktionäre.

mini|Schwimmabzeichen der Stufen 1 und 2 Schwimmabzeichen

Das Schwimmabzeichen wurde in der DDR in drei Stufen vergeben und diente vor allem dem Nachweis schwimmsportlicher Leistungen für Kinder und Jugendliche. Zur Erfüllung der Forderung der Stufen 1 und 2 mussten Strecken ohne Zeitbegrenzung geschwommen werden. Für die Stufe 3 musste altersgestaffelt eine Mindestzeit erreicht werden.

Häufig ausgeübte Sportarten Nach einer Untersuchung aus dem Jahre 1986 verteilten sich die sporttreibenden Schülerinnen und Schülern auf eine Vielfalt von Sportarten, wobei sich die am häufigsten ausgeübten Sportarten mit den Lehrplansportarten bei beiden Geschlechtern deckten. Die Verteilung der am häufigsten betriebenen Sportarten stellte sich wie folgt dar.Wolfram Crasselt: Zum Kinder- und Jugendsport – Realitäten, Wünsche und Tendenzen. Forschungsergebnisse und Ableitungen aus dem Forschungsvorhaben "Physische Entwicklung der jungen Generation" an der Deutschen Hochschule für Körperkultur. Leipzig 1990.