mini|300px Besançon () (deutsch veraltet Bisanz, lateinisch Vesontio) ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Osten von Frankreich. Sie ist Präfektur des Département Doubs, Verwaltungssitz des Gemeindeverbands Grand Besançon Métropole und Sitz des Erzbistums Besançon. Die Einwohner der Stadt werden Bisontines bzw. Bisontins genannt. Im Ballungsraum Besançon leben 283.127 Einwohner.

Der Ort, der in einer Schleife des Flusses Doubs gegründet wurde, spielte während der Zeit des Römischen Reichs unter dem Namen Vesontio eine wichtige Rolle. Im Mittelalter gelang es Besançon, den Status als Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich zu erlangen und zu bewahren. Während des 17. Jahrhunderts war die Region der heutigen Franche-Comté hart umkämpft, erst seit 1678 ist Besançon Teil Frankreichs. Nach der französischen Eroberung wurde die Stadt stark befestigt. Im Zuge der Industrialisierung wurde Besançon Zentrum der französischen Uhren- und Textilindustrie. Heute ist die Stadt führend in den Bereichen Mikro- und Nanotechnologie.

Die als „grünste Stadt Frankreichs“ ausgezeichnete Hauptstadt der Franche-Comté bietet eine außerordentlich hohe Lebensqualität. Dank ihres reichen historischen und kulturellen Erbes und ihrer einzigartigen Architektur trägt Besançon seit 1986 die Auszeichnung Stadt der Kunst und Geschichte. Ihre militärischen Befestigungsanlagen, die auf Vauban zurückgehen, zählen seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Geografie Lage mini|Besançon vom Landsat 7 aus gesehen mini|Besançon vom Satelliten Spot aus gesehen

Besançon liegt auf der Rhein-Rhône-Achse, einem bedeutenden Verbindungsweg zwischen Nordsee und Mittelmeer bzw. Nord- und Südeuropa.Jean-Louis Fousseret: Mission d’information commune sur les perspectives économiques et sociales de l’aménagement de l’axe européen Rhin-Rhône. In: Rapport d’information N°1920 de l’Assemblée Nationale. 15. November 1999. Abgerufen am 17. Dezember 2012. Die Stadt befindet sich dort, wo das Massiv des Juragebirges in die fruchtbare Ebene der Franche-Comté übergeht. Sie liegt am Nordrand des Jura; nördlich der Stadt befindet sich eine zum Vorgebirge (Avants-Monts) gehörende Hügelkette. Südlich von Besançon befindet sich die erste Falte des Jura.Französisches Umweltministerium, Direction régionale de l’Industrie, de la Recherche et de l’Environnement, Bureau de Recherches Géologiques et Minières: 16. Juni 1998. Abgerufen am 17. November 2012.Vincent Bichet und Michel Campy: Montagnes du Jura, Géologie et Paysages. Besançon 2008, ISBN 978-2-914741-61-3. Die Stadt wird vom Fluss Doubs durchflossen und liegt im Nordwesten des gleichnamigen Départements. Die Nachbarstädte Dijon in Burgund, Lausanne in der Schweiz, Belfort am Fuß des Elsass und die Grenze zu Deutschland liegen alle in 90 Kilometer Entfernung von Besançon. Die französische Hauptstadt Paris ist 327 Kilometer (Luftlinie) entfernt. Besançon liegt fast genau auf halbem Weg zwischen den Städten Lyon und Straßburg; die Entfernung zu beiden beträgt etwa 190 Kilometer.

Seit 2012 ist Besançon zusammen mit einigen Nachbarstädten Mitglied des Pôle métropolitain Centre Franche-Comté.

Stadtgliederung mini|hochkant=1.2|Die 14 Stadtteile von Besançon mini|Quai Vauban am Doubs Besançon hat 14 Stadtteile, deren Einwohnerzahl von etwa 2.400 (Tilleroyes und Velotte) bis knapp 18.000 (Planoise) reicht (Einwohnerzahlen von 2018 in Klammern); die Nummern beziehen sich auf nebenstehende Karte: (PDF; 4,9 MB). 01 Centre-Chapelle des Buis (10.659) 02 Velotte (2.458) 03 Butte-Grette (8.067) 04 Battant (4.082) 05 Chaprais-Cras (15.853) 06 Bregille (3.246) 07 Saint-Ferjeux-Rosemont (6.803) 08 Montrapon-Montboucons (13.320) 09 Saint-Claude-Torcols (15.373) 10 Palente-Orchamps-Saragosse (10.824) 11 Vaite-Clairs-Soleils (5.534) 12 Planoise-Châteaufarine (18.141) 13 Tilleroyes (2.415) 14 Chailluz (0)

Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Gemeinde Besançon; sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, genannt: Châtillon-le-Duc, Bonnay, Vieilley, Mérey-Vieilley, Braillans, Thise, Chalezeule, Montfaucon (Doubs), Morre, Fontain, Beure, Avanne-Aveney, Franois, Serre-les-Sapins, Pirey, École-Valentin.

Ballungsgebiet Zur siedlungsgeografischen Unité urbaine von Besançon, in der auf 135 km² insgesamt 140.298 Einwohner (2020) leben, zählen die Gemeinden Besançon, Avanne-Aveney, Beure, Chalezeule, Chalèze, Châtillon-le-Duc, Devecey, École-Valentin, Miserey-Salines, Montfaucon, Morre, Pirey und Thise..

In der wirtschaftsgeografischen Aire d'attraction lebten 2020 in einem über 2.515 km² ausgedehnten Ballungsgebiet 281.610 Menschen in 310 Gemeinden.

Klima Das Klima von Besançon kennt ozeanische Einflüsse in der Form von ergiebigen und häufigen Niederschlägen einerseits und kontinentale Einflüsse andererseits, die sich in strengen Wintern sowie trockenen und heißen Sommern äußern. Es existieren starke Schwankungen sowohl von einer Jahreszeit zur anderen als auch zwischen den Jahren. Mit 1108 mm Niederschlag pro Jahr gehört Besançon zusammen mit etwa Brest und Biarritz zu den regenreicheren Städten Frankreichs. Pro Jahr gibt es durchschnittlich an 141 Tagen Niederschlag, davon an etwa 30 Tagen Schnee. Trotzdem bringt Besançon es auf 1797 Sonnenstunden pro Jahr, die zwischen monatlich 55 im Dezember und 246 im August schwanken. An 67 Tagen pro Jahr liegt die Temperatur unter dem Gefrierpunkt. Besançon hat relativ wenig Wind. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit liegt bei 2,2 m/s, Böen über 100 km/h kommen nur einmal im Jahr vor. Die höchste je gemessene Temperatur liegt bei 40,3 °C am 28. Juli 1921, die tiefste Temperatur bei −20,7 °C am 9. Januar 1985. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,2 °C.

Geschichte Besançon entwickelte sich von einem gallischen Oppidum zu einem der kulturellen, militärischen und wirtschaftlichen Zentren des heutigen Frankreich. Aufgrund der großen Anzahl von historisch wertvollen Artefakten, die sowohl germanischen als auch französischen Ursprungs sind, darf die Stadt das Prädikat Stadt der Kunst und Geschichte tragen.

Urgeschichte bis Antike Für das Mittelpaläolithikum (vor etwa 50.000 Jahren) ist die Anwesenheit von Jägern und Sammlern in der Region belegt. Ausgrabungen, die in den vergangenen Jahrhunderten durchgeführt wurden, haben Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit zu Tage gefördert. Besiedelt wurden vor allem die Ufer des Doubs, der Fuß der Hügel des Roche d’Or und Rosemont.Claude Fohlen (Hrsg.): Histoire de Besançon: Des origines à la fin du XVIe siècle, Band 1, Besançon 1981, ISBN 2-901040-27-6, S. 29–34. Die Funde wurden auf 4000 v. Chr. datiert.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. stand das heutige Besançon unter der Herrschaft der Sequaner. Dieses keltische Volk kontrollierte ein großes Territorium zwischen der Rhône, der Saône, dem Jura und den Vogesen.Claire Stoullig (Hrsg.): De Vesontio à Besançon, Neuchâtel (Chaman Édition) 2006. Eine Serie von Ausgrabungen auf dem Gebiet der früheren Stadtmauer, besonders im Jahre 2001, hat belegt, dass die Siedlung von einem Wall (murus gallicus) eingeschlossen war; die Handwerker siedelten jedoch außerhalb des Walls. Das auf Latein Vesontio genannte Oppidum war Hauptort und wirtschaftliches Zentrum der Sequaner. Es wurde durch die Germanen bedroht und 59 v. Chr., vielleicht auch schon früher, von den Sueben unter Ariovist erobert, später durch die Haeduer und im Jahr 58 v. Chr. schließlich durch die Römer unter Julius Caesar. Aufgrund der strategisch günstigen Lage wählte Caesar die Stadt als Hauptort der Sequaner aus (Civitas Maxima Sequanorum).Julius Caesar, De bello gallico, Buch I, Abschnitt 38. Vesontio wurde Militärstützpunkt und Handelsknoten des römischen Galliens; es erlebte eine Blütephase, in der es zu einer der größten Städte von Gallia Belgica und später Germania superior wuchs.

Im Jahre 68 n. Chr. war die Region Schauplatz der Schlacht bei Vesontio, bei der sich Lucius Verginius Rufus, der Kaiser Nero ergeben war, und der Rebell Gaius Iulius Vindex gegenüberstanden. Letzterer beging nach seiner Niederlage Selbstmord.Jean Leclant und Christian Goudineau: Dictionnaire de l’Antiquité, éd. Puf. Die Römer vergrößerten die Stadt und errichteten zahlreiche Bauwerke vor allem entlang des Cardo (heutige Grande Rue) und auch auf der rechten Seite des Doubs, wo sie ein Amphitheater mit Platz für 20.000 Besucher bauten. Im Untergrund von Besançon befinden sich zahlreiche Artefakte aus der römischen Epoche,Académie de Besançon: abgerufen am 30. März 2010. besonders innerhalb der Doubs-Schleife und in den unmittelbar angrenzenden Gebieten, wo mehr als 200 Fundstellen existieren. Aus der Zeit von Marc Aurel stammen Gebäude wie die Porte Noire, die gegen 175 n. Chr. erbaut wurde, die Säulen des Square Castan, der Aquädukt, der die Stadt mit Wasser versorgte, das Amphitheater und Römerhäuser mit Mosaiken, die heute im Musée des beaux-arts et d’archéologie de Besançon ausgestellt sind;Institut National de Recherches Archéologiques Préventives: vom 15. April 2004. zwischen 172 und 175 gab es aber auch Unruhen. Während der Tetrarchie wurde Vesontio zur Hauptstadt der Provincia Maxima Sequanorum erhoben. Im Jahr 360 bezeichnete der sich auf der Durchreise befindliche Kaiser Julian die Stadt jedoch als Marktflecken, was auf einen Niedergang hinweist; Besançon war nun nur mehr ein Dorf.

Mittelalter mini|hochkant|Nach seiner Erbschaft gliederte Heinrich II. 1032 die Stadt in das Heilige Römische Reich ein

Kurz nach dem Fall des Römischen Reichs wurden die gallischen Völker unter dem Merowingerkönig Chlodwig I. vereint. Die Sequaner wurden etwa zur gleichen Zeit wie die Burgunden und die Alamannen in das Frankenreich eingegliedert.

Die Geschichte Besançons im Frühmittelalter ist nur wenig erforscht, Dokumente und andere Hinweise fehlen weitgehend. Die erste Erwähnung der Stadt findet sich in einem Brief von Ludwig dem Frommen an Erzbischof Bernoin aus dem Jahr 821; hier wurde Besançon als Chrysopolis bezeichnet. Von 843 bis 869 war die Diözese Besançon Teil des Lotharii Regnum, später von Lotharingien und nach dem Tod von Lothar II. nimmt es Karl der Kahle auf Grund der Bestimmungen des Vertrags von Meerssen (870) in Besitz. Bis 879 war es damit Teil des Westfrankenreichs.Claude Fohlen (Hrsg.): Histoire de Besançon: Des origines à la fin du XVIe siècle, Band 1, Besançon 1981, ISBN 2-901040-27-6, S. 214–219.

Im Jahre 888 feudalisierte Odo von Paris sein Reich und gründete die Herzogtümer und Grafschaften Burgunds. Burgund hatte damals Dole zur Hauptstadt und gehörte zur Grafschaft Varais, wo auch Besançon lag. Der erste Graf von Burgund war Otto-Wilhelm, der Pfalzgraf.Claude Fohlen (Hrsg.): Histoire de Besançon: Des origines à la fin du XVIe siècle, Band 1, Besançon 1981, ISBN 2-901040-27-6, S. 229–231. Gleichzeitig wurde Besançon ein unabhängiges Erzbistum und Bischofssitz, wobei es zur Tradition wurde, dass der Erzbischof zugleich Kanzler des Königs von Burgund war. Der letzte König von Burgund, Rudolf III, hatte keine männlichen Nachfolger und vergab seine Besitztümer an Heinrich II. als Lehen.

Somit wurden Besançon und die gesamte Freigrafschaft Burgund im Jahre 1032 Teil des Heiligen Römischen Reichs. Der Erzbischof Hugo von Salins wurde mit kaiserlicher Unterstützung auch Herr der Stadt, die er in eine Blütephase führte. Nach seinem Tod im Jahre 1066 fiel sie jedoch in eine lange Krise, die durch Nachfolgekämpfe verursacht war. Während des gesamten Mittelalters blieb Besançon jedoch eine Stadt, die direkt der kaiserlichen Herrschaft unterstand und unabhängig von der Grafschaft Burgund blieb.