mini|hochkant=2|Schloss Bellevue mit gehisster Standarte des Bundespräsidenten, welche die Anwesenheit des Bundespräsidenten zeigt

Das Schloss Bellevue (französisch für Schöne Aussicht) ist ein Baudenkmal am Spreeweg 1 im Berliner Ortsteil Tiergarten. Es liegt am Nordrand des Großen Tiergartens zwischen der Spree und der Siegessäule. Die klassizistische Dreiflügelanlage nach französischem Muster wurde 1785/1786 von Michael Philipp Boumann als Sommerresidenz für den preußischen Prinzen August Ferdinand erbaut und seitdem mehrmals umgebaut.

Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss von 1955 bis 1959 nach dem traditionellen barocken Schlossbauschema äußerlich originalgetreu wiederaufgebaut. Die Fassaden sind im Stil des Frühklassizismus gestaltet. Nachdem sich der 12. Deutsche Bundestag 1991 für den Umzug des Parlaments nach Berlin entschieden hatte, verlegte Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Januar 1994 den ersten Amtssitz des Staatsoberhauptes von der Villa Hammerschmidt in Bonn nach Berlin.

Seit dem Sommer 2026 werden das Schloss und seine Nebengebäude umfassend saniert und modernisiert. Etwa 2034, nach acht Jahren, wird mit der Fertigstellung und der Rückkehr des Bundespräsidenten gerechnet. Der Bundespräsident und das Bundespräsidialamt amtieren währenddessen als Erstmieter in dem neu errichteten Bürogebäude Amtssitz am Spreebogen in Berlin-Moabit.Schloss Bellevue und Bundespräsidialamt werden grundlegend saniert – Umzug im Sommer 2026. Pressemitteilung des Bundespräsidenten vom 25. Februar 2026

Baugeschichte mini|Nachtansicht mini|Schloss Bellevue, Aquarell von Carl Benjamin Schwarz, 1797 mini|Schloss Bellevue von der Gartenseite, Gemälde von Eduard Gaertner, 1847

Das Schloss wurde im Auftrag des jüngsten Bruders von Friedrich II., Ferdinand von Preußen, nach Plänen von Michael Philipp Boumann in den Jahren 1785 und 1786 in der Übergangsphase zwischen Rokoko und Klassizismus besonders sparsam und zweckorientiert errichtet. Der 18 Jahre jüngere Bruder von Friedrich II. lebte mit seiner Familie größtenteils am Wilhelmplatz (im Johanniterordenspalais, kurzzeitig auch im Palais Marschall), und im Gegensatz zu seinem weit außerhalb der Stadt gelegenen Schloss Friedrichsfelde, das er 1785 verkaufte, lag der Neubau nahe der Berliner Altstadt im Großen Tiergarten. Diesen hatte sein Bruder 1742 durch Niederlegung der Wildgatter von einem königlichen Jagdpark in einen Lustpark für die Bevölkerung umgestalten lassen. Der Prinz bezog Schloss Bellevue 1786, im Todesjahr seines Bruders Friedrichs des Großen.

Der ausdrückliche Wunsch des Bauherrn, das ältere, seit 1764 bestehende Gebäude zu erhalten, gaben Richtung und Lage des Schlosses innerhalb des Tiergartens vor. Michael Philipp Daniel Boumann orientierte sich am Schloss in Wörlitz, das 1769–1773 von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff im neuen klassizistischen Stil nach englischen Vorbildern erbaut worden war. Zu den zahlreichen früheren Grundstücksbesitzern hatte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gehört, der sich 1746 etwas südlich des heutigen Schlosses ein Sommerwohnhaus errichtet hatte.Zum später Meierei Knobelsdorffs genannten Bau siehe → Wirth (Literaturliste), S. 134 f. Boumann musste ein schon vorhandenes Gebäude, eine zum Wohnhaus umgebaute Lederfabrik am Spreeufer, in den Neubau als rechten Flügel einbeziehen.

Der königliche Landsitz gilt als erster klassizistischer Bau Preußens. Das Schloss entstand als eine Dreiflügelanlage, bestehend aus dem langgestreckten, zweieinhalbgeschossigen Hauptbau sowie ein eingeschobenes Mezzaningeschoss und den beiden zweigeschossigen Seitenflügeln (links Damenflügel, rechts Spreeflügel) im frühklassizistischen Stil. Die insgesamt 19 Fensterachsen des mittleren Flügels gliedert ein dreiachsiger Mittelrisalit mit einem figurenbekrönten Dreiecksgiebel, der auf vier Pilastern im korinthischen Stil ruht, enthielt aber ursprünglich keinen Eingang.Zur Baugeschichte des Schlosses siehe: Wirth (Literaturliste), S. 116–124. Das Schloss konnte damals nur durch die Torbögen der Seitenrisalite betreten werden. Die niedrigen dreigeschossigen Seitenflügel, die den Cour d’honneur einfassen, sind ganz schlicht gehalten. Dem Spreeflügel ist ein Torhaus vorgelagert. Die alten Mansarddächer hat man 1938–39 durch flache Walmdächer ersetzt.

Über dem Gebälk des Mittelrisalits ist in vergoldeten Lettern „Bellevue“ zu lesen (dt.: Schöner Blick). Das anfangs leere Giebelfeld erhielt 1790 eine Uhr und rahmende Relieffiguren aus Sandstein von Christian Eckstein und Johann Gottlob Heymüller. Die Personifikationen von Ackerbau, Jagd und Fischzucht erinnern an die einstige ländliche Umgebung des Schlosses. Seinen Namen Bellevue verdankte das Schloss aufgrund des umrahmt von Gewächshäusern, Gartensalons und einer Meierei schönen Ausblicks nach Westen aus dem Wohntrakt Corps de Logis, weit über den Park und die mäandernde Spree bis zur Kuppel des Schlosses Charlottenburg. Der unter der Leitung des Hofgärtners Weil angelegte Schlosspark, einer der ältesten Landschaftsgärten in Preußen, zeichnet sich durch ein System fächerartiger Sichtachsen aus, das bis heute erhalten ist. Seit den 1880er Jahren trifft er dort nach 400 m auf den Viadukt der Berliner Stadtbahn. An der zum Garten gerichteten Rückseite wird die zurückhaltende, vornehme Gestaltung fortgesetzt. In der Mittelachse ist über vier rustizierten Wandpfeilern ein Balkon ausgebildet, während eine Streifenquaderung die Seitenrisalite hervorhebt.

Das Innere des Schlosses musste wiederholt den geänderten Nutzungen angepasst werden: Bereits drei Jahre nach seiner Fertigstellung errichtete Carl Gotthard Langhans einen seiner berühmten ovalen Säle. Acht eingestellte korinthische Säulen trugen ein flaches Gewölbe. An den Längsseiten waren Kamine ausgebildet, gerahmt von Atlanten auf Hermenpfeilern, während sich in den vom Oval ausgesparten Zwickeln die Eingangstüren öffneten. Die Supraporten in Form von Rundnischen mit Sphingen, die Pilaster und Säulen sowie die Wandflächen in einer fein abgestimmten Farbgebung gaben dem Saal eine vornehme Note. Heute ist dieser der einzige weitgehend im Original erhaltene Raum des Schlosses. Im Jahr 1938 nahm Paul Otto August Baumgarten eine Umgestaltung zum Gästehaus der Reichsregierung vor. Dabei wurden die beiden heute als gewölbte Fenster der Seitenrisalite erkennbaren Eingänge zugemauert und der jetzige Mitteleingang samt Freitreppe geschaffen. Der linke Seitenflügel erhielt einen L-förmigen Erweiterungsbau, den Ministerflügel. Knobelsdorffs Meierei musste modernen Wirtschaftsgebäuden weichen. Den im Park errichteten Ersatzbau bewohnte bis zur Kriegszerstörung der Schauspieler, Regisseur und Generalintendant des Preußischen Staatstheaters, Gustaf Gründgens.

Bereits im April 1941 bei einem britischen Luftangriff von Brandbomben getroffen und ausgebrannt, wurde das Schloss nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst notdürftig gesichert und von 1954 bis 1959 unter Leitung von Hinnerk Scheper durch den Architekten Carl-Heinz Schwennicke als Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten mit Ausnahme des Ministerflügels wieder aufgebaut. Aus westdeutscher Sicht war gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ein solcher Amtssitz in Berlin mit dem Viermächte-Status der Stadt vereinbar. Aus der Entstehungszeit blieb dabei lediglich der 1791 von dem Architekten Carl Gotthard Langhans entworfene Ballsaal im Obergeschoss des Schlosses erhalten. Es wurde im Stil der 1950er Jahre eingerichtet, was später als „Mischung aus Filmstar-Sanatorium und Eisdiele“ verspottet wurde.MONUMENTE besichtigte den Amtssitz des Bundespräsidenten (April 2009)

1986/1987 erteilte Bundespräsident Richard von Weizsäcker dem Architekten Otto Meitinger den Auftrag, das Schloss anlässlich einer Sanierung im Inneren durchgreifend umzugestalten. Damit wurden die Räume dem Charakter des äußeren historischen Erscheinungsbildes angeglichen und die Raumfolge nach Plänen aus der Zeit vor der Zerstörung wiederhergestellt. Weizsäcker ließ das Schloss mit einem Teil der wertvollen Empire-Möbel-Sammlung aus Schloss Wilhelmshöhe in Kassel als Dauerleihgabe möblieren.Friedl Brunckhorst: alle Sonntage große Cour … Die Gesellschaftsräume in Schloss Wilhelmshöhe, Burgen und Schlösser 1/2004, S. 32–40, abrufbar unter journals.ub.uni-heidelberg.de 53985-Artikeltext-167426-1-10-20181105.pdf Die Empiremöbel fügen sich in den stilistischen Kontext des Frühklassizismus ein, dessen bedeutendster deutscher Vertreter Langhans war, der auch das Brandenburger Tor erbaut hat. Angefertigt wurden sie für König Jérôme BonaparteSchlossmuseum Wilhelmshöhe, den Bruder Napoleons, der 1807–1813 in KasselJérômes Hofarchitekt in Kassel war Leo von Klenze, der später die Stadt München durch seine Bauwerke klassizistisch bereicherte. residierte, womit sie auch ein Stück deutsch-französischer Geschichte symbolisieren. Sie geben den Räumlichkeiten, wo regelmäßig Staatsbesucher aus aller Welt empfangen werden, wieder eine repräsentative Note. Um die historischen Möbel und Bilder mit zeitgenössischer Kunst zu kombinieren, initiierte Weizsäcker den Austausch von Gemälden mit deutschen Museen, um Gästen wechselnde klassische und moderne deutsche Kunst zu präsentieren.bundespraesident.de: Räume und Park Zwei Räume blieben jedoch mit ihrer Ausstattung im Stil der Nachkriegsmoderne erhalten.

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 gewann das Schloss Bellevue im Zusammenhang mit dem Hauptstadtbeschluss eine neue gesamtdeutsche Bedeutung. Die sich häufenden technischen Pannen wie ausfallender Strom oder Wasser, ein steckenbleibender Aufzug oder schlechte Klimatisierung im Sommer, von Bundespräsident Roman Herzog nun als „Bruchbude“ bezeichnet , führten zu Renovierungs- und Sanierungsarbeiten im großen Stil. Diese fanden in den Jahren 2004/2005 statt. Die Repräsentationsräume zeigten sich nach dieser Renovierung im Stil der 1980er Jahre, in denen eine behutsame Annäherung an alte Dekorationsformen mit teilweise neuen Materialien versucht wurde. Aus Denkmalschutzgründen blieben zwei Salons mit dem dunkelgetäfelten Interieur der 1950er Jahre erhalten. Die früheren Wohnräume im linken Seitenflügel dienten als Bürotrakt für den Präsidenten. Als Wohnsitz dient den Bundespräsidenten seit 2004 die Villa Wurmbach in Berlin-Dahlem.

Nutzungsgeschichte mini|Schlossportal mit Ehrenwache der Bundeswehr mini|Amtszimmer des Bundespräsidenten im Erdgeschoss, an der Wand das Gemälde Der Weimarer Musenhof von Theobald von Oer, 1860

Prinz Ferdinand von Preußen nutzte es bis zu seinem Tod 1813 als Lustschloss und Landsitz. Es sollte als Wohnschloss dienen, repräsentative Ansprüche standen nicht im Vordergrund. Der umgebende Park zählte zu den schönsten preußischen Landschaftsgärten. Gäste von Prinz Ferdinand waren unter anderem Napoleon, die Brüder Humboldt und Friedrich Schiller. Danach wohnte sein Sohn Prinz August von Preußen, der Chef und Reformer der preußischen Artillerie dort. Durch Erbschaft fiel es 1843 an König Friedrich Wilhelm IV., der 1844 in einem Flügel des Erdgeschosses das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Preußen einrichten ließ – diese Vaterländische Galerie war der Vorgänger der Nationalgalerie. Nach deren Auszug 1865 wurde das Schloss bis 1918 wieder vom Hof genutzt, teils als Wohnsitz für Angehörige des Königshauses, teils als Gästehaus; Kaiser Wilhelm II. ließ hier seinen sieben Kindern Privatunterricht erteilen.

Der Unterhalt des Hofstaates war eine teure und personalaufwendige Angelegenheit, wie ein Blick auf den Hofstaat des Schlosses Bellevue im Jahr 1870 zeigt: Cafétier(e) Frotteur Garderobenfrau Gartenkutscher Hofdamenjungfer Hofgärtner Kammerfrau Kehrfrauen Kellereidiener Kinderfrauen Köchin Kutscher Kammerdiener Lakai Leibjäger Mundkoch Portier Reitknechte Sattelmeister Schlossdiener, Schlossdienerin Vorreiter