mini|290px|Stadtmitte zwischen Geeste und Weser mini|290px|Blick über Bremerhaven (2019)
Die Stadtgemeinde Bremerhaven () ist eine Großstadt am Westrand des Elbe-Weser-Dreiecks, das in die Nordsee übergeht. Sie liegt länglich an der Unter- und Außenweser, gegründet wurde sie 1827. Sie gehört als Exklave zum Land Freie Hansestadt Bremen und ist Teil der Metropolregion Nordwest. Landseitig umschlossen ist sie vom Landkreis Cuxhaven, für den sie das Oberzentrum darstellt.
Die Geschichte der Häfen in Bremerhaven beginnt 1830 mit dem Alten Hafen. Mittlerweile ist Bremerhaven nicht mehr nur eine Hafen-, Handels- und Industriestadt, sondern durch den regionalen Strukturwandel auch eine Dienstleistungs- und Wissensstadt mit Tourismus. Die Hochschule Bremerhaven und mehrere Institute und Technologiezentren bilden im Verbund mit den Bremer Wissensstandorten ein Zentrum europäischer Spitzentechnologie. Bekannt sind der Leuchtturm Bremerhaven, das Deutsche Schifffahrtsmuseum, das Deutsche Auswandererhaus und das Klimahaus Bremerhaven.
Bremerhaven bezeichnet sich als Seestadt, da der sich öffnende Mündungstrichter der Weser diesen Eindruck vermittelt.
Geografie mini|Exklaven und Enklaven von Stadt und Land Bremen und Stadt Bremerhaven. Alle drei Flächen sind zugleich Enklaven des Landes Niedersachsen
Geografische Lage Bremerhaven liegt 67 km nördlich von Bremen am Ostufer der Weser, die nördlich der Mündung der Geeste in die Weser von der Unterweser in die Außenweser übergeht. Das Stadtgebiet ist maximal 15 km lang und 11 km breit. Bremerhaven bildet zusammen mit der Bremer Exklave Stadtbremisches Überseehafengebiet Bremerhaven eine Exklave der Freien Hansestadt Bremen. Ein Teil des Ortsteils Fehrmoor im Nordosten der Stadt ist, abgeschnitten durch einen schmalen niedersächsischen Landstreifen, eine Exklave der Stadtgemeinde Bremerhaven.
Nachbarorte Nachbargemeinden sind im Norden Geestland, im Osten Schiffdorf und im Süden Loxstedt. Im Westen grenzt die Stadt Bremen mit ihrer Exklave des Überseehafens an Bremerhaven. Auf der anderen, niedersächsischen Weserseite liegt Blexen, das die Weserfähre Bremerhaven–Nordenham mit Bremerhaven verbindet.
Geomorphologie und Naturlandschaften Die Stadt liegt etwa bis . Die höchste natürliche Erhebung mit liegt im Stadtteil Leherheide (Debstedter Weg / Brunnenstraße) als Ausläufer der Hohen Lieth, einer Geest-Landschaft, die sich nördlich der Stadt zwischen Bremerhaven und Cuxhaven erstreckt. Seit Anfang der 2020er Jahre ist der Leherheider Tunnelberg, ein durch Aufschüttung künstlich geschaffener Aussichtsberg mit einer Höhe von etwa 25,5 m, der höchste öffentlich zugängliche Punkt. Höher ist nur die ebenfalls künstlich aufgeschüttete Deponie Grauer Wall (28,5 m). Das Gegenstück der Hohen Lieth südlich der Geeste wird in der naturräumlichen Gliederung die Beverstedter Moorgeest genannt; zusammen sind sie ein Teil der Wesermünder Geest. Auf der sturmflutsichereren Geest liegen die meisten der alten Ortskerne des heutigen Bremerhavens: Lehe, Geestendorf und Wulsdorf. Die Weserdeiche erreichen zwischen dem Stadt- und Ortsteil Weddewarden und dem Neuen Lunesiel (Höhen zwischen und ).
Der andere Naturraum in Bremerhaven ist die Marsch: Wurster Marsch nördlich, Würdener Marsch südlich der Geeste als Teile der Weser-Marsch, sowie die Geeste-Marsch und die Rohr-Marsch. In der Marsch liegt der alte Ortskern von Weddewarden. Auch (Alt-)Bremerhaven wurde in der Marsch gegründet. In der Weser findet man zudem kleinere Wattflächen, die zum UNESCO-Welterbe gehören.
Die Weser, Geeste, Rohr, Lune und Aue durchfließen oder tangieren die Stadt.
Stadtgliederung
Die Stadtgemeinde Bremerhaven ist in zwei Stadtbezirke (Nord und Süd) und diese in neun Stadtteile gegliedert. Die Stadtteile sind weiter in 24 Ortsteile unterteilt.
Stadtbremisches Überseehafengebiet Bremerhaven
Der Überseehafen gehört seit dem 1. April 1938 zur Stadt Bremen. Die Stadt Bremerhaven übt vertraglich für das Gebiet teilweise die Kommunalverwaltung aus.
Klima Durch die Nähe zur Nordsee ist das Klima größtenteils maritim ausgeglichen. Im Sommer sind längere Hitzeperioden mit Temperaturen von über 30 °C eher selten; im Winter liegt meist nur wenig oder gar kein Schnee, und die tiefsten Temperaturen sinken kaum unter −10 °C ab. In einem Vergleich von 80 ausgewählten deutschen Großstädten wies Bremerhaven im Zeitraum 2006–2025 mit 21,5 °C die niedrigste mittlere tägliche Höchsttemperatur der Sommermonate auf. Mit durchschnittlich 21,6 Sommertagen und 3,6 heißen Tagen pro Jahr wurden jeweils die zweitniedrigsten Werte nach Kiel erreicht. Gegenüber dem Zeitraum 1951–1970 erhöhte sich die mittlere sommerliche Höchsttemperatur dennoch um 1,7 °C. Die Jahresmitteltemperatur beträgt ca. 9,1 °C. Im Jahresdurchschnitt fallen rund 741,5 mm Niederschlag; der meiste Niederschlag fällt im Juni und Juli. Im Februar ist es mit rund 36 mm am trockensten. Die höchste je gemessene Temperatur betrug 35,8 °C am 9. August 1992 und die tiefste gemessene Temperatur −18,6 °C am 25. Februar 1956 (Stand Oktober 2009).
Klimawandel Bremerhaven zählt laut dem Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Versicherung Ergo aus dem Jahr 2026 zu den in Deutschland vom Klimawandel besonders betroffenen Städten. Als wesentliche Risiken werden Stürme, Starkregen, Überschwemmungen und Sturmfluten genannt.
Meeresspiegelanstieg Langfristige Vorhersagen für den globalen Meeresspiegelanstieg bis zum Jahr 2030 reichen je nach Klimaszenario von einem Betrag zwischen etwa 0,8 und 2,0 Meter in moderaten Szenarien bis zu einem Betrag zwischen etwa 1,9 bis 4,1 Meter in sehr hohen Emissionsszenarien. Für das Land Bremen einschließlich Bremerhaven wurde 2025 der Meeresspiegelanstieg ab Zeiträumen um 2150 als potenziell existentielle Bedrohung bewertet, sodass umfangreiche Klimaanpassungs- und Küstenschutzmaßnahmen vorgesehen und teilweise bereits umgesetzt werden.
Geschichte
Frühgeschichte Im Mai 2019 entdeckten Archäologen bei Ausgrabungen an der Bütteler Straße im Stadtteil Lehe in 1,2 Metern Tiefe die Reste eines Wohnstallhauses aus der Eisenzeit. Neben weiteren gesicherten Befunden, wie Vorratsgruben und Keramikscherben, belegt ein Brunnen aus dem letzten Jahrhundert v. Chr. erste Siedlungsspuren.
Mittelalter und Neuzeit Das Wurtendorf Weddewarden wurde 1091 und die Kirchdörfer Geestendorf und Wulsdorf wurden 1139 erstmals urkundlich genannt. Lehe wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt und erlangte eine überörtliche Bedeutung als Amtssitz und Marktort. Politisch stand das Gebiet an der Geestemündung lange im Widerstreit der Interessen des Erzbistums Bremen und der Stadt Bremen. 1648–1654 kam das Gebiet unter die Hoheit Schwedens. Ab 1672 begann der Bau der Festungsstadt Carlsburg, und 1719 ging das Gebiet, nach vorheriger dänischer Besetzung, auf das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, ab 1814 Königreich Hannover, über.
Vor 1830 gab es mehrere Jahrhunderte lang den Hafen Lehe an der Geeste. Hier verschifften die Ziegeleien ihre Produkte über die Geeste. 1776 nahmen britische Schiffe vor Lehe Soldaten auf, die vom Landgrafen von Hessen zur Niederwerfung im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Söldner in britische Dienste treten mussten.
Gründung Bremerhavens und Hafenbau mini|An der Kaje die Europa, querab die Bremen, 1930
Wegen der zunehmenden Versandung der Weser kaufte Bremen 1827 durch Bürgermeister Johann Smidt von Hannover Gelände und Deichvorland der ehemaligen, unvollendeten schwedischen Festungsstadt Carlsburg an der Nordseite der Mündung der Geeste in die Außenweser, das am 1. Mai 1827 übergeben und Bremerhaven genannt wurde (heute: Stadtteil Mitte). Bis 1830 wurde der Alte Hafen fertiggestellt. 1845 gründete Hannover im Süden Bremerhavens unweit von Geestendorf einen konkurrierenden Ort, der am 26. Juni 1847 den Namen Geestemünde erhielt. Im Wettbewerb zu Bremerhaven wurde ebenfalls ein Hafen angelegt. In Bremerhaven entstand von 1847 bis 1852 der Neue Hafen, die Stadt stieg bis 1854 zum größten Auswandererhafen Europas auf. Von Bedeutung war in der Zeit nach 1848/49 insbesondere der Verkehr in die freien Vereinigten Staaten von Amerika. 1857 gründete sich der Norddeutsche Lloyd (NDL) und von 1873 bis 1876 wurden der Kaiserhafen I und die (erste) Kaiserschleuse als Dockschleuse zur Weser angelegt. Der Norddeutsche Lloyd wurde in der Folge die größte Reederei Bremens und ab 1881 die größte der Welt. Da die größeren NDL-Schiffe nicht mehr die Schleuse zur Weser passieren konnten, fand die Abfertigung von 1890 bis 1897 in Nordenham statt. Bis 1907/1909 wurden die Kaiserhäfen II und III angelegt. Durch bedeutende Schiffsabfahrten und -ankünfte wurde Bremerhaven weltweit bekannt. 1927 wurde die Columbuskaje zusammen mit dem Columbusbahnhof als Bahnhof am Meer fertiggestellt. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fahrgastanlagen wurden nach und nach wieder aufgebaut. 1962 wurde die Fahrgastanlage II neu errichtet und die ältere Anlage abgerissen. Der ab 1968 gebaute Containerterminal wurde seit 1978 abschnittsweise ausgebaut und hat heute mit der knapp 5 km langen Stromkaje insgesamt 14 Liegeplätze.
Fischereihafen In den 1860er Jahren begann in Geestemünde an der südlichen Geestekaje (heute Standort Historisches Museum) die Fischanlandung mit Segelschiffen. Ab 1866 wurde der Fisch per Bahn nach Bremen versandt. 1885 wurde mit der Sagitta der erste deutsche Hochseefischdampfer in Dienst gestellt und in der Folge die deutsche Hochseefischerei begründet mit einer raschen Zunahme an anlandenden Schiffen und einer Überlastung der Kaje.
Der Alte Hafen in Bremerhaven wurde für Frachtschiffe nicht mehr genutzt; Fischereischiffe nutzten die Kajen und 1892 entstand eine Fischauktionshalle im zwischenzeitlich zweiten Fischereihafen, der bis 1935 bestand.
1896 wurde der Fischereihafen I in Geestemünde fertiggestellt und ab 1908 durch die Straßenbahn-Linie 4 erschlossen. Nach dem Zusammenschluss Geestemündes mit Lehe zur Stadt Wesermünde wurde 1925 der Fischereihafen II fertiggestellt. Die beiden Gesellschaften, welche die Auktionen in Wesermünde und in Bremerhaven betrieben, einigten sich, nur noch in Wesermünde Auktionen durchzuführen.
In Nordenham wurde am dortigen Fischereihafen 1896 die „Nordsee“ Deutsche Hochseefischerei gegründet. 1934 zog die Reederei nach Wesermünde an die Ostseite des Handelshafens um.
1939 wurde Bremerhaven Teil der Stadt Wesermünde. 1947 ist Wesermünde in Bremerhaven umbenannt worden. 1971 entstand bei der Neueinteilung der Stadt der Fischereihafen im Stadtbezirk Süd als eigener Stadtteil. 2010 erfolgte die Eingliederung der Luneplate.
Stadt- und Stadtteilentwicklungen 1846 zogen Landarbeiter in die Leher Haide in der Leher Feldmark. 1850 wurde Geestemünde Landgemeinde, und 1851 erhielt Bremerhaven das Stadtrecht. 1866 kamen Lehe und Geestemünde zu Preußen. Geestendorf wurde am 1. April 1889 nach Geestemünde eingegliedert.
Das Stadtrecht erhielt Geestemünde 1913 und Lehe 1920. Wulsdorf wurde 1920 Teil von Geestemünde. Am 1. November 1924 wurden die Städte Lehe und Geestemünde zur Stadt Wesermünde vereinigt. 1927 kam es zur Eingemeindung von Weddewarden, Schiffdorferdamm und Speckenbüttel nach Wesermünde. 1937 begann der Bau von Siedlungen im heutigen Surheide. 1938 wurde der Überseehafen aus Bremerhaven aus- und als Exklave in die Stadt Bremen eingegliedert. Die verbleibende und bisher zur Hansestadt Bremen gehörige Stadtgemeinde Bremerhaven wurde 1939 in die zur preußischen Provinz Hannover gehörende Stadt Wesermünde eingegliedert.