Mauritius (deutsch [], englisch [], französisch Maurice [], kreolisch Moris) ist ein Inselstaat im Südwesten des Indischen Ozeans ungefähr 870 Kilometer östlich von Madagaskar. Neben der Hauptinsel Mauritius mit der Hauptstadt Port Louis zählen Rodrigues, die Cargados-Carajos-Inseln sowie die Agalega-Inseln zum Staatsgebiet. Der Chagos-Archipel gehörte bereits früher zum Staatsgebiet von Mauritius, wurde aber vom Vereinigten Königreich kurz vor der absehbaren Unabhängigkeit 1965 ausgegliedert. Seit dem 22. Mai 2025 sind die Chagos-Inseln wieder Teil von Mauritius.
Die Vorfahren der heutigen Bevölkerung stammen überwiegend aus Indien; entsprechend ist noch heute die am weitesten verbreitete Religion der Hinduismus, und auch die Einflüsse in Sprache und Kultur sind deutlich spürbar. Aber auch die europäischen Kulturen der beiden letzten Kolonialisten Frankreich und Vereinigtes Königreich hatten und haben einen starken Einfluss auf das Land.
Mit der Unabhängigkeit 1968 blieb Mauritius als Mitglied des Commonwealth Monarchie mit Elisabeth II. als Staatsoberhaupt und wurde erst 1992 durch eine Verfassungsänderung zur Republik, ohne den Commonwealth zu verlassen. Das politische System basiert auf dem britischen Westminster-System. Das Land ist seit der Unabhängigkeit Mitglied der Afrikanischen Union.
Mauritius ist eine stabile Demokratie, laut verschiedenen Demokratieindizes ist Mauritius sogar der demokratischste Staat Afrikas. Mauritius hat außerdem eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Afrika.
Geographie Maskarenen Zusammen mit Réunion zählen die Inseln Mauritius und Rodrigues zu den Maskarenen.
Lage Großräumige Lage Die Insel Mauritius liegt im Indischen Ozean ca. 1800 km östlich des Afrikanischen Kontinentes.
Nachbarstaaten Die zu Frankreich gehörende Insel Réunion liegt etwa 200 km westlich. Nördlich befinden sich in etwa 1750 Kilometer Entfernung die Seychellen. Indien befindet sich nordöstlich in etwa 4000 Kilometer Entfernung.
Zugehörige Inseln Hauptinsel Mauritius: Der Staat Mauritius besteht aus zwei großen und mehreren kleineren Inseln: Auf Mauritius selbst, der größten Insel des Staates, liegt die Hauptstadt Port Louis. Sie hat eine Landfläche von 1865 km².Hydrology Data Book 2000-2005 - Chapter 1: Introduction, abgerufen 6. September 2026 Kleine Inseln bei Mauritius: Große Teile der Hauptinsel sind von einem Riff umgeben, aus dem sich einige weitere kleine Inseln wie Amber Island erheben. In unmittelbarer Nähe zu Mauritius liegen ferner Gunner’s Coin (Coin de Mire) (8 km vor der Nordküste) und Round Island 22 km nordöstlich. Rodrigues: Die zweite größere Insel ist Rodrigues mit rund 40.000 Einwohnern. Sie liegt rund 600 km östlich auf ungefähr der gleichen geografischen Breite wie die Hauptinsel und hat etwa 109 km² Fläche. Die Cargados-Carajos-Inseln (auch St. Brandon) liegen etwa 500 km nordöstlich von Mauritius. Diese Inselgruppe hat eine Länge von ungefähr 100 km und erstreckt sich von Nord nach Süd. Sie haben eine Gesamtfläche von etwa 3,2 km². Die Agalega-Inseln liegen mehr als 1000 km nördlich von Mauritius entfernt und befinden sich mit etwa 650 km Luftlinie deutlich näher an den Seychellen. Sie haben eine Gesamtfläche von etwa 24 km².
Geologie Mauritius liegt auf der Afrikanischen Platte und ist vulkanischen Ursprungs. Dabei werden drei vulkanische Phasen unterschieden. Die älteste Phase begann vor zehn Millionen Jahren und endete vor fünf Millionen Jahren. Eine mittlere vulkanische Phase begann vor 3,5 Millionen Jahren und ging vor 1,7 Millionen Jahren zu Ende. Eine jüngste bzw. gegenwärtige Serie begann vor 700.000 Jahren und reicht zumindest bis vor 20.000 Jahren. Der Vulkanismus förderte hauptsächlich basaltische Laven zu Tage. Die Insel Rodrigues besteht ebenfalls aus basaltischen Vulkaniten, bei denen eine radiometrische Altersbestimmung ein Alter von 1,54 Millionen Jahren ergab. An der Südwestseite von Rodriguez baut sich der Korallenschutt bis zu einer Höhe von 62 Metern empor.Mauritius. In: Geological Atlas of Africa. S. 160–161, .
Berge Der höchste Berg auf Mauritius ist mit 828 m der Piton de la Petite Rivière Noire. Er befindet sich im Bezirk Black River in der Black-River-Bergkette. Gefolgt wird er von den beiden Gipfeln des Pieter Both (820 m) und des Le Pouce (811 m) der Moka-Port-Louis-Kette.
Nationalparks, Naturreservate, Ramsar-Gebiete mini|Die Siebenfarbige Erde im Südwesten bei Chamarel
Auf der Hauptinsel Mauritius bestehen (Stand 2020) zwei größere Nationalparks, außerdem wurden acht Nebeneilande zu einem Inselnationalpark (Islet National Park) erklärt: Black River Gorges National Park, seit 15. Juni 1994 Bras D’Eau National Park, seit 25. Oktober 2011 Île D’Ambre (128 Hektar) Ile aux Flamants (0,8 Hektar) Île aux Fouquets (2,49 Hektar) Ile aux Fous (0,3 Hektar) Ile aux Oiseaux (0,7 Hektar) Ilot Vacoas (1,36 Hektar) Pigeon Rock (0,63 Hektar) Rocher aux Oiseaux (0,1 Hektar)
Weitere sieben Inseln sind als Naturreservate ausgewiesen: Serpent Island (31,66 Hektar) Round Island (168,84 Hektar) Flat Island (253,26 Hektar) Gabriel Island (42,21 Hektar) Gunner’s Coin (76 Hektar) Ilot Mariannes (4,05 Hektar) Île aux Aigrettes (26 Hektar)
Auf dem Staatsgebiet von Mauritius sind (Stand 2022) drei Gebiete entsprechend dem Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention) definiert: Rivulet Terre Rouge Estuary Bird Sanctuary (RTREBS), seit 30. September 2001 Blue Bay Marine Park (BBMP), seit 31. Januar 2008 Pointe d’Esny, seit 16. September 2011
Städte Im Jahr 2023 lebten 41 Prozent der Einwohner von Mauritius in Städten. Die größten Städte sind (Stand 1. Juli 2016):
Port Louis: 148.870 Einwohner Vacoas-Phoenix: 106.253 Einwohner Beau Bassin-Rose Hill: 104.544 Einwohner Curepipe: 79.001 Einwohner Quatre Bornes: 77.492 Einwohner
Klima Mauritius liegt auf der Südhalbkugel. Aufgrund der Lage in den sommerfeuchten Tropen beträgt die Durchschnittstemperatur an der Küste um 23,3 °C und auf den Höhen um 19,4 °C. Die relative Feuchte schwankt um 80 %. Dabei ist der Winter (Juni bis Oktober) die trockenste, der Sommer (Dezember bis April) die feuchteste Jahreszeit. Auffällig sind die Kontraste zwischen Ost- und Westküste: Während die Ostküste im direkten Einflussbereich der SO-Passatwinde liegt, ist die Westküste gut geschützt im Regenschatten (Lee) der Gebirge. Daher ist die Ostküste im Jahresverlauf etwa 2,5 Mal niederschlagsreicher (1960 mm pro Jahr) als die Westküste (780 mm pro Jahr). Daneben ist die Westküste im Jahresmittel aufgrund des Lee-Effektes (Föhn) geringfügig wärmer als die Ostseite.nach Daten des mauritischen Wetterdienstes Mauritius Meteorological Service. In: metservice.intnet.mu
Zyklone
Über dem südwestlichen Indischen Ozean (SW-Indik), in dem Mauritius liegt, werden jährlich durchschnittlich ca. 15 tropische Stürme beobachtet. In: wetteran.de. Die Zyklonsaison dauert auf Mauritius vom 15. November bis 15. Mai. Nicht jeder Sturm erreicht das Zyklonstadium (Windgeschwindigkeiten > 118 km/h), nicht jeder Sturm zieht über die Insel hinweg. Häufiger streifen sie Ausläufer mit starker Bewölkung, zunehmendem Wind und hohem Wellengang an der Küste.
Natur Fauna Wie häufig auf isolierten Inseln ist die Fauna von Mauritius nicht sehr artenreich, hat aber einen hohen Anteil endemischer Arten.
Vor Ankunft des Menschen gab es außer Fledertieren keine landbewohnenden Säugetiere. Zu diesen Fledertieren gehören die Mauritius-Grabfledermaus, der Maskarenen-Flughund (Pteropus niger) und der inzwischen ausgestorbene Kleine Maskarenen-Flughund. Daneben sind weitere Fledermaus- und Flughund-Arten auf der Insel heimisch. Weil die Maskarenen-Flughunde die Ernte von Mangos und Litschis schädigen, hat die Regierung im Oktober 2015 beschlossen, 20 Prozent dieser Flughunde zu töten. Tierschützer und die Weltnaturschutzunion IUCN warnten, das könne die Spezies an den Rand des Aussterbens führen.
Durch den Menschen wurden zahlreiche Tierarten eingeführt, darunter Ratten, Mäuse, Mangusten, der Mähnenhirsch und der Javaneraffe.
Auf Mauritius gibt es zudem über 100 Vogelarten, insbesondere die endemischen Arten sind durch Habitatveränderungen und die eingeführten Säugetiere teilweise stark bedroht oder bereits ausgestorben. Der bekannteste Vogel ist der auch im Wappen der Insel vertretene Dodo (Raphus cucullatus), der bereits um 1690 ausgerottet war. Andere endemische Arten sind der Maskarenen-Brillenvogel, der Mauritiusfalke, der Mauritiussittich und die Rosentaube. Bereits ausgestorben sind unter anderem der Mauritius-Grausittich, die Mauritius-Gans, der Mauritius-Nachtreiher, der Mauritius-Papagei, die Mauritius-Ralle und die Mauritiusente. Eingeführt wurden unter anderem die Hirtenmaina, der Rotohrbülbül und die Sperbertaube.
Wie auf vielen Inseln des westlichen Indischen Ozeans gab es auch auf Mauritius Riesenschildkröten (Gattung Cylindraspis); sie wurden aber gegen 1800 ausgerottet. Zu den sonstigen Reptilien gehören vor allem Geckos (unter anderem Günthers Taggecko und Ornament-Taggecko) und Skinke wie das Telfair-Skink. Die seltene Round-Island-Boa ist auf der kleinen Insel im Norden, deren Namen sie trägt, endemisch.
Ende August 2020 verendeten 18 Breitschnabeldelfine an Stränden von Mauritius, was wegen der Ölkatastrophe durch die Havarie der Wakashio kurz vorher ein größeres Medienecho hervorrief. Ein Zusammenhang mit der Katastrophe konnte noch nicht nachgewiesen werden.18 Delfine an Stränden von Mauritius verendet, auf spiegel.de. Abgerufen am 28. August 2020.
Flora Von den 670 Arten von Blütenpflanzen ist etwa die Hälfte endemisch. Große Teile der Insel waren ursprünglich von tropischem Regenwald bedeckt. Das endemische Malvengewächs Trochetia boutoniana gilt als Nationalblume.
Bevölkerung Demografie mini|hochkant=0.9|Bevölkerungspyramide Mauritius 2020 Mauritius hatte 2023 1,3 Millionen Einwohner. Die Einwohnerzahl sank um 0,1 %. Zum Bevölkerungsrückgang trug ein Sterbeüberschuss (Geburtenziffer: 9,6 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 10,2 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,3. Die Lebenserwartung der Einwohner von Mauritius ab der Geburt lag 2022 bei 73,5 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 36,8 Jahren. Im Jahr 2023 waren 16,0 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 13,3 Prozent der Bevölkerung betrug.
Bevölkerungsstruktur Etwa zwei Drittel (68 %) der Einwohner sind Indomauritier, stammen also vom indischen Subkontinent. Ein großer Teil der übrigen Bevölkerung sind sogenannte Kreolen (27 %, Nachfahren von Sklaven aus Afrika und Madagaskar, mit anderen Gruppen, vor allem Europäern, vermischt). Gut 3 % der Mauritier sind als Sinomauritier chinesischer Abstammung. Die weiße Minderheit ist etwas kleiner, etwa 2 % der Bevölkerung sind Frankomauritier. Ureinwohner gibt es nicht, da Mauritius vor der Kolonialisierung unbewohnt war und nur gelegentlich von arabischen Seefahrern besucht wurde. Im Jahre 2017 waren 2,3 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
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