Sauber Motorsport war ein Schweizer Automobilrennstall mit Sitz in Hinwil im Zürcher Oberland, der zwischen 1993 und 2005 sowie nochmals von 2010 bis 2025 in der Formel-1-Weltmeisterschaft engagiert war. Die Jahre als BMW-Werksteam unter dem Namen BMW Sauber F1 von 2006 bis 2009 werden üblicherweise von der Unternehmensgeschichte getrennt betrachtet. Zur Saison 2026 wurde Sauber offiziell zum Audi F1 Team umgewandelt, wodurch der Name nach über dreißig Jahren aus der Formel 1 verschwand.

Die Geschichte des von Peter Sauber gegründeten Unternehmens, das auch von 1982 bis 1991 in der Gruppe C der FIA-Sportwagen-Weltmeisterschaft am Start war, ist stark durch technische Partnerschaften mit Großkonzernen geprägt, darunter Daimler-Benz, die den Aufstieg des Teams in die Formel 1 ermöglichten, kurzzeitig Ford und ab 1997 sowie erneut ab 2010 die Scuderia Ferrari. Als Mehrheitseigentümer nutzte BMW das Sauber-Team Mitte der 2000er-Jahre als Werksauftritt, beließ die Marke allerdings im Namen. 2010 ging Sauber wieder in private Hände, zunächst erneut zu Peter Sauber, anschließend ab 2016 zum Investmentunternehmen Longbow Finance. Zwischen 2018 und 2023 war Alfa Romeo Titelsponsor und ließ das Team unter diesem Namen auftreten, übte im Gegensatz zu vorangegangenen Engagements aber keine technische oder organisatorische Hoheit aus. 2024 wurde Sauber durch vollständige Übernahme in die Strukturen der Audi AG eingegliedert.

Sportwagenweltmeisterschaft mini|links|Sauber-C9-Sportwagen Das Team wurde 1970 von Peter Sauber als PP Sauber AG gegründet, um Sportwagen zu bauen. Zur finanziellen Absicherung des Unternehmens bot Sauber kurze Zeit später auch Service-Dienstleistungen für Personenwagen an. Ab 1982 nahm Sauber an der Gruppe C der Sportwagen-Weltmeisterschaft teil. Die größten Erfolge hatte das Team 1989 und 1990: Mit dem Franzosen Jean-Louis Schlesser gewann es in beiden Jahren sowohl den Fahrer- als auch den Konstrukteurs-WM-Titel. 1989 siegte Sauber mit dem C9 mit Mercedes-Motor bei den 24 Stunden von Le Mans. Fahrer waren Stanley Dickens, Manuel Reuter und Jochen Mass. Legendär ist darüber hinaus die Nachwuchsschule des Teams aus den Jahren 1990 und 1991: Sowohl der spätere siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher als auch der Grand-Prix-Sieger Heinz-Harald Frentzen und der spätere FIA-GT-Weltmeister Karl Wendlinger wurden bei Sauber ausgebildet.

Sauber in der Formel 1 Die Mercedes-Ära (1993 und 1994) Als die Sportwagenrennserie Ende 1992 ihren Niedergang erlebte, hatte Peter Sauber sich bereits für einen Einstieg in die Formel 1 entschieden. Der langjährige Motorenpartner Mercedes-Benz hielt sich zwar zunächst zurück, unterstützte das Team aber indirekt durch ein Kooperationsabkommen mit Ilmor in Brixworth.

1993 mini|Sauber C12 von 1993 Sauber trat zur Formel-1-Weltmeisterschaft 1993 mit einem Aufkleber „concept by Mercedes-Benz“ an und verpflichtete Karl Wendlinger und JJ Lehto. Der Sauber C12, das Debütauto des Teams, war ein konventionell gestalteter Rennwagen, den Harvey Postlethwaite 1992 konzipiert und Leo Ress im Detail entwickelt hatte.Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, S. 204. Die von Ilmor konstruierten Motoren trugen die Bezeichnung Sauber 2175.Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S. 455. Ab dem Großen Preis von Italien 1993 war eine B-Version verfügbar, die einen kürzeren Hub und geringfügig mehr Leistung aufwies.

Das Debüt beim Großen Preis von Südafrika in Kyalami verlief erfolgreich: Lehto belegte Platz fünf und erhielt zwei Weltmeisterschaftspunkte. Die besten Ergebnisse waren vierte Plätze von Lehto beim Grand Prix von San Marino in Imola und Karl Wendlinger in Monza. Tiefpunkt der Debütsaison war der Große Preis von Monaco, bei dem beide Sauber-Piloten miteinander kollidierten. Wendlinger fiel daraufhin aus, während Lehtos Auto an der Box mehrere Minuten lang repariert werden musste. Am Saisonende belegte Sauber mit zwölf Punkten Platz sieben der Konstrukteurswertung.

1994 Dieser Achtungserfolg ermutigte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, das Team offiziell als Motorenlieferant zu unterstützen. JJ Lehto wechselte zu Benetton und Mercedes-Youngster Heinz-Harald Frentzen kam ins Team. Karl Wendlinger behielt sein Cockpit. Beim Training zum Großen Preis von Monaco verunglückte Wendlinger schwer, lag lange Zeit im Koma und wurde für die folgenden Rennen durch Andrea de Cesaris ersetzt. Während der Saison stieg der Sponsor Broker aus, sodass das Team zeitweise vor der Insolvenz stand. Erst kurz vor dem Großen Preis von Frankreich wurden mit Swiss Timing und Sonax zwei neue Geldgeber gefunden. Für die letzten beiden Rennen in Suzuka und Adelaide kehrte JJ Lehto zurück zu Sauber. Dennoch verlief die Saison ähnlich erfolgreich wie im Debütjahr: Sauber-Piloten gewannen zwölf WM-Punkte (hiervon entfielen sieben auf Frentzen, vier auf Wendlinger und einer auf De Cesaris), was den achten Platz in der Konstrukteurswertung bedeutete.

Am 28. Oktober 1994 gaben McLaren und Mercedes-Benz ihre Zusammenarbeit ab der Formel-1-Weltmeisterschaft 1995 bekannt. Der Stuttgarter Automobilhersteller trennte sich damit vom langjährigen Partnerteam Sauber, das für die Folgesaison kurzfristig einen neuen Motorenpartner suchen musste.

Die Ford-Ära (1995 und 1996) Nach der überraschenden Trennung von Mercedes gelang es Sauber im November 1994, eine auf zwei Jahre ausgelegte Partnerschaft mit dem britischen Motorenhersteller Cosworth einzugehen. Cosworth hatte von 1987 bis 1994 Benetton als Vorzugskunden mit Achtzylindermotoren beliefert und war, weil Benetton mit Ablauf der Saison 1994 zu Renault wechselte, seinerseits auf der Suche nach einem neuen Partner. Der ursprüngliche Versuch, eine Allianz mit Jordan Grand Prix einzugehen, war erfolglos, weil Eddie Jordans Team für 1995 die Peugeot-Motoren übernahm, die bis dahin bei McLaren gefahren waren. Mit Ford stieg auch Red Bull als Sponsor bei Sauber ein und blieb bis ins Jahr 2000 Hauptsponsor des Teams.

1995 mini|Heinz-Harald Frentzen im Sauber C14 beim Großen Preis von Großbritannien 1995 Sauber erhielt 1995 exklusiv den Ford-Zytec-R-Achtzylinder, der 1994 bei Benetton eingesetzt worden war und Michael Schumacher dort zum Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft verholfen hatte. Dieser Achtzylinderblock musste reglementbedingt für 1995 von 3,5 auf 3,0 Liter Hubraum reduziert werden. Der werksintern als Cosworth ECA bezeichnete Motor harmonierte nicht mit dem Sauber C14, den Leo Ress bereits im Spätsommer 1994 für die Aufnahme des deutlich leichteren Mercedes-Motors konzipiert hatte. Weil die Entscheidung für den Cosworth-Motor erst spät fiel, konnten die Sauber-Ingenieure den C14 nur oberflächlich an den Zytek-R-Motor anpassen. Das wirkte sich nachteilig auf die Balance aus, die als erratisch beschrieben wurde; außerdem war die Aerodynamik des C14 nicht effizient.David Hodges: A-Z of Grand Prix Cars 1906–2001. Crowood Press, 2001, ISBN 1-86126-339-2, S. 204. Sauber konnte 1995 mit dem Cosworth-Achtzylinder nicht an die Erfolge anknüpfen, die Benetton im Vorjahr mit der Ursprungsversion EC erzielt hatte. Der dritte Platz Heinz-Harald Frentzens beim Großen Preis von Italien, als er hinter Johnny Herbert und Mika Häkkinen Dritter wurde, war der erste Podestplatz in der Geschichte des Teams und zugleich das beste Ergebnis in diesem Jahr. Frentzen wurde noch einmal Vierter, zweimal Fünfter und viermal Sechster. Zudem ist er mehrfach aufgrund von technischen Defekten ausgefallen, als er in den Punkterängen unterwegs war, unter anderem in Deutschland (zum Ausfallzeitpunkt auf Rang 6) und in Australien (Zweiter). Sein Teamkollege Karl Wendlinger kam bei sechs Rennen gar nicht, Wendlingers Ersatz Jean-Christophe Boullion bei elf Rennen nur zweimal in den Punkterängen ins Ziel. Sein bestes Ergebnis war der fünfte Platz in Deutschland. Am Jahresende wurde Sauber mit 18 Punkten Siebter der Konstrukteurswertung, Frentzen war Neunter der Fahrerweltmeisterschaft.

1996 mini|Heinz-Harald Frentzen im Sauber C15 beim Großen Preis von San Marino In der Saison 1996 erhielt Sauber neu konstruierte Zehnzylindermotoren von Cosworth, die werksintern als Cosworth JD bezeichnet wurden, in der Öffentlichkeit aber wieder die Marketingbezeichnung Zetec-R trugen. Mit ihnen konnte Sauber 1996 nicht an die Erfolge des Vorjahrs anknüpfen. Zu defektanfällig und langsam waren die Autos, zu schwach die Motoren. Trotzdem verhinderte nur die mangelnde Geduld Frentzens den größten Erfolg der Teamgeschichte: Beim Großen Preis von Monaco fielen bei schwierigen Witterungsbedingungen viele Spitzenfahrer aus, der deutsche Sauber-Pilot kämpfte bei Halbzeit mit Ferrari-Fahrer Eddie Irvine um die dritte Position. Nach rundenlanger Blockade durch den Nordiren ging dem schnelleren Frentzen die Geduld aus und er streifte sich den Frontflügel am Heck des Ferrari ab. Da das Missgeschick am Ende der Start-Ziel-Geraden passierte, musste er eine komplette Runde in verlangsamtem Tempo zur Box zurücklegen und verlor viel Zeit. Die zum Unfallzeitpunkt vor Frentzen positionierten Fahrer fielen im weiteren Rennverlauf alle aus, sodass Teamchef Sauber nach dem Rennen zu Recht dem entgangenen Premierensieg nachtrauerte. Insgesamt erreichte Sauber in dieser Saison lediglich 11 Punkte, von denen mit zwei vierten Plätzen und einem sechsten Platz sieben auf Frentzen entfielen. Die übrigen vier Punkte steuerte Johnny Herbert bei, der bei seiner einzigen Zielankunft in den Punkterängen in Monaco als Dritter die zweite Podestplatzierung für das Team erreichte.

Für 1997 verlor Sauber erneut seinen Motorenpartner. Ford wechselte als Werkspartner zum neu gegründeten Team des früheren Weltmeisters Jackie Stewart, der gute Beziehungen zum US-amerikanischen Automobilkonzern unterhielt. Peter Sauber hätte zwar Ford-Motoren kaufen können, hätte aber ähnlich wie Tyrrell nur Vorjahrestriebwerke bekommen und entschied sich daher für einen anderen Weg.

Die Ferrari-Ära (1997–2005) mini|Sauber C18 von 1999 Sauber überzeugte seinen malaysischen Sponsor Petronas, die Leasinggebühr für Ferrari-Triebwerke zu übernehmen, die mehr Konkurrenzfähigkeit versprachen. Petronas willigte unter der Bedingung ein, dass die Motoren unter eigenem Namen laufen – der Petronas 3.0 V10 war geboren. Die Partnerschaft zwischen Sauber unter dem malaysischen Petrochemiekonzern dauerte bis ins Jahr 2005 an, brachte aber kaum zählbare Erfolge mit sich. Vier dritte Plätze in neun Jahren waren die besten Resultate des Teams. Die enge Bindung an Ferrari brachte Sauber vielmehr den Ruf des kleinen Schwesterteams des italienischen Traditionsrennstalls ein, das im Falle schwieriger Meinungsfindungsprozesse unter den Teams den Mehrheitsbeschaffer spielte.

mini|Sauber C21 von 2002 (in der Lackierung des C22 von 2003) mini|Sauber C22 von 2003 (Heinz-Harald Frentzen) mini|Sauber C24 von 2005 (Jacques Villeneuve)