mini|Badenweiler von Südwesten, Luftbild von einer Ballonfahrt, 2004 mini|hochkant=0.5|Flagge von Badenweiler
Badenweiler () ist eine Gemeinde und ein staatlich anerkanntes Heilbad im baden-württembergischen Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Die Gemeinde liegt rund 30 Kilometer südlich von Freiburg im Markgräflerland. Mit dem 1165 Meter hohen Hochblauen liegt die höchste Erhebung der Region teilweise auf dem Gebiet von Badenweiler.
Die Lage zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald, das milde Klima und die Thermalquellen machen Badenweiler zu einem überregional beliebten Ziel für Touristen und Kurgäste.
Geographie Lage Badenweiler liegt zwischen den Städten Freiburg im Breisgau und Basel, Schweiz (jeweils ca. 30–35 km entfernt) ca. fünf Kilometer östlich oberhalb von Müllheim am Fuße des Blauens (auch Hochblauen) im Markgräflerland, im Weilertal oberhalb des Klemmbachs.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Badenweiler gehören neben dem Hauptort Badenweiler die Ortsteile Lipburg-Sehringen (offiziell nur Lipburg) Oberweiler (bei der Gebietsreform in Baden-Württemberg 1975 nach Badenweiler eingegliedert) Schweighof
Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch die Voranstellung „Badenweiler“ und die mit Bindestrich verbundene Nachstellung des Eigennamens der Ortsteile mit Ausnahme des Ortsteils Oberweiler, welcher 1935 mit Badenweiler vereinigt wurde. Das Gebiet der drei Ortsteile ist identisch mit den bis zur Gemeindereform in den 1970er Jahren selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Im Zug dieser Reform wurden 1974 Lipburg-Sehringen und 1975 Schweighof eingemeindet. Die beiden Ortsteile Lipburg-Sehringen und Schweighof bilden Ortschaften im Sinn der baden-württembergischen Gemeindeordnung – mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorstand als Vorsitz.Hauptsatzung der Gemeinde Badenweiler in der Fassung vom Mai 2011 (.pdf) auf der Website der Gemeinde Badenweiler (gemeinde-badenweiler.de), aufgerufen am 17. November 2025
Zum Ortsteil Lipburg-Sehringen gehören die Dörfer Lipburg und Sehringen, ebenso die Wohnplätze Gipswerk und Haus Baden. Zum Ortsteil Schweighof gehören das Dorf Schweighof und die Höfe Forellenzucht und Guggenmühle. Im Ortsteil Lipburg befindet sich die abgegangene Ortschaft Grüneck.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2, S. 144–146
Das Ortsgebiet liegt mit seinen Grenzen zangenförmig um eine Zunge des Stadtgebiets von Müllheim herum (-> Niederweiler). Die Fläche der Gemeinde beträgt 13,023 km². Badenweilers Gemarkung besteht zu nahezu 90 % aus Wald, der Rest neben der Besiedlung aus Weinbergen, einigen Wiesen und Obstbaumbeständen.
Wappen der Ortsteile
Nachbarorte Im Westen liegt die Stadt Müllheim und im Norden deren Stadtteile Britzingen und Zunzingen, weiter östlich schließt Sulzburg an. Im Osten liegt Malsburg-Marzell und im Süden liegen Schliengens Ortsteile Schallsingen und Obereggenen. mini|zentriert|750px|Blick vom Vogesenblick an der Nordwestecke des Burgbergs der Burg Baden: Vogesen (Frankreich) auf der West-Seite der Rheinebene, Stadt Müllheim mit Teilort Niederweiler sowie Innerberg (rechts) und Ölberg (links)
Geologie mini|Karte Newenburg am Rhein (Neuenburg am Rhein) von Matthäus Merian aus der Topographia Germaniae, ca. 1660: Das Badwaßer von Badenweiler läuft durch die Stadt und das Niderthor bei der Mühl in den Rhein
Badenweiler liegt am Rande des südwestlichen Schwarzwalds, eines alten Gebirges. Es besteht aus einem Gneissockel mit Granit- und Porphyr-Anteilen. Der Ort liegt auf einem Hügel mit fruchtbarem Löss-Boden, als Überrest eines Schwemmlössgebiets eines Flusstals. Durch die geologische Aktivität bei der Entstehung des Grabenbruchs im oberen Rheintal und die damit verbundene im Boden noch vorhandene geothermische Aktivität sind einige Thermalquellen entstanden, unter anderem in Badenweiler, das ein Kurort ist, was die Römer schon zu schätzen wussten, weshalb sie hier eine römische Therme bauten.
Klima mini|Badenweiler von der Ruine Burg Baden aus, mit evangelischer Kirche und Teil des Hotels Römerbad rechts unten.
Badenweiler liegt klimatisch günstig, in einer warmen Luftströmung aus dem Südwesten; es ist gegen Osten durch die Berge des Schwarzwalds vom kalten Kontinentalklima abgeschirmt. Dies erlaubt den Anbau von Rebsorten wie Burgunder und Gutedel, die nur in dieser Umgebung in Deutschland vorkommen. In diesem fast mediterranen Klima gedeihen auch südländische Gewächse, die im Kurpark angepflanzt wurden; unter anderem ist Badenweiler einer der wenigen Orte Deutschlands, in denen festgepflanzte Palmen den Winter im Freien überstehen.
Geschichte Kelten und Römer mini|hochkant|Wappen Badenweiler, Zürcher Wappenrolle, ca. 1340 Die Römer eroberten die Gebiete östlich des Rheins bis an die Donau und den Main. Um das Jahr 70 begannen die Römer unter Kaiser Vespasian das Gebiet zu kultivieren und zu erschließen. Die zuvor hier lebenden Kelten wurden assimiliert. Die Römer erbauten einen Vicus in einer strategisch günstigen, erhabenen Lage mit Überblick über das Oberrheintal und aus klimatischen, gesundheitlichen und balneologischen Aspekten. Das Oberrheintal war damals ein ausgedehnter Auwald, mit unzähligen Seen und Tümpeln mit abgestandenem Wasser. Diese wurden nur bei Hochwasser des Fluvius Rhenus (Rhein) mit neuem Wasser gespeist. Die Seen und Tümpel waren voll von Stechmücken und das Klima war im Sommer in der Rheinebene schwülwarm. Die Römer wollten in ihren besetzten Gebieten gerne mit ihrer von zu Hause aus gewohnten Kultur umgeben sein. So gestalteten sie den Ort wie eine kleine römische Provinzstadt. Sie badeten gerne, aber die hiesigen Flüsse und Seen waren die meiste Zeit des Jahres dafür zu kalt. So benutzten sie die warmen Quellen, die im Oberrheingebiet vorhanden waren, und bauten hier unter anderem eine römische Badeanlage, die als Römerbadruine Badenweiler teilweise erhalten ist. An diese Thermen angeschlossen war ein Tempelbezirk, der der keltischen Fruchtbarkeitsgöttin Abnoba und ihrer römischen Entsprechung, der Jagdgöttin Diana, geweiht war. Die Grundmauern dieses Heiligtums wurden unter der heutigen evangelischen Pauluskirche nachgewiesen. Der in der nichtwissenschaftlichen Literatur zuweilen verwendete Name Aquae Villae ist eine moderne Wortschöpfung, für die es keinerlei Nachweis gibt.
Das Thermalbad wurde von Soldaten, Offizieren, Beamten, Händlern, Gutsherren und angesiedelten Veteranen besucht. Die Ziegel für den Bau des Bades wurden in einer Ziegelei vor Ort hergestellt. Die Veteranen wurden vom Senat oder Kaiser für ihre Dienste mit Grundstücken in den eroberten Gebieten beschenkt, damit diese umso schneller romanisiert wurden. Die Reste von römischen Bauten sind noch heute in diesem Gebiet zu besichtigen, die Villa Urbana in Heitersheim oder die römischen Badruinen in Badenweiler.
Alamannen und Franken Das hiesige Gebiet war ein Teil des rechtsrheinischen römischen Agri decumates (deutsch: „Zehntland“). Dieses Gebiet war durch den Rhein, die Donau und den nordöstlich gelegenen Limes abgegrenzt. Der Limes wurde um 100 von den Römern errichtet. Die Alamannen, ein Stamm der Germanen, eroberten um 230 das südliche rechtsrheinische Gebiet. Die Römer gaben Agri decumates auf und zogen sich 260 hinter den Rhein zurück. Dort errichteten sie den Donau-Iller-Rhein-Limes. Die verlassenen römischen Bauten wurden zerstört oder gerieten in Vergessenheit. Später bauten die Alamannen sogenannte Höhenburgen auf, um das Gebiet zu überwachen. Sie errichteten Gutshöfe und eine Verwaltung nach römischem Vorbild. Die Alamannen unternahmen oft Raubzüge vom ehemaligen Zehntland aus ins benachbarte römische Gallien. Sie wurden aber dabei von römischen Heeren abgewehrt. Erst 455 gelang es den Alamannen, von hier aus über den Rhein zu expandieren. Sie eroberten Teile der römischen Provinz Gallien. Es folgten Konflikte mit den Franken, welche nach Süden expandierten. Die Alamannen führten mit den Franken von 496 bis 507 einen Krieg. Die Franken errangen den entscheidenden Sieg bei Zülpich unter ihrem König Chlodwig I. Das alamannische Gebiet kam an das Frankenreich der Merowinger. Das Gebiet des späteren Markgräflerlandes und des Breisgaus wurde Besitz von fränkischen Adligen. Fränkische Adlige beschenkten um 775 verschiedene Klöster mit Grundbesitz aus diesem Gebiet unter anderem wegen des Seelenheils. Fränkische Adlige nahmen Badenweiler, damals noch unter seinem lateinischen Namen Aquae wieder in Besitz. Ab 774 sind im Lorscher Codex mehrere Schenkungen zugunsten des Klosters Lorsch in Willaner marca (Gemarkung Weiler) oder Wilere marca sowie in Lipburg urkundlich dokumentiert, unter anderem eine Basilika.Ortsliste zum Lorscher Codex, Weiler, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.Ortsliste zum Lorscher Codex, Lipburg, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. Zwischen 900 und 955 fielen die Ungarn in dieses Gebiet ein, es kam zu Verwüstungen und Plünderungen. Danach wurde das Gebiet von Gaugrafen verwaltet, welche der Kaiser einsetzte. Kaiser Otto I. hatte 962 vom abtrünnigen Gaugrafen Guntram aus dem Breisgau dessen hiesige Gebiete konfisziert. Otto I. vermachte sie an den Bischof Konrad aus Konstanz, welcher ein Welfe war. Dieser setzte für seine Güter einen Lehens-Meier ein. Als Vogt verwaltete er dieses Gebiet für seinen Bischof. Nach dem Tode Konrads 975 übernahmen die Dompröpste seiner Kirche seine Gebiete. Sie wurden damals Dompropsteigüter genannt. Im Jahr 1028 taucht der Name „Badenweiler“ im damaligen „deutsch“, noch ohne den Zusatz „Weiler“, erstmals in einer Akte des Kaisers Konrad II. aus dem Geschlecht der fränkischen Salier auf – einer Erlaubnis für das Bistum Basel, Mineralien wie Silber und Blei in und um Badenweiler abzubauen.
Zähringer Im 11. Jahrhundert eroberten die aus dem nördlichen Schwaben stammenden Herzöge von Zähringen viele Gebiete. Sie kamen unter anderem auch in den Besitz des heutigen Markgräflerlandes und des Breisgaus. Der bekannteste unter ihnen war der von 1078 bis 1111 regierende Berthold II. von Zähringen. In den Jahren 1075–1122 fand der Investiturstreit statt. Die Zähringer standen auf der siegreichen päpstlichen Seite. Sie konnten somit viele klösterliche und weltliche Besitze der Verlierer an sich bringen. Die hiesigen Gebiete der Zähringer wurden seit 1122 durch deren Vögte verwaltet. Diese residierten auf der Burg in Badenweiler. Die Zähringer Herrschaft von Badenweiler kam 1147 als Mitgift für die Prinzessin Clementia von Zähringen an Heinrich den Löwen, einem Welfen-Fürsten. Die Expansionsversuche der Hohenstaufer gefielen den Zähringern nicht. Sie gründeten 1175 die Stadt Neuenburg am Rhein, womit sie den Rheinübergang ins Elsass für sich gesichert hatten. Damit konnten sie von den fremden Benutzern des Rheinübergangs Tribut verlangen. Nach dem Tod Bertolds V. erlosch 1218 die männliche Linie der Zähringer, deren Gebiete an die Grafen von Freiburg fielen.
Staufer Der Staufer Kaiser Friedrich I. Barbarossa zwang den Welfen-Fürsten Heinrich den Löwen, diese Gebiete 1157 gegen Besitzungen im Harz zu tauschen. Damit kam die ehemalige Zähringer Herrschaft Badenweiler in den Besitz der Staufer. Die Staufer hatten unter anderem Besitzungen im benachbarten Elsass. Es war naheliegend, Verbindungen von diesem Gebiet ins Elsass zu schaffen. Nachdem die Staufer ausgestorben waren, kam deren Besitz Badenweiler 1268 an die Grafen von Freiburg.
Epoche verschiedener Adelsfamilien in Badenweiler mini|Badenweiler, Ansicht von Osten, Matthäus Merian, Topographia Suaviae, ca. 1650
Grafen von Freiburg mini|Burg Baden