Lippoldsweiler ist ein Pfarrdorf und seit 1971 ein Ortsteil der Gemeinde Auenwald im Rems-Murr-Kreis. Der Ort befindet sich auf 310 m ü. NN und liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Geographie Umliegende Ortschaften sind Rottmannsberg, Sechselberg, Ebersberg, Däfern, Hohnweiler, Bruch, Oberweissach und Unterbrüden (im Uhrzeigersinn).

Gliederung der Altgemeinde Bis zur Auflösung der Gemeinde 1971 gehörten zu Lippoldsweiler das gleichnamige Dorf, die Weiler Däfern, Hohnweiler und das Gehöft Sauerhof.

Auf dem Gebiet der Altgemeinde liegen die Wüstungen Badstuben, Däferner Sägmühle und Schnarrenberg.

Geschichte mini|Lippoldsweiler als Liebersweyler 1686 aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser|270x270px

Mittelalter Der Hauptort Lippoldsweiler wurde 1498 erstmals als Lupoltswyler erwähnt. Weitere historische Namensformen waren Lipoltzwyler (1528) und Liebersweyler (1685). Der Name geht auf einen Mann namens Luitpold zurück, der wahrscheinlich der Gründer oder Grundherr der Siedlung war. An die Wüstung Badstuben bei Lippoldsweiler erinnert heute noch die Badstraße.

Der Ortsteil Hohnweiler scheint etwas älter als Lippoldsweiler zu sein, denn der Ort erscheint 1426 als Heinwiler. Möglicherweise geht der Ortsname auf einen Personennamen zurück, eventuell auf Heinrich. Dafür spricht auch, dass Hohnweiler nicht auf einer Höhe liegt, sondern in einem Tal. Weitere Urkunden nennen den Ort Homwyler (1536) und Hanweyler (1685). Erst 1702 wurde der Ort Hohnweiler genannt. Bei Hohnweiler lag das abgegangene Schnarrenberg. mini|270x270px|Hanwyler (Hohnweiler) und Schnarrenberg Der Ortsname Däfern ist auf das lateinische Wort für Gasthaus („taberna“) zurückzuführen. Der Ortsname kommt auch andernorts vor, zum Beispiel Tawern, Bergzabern, Rheinzabern, Zabern. Alle diese Städte gingen aus römischen Siedlungen hervor. In der Antike konnte das Wort taberna auch noch andere Bedeutungen haben, zum Beispiel Hütte, Laden oder Werkstätte. Die Schreibweise des Ortsnamens Däfern wechselte in den Urbaren häufig (Tefern, Teffern, Deffern, Täfern, Teffers). Falls Däfern aus einer römischen Siedlung hervorgegangen ist, wäre der Ortsname ein Beweis für eine Anwesenheit gallorömischer Bevölkerung auch nach dem Limesfall. Die Däferner Sägmühle stand in der Tänisklinge südöstlich des Orts. Sie ging im 19. Jahrhundert ab.

Unter Herzog Ulrich von Württemberg wurde 1535 die Reformation eingeführt.

Lippoldsweiler war einst ein Weinbauort, jedoch hatte der Weinbau gegen Ende des 19. Jahrhunderts keine große Bedeutung mehr. Auf den Morgen kamen etwa 2800 Rebstöcke, die in niederen Lagen den Winter über bezogen wurden. Angepflanzt wurde hauptsächlich die Weißwein-Sorte Silvaner und die Rotwein-Sorte Trollinger. Der Wein wurde hauptsächlich nach Schwäbisch Gmünd, Backnang, Murrhardt und Sulzbach an der Murr verkauft.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 211. Durch die Reblaus und andere Schädlinge ist der Weinbau zu Grunde gegangen. Befallene Rebstöcke wurden herausgerissen und mussten unverzüglich verbrannt werden. Spätestens mit dem Ersten Weltkrieg ist der Weinbau in Lippoldsweiler verschwunden. Lediglich im Ortsteil Däfern konnten sich einige Weingärtner halten.

Lippoldsweiler und Hohnweiler gehörten zum Unteramt Ebersberg im Oberamt Backnang und seit 1938 zum Landkreis Backnang.

Im letzten Kriegsjahr 1945 wurde Lippoldsweiler am 20. April von Einheiten des 397. Regiments der 100. Infanteriedivision der US-Armee gegen 13 Uhr kampflos eingenommen. mini|Deffern (Däfern) am gegen Ende des 17. Jahrhunderts |270x270px Zur Gemeinde Lippoldsweiler gehörten vor der Gebietsreform in Baden-Württemberg das Dorf Lippoldsweiler, die Weiler Däfern und Hohnweiler und das Gehöft Sauerhof. Am 1. Januar 1971 wurde die Gemeinde Ebersberg mit dem Dorf Ebersberg und dem Schloss Ebersberg nach Lippoldsweiler eingemeindet. Am 1. Juli 1971 erfolgte die Vereinigung der Gemeinde Lippoldsweiler mit den Gemeinden Oberbrüden und Unterbrüden zur neuen Gemeinde Auenwald. Vor dem 1. Januar 1971 hatte die Gemeinde eine Fläche von 5,47 km².

Einwohnerentwicklung

1626: 178 1641: 28 1654: 39 1684: 99 1692: 137 1810: 251 1870: 856 1877: 346 (846 Einwohner mit Hohnweiler und Sauerhof, davon 8 Katholiken)Königlich Statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1877, S. 319. 1896: 814 (davon 11 Katholiken) 1939: 665 1950: 923 1961: 1095 1971: 1356 1981: 1978 1989: 2169 1991: 2273 1992: 2287 1995: 2375 2008: 2360

Religion mini|Evangelische Kirche

Evangelische Kirche Seit der Einführung der Reformation in Altwürttemberg 1535 ist Lippoldsweiler evangelisch geprägt. Der Ort gehörte lange kirchlich zu Unterweissach. 1864 wurde das Dorf von Unterweissach abgetrennt und bildete zusammen mit Sechselberg eine selbstständige Kirchengemeinde. Die zunächst namenlose Kirche in Hohnweiler wurde 1879 nach Plänen des Oberamtsbaumeisters Christian Hämmerle an der Hauptstraße errichtet. Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 erhielt sie ihren heutigen Namen Lutherkirche.

Neuapostolische Kirche In Lippoldsweiler ist die Neuapostolische Kirche mit einem Bethaus vertreten.

Politik

Schultheißen und Bürgermeister Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß für den Ortsvorsteher durch Bürgermeister ersetzt. 1810: Matthäus Schneider 1815: Adam ErbKöniglich Württembergisches Hof- und Staatshandbuch. J. F. Steinkopf, Stuttgart 1815, S. 319. 1826–1829: Grün 1829–1843: Stark 1843–1854: Degele 1854–1879: Georg Adam Mayer 1879–1906: Christian Gottlieb Heyd 1906–1922: Jakob Föll 1922: Gottlieb Laurösch (Amtsverweser) 1922–1937: Gottlob Baumann 1938: Wilhelm Schiefer (kommissarisch) 1938–1942: Karl Weckert 1942–1944: Hugo Schaufler 1945–1964: Wilhelm Schiefer 1964–1965: Eugen Schramm (kommissarisch) 1965–1971: Walter Schmitt

Wappen und Flagge alternativtext=Wappen von Lippoldsweiler|links|mini|154x154px|Ehemaliges Wappen von Lippoldsweiler Die Altgemeinde Lippoldsweiler führte ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.

Blasonierung: Auf goldenem (Gelben) Grund mittig ein grüner Balken, belegt mit drei goldenen (gelben) Birnen, begleitet von drei (2:1) roten Äpfeln.

Wappenbegründung: Die Äpfel und die Birnen stehen für den fruchtbaren Boden und für die Landwirtschaft in der Gemeinde, besonders für den Obstbau.

Die Farben der Gemeinde waren Gold-Rot (dargestellt als Gelb-Rot). Die Bannerflagge war gelb-rot gespalten mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.

Mit der Auflösung der Gemeinde Lippoldsweiler im Zuge der Gebietsreform 1971 ist das Wappen erloschen und wird nur noch von lokalen Bürgervereinen zur Traditionspflege genutzt.

Vereinsleben

Obst- und Gartenbauverein (OGV) Lippoldsweiler: Ziele des Vereins sind die Förderung der Gartenkultur, des Obstbaus, des Naturschutzes und die Verschönerung des Orts.

Persönlichkeiten

Mit Lippoldsweiler verbundene Personen Melchior Jäger von Gärtringen (1544–1611), Jurist und Geheimrat unter Herzog Ludwig von Württemberg, war Schlossherr auf Burg Ebersberg Franz Dinda (* 1983), Schauspieler, Autor und Künstler

Literatur Der Rems-Murr-Kreis. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-8062-0243-5

750 Jahre Auenwald 1245–1995. Gemeinde Auenwald, 1995

Einzelnachweise

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