Küßnach oder Küssnach ist ein Ortsteil der baden-württembergischen Gemeinde Küssaberg im Klettgau im Landkreis Waldshut. Das Wappen weist auf die ehemalige Bedeutung des Weinbaus hin. Der Ortsteil hatte 2022 137 Einwohner.

Geographie und Gliederung Küßnach liegt unterhalb der Küssaburg im Tal des hier noch Schlauchenbächle genannten Hinterbachs, der einst Küßach hieß. Zu Küßnach gehören der Alkenhof, der Hauackerhof, Markhof, Rohrhof und Stüdlehof mit einer Gemarkungsfläche von insgesamt 514 ha. Der Ort gehört heute zur Gemeinde Küssaberg, zählte jedoch jahrhundertelang zur ‚Urpfarrei‘ Hohentengen. Küßnach war historisch eng mit der Küssaburg verbunden. Ein Steig führt vom Dorf auf die Anhöhe mit der Burg.

Küßnach ist über einen Abzweig von der Landesstraße L 161 zwischen Bechtersbohl und Dangstetten zu erreichen.

(Siehe auch: Touristische Kurzbeschreibung)

mini|Die Burg vom Dorf Küßnach aus, 1908

Namensbildung Die Namen von Burg und Dorf sind „Komposita“ (zusammengesetzte Namen): Als Grundwort Küßnach – „mit -bach oder -ach/-a als zweite Komponente weist im Ursprung in die Völkerwanderungszeit oder noch früher. [...] Es wäre nicht sinnlos, dort mit keltischen Namen zu operieren.“Albrecht Greule: Gewässernamen im Landkreis Waldshut. 1984, S. 87/88.

Mit -ach als Endung (für ‚fließendes Gewässer‘) kommt es auf das Bezugswort an, das meist auf einen Familiennamen oder eine Person weist: Hier gelten Bezüge auf den Personennamen Kusso, im Genetiv Kussin. Germanisch: Kussinaha.

Erweitert um das Grundwort -berg ein dreigliedriges Kompositum: Kussin-ach-berg. Vereinfacht, indem das mittlere Glied schwindet: Kussinberg (vergleiche 1168 Chussenberc). 1216 Chussachperg und 1239 Kussaberg.Albrecht Greule: Gewässernamen im Landkreis Waldshut. 1984, S. 93/94.

Eine zweite Version leitet vom Personennamen ‚Cossinius‘ ab:

Heimatforschung Emil Müller-Ettikon: „Auf dem Küssenberg saß ein Kelte, der sich Cossinius nannte, ein Geschlechtername, der mehrfach bezeugt ist. Er gab auch dem Dorfe Küßnach den Namen. Die -ach kommt hier nicht von dem germanischen aha = ach, was fließendes Gewässer bedeutet […], sondern ist das keltische Suffix -akos, lateinisch akum, das den Besitz, die Zugehörigkeit zu einer Person ausdrückt.“Emil Müller-Ettikon: Was die Namen über die Entstehung der Siedlungen verraten. In: Der Klettgau. Hrsg.: Bürgermeister Franz Schmidt im Auftrag der Stadt Tiengen/Hochrhein, 1971, S. 61.

Jürgen Trumm (Archäologe), 2002: Bei den Ortsnamen nördlich des Hochrheins wird eine mögliche vordeutsche Herkunft vonseiten der Sprachwissenschaft lediglich für Gurtweil (curtis villa mit Bezug auf die römische Siedlungsstelle Schlößlebuck), Rafz und Küßnach gegenüber Zurzach diskutiert. Im letzteren Falle vermutet B. Boesch – wie bei Küßnacht am Zürichsee bzw. Küßnacht am Vierwaldstättersee – eine gallorömische Ortsbezeichnung mit der möglichen Ableitung von fundus Cossiniacus [Hof des Cossinius].Eine Gründung mit germanischem Ortsnamen, zusammengesetzt aus einem „Personennamen (z. B. ‚Chusso‘) und einem Gewässernamen mit dem Suffix -ach (für Wasser)“ schließt Trumm nicht aus. (J. Trumm: Die römerzeitliche Besiedlung am östlichen Hochrhein, Heft 63, Theiss Verlag, Stuttgart 2002, S. 224.) J. Trumm nennt dazu als Quellen u. a.: St. Sonderegger Die Ortsnamen, in: Ur- und frühgeschichtliche Archäologie der Schweiz. VI. Das Frühmittelalter, (Basel 1979), S. 70–96. und B. Boesch: Die Gewässernamen des Bodenseeraumes. Beitr. z. Namensforschung N. F. 16, 1981, S. 23–39. Die Forschung in der Schweizer Nachbarschaft unterstützt diese Deutung: „Der Name Küssnacht ist eine Bildung aus einem lateinischen Personennamen wie Cossinius, Cossonius, Cusin(n)ius oder ähnlich sowie der keltischen Ortsnamenendung -akos/-acum und bedeutet damit ‚Landgut des Cossinius‘. Damit geht der Ortsname in eine Zeit zurück, als die keltische Bevölkerung anfing, lateinische Personennamen zu verwenden.“ (Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 53 & 492. In: Jürgen Trumm: Die römerzeitliche Besiedlung am östlichen Hochrhein, 2002, S. 224.).

Weinbau Im 9. Jahrhundert (892) wird der Weinbau zu Küßnach und Bechtersbohl erwähnt:

Bezeugt ist der Weinbau auch wieder in einer Urkunde zu einer Schenkung an das Kloster Rheinau: „Johannes in dem Bach, Kaplan zu Tiengen, vergabte 1341 […] einen Weingarten bei Küßnach.“J. Hirt-Elmer: Die Bedeutung des Klosters Rheinau für den Klettgau. In: Der Klettgau. Hrsg.: Bürgermeister Franz Schmidt im Auftrag der Stadt Tiengen/Hochrhein, 1971, S. 112.

„Das Kloster Berau bezog 1711 an Zehntwein 20 Saum, 1 Eimer und 7 Maß. Der Saum Wein galt zu jener Zeit 5 Gulden 15 Kreuzer. Nach einer handgeschriebenen Chronik wuchs um den Küssenberg ein recht guter Tropfen.“ Die Reben im „Herrenwingert“ gehörten seit alters her zum Schloßgut, später zur bläsmischen [zum Kloster St. Blasien (Schwarzwald) gehörenden] Propstei Berau.

„Der Herrenwingert grenzte 1800 an Philipp Württemberger, des Müllers Sohn, an Xaver Ruch Witwe, Johann Hauser und Xaver Brem, Schneider.“Zitate aus: Die Chronik des Kreises Waldshut. Hrsg.: Landkreis Waldshut, Vorwort von Landrat Wilfried Schäfer. Bearbeitet von Hans Matt-Willmatt, Vocke-Verlag, Waldshut 1957, S. 58.

Die Maßordnung für Wein wurde 1829 im Großherzogtum Baden neu festgelegt: Fuder = 1500 Liter, Ohm = 150 Liter, Stütze = 15 Liter, Maß = 1,5 Liter. 1844 besaß Küssnach mit 73 Jauchert die viertgrößte Rebanbaufläche im Amtsbezirk Waldshut (nach Waldshut mit 155, Dogern 91 und Dangstetten mit 76 Jauchert). 1 Jauchert entspricht ca. 0,3 ha. In der Liste der Weinerträge wird Küßnach in diesem Zeitraum bei ca. 70.000 Litern gelegen haben. „Der Wein aus Homburg erzielte mit 21 Gulden (per Ohm) einen Spitzenwert vor Bechtersbohl, Küßnach und Wutöschingen mit je 17 Gulden.“Angaben und Zitat: Paul Eisenbeis: Als Waldshut noch eine bedeutende Rebgemeinde war. In: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein, Waldshut 1994, S. 38 f. 1870 hatte Küssnach noch eine Rebfläche von über 18 Hektar.Hans Matt-Willmatt, Die Küssaburg, Wahrzeichen der Landschaft In: Schöne Heimat am Hochrhein S. 12. 1967

Geschichte Da in Küßnach noch nie archäologische Untersuchungen stattfanden, sind keine frühgeschichtlichen oder auch römischen Befunde bekannt. Lediglich die Namensgebung lässt eine Besiedlung bereits in keltischer Zeit vermuten.

Frühzeit Der Hof des Chusso oder Cossinius hinten im Tal hatte raschen Zugang zum Berg und dort boten Wallanlagen mit Palisaden den Bewohnern Schutz. Die heutige Talstraße gab es damals noch nicht, denn der Bach war noch ein starkes Gewässer und in der Senke vor Dangstetten stand ein See. Die alten Wege von Küßnach führten nördlich des Tals zum Pass beim heutigen Bechtersbohl bzw. südlich am heutigen Dorf Dangstetten vorbei in Richtung Rheinheim zum römischen Legionslager und der alten Heeresstraße über den Hochrhein. Im Januar 2018 wurde in der Nähe der Ortschaft eine Münze mit einem Abbild des Kaisers Tiberius gefunden, die nach ersten Feststellungen 22 n. Chr. in Lugdunum (Lyon) geprägt wurde.

mini|hochkant=1.3|Burgberg vor der Klettgauebene, 1958

Mittelalter „Erstmals wird Küßnach [als Chüssach] in den Urkunden des Klosters Rheinau im Jahre 876 genannt. Damals schenkte Gaugraf Gotsbert den Ort mit allen Rechten an das Kloster. Im 12. Jahrhundert gehörte Küßnach zur Herrschaft Küssaburg. Während der nachfolgenden bischöflichen Herrschaft war Küßnach mit den Dorfschaften Dangstetten, Reckingen, Rheinheim und später Bechtersbohl unter der Bezeichnung ‚Küssenberg Schloß und Tal‘ zusammengefaßt. So kam das Dorf 1497 an Graf Rudolf und Wolf Hermann von Sulz.“Die Chronik des Kreises Waldshut. Hrsg.: Landkreis Waldshut, Vorwort von Landrat Wilfried Schäfer. Bearbeitet von Hans Matt-Willmatt, Vocke-Verlag, Waldshut 1957, S. 58.

Neuzeit 1633 wütete die Pest. Während der Zerstörung der Küssaburg traf es auch die Ortschaft: „Am 8. März wurde Küßnach ausgeraubt.“ Die Darstellung lässt offen, ob es sich um Schweden oder die abziehende kaiserliche Burgbesatzung gehandelt hat.K. Wernet: Der Dreissigjährige Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. In: Der Klettgau. Hrsg.: Franz Schmid im Auftrag der Stadt Tiengen (Hochrhein), 1971, S. 206.

Zwischen 1630 und 1750 erlebte der Bohnerzabbau im Klettgau seine größte Blüte. […] Das beste und meiste Bohnerz vom gesamten Vorkommen im Klettgau lieferte der sogenannte „Erzkessel“ von Küßnach.Franz Falkenstein: Vom Bohnerz im Klettgau und dem Erzkessel von Küßnach. In: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e. V., Waldshut 2002, S. 139 f.

Historische Einwohnerschaft „In einer Zinsaufstellung von Oberlauchringen erscheinen zwischen 1666 und 1670 die Geschlechter Würtenberger, Wagemann, Sutter, Trüllinger, Burkhardt, Schäuble, Meyenhofer, darunter Mathis Wagemann, der Wilde genannt.“

mini|Der Alkenhof 2018 Der Alkenhof hieß „früher Halkheimer Hof“ und war „bis in das 16. Jahrhundert eigene Gemarkung mit Zwing und Bann und Herrengut, das an Hofmayer verliehen wurde, (dann Gemarkung Küßnach).“ 1444 Bilgeri von Heudorf Inhaber der Vogtei ‚Halkhen‘, seit 1435 Vogt des Konstanzer Bischofs auf der Küssaburg, verkauft diese an den Waldshuter Bürger Hans Gujahr, Junker (zum Geschlecht derer von Ofteringen gehörend). 1504 war Hans Hartmann Meier auf dem Alkenhof. 1505 verkaufte Hans Ulrich Gutjahr, Schultheiß zu Waldshut, den Alkenhof an Heine Trüllinger und Theißmann Würtenberger von Küßnach. 1575 werden Ulrich und Klaus Wagemann und Martin Theißmann als Hofmeier erwähnt. Um 1800 die Würtenberger (Anton und Xaver Würtenberger) als Bauern auf dem Alkenhof erwähnt. 1898 wurde der Alkenhof vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Waldshut erkauft, an die Zuchtgenossenschaft Waldshut verpachtet und 1899 die Weide eröffnet (damals Hofbesitzer Karl Gantert von Horheim, vor ihm ein Lienemann); zur Sommerviehweide 1914 Fohlenweide. 1913 an das Geschlecht Amann von Birkingen, das 1938 das Hofgut von der Bad. Landessiedlung Karlsruhe erkaufte. Damals noch 47 Hektar.Brigitte Matt-Willmatt in Hubert Matt-Willmatt, Klaus Isele: Die Würtenberger. Edition Klaus Isele, Waldshut 1986, S. 269. Gegenwärtig im Besitz von Werner Röck.

20. Jahrhundert 1909 und 1956 bewirkte das Schlauchenbächle „schwere Hochwasserschäden.“ Im Weltkrieg 1914–18 fielen 7 Küßnacher. Der Weltkrieg 1939–45 forderte 7 Gefallene und 6 Vermisste. 1955 wurde die neue Küßnacher Schule fertiggestellt.

Am 1. Januar 1973 wurde Küßnach in die neue Gemeinde Küssaberg eingegliedert..

Gegenwart Heute gibt es in der vorwiegenden Wohngemeinde noch Landwirtschaft, einen Pferdehof und die überorts bekannte, traditionelle Gaststätte Küssaberg. Ein vorindustrielles Denkmal der Bergbaugeschichte ist der Erzkessel von Küßnach. Saisonal gibt es Führungen zur Orchideenwiese.

Religion mini|Die St.-Antonius-Kapelle in Küßnach

Die „Urkirche“ von Hohentengen, deren Fundamente nach dem Kirchenbrand von 1954 gefunden wurden, reicht in die Zeit der Karolinger, sicher schon ins 9. Jahrhundert zurück. Zur „Urpfarrei Thengen“ gehörten „mindestens 16 Gemeinden links und rechts des Rheines“, darunter auch „Küssnach einschließlich des Küssenberges.“ Bis auf die vier umliegenden Dörfer von Hohentengen „schieden im Lauf der Zeit alle andern Gemeinden aus der Pfarrei aus, zuletzt Küssnach 1966.“ Nach Herbert Fuchs sen. war der Grund dafür die „Staatliche Schulreform 1965.“Herbert Fuchs sen., Hohentengen: Die Kirche unserer lieben Frau von Hohentengen. In: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein, Waldshut 2002, S. 93 ff. Bis 1927 wurden auch die Verstorbenen in Küßnach in Hohentengen beigesetzt.