mini|Ulla Hahn (2004)
Ulla Hahn (* 30. April 1945Als Geburtsjahr oft irrtümlich 1946 angegeben; s. hierzu Lebensdaten in der DNB und RP Online: Artikel über Ulla Hahn mit Angabe ihres Alters Ende 2014 in Brachthausen, heute Kirchhundem im Sauerland) ist eine deutsche Schriftstellerin und Herausgeberin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der Gegenwart.
Leben Ulla Hahn wuchs mit ihrem Bruder in Monheim am Rhein auf. Nach dem Realschulabschluss und einer Ausbildung zur Bürokauffrau holte Hahn 1964 ihr Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg nach. Anschließend studierte sie Germanistik, Soziologie und Geschichte an der Universität zu Köln. 1978 wurde sie mit der Dissertation Die Entwicklungstendenzen in der westdeutschen und sozialistischen Literatur der sechziger JahrePubliziert als: Datensatz zur Dissertation bei der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 4. August 2017. zum Dr. phil. promoviert. Hahn arbeitete als Journalistin – unter anderem im Ressort für Literatur von Radio Bremen – und ab 1978 als Lehrbeauftragte an den Universitäten Bremen, Hamburg und Oldenburg. Sie war zeitweise Mitglied in der Deutschen Kommunistischen Partei.
Nachdem Hahn erste Gedichte bereits Anfang der 1970er Jahre veröffentlicht hatte, setzte sich Marcel Reich-Ranicki im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse 1981 für ihre Werke ein.literaturkritik.de Der Lyrikband Herz über Kopf wurde zum Bestseller, bis 1983 erreichte er eine Auflage von 18.000 Exemplaren. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung würdigte später das „artistische Furioso im Spiel mit der literarischen Tradition“ der Schriftstellerin, während Die Zeit einen „zu offensichtlichen Gestaltungswillen“ monierte. Als Stipendiatin der Villa Massimo arbeitete sie an ihrem zweiten Band Spielende. In den folgenden Jahren veröffentlichte Hahn Freudenfeuer sowie Unerhörte Nähe, wobei insbesondere der letztgenannte Band von den Kritikern gemischt beurteilt wurde. Hahn war auch selbst als Literaturkritikerin tätig. 1991 legte sie ihren ersten Roman Ein Mann im Haus vor, den die Kritik überwiegend ablehnte. Susanne Baackmann sah in dem Text einen Bezug zu der Erzählung Undine geht (1961) aus dem Erzählband Das dreißigste Jahr und dem Roman Malina von Ingeborg Bachmann.
Hahn widmete sich anschließend wieder der Lyrik und gab erst zehn Jahre später ihren zweiten Roman mit dem Titel Das verborgene Wort heraus. Dieser wurde von vielen Lesern positiv beurteilt, unter anderem attestierte die Neue Zürcher Zeitung der Autorin ein „großes erzählerisches Talent“. Im Gegensatz dazu kritisierte Marcel Reich-Ranicki das Werk im Literarischen Quartett, was Hahn als „Hasstirade“ und „offensichtlichen Vernichtungsversuch“ beurteilte. Die Handlung des Romans dreht sich um ein Mädchen, das aus der Enge des Elternhauses in die Welt der Literatur flieht. Hier wie auch in den Fortsetzungen Aufbruch und Spiel der Zeit sind autobiografische Züge zu erkennen. Mit dem 2017 erschienenen Buch Wir werden erwartet wurde der Romanzyklus abgeschlossen.Ulla Hahns Suche nach der eigenen Stimme, NDR, 29. August 2017.
Hahn ist seit 1987 Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg und des PEN-Zentrums Deutschland. Sie unterzeichnete den sogenannten „Appell der 33“, der von der Zeitschrift Emma nach der Bundestagswahl 2005 ins Leben gerufen wurde und einen fairen Umgang mit dem Wahlergebnis forderte. Nach Hahn ist der seit 2012 alle zwei Jahre vergebene Ulla-Hahn-Autorenpreis der Stadt Monheim am Rhein benannt. 2013 wurde in ihrem Elternhaus das Ulla-Hahn-Haus eröffnet, das sich der Kinder- und Jugendkultur mit Schwerpunkt der Sprach- und Leseförderung widmet.
Hahn war mehrere Jahre mit dem Autor Peter Schütt liiert. Sie lebt in Hamburg und ist seit 1996 mit Klaus von Dohnanyi verheiratet. Seit einem Schlaganfall 2023 und fünfmonatiger stationärer Behandlung tritt sie nur noch selten auf.
Auszeichnungen mini|Ulla Hahn auf dem Erlanger Poetenfest (2009) 1981: Leonce-und-Lena-Preis für den souveränden Umgang mit der lyrischen Tradition 1981: Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 1982/1983: Villa-Massimo-Stipendium 1984: Stipendium vom Märkischen Kreis 1985: Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg 1985: Märkisches Stipendium für Literatur 1986: Roswitha-Preisauf bad-gandersheim.de ganz unten Liste aller Preisträger als PDF abgerufen am 24. Februar 2020. 1987/88: Stadtschreiberin von Bergen-EnkheimListe aller Stadtschreiber/innen auf Frankfurt.de abgerufen am 24. Feb. 2020. 1990: Bundesverdienstkreuz am Bande 1994: Cicero-Rednerpreis 2002: Deutscher Bücherpreis 2006: Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis 2006: Hertha-Koenig-Literaturpreis 2010: Ida-Dehmel-Literaturpreis 2010: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen 2011: Ehrendoktorwürde der Neuphilologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2013: Ehrenmitgliedschaft der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft 2018: Hannelore-Greve-Literaturpreis 2022: Joseph-Breitbach-Poetik-Dozentur
Werke mini|hochkant|So offen die Welt (2004) Lyrik
Prosa Literatur in der Aktion. Zur Entwicklung operativer Literaturformen in der Bundesrepublik (= Athenaion-Literaturwissenschaft. Band 9). Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 1978, ISBN 3-7997-0689-5 (zugleich Dissertation an der Universität Hamburg, Fachbereich Sprachwissenschaft 1978, unter dem Titel: Entwicklungstendenzen in der westdeutschen demokratischen und sozialistischen Literatur der sechziger Jahre).
Herausgaben mit Michael Töteberg: Günter Wallraff. 1979.
Stadtbibliothek Köln (Hrsg.): Ulla Hahn »…wie die Steine am Rhein«. Über Geborgenheit, Heimat und Sprache (= lik. Band 6). Ausgewählt, zusammengestellt und bearbeitet von Gabriele Ewenz. 2021.
Literatur
Boris Hoge: Deutsche Täter, russische Opfer und Strategien der Verunklärung in Ulla Hahns „Unscharfe Bilder“. In: Boris Hoge: Schreiben über Russland. Die Konstruktion von Raum, Geschichte und kultureller Identität in deutschen Erzähltexten seit 1989. Winter, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8253-6133-4, S. 174–208. Stefan Neuhaus (Hrsg.): Mit Haut und Haar. Die Lyrik und Poetik Ulla Hahns (= Dynamiken der Vermittlung. Koblenzer Studien zur Germanistik. Band 7). Tectum, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-8288-4799-6. Waltraud Nottbohm: Religiöse Bildwelten: Eine interpretationsphilosophische Untersuchung zur Lyrik Ulla Hahns. LIT Verlag, Berlin/Münster 2010, ISBN 978-3-643-10335-2. Zugleich Dissertation Universität Hildesheim, 2009. Hahn, Ulla. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 443.
Vertonungen Kunstkopf: Schön und unnütz. Lieder zu zeitgenössischer Lyrik. Aulos-Schallplattenverlag, Viersen-Dülken 1987, AUL 53599. Das Album des Herdecker Trios Heidrun Reymann (Gesang), Siegfried Hiltmann (Saxophon, Flöte, Klarinette) und Ulrich Heimann (Gitarre) enthält unter anderem Sonnenwind aus Freudenfeuer (Stuttgart 1985), Bildlich gesprochen, Vorm Abschied und Angstlied aus Herz über Kopf (Stuttgart 1981).
Weblinks
Ulla Hahn im Stadtschreiberarchiv Bergen-Enkheim
Einzelnachweise
⚭Ulla
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Lyrik Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland Kategorie:DKP-Mitglied Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Schriftsteller (Hamburg) Kategorie:Klaus von Dohnanyi Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Frau