Der Landkreis Spree-Neiße (, amtlich Landkreis Spree-Neiße/Wokrejs Sprjewja-Nysa)Hauptsatzung des Landkreises Spree-Neiße vom 8. Oktober 2025. § 1 (Name, Gebiet, Kreissitz), Absatz 1. (PDF; 670 kB). ist ein Landkreis im Südosten des Landes Brandenburg. Sitz der Kreisverwaltung ist die Stadt Forst (Lausitz).
Geografie Der Landkreis Spree-Neiße liegt in der Niederlausitz und umschließt die kreisfreie Stadt Cottbus vollständig (Kragenkreis). Im Kreisgebiet liegen Teile des Oberspreewaldes im Nordwesten, die Lieberoser Heide im Norden und der Muskauer Faltenbogen im Südosten. Nachbarkreise sind im Norden der Landkreis Oder-Spree, im Osten die Republik Polen mit den Landkreisen Krosno und Żary, im Süden die sächsischen Landkreise Görlitz und Bautzen, im Westen der Landkreis Oberspreewald-Lausitz und im Nordwesten der Landkreis Dahme-Spreewald. Der Landkreis Spree-Neiße ist der östlichste Landkreis Brandenburgs.
Geschichte Der Landkreis Spree-Neiße entstand am 6. Dezember 1993 im Zuge der Kreisreform in Brandenburg aus den Landkreisen Cottbus, Guben, Forst und Spremberg. Der Landkreis Guben, in dem eine Fusion mit dem Landkreis Eisenhüttenstadt und der damals kreisfreien Stadt Eisenhüttenstadt bevorzugt wurde, legte Verfassungsbeschwerde gegen die Kreisreform ein, die jedoch abgelehnt wurde.
Im Rahmen der Gemeindegebietsreform 2003 musste der Landkreis gegen seinen erklärten Willen die Gemeinden Gallinchen, Groß Gaglow und Kiekebusch (vorher Amt Neuhausen/Spree) zur Eingemeindung an die Stadt Cottbus abtreten. Nach dem Willen der Landesregierung sollten gleichzeitig die restlichen Gemeinden dieses Amtes zur amtsfreien Gemeinde Neuhausen/Spree zusammengeschlossen werden. Aufgrund von Formfehlern wurde dieser Zusammenschluss erst mit Wirkung vom 19. September 2004 wirksam.
Bei der für 2019 geplanten Verwaltungsstrukturreform in Brandenburg sollte der Landkreis Spree-Neiße nach einem im Oktober 2016 vorgelegten Entwurf der Landesregierung mit den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz sowie der kreisfreien Stadt Cottbus in einem neuen Landkreis Niederlausitz zusammengeschlossen werden. Nach Kritik an den Plänen wurde im Juli 2017 ein Gesetzentwurf vorgestellt, der eine Fusion des Landkreises Spree-Neiße mit der Stadt Cottbus zu einem neuen Landkreis Cottbus-Spree-Neiße vorsah. Nach heftigen Protesten auf kommunaler Ebene wurden die Pläne zur Verwaltungsstrukturreform im November 2017 wieder verworfen.
Gemeinden Seit der Auflösung der Gemeinde Hornow-Wadelsdorf am 1. Januar 2016 umfasst der Landkreis Spree-Neiße noch 29 Gemeinden, darunter sieben Städte. Nach der amtlichen Feststellung 2016 waren 20 Gemeinden und zwei weitere Ortsteile von ansonsten deutschsprachigen Städten oder Gemeinden offiziell zweisprachig (Deutsch, Niedersorbisch).MWFK: , abgerufen am 7. Dezember 2016.
(Einwohner am )
Amtsfreie Städte Drebkau – Drjowk () Forst (Lausitz) – Baršć () Guben () Spremberg – Grodk () Welzow – Wjelcej () Weitere amtsfreie Gemeinden Kolkwitz – Gołkojce () Neuhausen/Spree – Kopańce () Schenkendöbern () Ämter und zugehörige Gemeinden ¹ Gemeinde führt keinen amtlichen sorbischen Namen, hat aber einen zweisprachigen Ortsteil 1. Amt Burg (Spreewald) – Amt Bórkowy (Błota) () Briesen – Brjazyna () Burg (Spreewald) – Bórkowy (Błota) () Dissen-Striesow – Dešno-Strjažow () Guhrow – Góry () Schmogrow-Fehrow – Smogorjow-Prjawoz () Werben – Wjerbno () 2. Amt Döbern-Land – Amt Derbno-kraj () (Amtssitz: Döbern) Döbern – Derbno, Stadt () Felixsee – Feliksowy Jazor¹ () Groß Schacksdorf-Simmersdorf () Jämlitz-Klein Düben () Neiße-Malxetal – Dolina Nyse a Małkse¹ () Tschernitz – Cersk () Wiesengrund – Łukojce ()3. Amt Peitz – Amt Picnjo () Drachhausen – Hochoza () Drehnow – Drjenow () Heinersbrück – Móst () Jänschwalde – Janšojce () Peitz – Picnjo, Stadt () Tauer – Turjej () Teichland – Gatojce () Turnow-Preilack – Turnow-Pśiłuk ()
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1993 152.241 1995 153.493 2000 153.827 2005 136.896 2010 126.400 2015 117.635 Jahr Einwohner 2020 113.011 2021 111.955 2022 111.083 2023 110.580 2024 109.635 2025 108.574
Gebietsstand und Einwohnerzahl am 31. Dezember des jeweiligen JahresHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße. S. 8–9Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 1, A II 4. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg. (jeweilige Ausgaben des 4. Quartals), von 2011 bis 2021 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Durch die Gemeindegebietsreform vom 26. Oktober 2003 verlor der Kreis etwa 5300 Einwohner an Cottbus.
Politik Kreistag
Die 50 Sitze im Kreistag verteilen sich seit der Wahl vom 9. Juni 2024 wie folgt auf Parteien und Wählergruppen:Ergebnisse Kreistagswahl Landkreis Spree-Neiße 2024 Partei/Wählergruppe Ergebnis2024 Sitze2024 Ergebnis2019 Sitze2019 Ergebnis2014 Sitze2014 Ergebnis2008 Sitze2008 Ergebnis2003 Sitze2003 Ergebnis1998 Sitze1998 AfD 38,2 % 19 26,5 % 13 1,8 % 1 – – – – – – CDU 20,1 % 10 20,5 % 10 29,5 % 15 23,7 % 12 35,9 % 18 28,3 % 16 SPD 13,0 % 6 15,0 % 8 20,9 % 10 23,0 % 11 20,7 % 11 34,6 % 19 Die Linke (bis 2007 PDS) 6,8 % 3 12,3 % 6 17,7 % 9 21,8 % 11 20,1 % 10 20,3 % 11 Unabhängige Wählergemeinschaft Spree-Neiße 5,4 % 3 5,4 % 3 – – – – – – – – BVB/Freie Wähler (bis 2009 BVB/50Plus) 5,3 % 3 3,1 % 2 2,9 % 2 0,8 % – – – – – FDP 3,3 % 2 4,9 % 3 6,8 % 3 9,1 % 5 7,8 % 4 3,8 % 2 Bündnis 90/Die Grünen 2,1 % 1 4,6 % 2 2,3 % 1 1,8 % 1 1,7 % 1 2,4 % 1 Mittelstandsinitiative Brandenburg 1,6 % 1 – – – – – – – – – – Wählergruppe Landwirtschaft und Umwelt 1,5 % 1 1,9 % 1 2,2 % 1 1,9 % 1 2,0 % 1 1,3 % 1 Gruppe Unabhängige Bürger Spree-Neiße 1,3 % 1 2,4 % 1 1,5 % 1 2,7 % 1 2,7 % 1 – – Die PARTEI 0,7 % – – – – – – – – – – – Wählergemeinschaft Gemeinsam für Guben 0,5 % – – – – – – – – – – – Bürger für die Lausitz – Klinger Runde – – 2,3 % 1 3,7 % 2 4,8 % 2 – – – – NPD – – – – 4,4 % 2 4,0 % 2 – – – – Spremberger Bürgerinitiative SPB – – – – 1,3 % 1 – – – – – – Vereinte Sozialgemeinschaft – – – – 0,9 % 1 1,8 % 1 2,6 % 1 1,2 % 1 Wählergemeinschaft Turnow-Preilack – – – – – – 1,4 % 1 1,5 % 1 – – Wählergemeinschaft Spremberg-Land – – – – – – 1,4 % 1 – – – – DSU – – – – – – 1,3 % 1 2,6 % 1 3,7 % 2 Einzelbewerber Eberhard Müller – – – – – – 0,5 % – 0,6 % – – – Schill-Partei – – – – – – – – 1,6 % 1 – – Einzelbewerberin Nonka Schupp – – – – – – – – 0,2 % – – – BürgerBündnis freier Wähler – – – – – – – – – – 3,1 % 2 Wählergruppe Alternative Spree-Neiße – – – – – – – – – – 1,0 % 1 Einzelbewerberin Cornelia Schulz – – – – – – – – – – 0,3 % – Wahlbeteiligung 67,6 % 60,8 % 48,8 % 53,9 % 44,2 % 78,4 %
Bei der konstituierenden Sitzung des Kreistages wurden zunächst folgende Fraktionen gebildet: Die Linke (3 Sitze), SPD (7 Sitze), Freie Bürger (Bündnis 90/Die Grünen, BVB/Freie Wähler, FDP und GUB-SPN; 7 Sitze), CDU/Landwirtschaft und Umwelt (11 Sitze) und AfD (19 Sitze); drei Kreistagsabgeordnete sind fraktionslos. Ein für die Unabhängige Wählergemeinschaft Spree-Neiße gewählter Abgeordneter hatte sich der SPD-Fraktion angeschlossen. Im September 2024 bildeten die beiden verbliebenen Abgeordneten der UWG die gleichnamige Fraktion, im November 2024 schloss sich der Kreistagsabgeordnete der Mittelstandsinitiative Brandenburg der Fraktion Freie Bürger an, die seitdem über acht Sitze verfügt.Kreistag Spree-Neiße. Bürgerinformationssystem, abgerufen am 10. März 2026.
mini|Sitz der Kreisverwaltung und des Kreistages Sitz des Kreistages ist die ehemalige Tuchfabrik Cattien in Forst.
Landrat 1994–2010: Dieter Friese (SPD) 2010–2026: Harald Altekrüger (CDU) seit 2026: Martin Heusler (CDU)
Altekrüger unterlag in der Landratsstichwahl am 24. Januar 2010 seinem Mitbewerber Dieter Friese (SPD), der 51,3 % der gültigen Stimmen erreichte. Allerdings verfehlte Friese durch die geringe Wahlbeteiligung von 26,4 % das erforderliche Quorum von 15 % der Wahlberechtigten. Infolgedessen hatte entsprechend § 72 (3) des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes der Kreistag zu entscheiden. Im Vorfeld der Wahl durch den Kreistag entzog die SPD Friese die Unterstützung und stellte stattdessen einen anderen Kandidaten auf. Am 19. April 2010 wählten die Kreistagsabgeordneten im zweiten Wahlgang Harald Altekrüger für eine Amtszeit von acht Jahren§ 126 der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg zum Landrat. Dieter Friese war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden.Neuer SPN-Landrat heißt Harald Altekrüger. In: Amtsblatt für den Landkreis Spree-Neiße. Landkreis Spree-Neiße, Mai 2010, S. 2. Abgerufen am 22. März 2026. Bei der Landratsstichwahl am 6. Mai 2018 wurde Altekrüger mit 60,8 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt.Landratswahl 2018 – Stichwahl. Landkreis Spree-Neiße, Mai 2018, abgerufen am 22. März 2026. Zur Wahl 2026 trat Altekrüger nicht mehr an.
Bei der Landratsstichwahl am 22. März 2026 wurde Martin Heusler mit 51,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren zum neuen Landrat gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,7 %.Wahl der Landrätin / Wahl des Landrates – Stichwahl. Wahlleiter des Landes Brandenburg, abgerufen am 22. März 2026. Er ist seit dem 10. Mai 2026 im Amt.
Der Landrat ist stimmberechtigtes Mitglied des Kreistages.
Wappen, Flagge und Dienstsiegel Der Landkreis Spree-Neiße führt Wappen, Flagge und Dienstsiegel. Der Innenminister des Landes Brandenburg genehmigte das Wappen am 6. September 1995, die Flagge im Jahre 1997.
Wappenbeschreibung „Gevierteilt; oben vorn in Silber ein aufrechter roter Krebs, hinten in Rot ein steigender, doppelt geschwänzter, gekrönter silberner Löwe; unten vorn in Blau eine dreiblättrige goldene Krone, hinten in Gold eine aufgerichtete, nach außen gebogene rote Hirschstange mit vier Enden und kleeblattförmiger Rose.“BLHA: Wappen des Landkreises Spree-NeißeHauptsatzung des Landkreises Spree-Neiße vom 8. Oktober 2025. § 2 (Wappen, Dienstsiegel, Flagge).
Flaggenbeschreibung „Geviert von Rot und Weiß, mit dem in der Mitte aufgelegten Kreiswappen.“
Dienstsiegel „Der Landkreis Spree-Neiße führt folgendes Dienstsiegel: In der Mitte das Wappen des Landkreises Spree-Neiße und als Umschrift, Landkreis Spree-Neiße, Der Landrat.“
Die Wappen der Ämter, Städte und Gemeinden des Landkreises befinden sich unter der Liste der Wappen im Landkreis Spree-Neiße, die Flaggen unter der Liste der Flaggen im Landkreis Spree-Neiße.
Partnerkreise Der Landkreis Spree-Neiße unterhält Partnerschaften mit folgenden Landkreisen: East Lothian, Vereinigtes Königreich, seit 1999 Regional District of Kootenay Boundary, Kanada, seit 1999 Powiat Krośnieński (Krosno Odrzańskie), Polen, seit 2000 Powiat Zielonogórski, Polen, seit 2002 Powiat Żarski, Polen, seit 2011 Oblast Kursk, Russland, seit 2017
Der Landkreis Spree-Neiße pflegt bereits seit 1998 Partnerschaften mit Landkreisen anderer Länder. Hauptzweck der Partnerschaften ist es, den Bürgern des Landkreises durch vielseitige Projekte und persönliche Begegnungen mit den Partnerregionen die Gelegenheit zu geben, andere Kulturen kennen und verstehen zu lernen, Grenzen zwischen Völkern abzubauen und auf diesem Wege ein tolerantes Miteinander zu fördern.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Kraftwerk Jänschwalde Im Land Brandenburg zählt der Landkreis Spree-Neiße zu den industriellen Ballungsgebieten. Die Wirtschaftsstruktur ist traditionell durch die Braunkohle- und Energiewirtschaft geprägt. Aber auch die Kunststoff- und Chemieindustrie, die Ernährungswirtschaft, die Metallbearbeitung sowie die Papier-, Bau- und Baustoffindustrie sind als zukunftsfähige Branchen vorhanden. Bedeutende Industrie- und Gewerbegebiete befinden sich in den Städten Spremberg (Regionaler Wachstumskern), Forst (Lausitz), Guben und Welzow.