Die Königsallee, kurz Kö genannt, ist ein in nordsüdlicher Richtung verlaufender Boulevard im Stadtzentrum von Düsseldorf. Die Kö ist eine der führenden Luxuseinkaufsstraßen Europas. Charakteristisch für ihre Gestaltung sind der Stadtgraben (auch Kö-Graben genannt) und der eindrucksvolle Baumbestand. Mit fast durchgehend 87 Metern ist sie, von Haus- zu Hausfassade gemessen, die breiteste Straße Deutschlands. Statt der gewohnten zwei hat sie vier Gehwege – zwei an den Seiten des Grabens und je einen entlang der Häuserzeilen. Die westliche, traditionell weniger begangene Seite mit – im Nordteil – nur wenigen Läden wird auch als „Bankenseite“ oder „stille Seite“ bezeichnet.
Auf der östlichen Straßenseite mündet am Kö-Center die nur kurze „Königstraße“ ein.
Im Juli 2026 beschloss der Stadtrat eine weitgehende Umgestaltung beider Seiten der Königsallee, frühester voraussichtlicher Baubeginn 2029.Alexander Esch: Stadtrat beschließt Umbau der Königsallee. In: Rheinische Post, 18. Juli 2026, S. C1.
Lage und Umgebung Die Allee liegt östlich der Düsseldorfer Altstadt und Carlstadt. Sie war bis zur Schleifung der Festungsanlagen deren Bestandteil. Die dadurch freigewordenen Flächen wurden als „Grüner Ring“ um die Innenstadt gestaltet und schließen sich an die Königsallee an. Im Norden ist dies der Hofgarten und im Süd-Westen der Graf-Adolf-Platz, bzw. der Ständehauspark. Die Hausnummern beginnen mit der Zählung am Hofgarten und enden an der Luisenstraße. Der letzte Teil zwischen Graf-Adolf-Straße und Luisenstraße, auch „Kleine Kö“ genannt, ist durch die stark befahrene Graf-Adolf-Straße von der eigentlichen Königsallee abgetrennt. Alle Erwägungen, dieses Straßenstück für die Fußgänger besser anzubinden und damit für die dortigen Geschäftsinhaber lukrativer zu gestalten, beispielsweise durch eine Überführung, wurden letztlich wieder verworfen.
Geschichte Historische Entwicklung mini|links|Blick auf den Bergisch-Märkischen Bahnhof und Pferde-Straßenbahnverkehr, Arthur Nikutowski (1886) Der Friede von Lunéville des Jahres 1801, in dessen Artikel VI sich das Heilige Römische Reich gegenüber Frankreich verpflichtete, die Festung Düsseldorf nicht wiederherzustellen, schuf die Voraussetzung zum Bau der Königsallee. In den Jahren 1802 bis 1804 ersetzten Hofbaumeister Kaspar Anton Huschberger, Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe und der Wasserbaumeister Wilhelm Gottlieb Bauer die demolierten Festungsbauwerke durch einen Stadtgraben, der über 30 Meter breit, 5 Meter tief und fast 1000 Meter lang angelegt wurde. Der ihn speisende Tritonenbrunnen bezieht sein Wasser aus der Düssel. Als öffentliche Promenade, mit mehreren Reihen von Bäumen angelegt, wurde diese an der östlichen Stadtgrenze befindliche Straße in Plänen als „Allee außerhalb der Stadt“ bezeichnet. mini|links|Königsallee bei Nacht Zwei Brücken über den Stadtgraben waren mit Zoll-Häuschen versehen, um entsprechende Zölle einzunehmen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts endete die Königsallee im Süden kurz hinter der Bahnstraße. Noch 1890 lag nach dem Eckhaus der Allee Nr. 47–49 mit der Bahnstraße nur noch das Gebäude Nr. 52 des Eisenbahnbetriebsamtes im Bereich der späteren Kreuzung mit der Graf-Adolf-Straße.In: Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. II. Theil, 2. Übersicht. 1890, S. 141. An diesem Südende der Königsallee befand sich ab 1838 der Bahnhof der ersten Eisenbahnstrecke in Westdeutschland, der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn-Gesellschaft, daher auch Elberfelder Bahnhof genannt. Die Teilstrecke zwischen Düsseldorf und Erkrath wurde am 20. Dezember 1838 eröffnet. Der Bahnhof wurde von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommen (dann auch Bergisch-Märkischer Bahnhof genannt). Ab 1845 bzw. 1846 betrieb die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft hier ebenfalls einen Bahnhof. Ab 1876 begann an diesem Knotenpunkt, am späteren Graf-Adolf-Platz, der Pferde-Straßenbahnverkehr, der ab 1896 elektrifiziert wurde. Die Königsallee war zu dieser Zeit eine „Lebensader“ mit regem Ausflugs- und Promenierverkehr, mit Reisenden, Soldaten und Offizieren, Café- und Hotelbesuchern und Menschen, die zur Posthalterei und später zum Telegrafenamt wollten. mini|Tritonenbrunnen
mini|Triumphbogen zum Einzug Wilhelms II. auf der Elberfelder Straße, zur Versöhnung nach dem Pferdeapfelwurf
mini|Schalenbrunnen von Leo Müsch geschaffen in 1882 auf dem Corneliusplatz mini|Bergischer Löwe von Philipp Harth, 1963 mini|hochkant|links|Kugelspielerin Frühere Namen der östlich des Grabens gelegenen Straßenführung waren „Neue Allee“, „Mittelallee“ oder „Kastanienallee“ – bis zu jenem legendären „Pferdeäpfel-Attentat“ des Jahres 1848. König Friedrich Wilhelm IV. soll hier mit Pferdeäpfeln beworfen worden sein, als er im Revolutionsjahr vom südlich gelegenen Bahnhof kommend zum Schloss Jägerhof fahren wollte. Der genaue Ablauf ist unklar. 1851 wurde die „Kastanienallee“ in „Königsallee“ umbenannt, um das Königshaus wieder gnädig zu stimmen. Zu dieser Zeit war die Westseite der Allee noch wenig bebaut und hieß Kanalstraße.
Um 1890 wurden beide Bahnhöfe am Ende der östlichen Königsallee abgerissen und die Bahnanlagen in den Süden der Stadt verlegt. Anschließend wurde die Königsallee nach Süden verlängert und erhielt mit der Graf-Adolf-Straße, Adersstraße und Luisenstraße drei weitere Querstraßen. Ein Nachweis dieser Querstraßen ist in den Adressbüchern der Stadt für 1894 für die Graf-Adolf-Straße sowie die Bahnstraße und 1897 für die Luisenstraße möglich. Die Errichtung von Gebäuden in diesem Teil der neu angelegten Straßenbereiche erfolgte jeweils etwas späterIn: Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. II. Theil. 1894, S. 527 und 567.In: Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. II. Theil. 1897, S. 571., beispielsweise das Apollo-Theater an der Ecke zur Adersstraße. Heute steht hier das Apollo-Hochhaus.
Während der Zeit des Nationalsozialismus, 1933–1945, hieß der westlich des Kö-Grabens liegende Straßenteil, die frühere Kanalstraße, „Albert-Leo-Schlageter-Allee“.Stadtplan von 1937 auf www.landkartenarchiv.de Am südlichen Ende des Wassergrabens steht der Bergische Löwe (Philipp Harth, 1963) und am Nordende ist der Tritonenbrunnen (1902 von Fritz Coubillier geschaffen) ein weitbekanntes Kö-Denkmal. An das Südende des Wassergrabens schließt sich bis zur Graf-Adolf-Straße eine kleine eingefriedete Gartenanlage namens Blumengarten an. In ihr steht die 1897 gegossene Bronzefigur der Kugelspielerin von Walter Schott. Der Stadtverordnete Gustav Herzfeld (1828–1917) schenkte 1902 diese Figur der Stadt Düsseldorf. Sie sollte 1935 beseitigt werden, weil Herzfeld ein Jude gewesen war, blieb aber auf Fürsprache des Kunstakademiedirektors Peter Grund im Blumengarten. Die Aufschrift mit dem Hinweis auf den Schenker wurde entfernt.Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, 2. Auflage, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-89978-044-4, S. 74. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts stammt der heute denkmalgeschützte Neckereibrunnen, der an der Ecke Königsallee/Bastionstraße vor dem Görres-Gymnasium steht. Die Bronzeskulptur wurde 1909 von Gregor von Bochmann dem Jüngeren gegossen. Sie stellt zwei Knaben dar und steht auf einem Sockel, der in einem kreisrunden Zierbrunnen steht.
Kanalstraße Westlich vom Stadtgraben war die Kanalstraße, auch Canalstraße geschrieben, angelegt worden. Sie gehörte zu den Straßen, die nach der Schleifung der östlichen Befestigungsanlagen auf deren Gebiet nach etwa 1805 neu gebaut wurden. Im Stadtplan von Düsseldorf von 1809 sind neben dem Stadtgraben die neuen Straßen Heinrich-Heine-Allee, Kanalstraße, Elberfelder Straße und Breite Straße eingezeichnet, beide letztere sind ab 1809 nachweisbar. Weiterhin wurden die Benrather Straße und die Grabenstraße, die beide bei der Errichtung der Carlstadt Ende des 18. Jahrhunderts angelegt worden waren, bis zum Stadtgraben verlängert. Die Kanalstraße begann an der Elberfelder Straße, endete allerdings bis Anfang des 20. Jahrhunderts an der Benrather Straße. Südlich der Benrather Straße lag zwischen Stadtgraben und Kasernenstraße ein Kasernengelände mit dem zugehörigen Exerzierplatz, der eine Verlängerung der Kanalstraße verhinderte.
Das gesamte Gebiet östlich der Heinrich-Heine-Allee war bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenig bebaut, während an der Allee nach 1810 viele Gebäude errichtet wurden. Erste Gebäude an der Kanalstraße sind um 1817 und 1824 nachweisbar. 1817 war bereits ein Eckhaus Kanalstraße / Benrather Straße errichtet worden.In: Düsseldorfer Zeitung, Nr. 83 vom 25. März 1817, S. -. (Mietanzeige) Das Eckhaus Elberfelder Straße / Kanalstraße 1 oder 2 ist 1824 in einer Notiz in einem Amtsblatt nachweisbar.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, Jahrgang 1824, Nr. 51, S. 240.Bis 1858 waren die Hausnummern in der Stadt noch nicht den Straßen zugeordnet, stattdessen wurden alle Häuser der Stadt fortlaufend gezählt. Im vorliegenden Fall wurde als Hausnummer noch Kanalstraße Nr. 679 angegeben. Die Umstellung erfolgte durch eine Verordnung vom 29. Juli 1858. (Nachweis: Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. 1859, S. -.) Ab den 1830er Jahren lag im Bereich des Eckgrundstücks Kanalstraße / Grabenstraße die Eisengießerei Schimmelbusch & Comp. des Kaufmanns und Unternehmers Franz Schimmelbusch. Dieser war der erste Präsident der 1831 gegründeten Handelskammer Düsseldorf. Sein Wohnhaus an der Grabenstraße trug die Hausnummer 789, es muss das Eckhaus an der Kanalstraße gewesen sein, da 1850 unter der Hausnummer 789 die Witwe Helene Schimmelbusch und ihre Eisengießerei angeführt werden.Adressbuch für den Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Düsseldorf, Jahrgang 1842/1843, S. 46.Wohnungsanzeiger und Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf, Jahrgang 1850, S. 169. mini|Geschäftshaus für den Girardet-Verlag, Königsallee 27–31, und Girardetbrücke Noch 1859 waren nördlich der Bazarstraße, der engen Querstraße zwischen Alleestraße (heute Heinrich-Heine-Allee) und Kanalstraße, nur die Gebäude mit den Hausnummern 1 und 2 an der Kanalstraße bereits gebaut. Die Grundstücke mit den Hausnummern 3 und 4 waren als Schulhof des Königlichen Gymnasiums, die Grundstücke mit den Hausnummern 5 und 6 (südlich der Bazarstraße) unbebaut. Die Grundstücke Kanalstraße 7 bis 10, die nördlich der Grabenstraße lagen, waren bebaut, aber die südlich liegenden Grundstücke Kanalstraße 12 bis 15 noch nicht. Auf dem Grundstück Kanalstraße 14 stand allerdings eine Lagerhalle, und auf dem Eckgrundstück Kanalstraße / Benrather Straße 16 war eine Remise mit einer Wohnung vorhanden.In: Adressbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf, Jahrgang 1859, 2. Theil, S. 11. Erst ab 1880 war die Kanalstraße weitgehend bebaut.
1904 kaufte der Essener Verlag Girardet & Cie. das Eckgrundstück Grabenstraße / Canalstraße 11.Adressbuch für die Stadt Düsseldorf und die Landbürgermeistereien, Jahrgang 1904, 3. Theil, S. 79. Ab 1905 entstand auf dem Eckgrundstück und den angrenzenden Grundstücken Canalstraße 12 und 13 der Neubau des Girardethauses, dessen erster Bauabschnitt dann die Adresse Königsallee 27–31 bekam. Hier wurden bis 1917 der Düsseldorfer General-Anzeiger und danach bis 1945 die Düsseldorfer Nachrichten herausgegeben. Die heutige Giradetbrücke als Überquerung des Stadtgrabens von der Grabenstraße (heute Trinkausstraße) zur Königstraße wurde 1906–1907 als Königsbrücke in moderner Eisenbeton-Konstruktion nach technischem Entwurf des Bauingenieurs Max Möller gebaut.Max Möller: Die Königsbrücke in Düsseldorf mit flacheingespanntem Eisenbeton-Bogen und Gelenk im Widerlager. In: Deutsche Bauzeitung, Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, 4. Jahrgang 1907, Nr. 7 (vom 10. April 1907), S. 25 f.
Erscheinungsbild, Funktion und Struktur heute mini|Stadtgraben mini|Ersatz der Parkplätze am Corneliusplatz durch Blumenkübel (August 2025)