mini|Gail, links im Bild der Reißkofel mini|Blick auf Sankt Daniel Dellach ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Hermagor in Österreich, im Bundesland Kärnten.

Geographie Die Gemeinde liegt im Oberen Gailtal an der Grenze zu Italien. Nahe der Gemeinde befindet sich der Reißkofel, mit der höchste Berg der Gailtaler Alpen östlich des Gailbergsattels.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwölf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Weitere Ortslagen sind Obernölbling und Unternölbling in der Ortschaft Nölbling sowie Oberstollwitz und Unterstollwitz in der Ortschaft Stollwitz. Einzige Katastralgemeinde ist Dellach.

Nachbargemeinden

Geschichte Für die prähistorische Siedlung Gurina ist eine Besiedlung auf dem heutigen Gemeindegebiet zur Hallstattzeit nachweisbar. In der Nähe der Siedlung wurden Kupferschmelzhöhlen entdeckt, die für die Jahre 600 bis 400 v. Chr. eine blühende Kultur bezeugen. In Gurina wurden keltische Münzen geprägt, die Siedlung ist mindestens 2900 Jahre alt und war zur Römerzeit die mutmaßlich erste römische Stadtanlage im heutigen Österreich.

Der Name Dellach kommt aus dem Slawischen („Doljah“, etwa für „bei den Talbewohnern“); die slowenische Bezeichnung könnte Dole (von dol: nieder, unten, talseitig), mundartlich Doljani lauten. Im Jahr 1370 wurde der Ort als Doelach erstmals urkundlich erwähnt.

Ausgrabungen an der heutigen Pfarrkirche St. Daniel haben Reste von vier Vorgängerbauten aus der Karolingerzeit bis zur Spätromanik freigelegt, was auf eine Besiedlung ab dem frühen Mittelalter schließen lässt.

Die Burg Goldenstein war als Sitz eines – später mit Pittersberg vereinigten – Landgerichts für das obere Gailtal von großer Bedeutung. Sie wurde als Lehen der Grafen von Görz-Tirol vergeben, kam nach deren Aussterben unter die landesfürstliche Herrschaft der Habsburger und wurde von diesen 1524 gemeinsam mit der Grafschaft Ortenburg an Gabriel von Salamanca übergeben. 1640 erwarben die Gebrüder Widmann die Grafschaft mit allen Herrschaftsrechten und verkauften sie schon 1662 an Ferdinand von Porcia, in dessen Familie die Gerichtsherrschaft Goldenstein bis 1848 und der Besitz der Burg bis 1918 verblieb.

Dellach wurde nach dem Fund von Zink und Kupfer seit dem ausgehenden Mittelalter ein Zentrum der Metallverarbeitung, im 18. und 19. Jahrhundert wurde auch Eisenerz abgebaut und verarbeitet, zeitweilig lebten in Dellach 291 Knappen und Metallarbeiter.

Die Gemeinde konstituierte sich im Jahr 1850 und hat seither ihre Grenzen nicht mehr verändert.

Staatsbürgerschaft, Religion Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 hatte Dellach 1373 Einwohner, davon besaßen 96,1 % die österreichische und 2,2 % die deutsche Staatsbürgerschaft. 85,9 % der Bevölkerung bekannten sich zur römisch-katholischen und 11,9 % zur evangelischen Kirche, 1 % war ohne religiöses Bekenntnis.

Bevölkerungsentwicklung

mini|Pfarrkirche St. Daniel mini|Naturdenkmal Zollnersee

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Burgruine Goldenstein Katholische Pfarrkirche St. Daniel im Gailtal, Urpfarre des Oberen Gailtals Katholische Filialkirche Dellach im Gailtal hl. Nikolaus Katholische Filialkirche Wieserberg hl. Helena: romanischer Bau Gurina: archäologische Grabungen Gurina mit Rekonstruktion eines Tempels Naturdenkmal Zollnersee Besucherzentrum GeoPark Karnische Alpen

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Von den 104 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 wurden 18 im Haupt-, 73 im Nebenerwerb und 13 von juristischen Personen geführt. Diese 13 bewirtschafteten 39 Prozent der Flächen, die Haupterwerbsbauern 42 Prozent. Im Produktionssektor arbeiteten 35 Erwerbstätige im Bereich Herstellung von Waren, 18 in der Bauwirtschaft und 1 in der Energieversorgung. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche Beherbergung und Gastronomie (74), soziale und öffentliche Dienste (32) und Handel (27 Mitarbeiter). WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige202120112001202120112001Land- und Forstwirtschaft 1)35104119444437Produktion2099775447Dienstleistung45362519314289 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999

Arbeitsmarkt, Pendeln Im Jahr 2011 lebten 597 Erwerbstätige in Dellach. Davon arbeiteten 150 in der Gemeinde, drei Viertel pendelten aus.

Fremdenverkehr Dellach zählt jährlich zwischen 30.000 und 40.000 Übernachtungen. Dabei ist die Sommersaison deutlich stärker als die Wintersaison.

Verkehr Eisenbahn, Bus: Seit der Einstellung der Gailtalbahn von Hermagor nach Kötschach-Mauthen im Jahr 2016 gibt es stündliche Busverbindungen nach Hermagor, wo Anschluss an die Schnellbahn nach Villach besteht (Stand 2021). Hier kann in der Saison eine Draisine gemietet werden. Straße: Die wichtigste Straßenverbindung ist die Gailtal Straße B111. Rad: Der Radweg R3 verläuft entlang der Gail.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Dellach hat 15 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2021 wie folgt zusammen: 9 ÖVP 3 FPÖ 3 SPÖ

Direkt gewählter Bürgermeister ist seit 2015 Johannes Lenzhofer (ÖVP).

Wappen Im Wappen von Dellach symbolisiert der blaue Wellenbalken die Gail und das Bergwerkszeichen die früher hier ansässige Montanindustrie. Die Lilie der Fürsten von Porcia weist auf die wichtigsten Besitzer der ehemaligen Landgerichtsherrschaft hin.

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold ein blauer schräglinker Wellenbalken, oben begleitet von einer blauen Lilie, unten von einem blauen Bergwerkszeichen.“zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 66. Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 1. Juni 1983 verliehen. Die Fahne ist Gelb-Blau mit eingearbeitetem Wappen.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Jakob Schabus (1825–1867), Physiker Anton Ronacher (1841–1892), Theaterunternehmer Viktor Waldner (1852–1924), deutschnationaler Politiker Wolfgang Waldner (* 1954), Staatssekretär, Landesrat (Kärnten), Diplomat Gabi Waldner (* 1969), Journalistin und Moderatorin Karl Stampfer (* 1967), Forsttechniker, Universitätsprofessor an der Boku Wien

Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten

Hanns Hörbiger (1860–1931), Ingenieur und Begründer der Welteislehre

Literatur Peter Jablonka: Die Gurina bei Dellach im Gailtal. Siedlung, Handelsplatz und Heiligtum. 2001, ISBN 3-7749-2971-8. Wilhelm Deuer, Paul Gleirscher, Harald Krahwinkler, Peter G. Tropper, Manfred Wassermann: St. Daniel – Zur Geschichte der ältesten Pfarre im oberen Gailtal und Lesachtal. 2004, ISBN 3-902128-36-4. Hans P. Schönlaub: Vom Urknall zum Gailtal: 500 Millionen Jahre Erdgeschichte in der Karnischen Region. 1988, ISBN 3-900312-78-8. Hans P. Schönlaub: Der wahre Held ist die Natur – Geopark Karnische Region. 2005, ISBN 3-85316-021-2. Thomas Steppan: Die spätromanischen Wandmalereien von St. Helena am Wieserberg. 2009, ISBN 3-7954-2215-9. Peter Gamper: Die Gurina – nahe Dellach im Gailtal. 2012, ISBN 978-3-902128-18-8.

Weblinks

Gemeinde Dellach Private Website zu Dellach

Topothek Dellach historisches Bildmaterial, verortet, verschlagwortet und datiert

Einzelnachweise

Kategorie:Gailtaler Alpen Kategorie:Karnischer Hauptkamm Kategorie:Ersterwähnung 1370