Der Düsseldorfer Karneval ist die Düsseldorfer Variante der als Karneval, Fastnacht oder Fasching bezeichneten „fünften Jahreszeit“. Der Düsseldorfer Karneval beginnt am 11. November eines jeden Jahres mit dem symbolischen Erwachen des Hoppeditz und endet am Aschermittwoch des Folgejahres mit dessen Beerdigung. Überregionale Aufmerksamkeit findet die Fernsehübertragung des Rosenmontagszuges und die einer Karnevalssitzung.
Die Zeit des Karnevals wird als Session (dt. Aussprache) bezeichnet und markiert mit zahlreichen Sitzungen und Bällen einen Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens der Landeshauptstadt.
Geschichte
Die Anfänge des Düsseldorfer Karnevals mini|hochkant|Kurfürstenpaar Jan Wellem und Anna Maria Luisa im spanischen Kostüm beim Maskenball, Gemälde von Jan Frans van Douven (1695) mini|Karnevalstreiben auf der Alleestraße am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Postkarte (1897)
Bereits in der Antike gab es Feste, bei denen Verkleidung, vermehrter Alkoholkonsum oder Umzüge eine Rolle spielten. Ob Ursprünge des rheinischen Karnevals möglicherweise auf die römischen Saturnalien zurückgehen, die auch im damals römischen Rheinland gefeiert wurden, ist nicht zu belegen. Allerdings finden sich dort zahlreiche Elemente, die auch den heutigen Karneval noch prägen, so die Aufhebung der Standesunterschiede, der erhöhte Alkoholkonsum, die Lockerung der Moral und Umzüge in den Straßen.
Die Ursprünge des Düsseldorfer Karnevals sind nicht überliefert. Erstmals wurde 1360 über karnevalistische Feiern im Düsseldorfer Schloss anlässlich der Fastnacht berichtet.Alfons Houben: 3 x Düsseldorf Helau. Die Geschichte des Düsseldorfer Karnevals. Lippert, Meerbusch 1999, ISBN 3-00-005210-0, S. 15. Dort traf sich der bergische und jülichsche Adel. Der Düsseldorfer Historiker Friedrich Lau geht davon aus, dass bereits im 15. Jahrhundert Karneval auch in bürgerlichen Kreisen gefeiert wurde.Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf – Band 1, Erste Abteilung: Darstellung. Bagel, Düsseldorf, 1921. Nachdruck von 1980, 3. Aufl., S. 233. Im 16. Jahrhundert waren die Karnevalsfeiern im Düsseldorfer Brauchtum dermaßen verankert, dass man den Kranken im Siechenhaus einen Zuschuss zum „vastelavent“ zukommen ließ.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. 4 Bde. Patmos – Schwann, Düsseldorf 1988–1990, ISBN 3-491-34221-X. – Dort Band 1, S. 288. Während am Düsseldorfer Hof, insbesondere zur Zeit des Kurfürsten Jan Wellem, Maskenbälle nach venezianischem Vorbild gefeiert wurden, waren die Feiern der Untertanen, insbesondere der unteren sozialen Schichten, eher lärmender Natur. Nach einer Beschreibung des Düsseldorfer Regiolektdichters Hans Müller-Schlösser empfanden viele Düsseldorfer Bürger den Karneval zu Beginn des 19. Jahrhunderts als vulgär und laut.Oliver Mittelbach: Jeck in Düsseldorf – Der Düsseldorfer Karneval 2012. Rheinbuch Verlag, Düsseldorf 2011, ISBN 978-3-9814594-0-1, S. 9f. In seiner damaligen Ausprägung war der Karneval auch der Obrigkeit suspekt. Aufgrund der noch von König Maximilian I. erlassenen Karnevalsordnung von 1806 mussten die Narren eine „Polizeikarte“ erwerben, um sich in der Öffentlichkeit verkleidet oder maskiert aufhalten zu dürfen. Unter der französischen Herrschaft wurde der Karneval weitgehend in geschlossene Räume verbannt.
Nach Ende der Franzosenzeit, nunmehr unter preußischer Herrschaft im Rheinland, verlagerten sich die Belustigungen zum Karneval auch wieder auf die öffentlichen Straßen und Plätze in der Stadt. Veranstaltungen für den Karneval wurden an den Tagen von Sonntag bis Dienstag abgehalten. Diese fielen beispielsweise 1825 auf den 13. bis 15. Februar. In dieser Zeit wurden Maskenbälle in öffentlichen Einrichtungen und Veranstaltungen in Gaststätten mit musikalischer Unterhaltung abgehalten. Einer der Höhepunkte waren die öffentlichen Belustigungen am Dienstag auf dem Carlsplatz. Polizeiliche Vorgaben hinsichtlich Wagen- und Reitverkehr waren speziell für diesen Dienstag zu beachten.In: Düsseldorfer Zeitung. Ausgabe vom 12. Februar 1825. S. . Onlineausgabe Gleichfalls im Jahre 1825 bildete sich in Anlehnung an das 1823 gegründete Festkomitee Kölner Karneval auch in Düsseldorf ein „Carnevals-Comité“, Vorläufer des heutigen Comitee Düsseldorfer Carneval. Getragen wurde das festordnende „Comité“ von angesehenen Bürgern der Stadt, darunter zahlreichen Künstlern, mit dem Ziel, dem Karneval eine geordnete Struktur zu geben und auch für die besseren Kreise attraktiv zu machen.
Die älteste Karnevalsgesellschaft Düsseldorfs ist der Carnevalsverein pro 1829, der sich später in Allgemeiner Verein der Carnevals-Freunde umbenannte. Diese Gesellschaft wurde am 8. Februar 1829 im Hofgartenhaus aus einer seit 1826 lose tagenden, ausschließlich männlichen Vereinigung gegründet.1829, Webseite im Portal avdk-duesseldorf.de (Allgemeiner Verein der Karnevalsfreunde), abgerufen am 17. Januar 2014 Seit seiner Gründung wurde der Verein von den Behörden aus politischen Gründen mehrmals verboten. 1844 ließ der Regierungspräsident Düsseldorf Adolph von Spiegel-Borlinghausen den Verein sogar auflösen.1843/1844, Webseite im Portal avdk-duesseldorf.de, abgerufen am 14. Januar 2014 Nachdem der wieder zugelassene Verein 1846 begonnen hatte, künstlerisch gestaltete Ehrenurkunden zur Ernennung von Ehrenmitgliedern an liberale Persönlichkeiten zu versenden, unter anderem an Ernst Moritz Arndt und an Friedrich Christoph Dahlmann, forderte der preußische Innenminister Ernst von Bodelschwingh 1847 das erneute Verbot des Vereins,1846, Webseite im Portal avdk-duesseldorf.de, abgerufen am 14. Januar 2014 dessen Präsident in den Jahren 1846 und 1847 der Maler Adolph Schroedter war.Christina Frohn: „Löblich wird ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn“ – Karneval in Köln, Düsseldorf und Aachen 1823–1914. Inauguraldissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1999, S. 291 ()
Der moderne Karneval in Düsseldorf Der Rosenmontagszug ist nach der Veranstaltung in Köln (circa 12.000 Teilnehmer / 1,5 Millionen Besucher im Jahr 2023) und Mainz (9200 Teilnehmer im Jahr 2020 / 600.000 Besucher 2023) der drittgrößte (5500 Teilnehmer / 600.000 Besucher im Jahr 2023) in Deutschland. Seine alljährliche Fernsehübertragung machte ihn bundesweit bekannt.
Zurückführen lässt sich der Düsseldorfer Karneval zumindest bis 1833. Nach einem Maskenspiel auf dem Burgplatz wurde abends, wie es heißt, die „Verlobung des Hanswursten unter Helau und Habuh mit Anna Dorothea Petronella Weichbusen“ gefeiert.
Der preußische König Friedrich Wilhelm III. hatte „Carnevals-Lustbarkeiten“ durch Kabinettsorder vom 31. Januar 1834 allgemein verbieten lassen. Im Karneval erblickte der Staat Preußen die Gefahr der „Beeinträchtigung der Moralität bei den die rohe Lust erzeugenden Tanzvergnügen vor allem bei der niederen Bevölkerungsklasse, der Vorschubleistung der Abhaltung von Trinkgelagen und dadurch hervorgerufenen leichtsinnigen Geldausgaben, die bis zur Armut führen und so den Wohlstand schmählern“. Eine Ausnahme war nur für diejenigen Städte der Rheinprovinz eröffnet, in denen sich Karnevalsveranstaltungen seit alters her fortgesetzt erhalten hatten. Auf dieser Grundlage stellte die Stadt Düsseldorf einen Antrag auf Durchführung eines Karnevalszuges, der 1834 zum ersten Mal mit offizieller Bewilligung durchgeführt werden durfte.1834, Webseite im Portal avdk-duesseldorf.de, abgerufen am 14. Januar 2014 Die ersten organisierten Karnevalsumzüge standen in ihrer Bedeutung jedoch noch lange hinter der Malkasten-Redoute zurück, dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts veranstalteten Kostüm- und Maskenball des Künstlervereins Malkasten, der zu den überörtlich bekannten und gesellschaftlichen Höhepunkten des Düsseldorfer Karnevals gehörte.Frank Wintgens: Mit der Vergangenheit leben. Feste und Feiern in Düsseldorf. 1945–1955. Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Düsseldorf, Band 6, ISBN 978-3-926490-05-6, Düsseldorf 1996, S. 27, 61, 188
Museum und Geschäftsstelle
Seit 2005 befinden sich im Haus des Karnevals in Nachbarschaft zum Rathaus ein Museum und die Geschäftsstelle des Comitee Düsseldorfer Carneval.
Ausprägungen und Höhepunkte des Karnevals Die Karnevalszeit beginnt jedes Jahr am 11. November. Am Martinstag erwacht genau um 11:11 Uhr der Hoppeditz. Er steigt aus einem großen Senftopf vor dem Jan-Wellem-Reiterdenkmal vor dem Rathaus und hält seine zugleich lustige und bissige „Eröffnungsrede“ zur neuen Session, auf die der jeweilige Oberbürgermeister antwortet.
mini|Kinderumzug am Karnevalssamstag: Prinzengarde Blau-Weiß und Konkordiaschule mini|Von Jacques Tilly entworfener Motivwagen mit Kritik an Kardinal Meisners Dreikönigspredigt im Rosenmontagszug 2005 mini|Der 2020 aus dem Amt geschiedene Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel und dessen Vorgänger Dirk Elbers – dargestellt im Rosenmontagszug 2014
Im neuen Jahr veranstalten zahlreiche Karnevalsvereine Kostümbälle und sogenannte Sitzungen, auf denen Büttenreden, Tänze unter anderem von Tanzgarden und Karnevalslieder dargeboten werden. Der Auftritt des Düsseldorfer Prinzenpaares (bestehend aus dem Prinzen mit seiner Dame Venetia) ist oft ein Höhepunkt solcher Sitzungen. Der Rosenmontag bildet heute den Höhepunkt des (vom Comitee Düsseldorfer Carneval und seinen angeschlossenen Vereinen) organisierten Karnevals. Dann rollen im Rosenmontagszug wieder über 60 Wagen an Hunderttausenden von feiernden Gästen vorbei und „versorgen“ sie mit vom Wagen geworfener „Kamelle“, in Düsseldorf eigentlich „Balkes“ genannte Bonbons oder andere Süßigkeiten sowie kleine Geschenke. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer sind zuvor schon seit einigen Monaten mit dem Bau der Wagen, die meistens aktuelle Ereignisse karikieren, beschäftigt gewesen. Zahlreiche Kostüm- und Musikgruppen aus allen Teilen Deutschlands und benachbarter Länder ziehen im Rosenmontagszug mit und sorgen für Stimmung und Musik. In der Nachkriegszeit musste der Rosenmontagszug zweimal witterungsbedingt verschoben werden. 1990 wurde der Zug am 19. Mai nachgeholt, 2016 am 13. März. 1991 fiel der Zug mit Rücksicht auf den Dritten Golfkrieg ganz aus. 2018 nahm erstmals die Jüdische Gemeinde Düsseldorf mit einem Motivwagen zu Heinrich Heine am Rosenmontagszug teil. Der Rosenmontagszug genießt durch die alljährliche bundesweite Liveübertragung im Fernsehen große Aufmerksamkeit. Zuletzt wurden zunehmend die von Jacques Tilly entworfenen politischen Karikaturwagen in den Vordergrund gerückt. Nachdem diese auch für internationale Verstimmung bei den dargestellten Personen sorgten, werden die Themen bis zum Zugbeginn geheim gehalten, so dass diese nicht schon im Vorfeld abgemahnt werden können. Insbesondere die Reaktionen des Kölner Erzbischofs Kardinal Joachim Meisner und die des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan fanden breite Beachtung in Presse und Politik.
Eine große Bedeutung hat in Düsseldorf der „unorganisierte“ Karneval. Weiberfastnacht und der Karnevalssonntag sind dort die Höhepunkte. Auf Weiberfastnacht stürmen die Frauen um 11:11 Uhr das Rathaus. Die berufstätigen Frauen feiern am Arbeitsplatz und begeben sich auf „Trophäen“-Jagd, die darin besteht, möglichst vielen männlichen Kollegen die Krawatte abzuschneiden. Am Karnevalssonntag treffen sich Hunderttausende aus Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und dem Niederrhein auf der Königsallee und in der Altstadt, um gemeinsam Karneval zu feiern. Viele der Narren trifft man kostümiert und mit originell geschmückten Handwagen oder Fahrradaufbauten an, die in erster Linie als Stauraum für Proviant (Bier, Spirituosen, feste Nahrung) dienen.