mini|Köngen (unten) und Wendlingen am Neckar (oben) Wendlingen am Neckar ist eine Stadt im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Wendlingen am Neckar liegt etwa 20 Kilometer südöstlich von Stuttgart an der Mündung der Lauter in den Neckar. In der näheren Umgebung liegen Esslingen (Luftlinie 9 km), Kirchheim (6 km) und Nürtingen (7 km). Der niedrigste Punkt befindet sich auf im Neckartal an der nördlichen Gemarkungsgrenze, der höchste Punkt liegt auf im Wendlinger Wald (die kleine Exklave im äußersten Süden im Rübholz-Wald liegt rund 360 m ü. NHN). Auf der nordöstlichen Lautertalseite reicht die Gemarkung fast bis zur Kuppe des Schulerbergs (337 m ü. NHN). Das Stadtgebiet hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 5,2 Kilometern, in Richtung Ost-West von 4,9 Kilometern.

Stadtgliederung Wendlingen am Neckar umfasst die Ortsteile Wendlingen, Unterboihingen und Bodelshofen, die ehemals drei selbständige Orte waren.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Köngen im Nordwesten, Wernau im Nordosten, Kirchheim unter Teck im Südosten, Oberboihingen im Süden und Unterensingen im Westen (alle Landkreis Esslingen).

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Wendlingen am Neckar.

Geschichte Stadtentstehung durch Zusammenschluss zweier Gemeinden im Jahr 1940 Die heutige Stadt Wendlingen am Neckar entstand durch Verfügung vom 6. Juni 1939 des württembergischen Reichsstatthalters Wilhelm Murr zum 1. April 1940 aus den ehemals selbständigen Gemeinden Wendlingen mit Bodelshofen und Unterboihingen. Als Name wurde Wendlingen am Neckar bestimmt. mini|Rathaus

Nach dem Zweiten Weltkrieg bewirkte die Ansiedlung von Heimatvertriebenen, vor allem aus dem Egerland, einen deutlichen Bevölkerungszuwachs. Am 27. August 1966 übernahm die Stadt Wendlingen am Neckar die Patenschaft über die Egerländer in Baden-Württemberg. Diese brachten auch die Tradition des Vinzenzifestes aus der Stauferstadt Eger in ihre neue Heimat mit. Seit 1952 wird das Vinzenzifest mit der Egerländer Gmoi und den Heimat- und Trachtenverbänden als eines der größten Brauchtumsfeste in Baden-Württemberg ununterbrochen gefeiert.

mini|Treffpunkt Stadtmitte mit Feiergarten Die Landesregierung Baden-Württemberg hat am 15. Dezember 1964 der Gemeinde Wendlingen am Neckar im früheren Landkreis Nürtingen die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Einstmals besaß Wendlingen von 1230 bis 1805 Stadtrechte. Diese erhielt Wendlingen von dem hochadligen Geschlecht der Grafen von Aichelberg. Aufgrund der Aufhebung der Landstände im Jahr 1805 verlor Wendlingen die Stadtrechte.

Stadterweiterung mit kommunalen Einrichtungen ab 1989 mini|Sporthalle Im Speck Die bauliche Entwicklung der Neuen Stadtmitte, welche 1989 eingeweiht wurde, begann 1957 mit dem Bau eines Rathauses, das 1959 fertiggestellt war. Seit Dezember 1987 befindet sich die neue Stadtbücherei in der Stadtmitte. Das Langhaus und das Turmhaus wurden 1988 fertiggestellt wie auch der mit Platanen bepflanzte Saint-Leu-la-Forêt-Platz.

Die Neue Stadtmitte war mit der Eröffnung des Stadt- und Kulturhauses Treffpunkt Stadtmitte im Jahr 2009 schließlich abgeschlossen. Dieses Stadthaus am Marktplatz bietet Platz für die Musikschule, die Volkshochschule, für Vereine sowie die Begegnungsstätte „MiT“ (Menschen im Treffpunkt). Es stehen Festräume für verschiedene Anlässe zur Verfügung. Der kleine Saal kann zu Veranstaltungen an einer Glasfront zum Marktplatz hin geöffnet werden und bietet Platz für ca. 150 Personen. Der große Saal ermöglicht einen direkten Zugang ins Freie mit einer attraktiven Außenfläche und bietet Platz für ca. 350 Personen. Es besteht die Möglichkeit, den großen und den kleinen Saal miteinander zu verbinden.mini|Hüttensee mini|Schäferhauser See Zudem wurde 2009 der Bau von neuen Sportanlagen im Gewann Im Speck vollendet. Der Sportpark und die neue zweiteilbare Sporthalle Im Speck steht den Sportinteressierten für den Trainings- und Spielbetrieb im Fußball, Leichtathletik und vielen anderen Sportarten zur Verfügung. Im Jahr 2010 wurde der Sportpark durch eine Tennisanlage und später durch einen Skaterpark mit Streetballfeld vervollständigt.

Seit den 1990er Jahren ist Wendlingen am Neckar eine Schulstadt mit einem voll ausgebauten Schulwesen. Neben Grundschulen, einer Realschule und einem Gymnasium umfasst das Wendlinger Schulwesen eine Förderschule, eine Grundschulförderklasse sowie eine Gemeinschaftsschule.

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts hat sich Wendlingen am Neckar auch immer mehr zu einer fahrradfreundlichen Stadt durch den Ausbau des innerörtlichen Radwegenetzes und die Installation von Aufladestationen für E-Bikes am Zentralen Omnibusbahnhof entwickelt. Ebenso wurden an dieser Stelle Fahrradboxen und ein deutlich vergrößerter Fahrradabstellplatz für die Berufspendler geschaffen.

Im Jahr 2015 feierte die Stadt Wendlingen am Neckar den 75-jährigen Zusammenschluss von Wendlingen mit Bodelshofen und Unterboihingen.

Religionen Die Reformation wurde in Wendlingen 1539, in Bodelshofen 1616 eingeführt. Unterboihingen war neben Pfauhausen und Steinbach (heutiges Wernau) sowie Neuhausen auf den Fildern über Jahrhunderte eine der wenigen katholischen Ortschaften in der näheren und weiteren Umgebung.

Die Eusebiuskirche und die Johanneskirche in Wendlingen sowie die Jakobuskirche in Bodelshofen sind evangelisch. Die St. Kolumban-Kirche und die Kapelle im Hirnholz sind katholisch. Außerdem gibt es noch eine Neuapostolische Kirche sowie Einrichtungen anderer Glaubensrichtungen.

Geschichte der Ortsteile Bodelshofen mini|Bodelshofen 1683, Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Das Rittergut Bodelshofen wird 1268 erstmals urkundlich erwähnt. Es unterstand damals den Herzögen von Teck und kam um 1400 an die Herren von Wernau. 1740 erwarb Franz Gottlieb von Palm den Weiler von den Herren von Mentzingen, die den Weiler seit 1680 besaßen. Das dortige Hofgut befindet sich bis heute im Besitz von Nachfahren der Freiherren von Palm, der Freiherren von Massenbach.

1829 wurde der Weiler Bodelshofen mit der Gemeinde Wendlingen vereinigt. Dennoch behielt Bodelshofen eine gewisse Selbständigkeit. Nach wie vor bestand ein eigenes Bodelshofer Bürgerrecht. 1934 verlor Bodelshofen seine Selbständigkeit und wurde nach Wendlingen eingemeindet.

Bodelshofen wird insbesondere durch das Hofgut und die am Jakobsweg gelegene Jakobuskirche geprägt.

Unterboihingen hochkant=0.5|rahmenlos mini|Unterboihingen 1683 Erste Nennungen von Boihingen finden sich um 1100 und 1130 in den Schenkungsbüchern des Klosters Hirsau. Es ist jedoch nicht klar zu erkennen, ob Unterboihingen oder Oberboihingen gemeint ist. Eine genaue Unterscheidung der beiden Orte geht auf eine Urkunde vom 5. Juni 1336 zurück.

Zu dieser Zeit war Unterboihingen im Besitz der Grafen von Hohenberg. Unterboihingen gehörte ebenfalls zum angestammten Besitz der Grafen von Aichelberg und später den Herren von Wernau. 1684 erlosch der Stamm der Herren von Wernau am Unteren Neckar mit dem aus Unterboihingen stammenden Fürstbischof von Würzburg, Konrad Wilhelm von Wernau. Jahrzehntelange Erbstreitigkeiten folgten. Für kurze Zeit, von 1730 bis 1736, konnte die Mätresse von Herzog Eberhard Ludwig, Wilhelmine von Grävenitz alias Gräfin von Würben, Unterboihingen in ihren Besitz bringen. 1739 erwarb Freiherr Wilhelm Ludwig Thumb von Neuburg, vor allem durch Tausch gegen die Hälfte der Herrschaft Köngen, Unterboihingen.

Die Adelsfamilie Thumb von Neuburg ist noch immer Eigentümer des Schlosses Unterboihingen.

1805 kam Unterboihingen an Württemberg und wurde dem Oberamt Nürtingen zugeordnet.

Mit dem Bahnhof Unterboihingen auf dem ersten Abschnitt der neugebauten Bahnstrecke Plochingen–Immendingen der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen begann 1859 das Industriezeitalter.

Schon zu Zeiten der Römer gab es auf Unterboihinger Gemarkung einen römischen Gutshof, eine Villa Rustica mit einer dazugehörigen römischen Badeanlage, welche im Jahre 1961 entdeckt wurde. Obwohl diese mit Ausmaßen von 22 mal 13 Metern eine der schönsten und größten Badeanlagen in Baden-Württemberg darstellt, musste diese im Herbst 1961 wieder abgedeckt werden. Bei einem Gutshof dieser Größe könnten dort bis zu 50 Personen gearbeitet und gelebt haben. Durch Bebauung des Geländes neben der Badeanlage im Herbst 2005 wurde eine bis dahin noch unbekannte Mauer der Anlage angeschnitten. Die Badeanlage selbst wurde nicht überbaut und ruht weiterhin im Erdreich.

Eine Römerstraße zweigte in Köngen entlang der Lauter ab entlang des 23 km langen Lautertal-Limes, der am Alblimes bei Donnstetten endet. Im Jahre 2016 wurde in Unterboihingen ferner ein alemannisches Gräberfeld aus dem 6. bzw. 7. Jahrhundert n. Chr. entdeckt, u. a. mit filigranen Scheibenfibeln.

Wendlingen mini|Wendlingen 1683 Wendlingen wird 1132 erstmals urkundlich erwähnt. 1230 verlieh Graf Egeno von Aichelberg dem Ort erstmals die Stadtrechte. Wendlingen kam durch die Grafen von Aichelberg an die Herren von Lichteneck. Durch einen Gebietstausch gelangte Wendlingen 1390 an Hans von Wernau. Unter den Herren von Wernau wurde die Eusebiuskirche in Wendlingen gebaut, die heute noch das Bild des „Städtle“ prägt. Hans von Wernaus Nachfahre Wolf Heinrich verkaufte Wendlingen 1545 an Herzog Ulrich von Württemberg. Wendlingen behielt aber sein Stadtrecht und war eingebunden in die landständische Verfassung des Herzogtums Württemberg. Die Stadt Wendlingen besaß eine Burg auf der Anhöhe über dem Ort, die im 18. Jh. abgetragen wurde. Von ihr ist eine gusseiserne Ofenplatte im Stadtmuseum erhalten.

Wendlingen war vor allem für seine Mühlen bekannt, die ihre Wasserkraft von einem Kanal der Lauter, dem Mühlkanal bezogen. Die erste Getreidemühle in Wendlingen wurde bereits 1276 erwähnt. Anfang des 19. Jh. gab es jeweils drei Getreide- und Gipsmühlen sowie eine Säge- und eine Ölmühle. Zu dieser Zeit war Wendlingen noch von der bewehrten Umfassungsmauer und dem tiefen Stadtgraben umgeben. Da die mittelalterliche Wehranlage der Ausdehnung im Wege stand, wurden zuerst die drei Stadttore abgebrochen, der Stadtgraben zugeschüttet und die Stadtmauer abgetragen. Von der Stadtmauer sind nur noch wenige Reste in Wendlingen erhalten. Ein Teilstück der Stadtmauer wurde 1983 vom Bürgerverein mit Originalsteinen an historischer Stelle an der Pfauhauser Straße wieder aufgebaut. In früheren Zeiten gab es an der Hanglage nordwestlich vom Ort noch Weinbau, der 1820 aufgegeben wurde, sich aber in der Bezeichnung des Wohngebiets Weinhalde erhalten hat.

Mit der Neugliederung Württembergs verlor Wendlingen 1805 seine Stadtrechte und damit den Sitz im Landtag der Ständeversammlung in Stuttgart. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg wurde Wendlingen dem Oberamt Esslingen zugeordnet. Der Anschluss an die neugebaute Bahnstrecke von Plochingen nach Reutlingen im Jahr 1859 über den Bahnhof bei Unterboihingen führte auch zur Ansiedlung der ersten Industrieunternehmen, vornehmlich im Textilbereich.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten 1938 sowohl Unterboihingen als auch Wendlingen zum Landkreis Nürtingen. 1940 erfolgte die Vereinigung der beiden bisher selbständigen Gemeinden Unterboihingen und Wendlingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wendlingen Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der Kreisreform von 1973 ist Wendlingen Teil des Landkreises Esslingen.

Eingemeindungen 1829: Bodelshofen wird mit Wendlingen vereinigt, behält aber noch eine gewisse Selbständigkeit 1934: Bodelshofen wird zu Wendlingen eingemeindet