Die Stadtbahn Bochum ist ein zur Stadtbahn Rhein-Ruhr gehörendes Schienenverkehrssystem in Bochum sowie den benachbarten Städten Herne, Witten, Hattingen und Gelsenkirchen. Es handelt sich hierbei um ein Mischsystem aus einer Stadtbahn- und mehreren Straßenbahn-Linien, die nur über einige wenige kreuzungsfreie Streckenabschnitte verfügen. Die Bochumer Stadtbahn wird, wie auch der übrige öffentliche Nahverkehr in Bochum, von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) betrieben.
Betrieb Zur eigentlichen Stadtbahn Bochum im engeren Sinne ist lediglich die normalspurige Linie U35 zu zählen. Daneben verfügt Bochum auch über eine „klassische“ Straßenbahn mit acht Linien. Diese Straßenbahn verkehrt auf meterspurigen Gleisen und wird in der Bochumer sowie der Gelsenkirchener Innenstadt unterirdisch geführt. Sie nutzt dabei die vormals für den geplanten Stadtbahnbetrieb gebauten Tunnel und Bahnhöfe, die jedoch durchgängig für Niederflur-Fahrzeuge geeignete Bahnsteige besitzen.
Die sechsgleisige Stadtbahn-Station Bochum Hauptbahnhof stellt den wichtigsten Kreuzungspunkt zwischen den sechs Bochumer Linien dar. Unter anderem ist dort ein bahnsteiggleicher Umstieg zwischen der U 35 und zwei Straßenbahnlinien möglich. Zu diesem Zweck sind die Meterspur-Gleise hochgeschottert. Die Belegung der Bahnsteige auf der unteren Ebene ist so angeordnet, dass von der Straßenbahn aus Richtung Süden zur U-Bahn Richtung Norden bzw. umgekehrt ein direkter Übergang besteht. Auf der oberen Ebene existieren zwei Gleise mit Seitenbahnsteigen, die für die dritte Strecke errichtet wurden. Ansonsten nutzen die Straßenbahn und die Stadtbahn jedoch verschiedene Stationen. Die normalspurige U35 und die meterspurigen Linien sind am Hauptbahnhof somit umsteigetechnisch verknüpft, fahren aber auch hier auf unterschiedlichen Gleisen.
Die Linie 302 verkehrt im 7,5-Minuten-Takt, die Linien 306, 308, 316 und 318 im 15-Minuten-Takt. Davon abweichend verkehren die 305 und 310 nur alle 30 Minuten. Die U35 fährt werktags alle 5 Minuten (nur Hustadt bis Riemke Markt; Riemke Markt bis Schloß Strünkede alle 10 Minuten), in den Ferien und samstags dagegen ebenfalls alle 10 Minuten. Die Linie 306 hat morgens ebenfalls einen 5-Minuten-Takt, allerdings nur zwischen Bochum Hbf und Hordeler Straße. In der Schwachverkehrszeit wird dagegen auf fast allen Linien durchgängig nur alle 30 Minuten gefahren, wobei die U35 davon abweichend bis zum Betriebsschluss im 15-Minuten-Takt verkehrt. Der Betrieb der Straßenbahn endet kurz nach Mitternacht und der Stadtbahn nach 1 Uhr. Samstags, sonntags und feiertags nachts verkehren neben den Nachtbuslinien die U35, 306 und 318 stündlich im Nachtverkehr.
Die Strecken Das Bochumer Stadtbahnsystem ist sternförmig mit dem Hauptbahnhof als Zentrum angelegt und umfasst drei unterirdische Stammstrecken im Zentrum sowie sieben Außenäste, die jeweils von ein bis zwei Linien befahren werden. Bei den Stammstrecken handelt es sich um eine Nord-Süd-Verbindung, eine Ost-West-Verbindung und eine Diagonalverbindung, die von Süd-West nach Nord-Ost verläuft. Dabei folgen die Linien den großen Ausfallstraßen. Demzufolge ist die Linienführung weitgehend gradlinig angelegt. Lediglich die Königsallee und in deren Verlängerung die Kemnader Straße sind schienenfrei und nicht untertunnelt. Anstelle einer Bahnverbindung verkehren hier die Buslinien SB37 (bis Kosterstraße), 350 und 353 (bis Berneckerstraße).
Strecke I mini|hochkant|links|Bau der U-Bahn-Station Schauspielhaus mini|links|NF6D auf der Linie 318 in Dahlhausen
Hierbei handelt es sich um die ältesten Tunnelabschnitte der Bochumer Stadtbahn. Die Stadtbahn, für die der Tunnel ursprünglich gebaut wurde, sollte von Hattingen über Bochum-Linden, -Weitmar, -Innenstadt, -Gerthe nach Castrop-Rauxel verlaufen. Dazu wurde der Nordast der alten Linien 8 und 18 von Herne und Recklinghausen nach Gerthe verlegt. Der Tunnelabschnitt umfasst vier Stationen und reicht von der Rampe am Bergmannsheil bis zu der Rampe am Ruhrstadion. Die Strecke wird fast komplett gemäß der ursprünglichen Planung durch die Linie 308 bedient, endet aber auf Bochumer Stadtgebiet im Stadtteil Gerthe kurz vor Erreichen der Stadtgrenze.
Die Strecke ist meterspurig, aber gerade im nordöstlichen Ast teilweise stadtbahnmäßig ausgebaut. Dort und auch auf der Tunnelstrecke sind die Haltestellen weitgehend barrierefrei ausgebaut. Im südwestlichen Ast fahren die Linien fast ausschließlich als reine Straßenbahn und es existieren nur einige wenige barrierefreie Stationen. Vor einigen Jahren wurde die Strecke zum Teil mit Ampelvorrangschaltungen ausgerüstet, außerdem mit Haltestellenampeln, die den Verkehr hinter der einfahrenden Straßenbahn für den Individualverkehr sperren. Fünf Haltestellen liegen dabei in Hattingen. Die letzten beiden, Bahnhofstraße und Hattingen Mitte, gelten als Stadtbahnstationen. Ab der Hattinger Ruhrbrücke bis zur Endstelle besitzt diese Strecke einen bahneigenen Gleiskörper.
Außerdem fährt auf der Strecke noch die Linie 318, die, von Dahlhausen Bahnhof kommend, die 308 von Linden Mitte bis Hauptbahnhof verstärkt. In der Schwachverkehrszeit wird die 318 verlängert bis Gerthe, um dort einen 15-Minuten-Takt halten zu können.
Linie Verlauf
Strecke II
Diese Nord-Süd-Verbindung entspricht in ihrem Ausbaustand am ehesten den ursprünglichen Planungen, da die einzige dort verkehrende Linie U35 CampusLinie eine Stadtbahn gemäß der strengeren Definition darstellt. Das bedeutet einen normalspurigen Betrieb, Hochbahnsteige, eine reduzierte Zahl an Haltestationen und eine eigenständige Führung in Abschirmung vor dem Individualverkehr. Die U35 verkehrt von Herne bis Bochum-Querenburg und benutzt dabei zum großen Teil eine Tunnelstrecke. Lediglich zwischen der Haltestelle Wasserstraße und der Endhaltestelle Hustadt wird sie oberirdisch geführt, liegt dabei aber in der Mitte der Universitätsstraße auf einem unabhängigen Gleiskörper. Von den 21 Stationen befinden sich sechs an der Oberfläche und fünfzehn im Tunnel, darunter alle sechs Herner Stationen. Insgesamt sind lediglich vier Kreuzungspunkte mit dem Individualverkehr zu finden, an denen die Stadtbahn durch Ampelschaltungen bevorrechtigt ist.
Der ursprünglich geplante Ausbaustand konnte aber nicht erreicht werden, da die Städte Recklinghausen und Witten aus den gemeinsamen Plänen und der Finanzierung ausgestiegen sind. Ursprünglich hätte die Linie beide Städte verbinden sollen. So endet sie nun in beiden Richtungen vorzeitig in Herne, Schloß Strünkede bzw. Bochum-Querenburg, Hustadt.
Bis auf die Haltestelle Berninghausstraße in Herne, die über keinen Aufzug verfügt, sind alle Stationen barrierefrei ausgebaut. In der Praxis erweist sich ihre Nutzung für Mobilitätseingeschränkte aber bisweilen als etwas schwierig, da die Stationen immer wieder von Vandalismus betroffen sind: Ein barrierefreier Zugang wird bis auf zwei offene Stationen (Wasserstraße und Brenscheder Straße) nur durch die Benutzung von Aufzügen gewährleistet, die jedoch ebenso durch mutwillige Beschädigung immer wieder ausfallen.
Die U35 ist mit rund 84.000 Fahrgästen (Stand 2011) täglich die meistgenutzte Linie der Stadtbahn Bochum. Um diese Nachfrage zu bewältigen wird zur Hauptverkehrszeit üblicherweise in Doppeltraktion und morgens sogar im 3-Minuten-Takt gefahren. Der Betriebsschluss der U35 ist später als bei anderen Linien des Bochumer Schienenverkehrs. Die letzten regulären Züge fahren kurz nach 1 Uhr von den Endhaltestellen ab. Vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen wird die Zeit zwischen Betriebsschluss und -beginn durch Nachtexpress-Fahrten im Stundentakt abgedeckt. Eine Umsteigebeziehung mit den dann außerdem verkehrenden Nachtexpress-Bussen ist durch den Fahrplan sichergestellt.
Linie Linienverlauf
Strecke III mini|links|Ein NF6D auf der Linie 302 mini|links|Ein M6 auf der Linie 310
Bei dieser Strecke war geplant, sie von Laer über Stadtmitte, Höntrop, Wattenscheid-Mitte, Gelsenkirchen-Ückendorf, -Mitte, -Erle bis nach Herten zu führen. Auch für diese Stadtbahn wäre der Linienweg der dort zuvor verkehrenden Straßenbahn geändert worden. Der geplante Ausbau wurde allerdings mittlerweile zu den Akten gelegt, obwohl zwei vorgesehene Tunnelabschnitte in den Innenstädten von Gelsenkirchen (seit 1984 bis Musiktheater) und Bochum hierfür fertiggestellt wurden. In Bochum wird dieser Tunnel, der vier Bahnhöfe umfasst, nun von den Linien 302, 305 und 310 befahren. Die 302 verkehrt mit einer Fahrzeit von 80 Minuten zwischen dem Bahnhof Bochum-Langendreer (tagsüber wochentags jeder zweite Zug erst ab O-Werk) nach Gelsenkirchen-Buer Rathaus. Dabei durchfährt sie die langgestreckte Stadt Gelsenkirchen in Nord-Süd-Richtung und bildet somit das Rückgrat des Gelsenkirchener Nahverkehrs. 1994 wurde die weiter östlich verlaufende unterirdische Trasse der Linie 301 in Betrieb genommen; der Tunnel endet unmittelbar südlich des Rhein-Herne-Kanals am Zoo.
Die Linie 310 kommt aus Witten, wo sie 15 Haltestellen bedient und auch die Innenstadt von Witten durchquert. Ab Laer Mitte verstärkt sie die 302, führt dann aber nach der Bochumer Innenstadt weiter nach Höntrop Kirche.
In Langendreer, Laer und auf dem Linienweg der 310 nach Höntrop finden sich mehrere gut ausgebaute Streckenabschnitte. Ein barrierefreier Zugang ist vorhanden, da auf dem Netz 2020 Niederflurwagen fahren. Die 302 ist in Bochum nur zwischen den Haltestellen Langendreer und Westpark sowie an einigen Haltestellen in Wattenscheid Mitte barrierefrei zugänglich. In Gelsenkirchen, wo die Strecke ab Musiktheater unabhängig vom Individualverkehr auf den Mittelstreifen von Hauptverkehrsstraßen verläuft, sind die Haltestellen meist entsprechend ausgestattet. Die Strecke der 302 wurde hier bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 mit unabhängigem Gleiskörper errichtet und für den Betrieb mit Doppeltraktion anlässlich der WM 2006 erneut ausgebaut. Trotzdem führte die geplante U21-Strecke nicht auf dieser Trasse, sondern weiter östlich; teilweise werden die für die U21 vorgesehenen Stationen gegenwärtig von der Linie 301 bedient. Die Linie 302 hat in Gelsenkirchen infolgedessen lediglich zwei Tunnelstationen.
Seit dem 29. Januar 2006 ist in Bochum die Stadtbahn-Strecke unter der Innenstadt in Betrieb. Somit ist diese nun schienenfrei. Die Linien 302 und 310 fahren zwischen den Haltestellen Freigrafendamm und Jacob-Mayer-Straße/Jahrhunderthalle unterirdisch.
Die ausschließlich in Gelsenkirchen verkehrende Linie 301 hält an sieben Stadtbahnstationen im Tunnel und an einer oberirdischen Station (ZOOM Erlebniswelt). Sie überquert nachfolgend den Rhein-Herne-Kanal sowie die parallele Emscher und führt via Erle weiter Richtung Buer Rathaus. Endstation ist Essener Straße im südwestlich von Buer gelegenen Stadtteil Horst. Die dort zuvor bediente Haltestelle Buerer Straße bietet Anschluss zur U11 nach Essen in abweichender Spurweite (zwischen Buerer Str. und Schloss Horst nutzt sie mit dieser ein Dreischienengleis). Bereits in der Innenstadt zweigt vor dem Musiktheater an der Oberfläche die vom Hauptbahnhof Gelsenkirchen kommende Linie 107 der Straßenbahn Essen ab.
Linie Verlauf
Strecke IV