Der Haarschwanzmaulwurf (Parascalops breweri) ist eine Säugetierart aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den östlichen Teil von Nordamerika vom südlichen Kanada bis in die nordöstliche und östliche USA. Er kommt sowohl in Wäldern als auch in offenen Graslandschaften bis in mittlere Gebirgslagen vor. Die Tiere bevorzugen dabei Standorte mit lockeren, gut entwässerten Böden. Sie stellen mittelgroße Vertreter der Neuweltmaulwürfe dar, die wie alle anderen Angehörigen der Gruppe ebenfalls an eine unterirdische Lebensweise angepasst sind. Ihr Körper ist dadurch walzenförmig, der Hals kurz und die Vordergliedmaßen gleichen Grabschaufeln. Die Fellfärbung zeichnet sich durch einen dunklen Farbton aus, manchmal kommen hellere Flecken vor. Der deutschsprachige Trivialname der Art bezieht sich auf den fellbedeckten Schwanz.
Die Tiere leben unterirdisch und graben eigene Gang- und Tunnelsysteme, die sehr ausgedehnt sein können. Es bestehen mehrere Ebenen mit oberflächennahen Tunneln, die zumeist im Frühjahr und Sommer genutzt werden und der Nahrungssuche und Fortbewegung dienen. Tiefere Abschnitte werden häufig im Winter aufgesucht und schützen vorrangig vor Frost. Ebenso liegen die Nestkammern zum Rückzug und zur Aufzucht des Nachwuchses meist tiefer. Der Haarschwanzmaulwurf lebt einzelgängerisch, jedes Tier beansprucht ein eigenes Tunnelsystem. Zu bestimmten Jahresabschnitten können aber mehrere Individuen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts und verschiedener Altersstufen in den gleichen Gängen auftreten. Die Nahrung umfasst Regenwürmer und Insekten. Gelegentlich erfolgt die Nahrungssuche an der Erdoberfläche. Die Fortpflanzung ist auf das Frühjahr beschränkt. Der Wurf eines Weibchens besteht aus vier bis fünf Jungen, die rund einen Monat gesäugt werden.
Einzelne Berichte und Erwähnungen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beziehen sich höchstwahrscheinlich auf den Haarschwanzmaulwurf. Die offizielle Erstbeschreibung datiert aber in das Jahr 1841. Der heute gültige Gattungsname wurde rund ein halbes Jahrhundert später eingeführt. Art und Gattung sind monotypisch. Es wurde aber zusätzlich ein ausgestorbener Vertreter benannt, der im Pliozän im östlichen Europa auftrat. Ebenso sind aus Nordamerika aus dieser Zeit fossile Reste bekannt. Der Bestand der heutigen Art wird als nicht gefährdet eingestuft.
Merkmale Habitus mini|links|Haarschwanzmaulwurf Der Haarschwanzmaulwurf repräsentiert einen mittelgroßen Vertreter der Neuweltmaulwürfe. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 12,5 bis 14,0 cm und eine Schwanzlänge von 2,6 bis 3,3 cm. Der Schwanz macht dadurch weniger als ein Viertel der Gesamtlänge aus. Das Gewicht variiert von 41,0 bis 62,8 g. Männchen sind im Durchschnitt rund 15 % größer als Weibchen, womit ein markanter Geschlechtsdimorphismus vorherrscht. Der Körperbau der Tiere zeigt wie bei allen Neuweltmaulwürfen Anpassungen an eine grabende Lebensweise. Der Rumpf ist walzenförmig, der Hals kurz und die Vordergliedmaßen sind zu Grabwerkzeugen umgebildet. Die Handflächen werden so lang wie breit und sind mit kräftigen, breiten und flachen Krallen ausgestattet. Diejenigen der Hinterfüße wirken dagegen schmal und kurz. Das Rückenfell besitzt eine schiefergraue bis schwarze Farbgebung, die Unterseite ist leicht heller getönt. Teilweise treten weiße Fleckenbildungen von rund 1 cm Durchmesser an Brust und Bauch auf. Die Füße sind fleischig und nur spärlich behaart. Den Schwanz, der an der Basis leicht einzieht, bedeckt ein dichtes Fell, außerdem besitzt er Schuppenringe. Generell ist das Fellkleid dicht und weich sowie teils seidig. Die Haare werden alle etwa gleich lang. Jungtiere zeichnen sich durch dunkelbraune Haare an den Füßen, am Schwanz und an der Schnauze aus, diese wechseln später in einen graufarbenen Ton über und werden zu fast weiß bei alten Individuen. Die Schnauze ist kurz und zugespitzt. Die Nasenlöcher liegen seitwärts und sind nach oben gerichtet. Die kleinen Augen bleiben im Fell verborgen. Sie sind in ihrer Größe stark reduziert, ihr Durchmesser beträgt rund 1 mm. Strukturell besitzen sie aber den Aufbau eines gewöhnlichen Säugetierauges. Ohrmuscheln fehlen, es kommen aber längliche Öffnungen von 3,5 mm Ausdehnung vor. Einzelne längere Haare an der Schnauze und hinter den Augen haben wohl die Funktion von Vibrissen. Die Hinterfußlänge liegt bei 1,6 bis 1,9 cm. Weibchen haben vier Paare an Zitzen, zwei davon befinden sich im Brust- und jeweils eines im Bauch- und Leistenbereich.
Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel wird 31,0 bis 33,7 mm lang und an den Warzenfortsätzen 14,0 bis 15,2 mm breit. Die Breite im Bereich der Jochbögen liegt bei 11,8 bis 12,5 mm. Allgemein ist der Schädel konisch geformt und flach, hinter den Augen tritt eine Eindellung auf. In Aufsicht zieht er hinter den Orbita etwas ein. Der Hirnschädel ist moderat breit. Das Rostrum wirkt schmal. Der Mittelkieferknochen überragt die Nasenbeine nach vorn und ist am Ende abgestumpft. Die Jochbögen sind relativ kräftig gebaut. An der Schädelbasis sind die Paukenblasen nur unvollständig entwickelt. Ein äußerer Gehörgang ist nicht sichtbar. Der schmale Gaumen endet kurz hinter dem letzten Molaren. Der horizontale Knochenkörper des Unterkiefers verläuft geschwungen, nach vorn neigt er abwärts, nach hinten richtet er sich aufwärts. Der Kronenfortsatz lehnt sich nach vorn. Er ist hoch und in Seitenansicht breit. Der Winkelfortsatz wirkt klein.
Das Gebiss besteht aus 44 Zähnen, die Zahnformel lautet: . Manchmal treten überzählige Zähne auf. Beobachtet wurden bisher ein oder zwei zusätzliche Zahnbildungen. Sie sind nicht auf bestimmte Kieferseiten beschränkt, betreffen aber jeweils die Schneidezähne und Prämolaren. Sie ähneln in Größe und Form den regulären Zähnen. Wie üblich bei den Neuweltmaulwürfen ist der vorderste obere Schneidezahn stark vergrößert. Die nachfolgenden Schneidezähne und die ersten drei Prämolaren werden nur halb so groß und weisen nur eine Spitze auf (unicuspid). Der Eckzahn ähnelt diesen, wird aber etwas größer. In der unteren Zahnreihe übertrifft der zweite Schneidezahn die anderen an Größe und hat eine eckzahnartige Gestalt (caniniform). Die übrigen Schneidezähne und die vorderen drei Prämolaren sind wiederum klein und einspitzig. Die jeweils letzte obere und untere Prämolar ist deutlich größer. Die oberen Molaren zeigen sich im Querschnitt W-förmig, die unteren M-förmig. Die Haupthöcker sind auf der Kaufläche der oberen Mahlzähne W-förmig angeordnet (dilambdodont). An der jeweiligen Zahninnenseite tritt ein niedriger Wulst auf, der aus drei Lappen besteht (trilobat), lediglich am letzten Molar sind es nur zwei Lappen (bilobat). An den unteren Molaren kommen einzelne zusätzliche Nebenhöckerchen vor. Die Länge der oberen Zahnreihe reicht von 13,0 bis 14,1 mm, die untere Prämolaren-Molarenreihe erstreckt sich über 8,9 bis 9,8 mm.
Eimersches Organ Die unbehaarte Nase des Haarschwanzmaulwurfs ist wie bei zahlreichen anderen grabenden Maulwürfen von kleinen buckelartigen Erhebungen bedeckt, die bis zu 120 μm durchmessen können und auf der höchsten Stelle eine Scheibe tragen. Die Buckel oder Papillen umhüllen Nervenenden, die das Eimersche Organ bilden, ein feinfühliges Tastwerkzeug. Bis zu 1800 Rezeptoren sind beim Haarschwanzmaulwurf vorhanden. Der Großteil davon verteilt sich regelmäßig in einer bienenwabenartigen Anordnung um die Nasenlöcher, jeweils 65 davon beschränken sich auf einen kleinen seitlichen Fleck.
Genetische Merkmale Der diploide Chromosomensatz lautet 2n = 34. Er stimmt somit weitgehend mit dem der meisten anderen Neuweltmaulwürfe überein. Die Aufteilung der Autosomenpaare wird unterschiedlich angegeben, einerseits mit 12 zweiarmigen und 4 acrozentrischen, andererseits mit 15 zweiarmigen und 1 acrozentrischen. Demnach variiert auch die fundamentale Anzahl, also die Anzahl der Autosomenarme, zwischen 56 und 62. Das X-Chromosom ist meta- bis submetazentrisch, das Y-Chromosom fleckenförmig.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Haarschwanzmaulwurfs Das Verbreitungsgebiet des Haarschwanzmaulwurfs umfasst Teile des östlichen Nordamerikas. Es reicht im Norden bis in das südliche Kanada, wo er in den Provinzen Ontario und Québec auftritt. Nach Süden hin schließt es den nordöstlichen und östlichen Bereich der USA ein. Die Südgrenze liegt im Norden der US-Bundesstaaten Georgia und South Carolina. Im Osten wird ein Großteil der Küstenregionen ausgenommen, im Westen verläuft die Grenze durch das östliche Ohio, Kentucky und Tennessee. Die Tiere bewohnen verschiedene Lebensräume wie Wälder, Grasländer und Weiden, häufig in Verbindung mit mächtigen Humusschichten. Sie bevorzugen lockere und gut entwässerte, leichte Böden wie feuchte Sandlehme. In der Regel meiden sie harte, trockene oder reine Sandböden. Gelegentlich ist der Haarschwanzmaulwurf auch in Marschland oder stark tonigen Böden zu finden. Die Populationsdichte beträgt im Durchschnitt 3 Individuen auf einem Hektar, im Extremfall können es 25 bis 30 Tiere auf einer vergleichbar großen Fläche sein. Die Höhenverbreitung reicht vom Meeresspiegelniveau bis auf 1950 m in den Great Smoky Mountains.
Lebensweise und Ernährung Territorialverhalten