Die Ostasiatischen Maulwürfe (Mogera) sind eine Säugetiergattung aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Die Gattung umfasst zehn Arten, die im östlichen und südöstlichen Asien sowohl auf dem Festland als auch auf der Inselwelt Japans leben. Es handelt sich um mittelgroße bis große Vertreter der Maulwürfe. Im äußeren Erscheinungsbild gleichen sie den Eurasischen Maulwürfen. Wie diese besitzen sie einen zylindrischen Körper, einen kurzen Hals und grabschaufelartige Vorderbeine. Allerdings weisen sie einen relativ kurzen und zumeist dicken Schwanz auf. Das Fell ist in verschiedenen Grau- und Braun- sowie mitunter in Schwarztönen gehalten. Im Gegensatz zu den Eurasischen Maulwürfen und auch zu den teils sympatrisch vorkommenden Südostasiatischen Maulwürfen ist das Gebiss leicht reduziert und besteht aus nur 42 Zähnen, wobei nicht eindeutig beantwortet ist, welcher Zahn zurückgebildet wurde. Die Lebensweise der Tiere gilt als bisher nur ungenügend erforscht, allenfalls liegt für einzelne Arten umfangreicheres Datenmaterial vor. Sie leben unterirdisch in selbst gegrabenen Gängen und Tunneln. In diesen legen sie Nester aus Pflanzenmaterial an. Als Nahrung dienen Regenwürmer und Insekten. Nachwuchs kommt ein- oder zweimal im Jahr zur Welt. Die Lebensräume der Ostasiatischen Maulwürfe bestehen aus Wäldern, Wiesen und kultivierten Flächen in Tief- und Hochlandlagen. Wissenschaftlich eingeführt wurde die Gattung im Jahr 1848. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden ihre Angehörigen teilweise den Eurasischen Maulwürfen zugeordnet. Fossilfunde sind selten, die ältesten Nachweise datieren in das Mittelpleistozän. Ein Teil der Arten ist in ihrem Bestand bedroht.
Merkmale Habitus mini|Kano-Maulwurf (Mogera kanoana) mini|Ussuri-Maulwurf (Mogera robusta) Die Ostasiatischen Maulwürfe sind mittelgroße bis große Vertreter der Maulwürfe. Ihre Kopf-Rumpf-Länge variiert von 11,3 bis 14,0 cm bei kleinen Arten wie dem La-Touche-Maulwurf (Mogera latouchei), dem Kano-Maulwurf (Mogera kanoana) oder dem Chinesischen Inselmaulwurf (Mogera insularis) bis hin zu 14,7 bis 18,0 cm bei großen Arten wie dem Japanischen Maulwurf (Mogera wogura), dem Echigo-Maulwurf (Mogera etigo) oder dem Ussuri-Maulwurf (Mogera robusta). Entsprechend liegt das Gewicht bei 24 bis 73 g beziehungsweise bei 95 bis 178 g. Der Schwanz kann 0,7 bis 3,0 cm lang werden. Im Verhältnis zur Länge des restlichen Körpers erreicht er bei eher kurzschwänzigen Arten wie dem Kano-Maulwurf und dem Chinesischen Inselmaulwurf nur durchschnittlich 7,1 bis 9,1 %, bei langschwänzigeren Arten wie dem Echigo-Maulwurf und dem Sado-Maulwurf (Mogera tokudae) 15,8 bis 18,1 %. In der Regel ist der Schwanz dick und kürzer als der Hinterfuß, nur bei den langschwänzigeren Arten übertrifft die Schwanzlänge die Hinterfußlänge, welche insgesamt 1,4 bis 2,4 cm beträgt. Äußerlich haben die Ostasiatischen Maulwürfe den typischen Körperbau der Eigentlichen Maulwürfe (Talpini). Ihr Körper ist walzen- bis zylinderförmig, der Hals kurz und die Vordergliedmaßen sind zu Grabwerkzeugen umgebildet sowie nach außen gedreht. Das dichte Fell zeigt sich häufig dunkelgrau oder braun bis schwarz gefärbt, der Schwanz ist nur spärlich behaart. Es besteht weitgehend aus Wollhaaren. Leithaare kommen vor, sind aber mit einem Anteil von 0,4 bis 0,9 % eher spärlich verteilt. Die Schnauze spitzt sich nach vorn zu, auf der Rückseite besteht jeweils ein nackter Fleck. Der Nasenspiegel ist nach vorn gerichtet. Der Penis besitzt eine kurze und dicke Eichel, was eher den Südostasiatischen Maulwürfen (Euroscaptor) entspricht, aber von der langschmalen Form bei den Eurasischen Maulwürfen (Talpa) abweicht. Weibchen haben in der Regel vier Zitzenpaare. Von denen sitzen entweder ein oder zwei in der Brust-, ebenfalls ein oder zwei in der Bauch- und eins in der Leistengegend.
Schädel- und Gebissmerkmale Im Schädelbau bestehen kaum Unterschiede zu den anderen Vertretern der Eigentlichen Maulwürfe. Er zeigt sich langgestreckt mit schlank entwickelten Jochbögen. Allerdings ist bei den Ostasiatischen Maulwürfen die Zwischenaugenregion eher schlank und der Hirnschädel kleiner als im Vergleich zu den Südostasiatischen Maulwürfen. Ein auffallender Unterschied findet sich im Gebiss, das bei den Ostasiatischen Maulwürfen leicht reduziert ist. Die Zahnanzahl beträgt dementsprechend 42 gegenüber 44 bei den Südostasiatischen Maulwürfen und den Eurasischen Maulwürfen. Häufig wird die Zahnformel mit angegeben, so dass im Unterkiefer der letzte Schneidezahn fehlt. Eine davon abweichende Zahnformel mit geht von einem zurückgebildeten unteren Eckzahn aus. Grund für die voneinander abweichende Angabe ist die uniforme Ausprägung der vorderen unteren Zähne bei den Eigentlichen Maulwürfen. Dadurch entspricht der Eckzahn äußerlich und funktional einem Schneidezahn, er ist also incisiviform gestaltet. Der obere Eckzahn hingegen weist eine vergrößerte, spitze und somit eine für diesen Zahn typische Gestalt auf. Mit ihm stimmt weitgehend der erste untere Prämolar überein, womit dieser caniniform ist. Lediglich beim Ryukyu-Maulwurf (Mogera uchidai) wurde ein Gebiss bestehend aus nur 38 Zähnen gemeldet. Hier fehlten der jeweils zweite obere und untere Prämolar. Die Art ist allerdings nur von einem Exemplar bekannt, so dass nicht gesagt werden kann, ob es sich um einen Normalzustand beim Ryukyu-Maulwurf handelt. Andere Vertreter der Ostasiatischen Maulwürfe weisen teils einen hohen Anteil an Oligodontie auf, die zumeist den Bereich der Prämolaren betrifft und nicht ausgebildete und überzählige Zähne einschließt. Häufig fehlt hierbei der zweite Prämolar, der bei allen Eigentlichen Maulwürfen insgesamt deutlich kleiner ausgeprägt ist und so eine Tendenz zur Reduktion zeigt. Die Molaren kennzeichnen sich durch spitze Höckerchen auf der Kauoberfläche, die über eine dilambdodonte (W-förmige) Zahnschmelzleiste miteinander verbunden sind.
Skelettmerkmale Die Ostasiatischen Maulwürfe besitzen ein sogenanntes mogerides Becken. Hierbei ist die Öffnung des vierten und fünften Kreuzbeinwirbels hinten von einer Knochenbrücke überdeckt. Dies weicht vom caecoidalen Becken der Südostasiatischen Maulwürfe beziehungsweise vom caecoidalen und europaeoidalen Becken der Eurasischen Maulwürfe ab. Bei letzterem, benannt nach dem Europäischen Maulwurf (Talpa europaea), ist nur die Öffnung des vierten Kreuzbeinwirbels durch eine Knochenbrücke überspannt, bei ersterem, benannt nach dem Blindmaulwurf (Talpa caeca), fehlt die Brücke.
Eimersches Organ Wie bei den Eurasischen Maulwürfen wird die unbehaarte Nase von buckelartigen Aufwölbungen oder Papillen bedeckt, die bienenwabenartig angeordnet sind. Ihr Durchmesser beträgt jeweils 60 bis 100 μm, der höchste Abschnitt wird von einer Scheibe markiert. Es handelt sich um die Rezeptoren des Eimerschen Organs, in die jeweils Nervenbahnen enden und wodurch ein sehr feinfühliges Tastwerkzeug entsteht. Ihre Anzahl entspricht der, die bei den Eurasischen Maulwürfen festgestellt wurde, bei denen es gut 2200 sind. Ebenso verteilen sich die Buckel auf mehrere Bereiche um die Nasenlöcher, die aber nicht so deutlich voneinander abgetrennt sind wie bei den erstgenannten. Bisher belegt wurden sie beim Japanischen Maulwurf und beim Kleinen Japanischen Maulwurf (Mogera imaizumii).
Genetische Merkmale Der diploide Chromosomensatz der Ostasiatischen Maulwürfe variiert von 2n = 30 beim La-Touche-Maulwurf über 2n = 32 bei den beiden taiwanesischen Vertretern, dem Chinesischen Inselmaulwurf und dem Kano-Maulwurf, bis hin zu 2n =36 bei den verschiedenen Maulwürfen der japanischen Inselwelt und dem Ussuri-Maulwurf. Die Anzahl der einzelnen Arme der Autosomen (fundamentale Anzahl) liegt zwischen 52 und 60. Es wird angenommen, dass der Karyotyp der japanischen Maulwürfe den eher ursprünglichen Zustand repräsentiert, bei dem verschiedene perizentrische Inversionen zu abweichenden fundamentalen Anzahlen führten. Die Unterschiede zu den reduzierten Chromosomenanzahlen bei den taiwanesischen Formen und dem La-Touche-Maulwurf gehen möglicherweise auf weitere perizentrische und zusätzlich auf Robertson-Translokationen zurück. Die sehr geringe Chromosomenanzahl beim La-Touche-Maulwurf ist der bisher niedrigste Wert, der innerhalb der Maulwürfe festgestellt werden konnte.
Verbreitung und Lebensraum Die Ostasiatischen Maulwürfe sind in Ostasien und teilweise auch in Südostasien heimisch. Allein vier Arten kommen auf der japanischen Inselwelt vor. Diese werden durch den Japanischen Maulwurf, den Kleinen Japanischen Maulwurf, den Echigo-Maulwurf und den Sado-Maulwurf (Mogera tokudae) repräsentiert. Das Hauptverbreitungsgebiet ist die Insel Honshū sowie die südlich anschließenden Inseln Kyūshū und Shikoku sowie einzelne kleinere benachbarte Inseln. Während die beiden erstgenannten Arten jeweils ein großes Verbreitungsgebiet einnehmen, ist das der beiden letztgenannten eher klein und räumlich eng begrenzt. Mit einem einzelnen Individuum auf einer der zu den Senkaku-Inseln gehörenden Ryūkyū-Inseln ist der Ryukyu-Maulwurf belegt und kann somit zu den japanischen Vertretern gezählt werden. Zwei weitere Arten sind mit dem Chinesischen Inselmaulwurf und dem Kano-Maulwurf auf Taiwan nachgewiesen, erstere Form kommt zusätzlich auf dem ostasiatischen Festland vor. Zudem ist Mogera hainana für die Insel Hainan belegt. Der La-Touche-Maulwurf und der Ussuri-Maulwurf sind ebenfalls jeweils auf dem asiatischen Festland anzutreffen. Letzterer tritt vor allem im nordöstlichen China, auf der Koreanischen Halbinsel sowie in der Region Primorje des fernöstlichen Russlands auf, er markiert die Nordgrenze der Verbreitung der Ostasiatischen Maulwürfe. Weitaus südlicher kommt der La-Touche-Maulwurf im südöstlichen China und im nördlichen Vietnam vor. Hier überschneidet sich das Verbreitungsgebiet der Ostasiatischen Maulwürfe mit dem einiger Vertreter der Südostasiatischen Maulwürfe. Auf Honshū ist zusätzlich noch der Japanische Bergmaulwurf (Oreoscaptor) anwesend.
Vor allem die weit verbreiteten Arten nutzen eine Vielzahl von Lebensräumen, die sowohl Wälder als auch Wiesen, Offenlandgebiete und landwirtschaftliche Nutzflächen einschließen. Sie kommen darüber hinaus vom Flachland bis in Bergregionen vor. In der Regel schließen sich die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten aus, sie treten somit parapatrisch auf. Jedoch besteht auf Honshū, teilweise auch auf Taiwan, regional eine Überschneidung einzelner Lebensräume, in denen der Konkurrenzdruck zwischen den Arten stärker ansteigt.
Lebensweise