mini|Sacha Baron Cohen (2011)

Sacha Noam Baron Cohen (* 13. Oktober 1971 in London) ist ein englischer Komiker und Schauspieler, der besonders für die durch ihn verkörperten Figuren Ali G, Borat, Brüno und Admiral General Aladeen bekannt ist.

Leben

Kindheit und Jugend Sacha Baron Cohen wuchs als zweiter dreier Söhne mit seinen Brüdern Amnon und Erran in einer jüdischen mittelständischen Familie im Londoner Stadtteil Hammersmith auf. Sein Vater Gerald Baron Cohen, der aus Wales stammt, führte einen Kleiderladen am Piccadilly Circus. Seine Mutter Daniella Weiser ist gebürtige Israelin. Der Namensteil Baron ist nicht als Adelstitel zu verstehen; er ist Teil des zusammengesetzten Nachnamens und eine englische Ableitung des hebräischen Wortes Baruch, zu Deutsch „gesegnet“. Seine Schulzeit verbrachte Baron Cohen auf der exklusiven Haberdashers’ Aske’s Boys’ School. Bereits dort zeigte er sein Talent und seine Sprachgewandtheit, als er mit acht Jahren einen Aufsatzwettbewerb in der Tageszeitung The Times gewann, in dem er die korrekte Verwendung der englischen Sprache anmahnte.Channel 5, 27. März 2002: Ali G Before he was massiv In seiner Jugend war er aktives Mitglied der Jugendorganisation Habonim Dror. Dort sammelte er in einer Theatergruppe erste Schauspielerfahrungen in einer Inszenierung von Neil Simons Stück Biloxi Blues. Eines seiner Hobbys war Breakdance, das ihm die Hip-Hop-Szene näherbrachte, die er später persiflieren sollte.

Zeit in Cambridge Nach dem Besuch des Christ’s College in Cambridge lebte er ein Jahr lang in Israel und arbeitete im Kibbuz Rosh haNikra.Howells, Richard (2006): „Is it Because I is Black?“ Race, humour and the polysemiology of Ali G. Historical Journal of Film, Radio and Television Vol. 26, S. 155–177 (englisch). Danach kehrte er nach Großbritannien zurück und studierte Geschichte an der Universität Cambridge, an der sein Cousin Simon Baron-Cohen heute Direktor des Autismus-Forschungszentrums ist. In Cambridge spielte er bei der Theatergruppe Footlights in Stücken wie Cyrano de Bergerac und Fiddler on the Roof. Dort spielte auch sein Jugendfreund Dan Mazer, der ihn später dauerhaft als Autor und Produzent unterstützte. 1992 fuhr Baron Cohen im Rahmen einer Studienfahrt nach Amerika, wo er den Bürgerrechtler Robert Parris Moses traf.The Times, 15. Januar 2000: Ali G star is leading civil rights scholar In seiner positiv aufgenommenen Abschlussarbeit „The Black-Jewish Alliance: A Case of Mistaken Identity“ untersuchte er die Kultur von Afroamerikanern und Juden sowie deren Rolle in der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre und beschäftigte sich insbesondere mit der wechselseitigen Beziehung von jüdischen und schwarzen Bürgerrechtlern. Besondere Berücksichtigung fanden dabei die Mississippi-Bürgerrechtsaktivisten-Morde an Michael Schwerner, James Earl Chaney und Andrew Goodman.Interview mit Robert Siegel bei National Public Radio Er beendete sein Studium mit der Note 2:1. 1994 betätigte er sich als Model.

Privates Der praktizierende Jude Gordon, Devin: The Brain Behind Borat – Fiercely private. Deeply funny. A closer look at a mystery man. 12. November 2006 Cohen wohnt in Los Angeles und war von 2010 bis 2024 mit der australischen Schauspielerin Isla Fisher verheiratet. Mit ihr drehte er 2003 den achtminütigen Kurzfilm „Spyz“ als James-Bond-Parodie, die zu Werbezwecken als Pilot zur Ali G Show in den USA genutzt wurde.Inhaltsangabe in der IMDb Sie haben zusammen zwei TöchterCelebrity Baby Blog, Introducing Olive Cohen, 6. November 2007 (englisch). und einen Sohn.TMZ, Sacha Baron Cohen&Isla Fisher: Holy Moses … It's a Boy!., 16. April 2015 (englisch). Am 5. April 2024 gaben Cohen und Fisher ihre Scheidung bekannt.

Karriere

Anfänge als Komiker Schon während seines Studiums übernahm Baron Cohen diverse Filmrollen. Nach seinem Abschluss strebte er eine Laufbahn als Komiker an; er trat mit seinem Bruder regelmäßig in einem Comedy-Club im Londoner Stadtteil West Hampstead auf. Erste Auftritte vor der Kamera hatte er bei dem relativ unbekannten Paramount Comedy Cable Channel mit der Figur Brüno, einem fiktiven schwulen, österreichischen Modejournalisten. 1995 war er als Gast in der „Jack Dee and Jeremy Hardy Show“ auf Channel 4. 1995/1996 moderierte er die Kabelsendung Pump TV und F2F. Harry Thompson und Andrew Newman, die Produzenten der „Eleven O’ Clock Show“ auf Channel 4, wurden auf ihn aufmerksam. Harry Thompson erkannte Baron Cohens Fähigkeit, mit seiner Form der Komik die wahren Motive der Menschen zu entlarven.

Durchbruch als Komiker mini|hochkant|Sacha Baron Cohen als Ali G (Rede an der Harvard University, 9. Juni 2004)

Seinen Durchbruch hatte Baron Cohen 1998, als er in der „11 O’Clock Show“ zum ersten Mal als Ali G auftrat. Seit 2000 tritt er in Großbritannien unter diesem Pseudonym in der gleichnamigen Show auf. Das Konzept der Auftritte besteht darin, dass Baron Cohen Politiker, Prominente oder Leute in der Rolle des Ali G interviewt, wobei er vor allem mit der Doppelbödigkeit der englischen Sprache spielt. Die teilweise gegensätzlichen Bedeutungen ein und derselben Phrase in unterschiedlichen sozialen Schichten sind dabei das wesentliche Stilmittel der Figur. Unter anderem interviewte er den Astronauten Buzz Aldrin, den Autor Gore Vidal, den Immobilienmogul und späteren US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, den ägyptischen Millionär Mohamed Al-Fayed, den ehemaligen Sprecher des US-Repräsentantenhauses Newt Gingrich, den politischen Kommentator Pat Buchanan oder den Linguisten Noam Chomsky. Ebenfalls 2000 chauffierte er Madonna im Musikvideo zu ihrer Single Music. Die Rolle des Ali G brachte Baron Cohen den British Comedy Award für den besten Newcomer ein., „All about cinema“ 2001 wurde die Show mit dem British Academy Television Award für die beste Comedy-Serie ausgezeichnet. In jenem Jahr moderierte er als Ali G die MTV Europe Music Awards in Frankfurt. 2002 drehte er seinen ersten Kinofilm Ali G in da House, der in Deutschland knapp eine halbe Million Kinobesucher anzog. Auf dem zugehörigen Soundtrack veröffentlichte er mehrere Musiktitel. Besonders zu nennen ist der Song Me Julie, den er mit Shaggy produziert hat. Für diesen wurde er im UK mit einer Silbernen Schallplatte ausgezeichnet.Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK Ab Februar 2003 wurde Da Ali G Show auf dem Sender HBO in den USA ausgestrahlt und auch dort positiv aufgenommen.

Weitere Rollen Für den Film Madagascar spielte Baron Cohen 2005 den Song I Like to Move It (ursprünglich von Reel 2 Real) ein und war zugleich als Synchronsprecher in der Rolle des Lemuren-Königs Julien tätig. 2005 moderierte Baron Cohen zum zweiten Mal, diesmal als Borat Sagdiyev, die MTV Europe Music Awards in Lissabon. 2006 kam der Film Borat – Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen in die Kinos, der aus der Figur in der Da Ali G Show entstanden ist. Der Film, bei dem Baron Cohen die Hauptrolle spielte und auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, löste breite Zustimmung, aber auch Kontroversen aus. Im Sommer 2009 kam der Film Brüno, gleichfalls aus einer Figur aus der Da Ali G Show entsprungen, in die Kinos. Zudem war Baron Cohen auch in den Produktionen Ricky Bobby – König der Rennfahrer und Hugo Cabret sowie in dem Musical-Film Sweeney Todd von Tim Burton zu sehen.

Von Februar bis Juni 2012 fanden die Dreharbeiten zur Neuverfilmung des Musicals Les Misérables unter der Regie von Tom Hooper statt, in dem Baron Cohen Thénardier verkörpert. 2014 stand er für den von Tim Burton produzierten Fantasyfilm Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln vor der Kamera, der im Mai 2016 veröffentlicht wurde. Baron Cohen war ursprünglich auch für die Rolle des Freddie Mercury im Biopic Bohemian Rhapsody vorgesehen. Nach seinen Angaben wurde die Zusammenarbeit wegen Differenzen mit Roger Taylor und Brian May bei Stil und Ausrichtung des Films beendet, die Bandmitglieder wiederum gaben Baron Cohens öffentliche Verbindung zu seinen komödiantischen Rollen als Grund an.

In der am 6. September 2019 veröffentlichten Netflix-Serie The Spy verkörpert Sacha Baron Cohen den israelischen Spion Eli Cohen. Die Handlung ist im Damaskus der frühen 1960er Jahre angesiedelt.

Im Jahr 2021 erhielt er zwei Oscar-Nominierungen. Baron Cohen wurde sowohl für seine Nebenrolle als Abbie Hoffman in dem Gerichtsdrama The Trial of the Chicago 7 (2020) berücksichtigt, als auch für das Drehbuch von Borat Anschluss Moviefilm.Steve Dove: Oscar Nominations 2021 List: Nominees by Category. In: abc.com, 15. März 2021 (abgerufen am 15. März 2021). Letzterer brachte ihm auch einen Golden Globe ein, als Bestem Hauptdarsteller in der Kategorie Komödie/Musical.

Stil des Humors

Vorgehensweise Baron Cohens Humor besteht aus der Entwicklung eines Alter Ego, das dann, oft ohne dass Fremde vom fiktiven Charakter der Figur wissen, durch provokative Fragen und Handlungen den Habitus, die sozialen Normen und Werte der Interviewpartner offenlegt. Typisch ist ein Verhalten einer Figur, das in einer bestimmten Situation gerade nicht angebracht ist oder nicht politisch korrekt ist. So fragt Baron Cohen (als Borat) eine Feministin, ob es nicht vielleicht ein Problem sei, dass Frauen ein kleineres Gehirn hätten. Durch sexistische (Ali G, Borat) oder antisemitische (Borat, Aladeen) Figuren entlarvt Baron Cohen also auch solche Vorurteile bei seinen Interviewpartnern.Interview mit Sue Leetch, Direktorin des Centre for Gender Research bei YouTube bzw. als Transkript: Dies ist von Baron Cohen auch genau so beabsichtigt. Durch ungeniert-plumpe Äußerung von Vorurteilen bringt Borat seine Interviewpartner dazu, Dinge zu sagen und Meinungen zu äußern, die sie unter normalen Umständen aus Gründen der politischen Korrektheit niemals ausgesprochen hätten. Ein Fuchsjäger gesteht ihm, dass es „ein großes Vergnügen bereite, ein Tier zu töten“ (it's much fun to kill an animal) und dass „man sich dadurch groß fühle“ (it makes you feel big) und ein älterer männlicher akademischer Interviewpartner an der Universität Cambridge äußert im Gespräch schließlich die Ansicht, dass Frauen zwar genauso viel Intelligenz wie Männer hätten, aber keine Kreativität und dass sie nicht richtig denken könnten (… women haven’t got creative minds, they cannot think properly). Über die Figur Borat sagt Baron Cohen:

Seine kritische Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus wurde bereits während seines Studiums in Cambridge geformt. Besonders eine Aussage des Historikers Ian Kershaw habe ihn beeinflusst, nämlich: (deutsch: ). Eine solche Art Gleichgültigkeit sei es, so Baron Cohen, die Borat entlarve.

Vergleich mit anderen Komikern Die Verwendung von einem Alter Ego in der Komik ist nicht neu; Andy Kaufman spielte beispielsweise häufig den miserablen Nachtclubsänger Tony Clifton, Hape Kerkeling tritt als Horst Schlämmer oder als Schwabe Siggi Schwäbli auf. Auch der deutsche Schauspieler und Komiker Christian Ulmen hat mehrere Figuren entwickelt, die eine ähnlich entlarvende Wirkung haben wie die von Cohen. Rod Hull, mit dem er auch verglichen wird, konnte seine aggressive Interviewtechnik über sein Alter Ego, die Handpuppe eines Emus, umsetzen. Das wohl bekannteste deutsche Alter-Ego-Duo ist Erkan & Stefan (alias: John Friedmann und Florian Simbeck). Durch die Verwendung eines Alter Ego kann Baron Cohen sich auch recht gut vor öffentlicher Kritik schützen:

Wegen seiner Wandlungsfähigkeit wird Baron Cohen mit dem Komiker Peter Sellers verglichen. Cohen selbst hat eingeräumt, dass ihn Sellers neben der Komikergruppe Monty Python schon in seiner Kindheit inspiriert habe.

Postmoderner Humor