Sierning ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Steyr-Land im östlichen Teil von Oberösterreich.
Geografie mini|Steyrniederung bei Neuzeug mit der Kante der Terrasse von Sierning Sierning liegt am Südrand der Traun-Enns-Platte auf mehreren Terrassen zwischen der Eisenstadt Steyr und der Kurstadt Bad Hall am unteren Steyr-Fluss.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Gründberg, Hilbern, Neuzeug, Oberbrunnern, Pichlern, Sierning und Sierninghofen.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl ): Neuzeug () Sierning – Hauptort () Die folgenden Ortschaften wurden 2010 aufgelöst:Ortsverzeichnis 2001; Änderung per Ortsliste Statistik Austria; 4. November 2010. Gründberg, Hilbern, Neuzeug, Niederbrunnern, Oberbrunnern, Pichlern, Schwaming, Sierning und Sierninghofen.
Die Gemeinde führt als Ortschaften (Gemeindeteile):Information von Sierning. sierning.at > Gemeinde & Politik > Wissenswertes, abgerufen am 10. Juli 2018. Gründberg, Hilbern, Neuzeug, Steinfeld, Pichlern, Sierninghofen, Letten, Pachschallern, Ober- und Niederbrunnern, Hausleiten, Paichberg, Oberwallern, Frauenhofen.
Zählsprengel sind Sierning-Süd und -Nord für den Hauptort Sierning/Frauenhofen, Sierninghofen-Nord und -Süd für Sierninghofen und Untergründberg, Neuzeug-Ortskern und -Siedlungen für Neuzug mit Steinfeld und Schwaming, Pichlern mit Wallern und Letten, sowie Hilbern-Brunnern-Gründbg für die restlichen Randlagen der Gemeinde im Hügelland.
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Steyr.
Nachbargemeinden
Geschichte Ortsgeschichte Einige Streufunde belegen, dass das Gebiet bereits von den Römern besiedelt wurde. Die Ortsnamen Wallern und Pachschallern gehen auf diese Zeit zurück. Es könnte eine Verbindungsstraße zwischen Krems- und Steyrtal hier vorbei geführt haben.Ein SW–NO-weisendes Straßenstück ist im Bannholz bei Stadlkirchen; die Salzstraße führte ostwärts nach Steyr und über Haidershofen („Steyrer Flözerweg“) – Werner Lugs: Die römerzeitliche Verbindung zwischen Steyr und Enns. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 149a, Linz 2004, S. 218 und Karte S. 215 (ganzer Artikel S. 213–221, dort S. 6, Karte S. 3).
mini|Sierninger Kirchenplatz, Blick zur kath. Pfarrkirche hl. Stephan Zur ausgehenden Zeit der Völkerwanderung wurden dann slawische Siedler sesshaft, die in den ausgedehnten Wäldern lebten und jagten. Herzog Tassilo III. berichtet in der Stiftungsurkunde für das nahegelegene Kloster Kremsmünster (777) von ihnen und erwähnte dabei zum ersten Mal den Ortsnamen Sirnicha (slawisch Crnica wohl ‚Wiesen-‘ oder ‚Schwarzbach‘ für den Sierninger Bach).Detailliert siehe Sierning: Geschichte. Sierning wird anfangs der Flurname gewesen sein, die beiden Althöfe des frühen 9. Jahrhunderts sind Frauenhofen und Sierninghofen, später kamen Pachschallern Gründberg, Neidberg und Paichberg dazu.Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese. (= Geographie. Band 19). Verlag Lit, Wien/Berlin 2006, ISBN 3-8258-9040-6, S. 136.
Die Gegend bildete dann die Slavendekanie. Vor 985/991 (Erwähnung in der Synode von Mistelbach) erfolgte die Gründung einer eigenen Pfarre durch das Bistum Passau. Aus dieser Mutterpfarre sind 27 selbständige Tochterpfarren hervorgegangen, darunter so bedeutende wie die ehemaligen Stifte Garsten und Gleink.
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort ab dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Ab 1490 wurde er dem Fürstentum, dann Kronland Österreich ob der Enns zugerechnet.
mini|Wahlmühle bei Obergründberg (Vischer 1674) In wirtschaftlicher Hinsicht war die Gemeinde Sierning – mit dem bereits 1451 urkundlich erwähnten Ortsteil Neuzeug – eines der bedeutendsten Zentren der Eisenverarbeitung im heutigen Oberösterreich. Blankwaffen, Messer, Ahlen und viele andere Produkte aus Eisen wurden hier über Jahrhunderte erzeugt. Letten war der Standort des Werndl’schen Stammwerkes. Der Industriepionier Josef Werndl nutzte die Wasserkraft der Steyr und errichtete in Steyr und Sierning die Österreichische Waffenfabriksgesellschaft (nachmalig Steyr-Werke). Das letzte große Werk zur Besteckerzeugung, der Neuzeughammer, schloss – nach massiver Überschuldung – im Jahr 1976.Lit. Danner 1985, S. 286. Weiters verlief hier ein wichtiger Salzhandelsweg, die „Salzstraße“ von Gmunden im Salzkammergut ostwärts.
1588 prägte Sierning die Geschichte Oberösterreichs, als einer der ersten Aufstände des Zweiten Oberösterreichischen Bauernaufstands (1594–1597) von hier seinen Ausgang nahm und sich auf die gesamte Eisenwurzen ausdehnte (Sierninger Handel). Der Tumult konnte schließlich nur durch kaiserlichen Erlass beendet werden. 1611 wurde der Ort vom Passauer Kriegsvolk unter ihrem Kommandanten Ramée eingenommen. Während des Bauernkrieges 1626 hatte Stefan Fadinger seinen Sitz im Schloss Sierning, dem 1588 ausgebauten Pfarrhof.
Die Pfarre blieb bis zur Säkularisierung 1805 Passauerisch. – insb. S. 420 zur Frage der Pfarrherrschaft unter Joseph II. Mit Schaffung der Ortsgemeinden 1848/49 wurde Sierning 1851 eine eigenständige politische Gemeinde.Sierning: insb. Bürgermeister. land-oberoesterreich.gv.at > Geschichte und Geografie. > Landesgeschichte. > Gemeinden.
mini|Krankenhaus Sierning mit Neustraße Das Krankenhaus Sierning in der Neustraße 14 wurde 1874 als „Landerl-Krankenhaus“ (damals Nr. 234) mit Platz für 30 Patienten in sieben Zimmern erbaut. Die Leitung übernahm die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz, der das Krankenhaus 1908 von der Familie Landerl mit der Auflage geschenkt wurde, es dauerhaft weiterzuführen. 1968/1969 und 1974/1975 wurde aufgestockt und angebaut. Heute hat das Haus mit dem Schwerpunkt Akutgeriatrie 90 Betten (Stand 2025).Kreuzschwestern – Krankenhaus Sierning: Chronik. Aufgerufen am 15. April 2025Robert Hofer: „Landerl Krankenhaus“ wurde vor 150 Jahren gegründet. In: Tipps Steyr, Artikel vom 18. Oktober 2024, aufgerufen am 15. April 2025
1891 wurde hier die Flügelstrecke Pergern–Bad Hall der Steyrtalbahn erbaut, eine Schmalspurstrecke, die die Rudolfsbahn im Ennstal und die Kremstalbahn verband. Sie wurde 1933 zur Stichbahn nach Sierning reduziert, und 1967 endgültig stillgelegt. Auch die eigentliche Steyrtalbahn am anderen Steyrufer wird seit den 1980ern nurmehr als Museumsbahn betrieben.
Mit der Entwicklung der Industrie in Steyr begann auch Sierning zunehmend zu wachsen. Heute sind Sierning–Frauenhofen mit Nachbarorten wie auch Sierninghofen–Neuzeug, Pichlern–Steinfeld und Untergründberg weitgehend verwachsene Siedlungsräume.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Gemeinde per 10. Mai d. J. Teil des Stadtbezirks Steyr im Gau Oberdonau und unterstand 1938–1945 dem Steyrer Oberbürgermeister. Nach Kriegsende wurde die Gemeinde mit 8. Mai 1945 wieder eigenständig, aber der Ostteil von Gründberg blieb Stadtgebiet. Dafür erhielt Sierning die Gegend Brunnern der Gemeinde Thanstetten (die dann als Schiedlberg weitergeführt wurde).
1977, anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde, erfolgte die Erhebung zum Markt (Markterhebungsurkunde vom 21. März 1977).
1973–1988 entstanden die Umfahrungen Sierninghofen und Sierning, mit denen der Durchzugsverkehr der B122 Voralpen Straße und B140 Steyrtal Straße an den Ortskernen vorbeigeführt wurde.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Sierning Freisitz Wahlmühle Katholische Pfarrkirche Sierning Hl. Stephan: im gotischen Stil errichtet, bereits 985/991 (Synode von Mistelbach) urkundlich erwähnt, somit eine der ältesten im Bezirk Steyr-Land. Das Altarbild Steinigung des hl. Stephanus malte Michael Rauscher (1904) Katholische Pfarrkirche Sierninghofen-Neuzeug hl. Berthold: Kirchengebäude der Moderne Katholische Maria-Lourdes-Kirche Neuzeug: erste Lourdeskirche Oberösterreichs Das Haus in der Bahnhofstraße 6 steht unter Denkmalschutz. Der Entwurf dürfte vom Steyrer Stadtbaumeister und Barockarchitekten Johann Gotthard Hayberger stammen. Kuhschellenböschung: Hang in Sierninghofen-Neuzeug. Die gewöhnliche Kuhschelle ist die Leitpflanze des Gebietes.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Marktgemeinde Sierning ist die größte Gemeinde des Bezirkes Steyr-Land. Ihre Bedeutung in der Region Pyhrn-Eisenwurzen resultiert aus ihrer traditionsreichen Geschichte und der Lage an wichtigen Verkehrswegen. Ackerbau und Viehzucht im Umland sowie zahlreiche Gewerbebetriebe leisteten ebenfalls ihren Beitrag dazu, dass die Bevölkerung früh zu Wohlstand und Ansehen gelangte.
Gesundheit Kreuzschwestern Krankenhaus Sierning in der Neustraße 14 mit 90 Betten und ca. 200 Mitarbeitern.
Bildung mini|Volksschule Sierning Volksschule Sierning, Neustraße 21Homepage der Volksschule Sierning, aufgerufen am 15. April 2025 Kindergarten Sidonie, Mühlauweg 41Marktgemeinde Sierning: Kindergarten Sidonie / Krabbelstube Schneckenhaus, aufgerufen am 15. April 2025 (siehe auch Sidonie Adlersburg).
Ansässige Unternehmen In der Gemeinde sind heute um die 300 Betriebe ansässig.
Verkehr mini|Steyrtalbahn bei der Lettmühle mini|Steyrtalbahn bei Neuzeug Bahn und Bus: Sierning war bis 1933 von Bad Hall aus und bis 1967 über eine Zweigstrecke der Steyrtalbahn von Garsten aus direkt mit der Eisenbahn erreichbar. Heute wird der öffentliche Verkehr über Postbusse abgewickelt. Es bestehen Direktverbindungen unter anderem nach Steyr, Wels und Linz. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Steyr (rund 12 km von Sierning, Anschluss an die Rudolfsbahn) und Rohr im Kremstal (Bahnhof Rohr-Bad Hall, rund 10 km von Sierning, Anschluss an die Pyhrnbahn). Straße: Sierning liegt an der Voralpen Straße B122 von Amstetten über Steyr nach Sattledt. Der nächste Autobahnanschluss befindet sich in Sattledt, rund 25 km von Sierning entfernt, wo beim Knoten Voralpenkreuz Anschluss an die West Autobahn A1, die Innkreis Autobahn A8 und die Pyhrn Autobahn A9 besteht. Wandern und Fahrrad: Der Ort verfügt über gut ausgebaute Fuß- und Radwege.
Vereine In Sierning existieren ca. 120 Vereine.
Regelmäßige Veranstaltungen Rudenkirtag: Der Rudenkirta oder Rudenkirtag ist seit 1732 eine alljährliche Faschingsveranstaltung in Sierning anlässlich derer der sogenannte Rudentanz von den Ruden, kleineren Männergruppen aus verschiedenen Regionen Österreichs, aufgeführt wird. Ursprünglich waren die Ruden die örtlichen Dorfburschenschaften – heute sind es deren Nachfolgeorganisationen, die oft aus ganz Österreich nach Sierning anreisen, um den Rudenkirtag zu begehen. Beim Kirtag wird traditionell der Traunviertler Landler gemeinsam mit den Tänzerinnen aufgeführt. Besondere Bedeutung haben die bei dieser Gelegenheit dargebotenen Gstanzln: Dabei handelt es sich um achtzeilige Reime, mit denen Themen aus Politik, Wirtschaft oder auch lokale Themen humoristisch behandelt werden. Vor der Veranstaltung wird regelmäßig in den Bundesländer-Zeitungen spekuliert, welchen Personen in diesem Jahr ein Gstanzl gewidmet wird,Vgl. etwa Oberösterreichische Nachrichten. 22. Februar 2007, S. 29 oder Oberösterreichische Rundschau. 2. März 2006, S. 38. womit diese – wie es umgangssprachlich heißt – „angesungen“ werden. Im Jahr 2007 war es etwa der beim Rudenkirtag anwesende damalige Vizekanzler Wilhelm Molterer oder 2025 Landeshauptmann Thomas Stelzer und Christian Dörfel. Seit 2013 ist diese Veranstaltung in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. 2026 hat erstmals in der fast 300-jährigen Geschichte mit der Volkstanzgruppe Treubach eine Innviertler Zeche teilgenommen.
Politik mini|Das Marktgemeindeamt von Sierning. Der Gemeinderat hat 37 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 25 SPÖ, 10 ÖVP und 2 FPÖ.