Der Fichtelberg bei Oberwiesenthal im Erzgebirgskreis im Naturraum Mittelerzgebirge ist mit der höchste Berg in Sachsen. So war der Fichtelberg auch der höchste Berg der DDR. Gemeinsam mit dem nahe gelegenen Klínovec (Keilberg; ) auf tschechischer Seite bildet er das bedeutendste Wintersportzentrum des Erzgebirges.

Geographie mini|Klimadiagramm für den Fichtelberg mini|Schneebedeckter Fichtelberg neben schneefreiem Oberwiesenthal

Lage und Umgebung Der Fichtelberg erhebt sich innerhalb des Mittleren Erzgebirges im Naturpark Erzgebirge/Vogtland rund 1,5 km nördlich der Staatsgrenze. Am südöstlichen Bergfuß liegt mit dem Kurort Oberwiesenthal im Pöhlbachtal die höchstgelegene Stadt Deutschlands. Etwa 750 m südsüdwestlich befindet sich als wenig markanter Nebengipfel des Fichtelbergs der Kleine Fichtelberg (auch Hinterer Fichtelberg genannt; ). Zirka 4 km südsüdöstlich erhebt sich mit dem tschechischen Klínovec (Keilberg; ) die höchste Erhebung des Erzgebirges. In den nassen Quellmulden und Hochmooren am Fichtelberg haben zahlreiche Bäche ihren Ursprung. Der bedeutendste dort entspringende Fluss ist die Zschopau.

Geologie Der Fichtelberg besteht im Wesentlichen aus stark verformten, hellen kristallinen metamorphen Gesteinen, insbesondere aus Glimmerschiefer und einem daraus hervorgegangenen Muskovitgneis sowie granathaltige Phyllite.Ulrich Sebastian: Die Geologie des Erzgebirges. Springer Spektrum, Berlin / Heidelberg 2013, S. 236–241. In der Hauptsache sind die dabei gesteinsbildenden Minerale Quarz und Muskovit, Orthoklas und Biotit enthalten. Als akzessorische Beimengungen kommen Rutil, Granat, Turmalin, Hämatit und Ilmenit vor.

Gipfelbebauung Auf dem Gipfel des Fichtelbergs stehen das Fichtelberghaus mit Aussichtsturm, eine Wetterwarte und eine markante Station der Königlich-Sächsischen Triangulation von 1864, mit der Vermessungen von regionaler und überregionaler Bedeutung durchgeführt wurden. Über die Ostflanke des Bergs führt die Fichtelberg-Schwebebahn von Oberwiesenthal bis auf das Gipfelplateau.

Flora und Fauna mini|Flößerteich an der Vierenstraße am Fuß des Fichtelbergs Waldgeschichte Die das Fichtelberggebiet umgebenden ausgedehnten Fichtenwälder unterlagen seit der Erstbesiedlung des Gebiets einer ständigen Nutzung und damit Veränderung. Die ursprüngliche Bestockung auch in den Hoch- und Kammlagen war eine grundlegend andere. Pollenanalysen aus dem Gottesgaber Hochmoor lieferten zur Entwicklung aufschlussreiche Ergebnisse. Die Hauptbaumarten des Herzynischen Bergmischwalds, Weißtanne (Abies alba), Rotbuche (Fagus sylvatica) und Fichte (Picea abies), waren bis in die Kammlagen zu ungefähr gleichen Teilen von etwa 30 Prozent vertreten. In alten Kirchenchroniken und Waldtaxierungen finden sich Beschreibungen des ursprünglichen Waldzustands: Der Fichtelberg wies einen Mischwald aus oben genannten Baumarten auf. Die inzwischen dominante Fichte ist vor allem eine Folge menschlichen Einflusses. Unsachgemäße Bewirtschaftung wie Kahlschläge und hohe Wildbestände verdrängten Tannen und Buchen immer weiter aus den Wäldern und begünstigten einseitig die Fichte. Mit Beginn der staatlichen Forstwirtschaft in Sachsen Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich die Baumartenzusammensetzung drastisch. Die auf höchsten Reinertrag orientierte Bewirtschaftung hatte den Fichtenreinbestand im Kahlschlagsbetrieb als Ideal. Schrittweise werden wieder andere Baumarten gepflanzt.

mini|hochkant|Abgestorbene Bäume am Südhang des Fichtelbergs 1989 mini|Wieder von weißem Schnee bedeckte Jungbäume auf dem Fichtelberg 2019 Besonders in den 1970er und 1980er Jahren litt das gesamte Erzgebirge, vor allem Fichtel- und Keilberg, unter Schadstoffeinträgen aus der Luft, so dass es zu dem umgangssprachlich „Waldsterben“ genannten Phänomen kam,20 Jahre nach dem großen Waldsterben im Erzgebirge. forstpraxis.de, 3. Oktober 2010 fachsprachlich „Neuartige Waldschäden“ genannt. Eine wichtige Rolle spielten dabei Schadstoffimmissionen aus Braunkohlekraftwerken und Chemiebetrieben der DDR, der ČSSR und Polens. Die meisten Fichten, die heute auf dem Fichtelberg und in seinem Umfeld wachsen, sind dort seit den 1970er Jahren gepflanzt worden, so dass Besucher einen jungen Wald zu sehen bekommen. Viele leistungsstarke Kraftwerke Tschechiens, die in Sichtweite des Fichtelbergs im Nordböhmischen Becken liegen, werden nach wie vor mit Braunkohle betrieben. Durch Einbau wirksamer Filteranlagen in den 1990er Jahren ist zwar die SO2- und NOx-Emission tschechischer Kohlekraftwerke im Vergleich zur Zeit vor 1990 drastisch reduziert. So wurden im Schwarzen Dreieck rund um das Dreiländereck Deutschland–Tschechien–Polen zwischen 1990 und 1998 die SO2-Emissionen aus Braunkohlekraftwerken um 85 % und die NOx-Belastungen um 50 % verringert.OECD: OECD Umweltprüfberichte: Deutschland 2001. Die nordböhmischen Braunkohlekraftwerke Počerady und Tušimice galten aber wegen ihrer hohen CO2-Emissionen noch 2019 als die beiden größten Luftverschmutzer Tschechiens.Markéta Kachlíková: Kohlekraftwerk Počerady ist größter Luftverschmutzer in Tschechien. radio.cz, 3. April 2019 Wegen der starken anhaltenden Übersäuerung der Böden werden diese immer noch im gesamten Erzgebirge regelmäßig gekalkt.

Von einem „Neuen Waldsterben“ (nach einer Phase der Walderholung) wurde erstmals 2007 gesprochen.Erzgebirge: Fachleute sprechen von neuem Waldsterben. radio.cz, 1. Oktober 2007 Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena stellte 2014 fest, dass die Auswirkungen der Schadstoffimmissionen der Zeit bis 1990 auf den Wasserhaushalt in Sachsen erheblich gravierender gewesen seien als die Auswirkungen des bis 2009 beobachteten Klimawandels.Max-Planck-Institut für Biogeochemie: . 8. April 2014 Die seit 1990 nachgewachsenen Bäume in den Kammlagen der sächsischen Mittelgebirge hätten ab 1990 relativ schnell die hydrologischen Funktionen des Waldes wiederhergestellt. 2019 hingegen warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einem umfassenden „Waldsterben 2.0“. Wetterextreme, saure Böden, Schadstoffe aus der Luft und Einträge aus der Landwirtschaft schwächten in Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei und der Schweiz flächendeckend die Bäume. Davon profitierten Insekten wie der Borkenkäfer, aber auch Pilze, Viren und Bakterien breiteten sich leichter in den geschwächten Beständen aus. Cornelius Senf von der Humboldt-Universität Berlin stellte fest: „Die vom Baumsterben betroffene Waldfläche hat sich seit 1984 verdoppelt“.Jutta Schwenn: Klimawandel und Monokulturen - Das neue Waldsterben. zdf.de, 15. September 2019

Für die Fichtelbergregion ist von besonderer Bedeutung, dass sich Tschechien schwerer als Deutschland damit tut, langfristig aus der Braunkohle als Energieträger vollständig auszusteigen.Energiewende: Osteuropa und der Kohleausstieg. mdr.de, 12. September 2019

Botanische Besonderheiten Die exponierte Lage des Fichtelbergs nahe der natürlichen Waldgrenze bietet vielen seltenen montanen Pflanzen guten Lebensraum. Bemerkenswert ist das Vorkommen zahlreicher Arten, die in den Alpen oder den Tundren Nordeuropas vorkommen, darunter Weißzüngel, Echte Mondraute, Hohlzüngel, Alpen-Flachbärlapp und Alpen-Brandlattich.

Schutzgebiete Auf dem Fichtelberg befinden sich das 1962 gegründete und 5,48 km² große Landschaftsschutzgebiet Fichtelberg (WDPA-Nr. 320795) und das 2007 gegründete, 209 ha große und sechsteilige Naturschutzgebiet Fichtelberg (WDPA-Nr. 389590). Zu letzterem wurden das 1961 gegründete, 18,67 ha große auf dem Südhang gelegene Naturschutzgebiet Fichtelberg mit Schönjungferngrund, das direkt südwestlich davon 1997 festgelegte, 73,15 ha große Naturschutzgebiet Fichtelberg-Südhang und das 1967 gegründete, 5,25 ha große und westlich am Kleinen Fichtelberg gelegene Naturschutzgebiet Rohr- oder Schilfwiese vereinigt und erweitert. Diese Gebiete überschneiden sich mit dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Fichtelbergwiesen (FFH-Nr. 5543-304).

Geschichte Name Der Berg erhielt seinen Namen nach einem damals vorhandenen natürlichen Fichtenwaldbestand (siehe Absatz Waldgeschichte). Georgius Agricola benutzte im 16. Jahrhundert die latinisierte Form Pinifer (Fichtelberg).

Fichtelberghaus

Ein erster wenngleich unbelegter Hinweis auf ein Gebäude auf dem Gipfel des Fichtelberges findet sich im 1699 erschienenen Historischen Schauplatz von Christian Lehmann, wo es heißt:

Das erste nachweisbare, von Oskar Puschmann projektierte, Fichtelberghaus wurde in den Jahren 1888/89 auf dem Plateau des Fichtelbergs erbaut. Es wurde am 21. Juli 1889 eröffnet und 1899 durch einen Anbau erweitert. 1910 wurde das Haus wegen des Andrangs auf dem höchsten Berg Sachsens nochmals vergrößert. Mit dem Bau der Fichtelberg-Schwebebahn im Jahr 1924 stiegen die Besucherzahlen weiter an.

Am Abend des 25. Februar 1963 brach im Fichtelberghaus ein Brand aus. 180 Feuerwehrleute aus dem gesamten Landkreis Annaberg wurden alarmiert und waren an der Brandbekämpfung beteiligt. Wegen starker Schneeverwehungen auf der Zufahrtsstraße mussten sämtliche Löschmittel mit der Schwebebahn auf den Berg gebracht werden. Wegen des Wassermangels und einer bei −15 °C eingefrorenen Schlauchleitung, die von Oberwiesenthal auf den Berg gelegt worden war, gelang es nicht, den Brand zu löschen. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Am 22. Juni 1965 wurde der Grundstein für ein neues Gebäude gelegt. Bis zur Eröffnung am 28. Juli 1967 entstand ein Neubau mit einer nüchternen, DDR-typischen Betonarchitektur und einem integrierten, schmucklosen und 42 m hohen Aussichtsturm. Für den Bau auf ihrem höchsten Berg stellte die DDR 12 Millionen Mark zur Verfügung. Im Erdgeschoss befand sich ein großes Selbstbedienungs-Restaurant, im Obergeschoss waren eine Grillbar, ein Tanzcafé und ein Konferenzsalon untergebracht; in diesen Einrichtungen fanden insgesamt 600 Gäste Platz. Das Haus wurde großzügig mit künstlerischen Arbeiten ausgestattet. Daran wirkten namhafte Künstler und Kunsthandwerker mit. Insbesondere schuf Hans Brockhage mehrere Werke. Weitere beteiligte Künstler waren u. a. Carl-Heinz Westenburger und Johann Belz. Ein Teil dieser künstlerischen Werke ging nach der deutschen Wiedervereinigung verloren.

Ende der 1990er Jahre wurde das Fichtelberghaus in Anlehnung an das alte Gebäude umgebaut und am 18. Juli 1999 wiedereröffnet. Der neu errichtete Aussichtsturm ist nur noch 31 m hoch.

Am Fichtelberghaus befindet sich eine Sendeantenne zur Verbreitung des Radioprogramms von Radio Erzgebirge R.SA auf der UKW-Frequenz 107,7 MHz mit einer Leistung von 2 kW.https://fmscan.org/transmitter.php?i=2002690

Wetterwarte Ab 1890 beobachtete der Wirt des Fichtelberghauses regelmäßig das Wetter. Mit Zunahme des Tourismus fehlte ihm aber die Zeit dafür, so dass die Aufzeichnungen ab 1898 lückenhaft waren und 1910 eingestellt wurden. Auf Initiative von Paul Schreiber, dem Leiter der Königlich Sächsische Landeswetterwarte, erfolgte der Bau einer dauerhaften Wetterwarte, die am 30. Dezember 1915 übergeben wurde und am 1. Januar 1916 mit den Wetteraufzeichnungen begann. Bemerkenswert ist, dass die Wetteraufzeichnungen auch während des Zweiten Weltkrieges ununterbrochen erfolgten. Nach 1950 wurde die Wetterwarte unter Leitung von Horst Gäbler zum Bergobservatorium ausgebaut. Im Jahr 1991 wurde sie in den Deutschen Wetterdienst eingegliedert.

mini|Wetterwarte mit Messinstrumenten