mini|Satellitenfoto von Amsterdam, um 2020mini|Zentralplatz Dam mit dem Alten Rathaus als heute Königlichem Palast (links) und der alten Kirche Nieuwe Kerk (rechts daneben), um 2008 Amsterdam () ist die niederländische Hauptstadt und zugleich die bevölkerungsreichste Stadt des Königreichs der Niederlande. Die Stadt-Gemeinde Amsterdam liegt in der niederländischen Provinz Nordholland Noord-Holland, am kanalisierten Fluss Amstel und am früheren Meeresarm IJ.Die bemerkenswerte Schreibung „IJ“ für das IJ nahe Amsterdam, wie auch in IJsselmeer, und allgemein ist im Niederländischen ein besonderer Digraph, weshalb auch das „J“ großgeschrieben wird. Das IJ ist seit dem Jahr 1932 aber Bestandteil der damals eingedeichten ehemaligen ZuiderzeeDas Wort steht für Salzwasser-Meer (d. h. „die See“) in Deutsch. als heutigem IJsselmeerDas Wort niederländisch Meer steht für Süßwasser-See (d. h. „der See“) in Deutsch. und heutzutage wichtigem Süßwasser-Speicher. Der weiterhin bedeutende Hafen der Stadt ist durch den Nordseekanal Nordzeekanaal und dessen Schleusen mit der Nordsee und darüber mit den Weltmeeren verbunden. Amsterdam ist für seine offene Kultur, die historische Altstadt um die Jodenbuurt und durch die zahlreichen für das Stadtbild typischen Grachten weltberühmt.

Seit dem 12. Juli 2018 ist Femke Halsema, ehemalige Fraktions- und Parteivorsitzende von GroenLinks, als erste Frau die amtierende Bürgermeisterin von Amsterdam.

Amsterdam ist die Hauptstadt der Niederlande gemäß niederländischer Verfassung seit dem Jahr 1983, während sich der Regierungssitz des Landes sowie die Königsresidenz und auch der Hohe Rat (oberstes Gericht für Zivil-, Straf- und Steuerrecht), der Staatsrat (Raad van State) (oberstes Gericht für Verwaltungsrecht) und alle Ministerien und Botschaften im 60 Kilometer entfernten Den Haag befinden. Einzig die Vereidigung (inhuldiging) des Königs der Niederlande findet gemäß der Verfassung in Amsterdam statt, traditionell auch die königliche Abdankung und damit verbundene Amtsübergabe.

Seit dem 24. März 2022 besteht die Metropolregion Amsterdam (MRA) aus insgesamt 30 Gemeinden (darunter die Stadt-Gemeinde Amsterdam als Gemeente Amsterdam selbst) in sieben Teilregionen.

Amsterdam belegt den 17. Rang der größten Städte der Europäischen Union. Die Gemeinde Amsterdam hat Einwohner (Stand: ) und als Agglomeration Groot-Amsterdam 1.472.793 Einwohner (Stand: 1. Januar 2024).

Geographie Stadtgliederung

Die Stadt Amsterdam war seit der damaligen Neugliederung vom 1. Mai 2010 in „sieben plus ein“ Gebiete (d. h. das damals neu hinzukommende Gebiet Westpoort als Gewerbe- und Industriegebiet) unterteilt. Mit dem 24. März 2022 wurde die bis dahin eigene Stadt und eigenständige Gemeinde Weesp als nunmehr neuntes Gebiet mit in die Stadtgliederung von Amsterdam integriert. Siehe die derzeitige Stadtgliederung von Amsterdam und ansonsten auch die zugrundeliegende amtlich geltende Gebietseinteilung im genannten Hauptartikel.

Laut publikumswirksamer Eigendarstellung der Gemeinde besteht Amsterdam aus sieben Bezirken und dem Stadtgebiet Weesp. Dabei wird das Hafen- und Industriegebiet Westpoort ganz offensichtlich jedoch unterschlagen, und die derzeit neun Gebiete mit erwähnenswerten Vierteln (diese ggf. abweichend von der Gliederung) sind: Centrum – die Innenstadt, mit Altstadt und Sehenswürdigkeiten sowie dem Hauptbahnhof Amsterdam Centraal am IJ und dabei u. a. mit: Haarlemmerbuurt, Burgwallen-Oude Zijde, Jodenbuurt, Nieuwmarkt/Lastage, Oostelijke Eilanden/Kadijken, Plantage, Amsterdamer Grachtengürtel und Jordaan; Noord – ist durch das IJ vom übrigen Stadtgebiet getrennt; dabei u. a. auch: Banne Buiksloot, IJplein/Vogelbuurt, Tuindorp Buiksloot, Buikslotermeer, Tuindorp Nieuwendam; Nieuw-West – nach dem Zweiten Weltkrieg als Teil der Amsterdamer Gartenstädte () angelegt; dazu u. a. auch: Slotervaart und Osdorp; Oost – hier liegt auch der Dappermarkt mit multikultureller Atmosphäre (ähnlich dem Albert Cuyp–Markt in De Pijp im nahen Zuid); sowie Zeeburgereiland, IJburg, Betondorp, Omval, Transvaalbuurt, Oosterparkbuurt, Indische Buurt; Weesp – auf dem radelbaren Weg zur sehenswerten alten Festungsstadt Naarden liegt das Vogelreservat Naardermeer; ansonsten u. a. auch: Driemond; West – als traditionelles Wohnviertel; darin u. a. auch Kinkerbuurt, De Kolenkit; Westpoort mit Wirtschaftshafen und Industriegebiet; Zuid – hier wurde 1972 im Amstelpark die damalige Garten- und Landbauausstellung Floriade gehalten; mit weiteren Vierteln: Oude Pijp, Nieuwe Pijp, Zuid Pijp, Buitenveldert, Stadionbuurt, Apollobuurt; Zuidoost – sollte ehemals Le Corbusiers Paradigma der funktionellen Stadt als Plan Voisin folgen, was der Gegend aber bald den Ruf der schlechtesten Wohngegend der gesamten Niederlande einbrachte; dabei u. a. auch Amstel III/Bullewijk. Die wirtschaftlich bedeutende Hafenstadt Amsterdam liegt zugleich in der das Umland umfassenden und daher deutlich größeren Metropolregion Amsterdam (MRA) als wichtiger Metropolregion in der Provinz Nordholland Noord-Holland inmitten der Niederlande. Siehe auch dazu den Abschnitt Metropolregion Amsterdam im genannten Hauptartikel.

Amsterdamer Pegel

Der Amsterdamer Pegel wurde erstmals in den Jahren 1683/1684 als Nullpunkt für hydrologische Höhenmessungen festgelegt. Es wurde der Wasserstand des Mittleren Hochwassers (MHW) gewählt und dieser historische Wasserspiegel lag etwa 17 cm über dem Mittelwasser. Der Wasserspiegel der Amsterdamer Grachten liegt heute etwa 40 cm unter dem Meeresspiegel der Nordsee.

Klima Das niederländische Wetter variiert in der Regel von einem leichten Frost im Winter mit etwas Schnee bis zu sonnigen Tagen von 20 bis 30 °C im Sommer. Frühling und Herbst sind mild, können aber auch sehr nass und verregnet sein (über 100 mm Niederschlag pro Monat).

Die Amsterdamer Sommer sind im mitteleuropäischen Vergleich sehr mild, so gab es im langjährigen Mittel von 1991–2020 nur 3,7 Hitze- und 21,9 Sommertage pro Jahr. Im Winter gab es durchschnittlich 42,8 Frost- und 5,8 Eistage.

In den letzten 30 Jahren sind die Temperaturen in Amsterdam im langfristigen Mittel gestiegen; betrug die mittlere Tageshöchsttemperatur im August für den Zeitraum 1961 bis 1990 noch rund 21 °C, so liegt sie für die Jahre 1991 bis 2020 bei etwa 22 °C. Auch die Winter sind wärmer geworden; lag die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im Januar für die Jahre 1961 bis 1990 noch bei 4,6 °C, so waren es für den Zeitraum 1991 bis 2020 6,2 °C.

Der jährliche Gesamtniederschlag ist ebenfalls angestiegen; lag die Niederschlagshöhe im Mittel der Jahre 1971–2000 bei etwa 798 mm, so betrug sie für den Bezugszeitraum 1991–2020 ungefähr 850 mm.

Zeitzone Amsterdam sowie die gesamten europäischen Niederlande liegen in der Mitteleuropäischen Zeitzone. Da die Stadt weit westlich in dieser Zeitzone liegt, steht die Sonne erst um 12:40 Uhr (während der Sommerzeit um 13:40 Uhr) genau im Süden. Dies führt im Sommer zusammen mit der nördlichen Lage der Stadt zu einem späten Sonnenuntergang; im Hochsommer kann es bis 23 Uhr noch hell sein.

Geschichte mini|Älteste bekannte Gesamtansicht Amsterdams von Cornelis Anthonisz. (1538)Sowohl auf der historischen Karte von 1538 als auch der von 1699 ist jeweils der Süden oben und nicht der Norden, wie sonst gewohnt und heutzutage üblich. Wie bei mittelalterlichen Karten und bei Stadtansichten von Amsterdam damals gängig, zeigen die detaillierten Karten aus dem Jahr 1538 und 1699 beide die Stadt daher von unten im Norden aufwärts in Richtung Süden, also mit Süden oben. Die Sichtachse geht daher unten vom nördlichen Hafengebiet am IJ (als damals noch verlängertem Meeresarm der Nordsee und Seehafen) aus gesehen nach oben zum Süden ins Land. Diese Orientierung erfolgt demnach nicht, wie bei späteren Karten (und der Karte zur Stadtentwicklung mit wesentlichen Phasen (1385–1875) zu sehen) sowie inzwischen bei heutigen Karten allgemein üblich, in Draufsicht mit Nordausrichtung. mini|Alte Stadtkarte um 1699 (Buchabdruck) mini|Karte zur Stadtentwicklung mit wesentlichen Phasen (1385–1875) mini|Amsterdam mit Grachtengürtel im Luftbild (2020) mini|Die alte Kirche Nieuwe Kerk am Dam-Zentralplatz (etwa 2005) mini|Amstelschleusen Amstelsluizen in Amsterdam-Centrum bei Weesperbuurt (etwa 2008) mini|Das heutige Nationalmonument von 1956 auf dem Dam (2013)

Namensgeschichte Der Name der Stadt leitet sich von einem im 13. Jahrhundert errichteten Damm () mit Schleuse in der Flussmündung der Amstel ab; dort war ein Fischerdorf als anwachsende Siedlung mit kleinem Hafen entstanden, welches den Namen Amstelredam trug. Der lateinische Name lautete Amstelodamum, später auch Amstelaedam (oder Amstelædam). Die Eindeichung der Flussmündung war dringend notwendig, um die zunehmend entstandene Bebauung an beiden Flussufern besser vor Sturmfluten zu schützen, denn die damalige Zuiderzee war eine offene Bucht zur Nordsee, und das Land senkte sich aufgrund von Entwässerungsmaßnahmen immer weiter. Der damals quer in die Amstel gebaute Damm verband die zuvor auf beiden Seiten entstandenen Siedlungskerne, die heute noch als Oude Zijde und Nieuwe Zijde (alte und neue Seite) bezeichnet werden.

An der Stelle des Amstel-Damms entstand im Laufe des Mittelalters ein städtischer Platz, der noch heute den Namen Dam trägt und auch heutzutage einen lebendigen Mittelpunkt der Stadt bildet.

Im Alltag wird gern die Kurzbezeichnung A’dam verwendet (so zum Beispiel offiziell im Namen des A’DAM-Turms).

Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert

Das flache Land und damalige Gebiet der heutigen Provinz Holland war bis in das 13. Jahrhundert hinein zum weit überwiegenden Teil nur schlecht besiedelbar, weshalb bis heute auch keine angeblichen Ansiedlungen aus der Römerzeit nachweisbar sind. Es handelte sich damals vielmehr um ein sehr feuchtes Gebiet, das hauptsächlich aus Moor und Sumpfland bestand und von mehreren Flüssen durchschnitten war. Einer dieser Flüsse war die Amstel, die in den IJ genannten Meeresarm der damaligen Zuiderzee mündete. Durch Sturmfluten hatte das IJ die Amstelmündung zu einer schmalen, länglichen Bucht verbreitert. Um das Jahr 1230 hatten sich etwa 500 Fischer in Hütten an dieser Meeresbucht angesiedelt.

Damals noch ohne Stadtrechte, wurde Amsterdam dann durch die Schreiber des Grafen Florens V. von Holland erstmals im Jahr 1275 urkundlich als Amstelledamme erwähnt. Die damaligen Herren van Amstel des Amstelland genannten Gebietes saßen bis zu deren Zerstörung im Jahr 1204 auf einer Burg in Ouderkerk aan de Amstel. Diese Herren van Amstel ließen sich daraufhin eine neue festere Burg errichten, das Kasteel van Amstel, dessen steinerne Fundamente erst bei Ausgrabungen in den Jahren von 1994 bis 1999 unter der Straße Nieuwezijds Kolk im heutigen Stadtgebiet von Amsterdam gefunden wurden. Seit 1492 kamen infolge des Alhambra-Edikts aus Spanien vertriebene Juden nach Amsterdam, seit Mitte des 16. Jahrhunderts auch aschkenasische Juden aus Polen. Sie wurden ein Teil der Stadt (siehe auch Jodenbuurt als bevorzugtes Wohnviertel). Es entstanden bald zahlreiche Synagogen und zudem mehrere kulturell wichtige jüdische Druckereien.

Ein Täuferaufstand wurde im Jahr 1535 grausam niedergeschlagen. Die Reformation führte etwa ab dem Jahr 1550 zur Verbreitung des Calvinismus. Im Jahr 1566 wurde der Reformatorische Bildersturm zum äußerer Anlass von Kaiser Karls V. Sohn und Erben, Philipp II. von Spanien, für den Beginn des Achtzigjährigen Krieges durch Spanien.