Mit Rhabdomyolyse (, ‚Muskel‘, ‚Auflösung‘) wird in der Medizin die Auflösung quergestreifter Muskelfasern bezeichnet. Dazu gehören die Skelettmuskulatur sowie Herzmuskulatur und Zwerchfell. Eine Rhabdomyolyse geht mit einem hohen Risiko eines Nierenversagens einher, weshalb sich die Behandlung darauf konzentriert.
Ursachen Traumatisch oder durch Einwirkung von außen Verletzungen, wobei nach einem Unfall verletzte Muskelfasern eliminiert werden (z. B. Crush-Syndrom) Elektroschock Nach Operationen Nach Krampfanfällen Compartment-Syndrom Durch langes Liegen Schlangengift nach Schlangenbiss Nach intensivem Training wie z. B. CrossFit, Body Building oder Cycling/Spinning, insbesondere bei Anfängern oder nach längerer Trainingspause. Speziell beim EMS-Training kommt es bei unsachgemäßer Anwendung schnell zu erhöhten Creatin-Kinase-Werten im Blut.
Bei Langstreckenläufern tritt ein Rhabdomyolyse-bedingtes Nierenversagen praktisch nur auf, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen: Einnahme von Schmerzmitteln, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen starkes Schwitzen eine schon bestehende Muskelerkrankung virale oder bakterielle Infektion
Nichttraumatische Ursachen Medikamente/Drogen, z. B. Neuroleptika (siehe auch Malignes Neuroleptisches Syndrom), Präparate zur Cholesterinsenkung (Statine, z. B. Cerivastatin), Schlafmittelvergiftungen, Tokolytika (z. B. Ritodrin),Lorenzo Verriello, Domenico D’Amico, Giada Pauletto, Gian Luigi Gigli, Paolo Bergonzi: Rhabdomyolysis caused by tocolytic therapy with ritodrine hydrochloride. In: Neuromuscular Disorders, 19, Nr. 10, Oktober 2009; doi:10.1016/j.nmd.2009.06.364. Isotretinoin, Propofol, Kokain Maligne Hyperthermie Hitzschlag Alkoholexzesse Infektiös, vor allem durch Virusinfektionen Elektrolytstörung Muskelentzündungen Stoffwechselstörungen, z. B. Myophosphorylase-Defizit (McArdle-Krankheit), Carnitin Palmityltransferase 2 (CPT 2)-Mangel Autoimmunerkrankungen Endokrinopathien Sichelzellkrisen Gasbrand Pilzgifte, z. B. Grünling (Tricholoma equestre) Coturnismus (Wachtelvergiftung)
Diagnostik Das erste Anzeichen einer Rhabdomyolyse ist oft rot-brauner Urin, obwohl dies auch auf eine Dehydratation hinweisen kann.
Nachgewiesen wird eine leichte Rhabdomyolyse oftmals nur durch eine erhöhte Konzentration von Enzymen im Blut, die normalerweise im Muskel vorkommen. Zu diesen Enzymen gehören die Creatin-Kinase (CK) und die Lactatdehydrogenase (LDH). Bei einer hohen Konzentration von Myoglobin im Blut kommt es auch zu einer Myoglobinurie, also einer Ausscheidung von Myoglobin über die Nieren, was den Urin verfärbt.
Komplikationen Eine gefürchtete Komplikation der Rhabdomyolyse ist das akute Nierenversagen: Das freigewordene Myoglobin kann die Niere schädigen (akute Tubulusnekrose). Dies geschieht auf dreierlei Weise: Das im Myoglobin enthaltene Häm kann die Nierenkanälchen durch Pigmentzylinder verstopfen; Eisen wird frei und schädigt die Tubuluszellen; Durch die Verschiebung von Flüssigkeit in den geschädigten Muskel hinein kann es zu einem Volumenmangel in den Gefäßen und damit zu einer Minderdurchblutung der Nieren kommen.
Bei rund 50 % der sportbedingten Rhabdomyolyse-Fälle tritt auch eine Hyperkaliämie auf, die wiederum lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen bedingt.
Behandlung Eine ursächliche Behandlung steht nicht zur Verfügung. Allerdings bildet sich die Rhabdomyolyse meist über einen längeren Zeitraum aus und kann bei rechtzeitigem Unterbinden der auslösenden Faktoren möglicherweise rückgängig gemacht werden.
Um eine Schädigung der Nieren zu verhindern, ist eine forcierte Diurese notwendig. Dabei werden dem Patienten mehrere Liter Flüssigkeit in Form von Infusionen zugeführt und die Harnausscheidung durch Schleifendiuretika stimuliert. Dies soll die Ausscheidung des Myoglobins beschleunigen und gleichzeitig das Myoglobin im Urin verdünnen. Außerdem kann der Urin alkalisiert werden, um ein Ausfallen des Myoglobins im sauren Milieu zu verhindern. In schweren Fällen kann eine Dialyse / Hemofiltration in Kombination mit Hämoadsorption oder eine standalone Hemoadsorption (CytoSorb®) eingesetzt werden, um das schädliche Myoglobin aus dem Blut zu entfernen.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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