Basisdaten Bestandszeitraum 1818–1945 Land PreußenDeutsches Reich Provinz Ostpreußen Regierungsbezirk Gumbinnen Verwaltungssitz Pillkallen Fläche 1061 km² Einwohner (17. Mai 1939) 42.428 Kreisgliederung (1937) 237 Gemeinden6 Gutsbezirke Der Kreis Pillkallen (ab 1938 Kreis Schloßberg (Ostpr.)) in Ostpreußen bestand in der Zeit von 1818 bis 1945. Sein ehemaliges Gebiet gehört heute zur russischen Oblast Kaliningrad.

Verwaltungsgeschichte Königreich Preußen mini|Der Kreis Pillkallen in den Grenzen von 1818 bis 1945

Das Gebiet des Kreises Pillkallen gehörte seit der Einteilung Ostpreußens in landrätliche Kreise von 1752 zu dem damaligen Kreis Insterburg.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha: Perthes 1858, Seite 320. Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen ergab sich mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 die Notwendigkeit einer umfassenden Kreisreform in ganz Ostpreußen, da sich die 1752 eingerichteten Kreise als unzweckmäßig und zu groß erwiesen hatten. Zum 1. September 1818 wurde im Regierungsbezirk Gumbinnen aus Teilen des alten Kreises Insterburg der neue Kreis Pillkallen gebildet. Dieser umfasste die Kirchspiele Kussen, Lasdehnen, Mallwischken, Pillkallen, Schillehnen, Schirwindt und Willuhnen. Das Landratsamt war in der Stadt Pillkallen.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der Provinzen Preußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr.

Norddeutscher Bund und Deutsches Reich Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Pillkallen am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens.

Am 10. August 1876 wurde die Landgemeinde Kamanten aus dem Kreis Pillkallen in den Kreis Ragnit umgegliedert. Zum 30. September 1928 fand im Kreis Pillkallen entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke bis auf sechs aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Am 1. Oktober 1937 wurde die Gemeinde Wandlauszen aus dem Kreis Pillkallen in den Kreis Gumbinnen umgegliedert. Am 7. September 1938 wurde der Kreis im Zuge der nationalsozialistischen Umbenennungsaktion in Schloßberg (Ostpr.) umbenannt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kreisgebiet im Frühjahr 1945 durch die Rote Armee besetzt. Nach Kriegsende kam das Kreisgebiet unter sowjetische Verwaltung. Heute gehört das ehemalige Kreisgebiet zur russischen Oblast Kaliningrad und wird zu großen Teilen von Truppenübungsplätzen eingenommen. Viele der früheren Dörfer und Gehöfte sowie die ehemals östlichste deutsche Stadt Schirwindt wurden in der Nachkriegszeit zu Wüstungen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1818 20.394 1846 40.237 1871 44.306 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preußen und ihre Bevölkerung 1871 1890 46.664 1900 46.556 1910 45.560 1925 44.096 1933 43.895 1939 42.428

Politik Landräte 1818–1848Carl Flottwell 1848–1852Gustav Dodillet (1820–1894) 1853–1879Hermann Schmalz (1807–1879) 1879–1883Rudolf Theodor Möhrs 1883Max von Uthmann (kommissarisch) 1883–1898Julius Schnaubert 1898–1909Ernst Pitsch-Schroener 1909–1920Hermann Braun 1920Fritz Schmige (1880–1974) (vertretungsweise) 1920–1926Otto Laser (1869–1926) 1926–1933Eugen Boelling (1887–1944) 1933–1934Max Gunia 1934–1937Paul Uschdraweit (1891–1966) 1937–1945Wichard von Bredow

Wahlen Im Deutschen Kaiserreich bildete der Kreis Pillkallen zusammen mit dem Kreis Ragnit den Reichstagswahlkreis Gumbinnen 2.Datenbank der Reichstagsabgeordneten

Kommunalverfassung Der Kreis Pillkallen gliederte sich in die Städte Pillkallen und Schirwindt, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 die im Deutschen Reich gültige Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Gemeinden Nach der Gemeindereform von 1928 umfasste der Kreis Pillkallen die Städte Pillkallen und Schirwindt, 241 weitere Gemeinden sowie sechs gemeindefreie Gutsbezirke. Bis 1939 kam es zu weiteren Eingemeindungen von bevölkerungsarmen Gemeinden sowie zu zahlreichen Umbenennungen.Kreis Pillkallen (territorial.de) Abschruten, Ksp. Mallwischken Abschruten, Ksp. Willuhnen Albrecht-Naujehnen Alxnupönen Antballen Antbudupönen Antmirehlen Augstupönen Bagdohnen Ballupönen Baltruschen Bardszen Bärenfang Barsden Bartschkühnen Bednohren Beinigkehmen Belsen Bilden Birkenfelde (Ksp. Schirwindt) Birkenhof Bludszen Blumenfeld Blumenthal Brämerhusen Brödlaugken Brödszen Bruszen Budszuhnen Budupönen, Ksp. Kussen Budupönen, Ksp. Lasdehnen Budupönen, Ksp. Schirwindt Bühlen Cäsarsruhe Dagutschen Dauden Daynen Dickiauten Dickschen Doblendszen Doristhal Dörschkehmen Draugupönen Drozwalde Duden, Ksp. Kussen Duden, Ksp. Schillehnen Ebenfelde Ederkehmen Eggleningken Eichwald, Forstgutsbezirk Endruhnen Eygarren Eymenischken-Wassaken Fichtenhöhe Galwoszen Gettkanten Girrehlischken B Goberischken Grablaugken Grenzfelde Gricklaugken Groß Baltruschehlen Groß Daguthelen Groß Darguszen Groß Jodupönen Groß Königsbruch Groß Rudminnen Groß Rudszen Groß Schorellen Groß Stimbern Groß Tullen Groß Warningken Groß Wersmeningken Grumbkowsfelde Grünwalde Guttpettern Hauptmannsdorf Heinrichsfelde Henskehmen Henskischken Hermoneiten Hochfeld (Ostpr.) Hopfendorf Inglauden Insterwalde Iwenberg Jägerswalde Jänischken Jodeglienen Jodszen, Ksp. Kussen Jodszen, Ksp. Willuhnen Jodupönen Jodzahlen Jodzuhnen Jogschen Jucknaten Jutschen Kailen Kalbassen, Gutsbezirk Kallnehlischken Katharinenhof Kaunohnen Kermuschienen Kiauschen Kiggen Kischen, Ksp. Schillehnen Kischen, Ksp. Schirwindt Kischenbannies Klein Daguthelen Klein Darguszen Klein Jodupönen Klein Meschkuppen Klein Pillkallen Klein Rudminnen Klein Schorellen Klein Warningken Klein Wersmeningken Klischen Klohnen Kögsten Königsfeld Königshuld Kötschen Kruschinehlen Krusen Kurschehlen Kurschen Kusmen Kussen Kybarten Laschen Lasdehnen Laugallen, Ksp. Kussen Lengschen Lindenhof Lindicken Löbegallen Löbtuballen Lubinehlen Mallwischken Martingken Maszuiken Mingstimmehlen Mingstimmen Mittenwalde Naujehnen Naujeningken Neu Rudszen Neu Skardupönen Neu Stonupönen Neuhof-Lasdehnen Neuweide Orupönen Paberdszen Paplienen, Ksp. Schirwindt Parschen Paulicken Pawidlaugken Payszeln Petereithelen Petereitschen Petzingken, Ksp. Pillkallen Petzingken, Ksp. Warningken Pieragen Pillkallen, Stadt Plampen Plimballen Plonszöwen Pötschlauken Pritzkehmen Puschinnen Radszen, Ksp. Kussen Radszen, Ksp. Willuhnen Rammonischken Rehwalde Ritterswalde Rucken Sallehnen Salten Sassupönen Schaaren Schackeln Schacken Scharkabude Schillehnen Schilleningken, Ksp. Lasdehnen Schilleningken, Ksp. Schirwindt Schillenöhlen Schillingen Schirwindt, Stadt Schmilgen Schorellen, Forstgutsbezirk Schwarballen Schwarpeln Serbenten Siebenlinden Siemoken Skroblienen Smailen Snappen Spullen Stirnlaugken Stobern Stumbern Sturmen Szameitkehmen Szieden Szimkuhnen Szogelgalwen Tannenwalde Trappönen, Forstgutsbezirk Treczaken Tulpeningken Tuppen Urbantatschen Urblaugken Uszballen, Ksp. Lasdehnen Uszballen, Ksp. Pillkallen Uszballen, Forstgutsbezirk Uszbördszen Uszdrawen Uszpiaunehlen Uszpiaunen Uszproduppen Uszrudszen Walddorf Waldenau Waldlinden Waldlinden, Forstgutsbezirk Wallindszen Wandlauszen Warnakallen Wassantkehmen Weidenfeld Wensken Werdehlischken Werskepchen Weszkallen Willuhnen Wiltauten Wingern Wingeruppen, Ksp. Mallwischken Wingillen Wisborienen Wittgirren Woitekaten Wöszupchen Wöszupöhlen Zwirballen Eingemeindungen bis 1939 Ambrasgirren, am 30. September 1928 zu Waldlinden Ambruch (bis 1938 Skroblienen), am 1. April 1939 zu Seehuben Bauszen, am 17. Oktober 1928 zu Jägerswalde Birkenfelde, Ksp. Mallwischken, am 30. September 1928 zu Katharinenhof Endruscheiten, am 2. Juni 1923 zu Lubinehlen Heidlaugken, am 30. September 1928 zu Schillehnen Kallnischken, am 1. Oktober 1931 zu Schillenöhlen Klein Schorellen, am 1. Oktober 1937 zu Schmilgen Laugallen, Ksp. Willuhnen, am 17. Oktober 1928 zu Jägerswalde Löblaugken, am 30. September 1928 zu Waldlinden Neu Rudszen, am 1. April 1938 zu Groß Rudschen Neu Wingeruppen, am 30. September 1928 zu Neuweide Nickelstanaten, am 30. September 1928 zu Neuhof-Lasdehnen Papreadupchen, am 1. Dezember 1909 zu Sassupönen Quetschlaugken, am 30. September 1928 zu Katharinenhof Rohrfeld, 1901/02 zu Birkenfelde, Ksp. Mallwischken Uszeszuppen, am 30. September 1928 zu Neuhof-Lasdehnen Wandlauszen, am 1. Oktober 1937 zu Uschballen (Kreis Gumbinnen)

Ortsnamen mini|Kreis Schloßberg (1938)

1938 (in geringem Umfang bereits in den Jahren davor, in der entsprechenden Zeile angegeben) fanden im Kreis Pillkallen umfangreiche Umbenennungen von Orten statt. Es handelte sich um lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen, weil viele der ursprünglichen Ortsnamen prußischen (altpreußischen) Ursprungs „nicht deutsch genug“ klangen: Abschruten (Ksp. Mallwischken): Bitzingen Abschruten (Ksp. Willuhnen): Schruten Albrecht-Naujehnen: Albrechtswalde Alt Skardupönen: Königsfeld Alxnupönen: Altsnappen Antballen: Abendwalde Antbudupönen: Vormwalde Antmirehlen: Werben (1935) Augstupönen: Hochweiler (Ostpr.) Bagdohnen: Rodungen Ballupönen: Ballen Baltadonen: Heinrichsfelde (1928) Baltruschen: Sorgenfelde Bardszen/Barschen: Barschen Bartschkühnen: Kühnen Batschkehlen: Bussardwalde Batschken: Bussardhorst Bednohren: Stahnsdorf (Ostpr.) Beinigkehmen: Beinicken Berszeningken: Fichtenhöhe (1928) Birkenfelde: Kleinbirkenfelde Bludszen/Bludschen: Vierhöfen (Ostpr.) Brödlaugken: Bröden Brödszen/Brödschen: Lugeck Bruszen/Bruschen: Kiesfelde Budszuhnen: Eschenhöhe Budupönen, Ksp. Kussen: Buden Budupönen Ksp. Lasdehnen: Sandhöhe Budopönen Ksp. Schirwindt: Moosbach (Ostpr.) Cziunken: Tannenwalde Dagutschen: Tegnerskrug Daynen: Deinen Dickiauten: Waldried Dickschen: Lindbach Doblendszen, 1936: Doblendschen, 1938: Kayserswiesen Dörschkehmen: Derschau (Ostpr.) Draugupönen: Dreihornswalde Dubinnen: Duben Duden (Ksp. Kussen): Dudenwalde Duden (Ksp. Schillehnen): Dudenfelde Dwarischken: Löbelshorst Ederkehmen: Edern Eggleningken (von litauisch eggle = Tanne): Kiefernberg Endruhnen: Bruchlage Erubischken: Hopfendorf (1929) Eydgimmischken: Hochfeld (Ostpr.) Eygarren: Eigern Eymenischken-Wassaken: Stutbruch Galwoszen: Sandwalde Girrehlischken A: Drozwalde (1928) Girrehlischken B: Ebenwalde Goberischken: Gobern Grablaugken: Grabfelde Gricklaugken: Bönick Groß Augstutschen: Rehwalde Groß Baltruschelen: Grüneichen (1935) Groß Daguthelen: Streuhöfen Groß Darguszen: Tanneck Groß Jodupönen: Schwarzfelde Groß Kubillehlen: Schillingen (1928) Groß Rudminnen: Wietzheim Groß Rudszen: 1936: Groß Rudschen, 1938: Mühlenhöhe Groß Schorellen: Adlerswalde (Ostpr.) Groß Stimbern: Stimbern (1935) Groß Tullen: Reinkenwalde Groß Warningken: Steinkirch