mini|Übersichtsplan des Flughafens
Der Flughafen Leipzig/Halle , auch Flughafen Schkeuditz genannt und seit Ende 2008 mit dem Ziel einer besseren weltweiten Vermarktung nur noch als Leipzig/Halle Airport firmierend, ist ein internationaler Verkehrsflughafen zwischen den Großstädten Leipzig und Halle (Saale) auf dem Gebiet der Stadt Schkeuditz in Sachsen im Ballungsraum Leipzig-Halle. Der Flughafen wurde am 18. April 1927 unter dem Namen Flughafen Halle/Leipzig in Betrieb genommen.
Der Flughafen hat vor allem im Bereich des Luftfrachtverkehrs internationale Bedeutung. Gemessen an der Zahl der Passagiere lag der Flughafen im Jahr 2020 auf Platz 13 in Deutschland. Im Frachtbereich belegte er im Jahr 2021 in Deutschland den zweiten Platz nach Frankfurt und in Europa den vierten Platz. Weltweit lag er 2020 auf dem 20. Platz. Der Flughafen ist die Heimatbasis der Frachtfluggesellschaften Aerologic und des DHL Hub Leipzig samt European Air Transport Leipzig. Außerdem ist er Heimatflughafen des Dachverbands für DHL-Frachtfluggesellschaften DHL Aviation.
Während das Luftfrachtgeschäft mit weitreichenden staatlichen Zuschüssen ausgebaut wurde, stagnieren die Fluggastzahlen im Passagierverkehr seit Mitte der 1990er Jahre. Betreibergesellschaft ist die Mitteldeutsche Flughafen AG.
Geschichte mini|Der Flughafen Halle-Leipzig im Mai 1929
Vorgeschichte Die ersten Luftfahrtereignisse in der Region fanden am 21. Februar 1784 in Leipzig sowie am 29. September 1845 in Halle statt, als dort jeweils ein Heißluftballon abhob. Der zivile Luftverkehr begann erst im 20. Jahrhundert, als 1909 erstmals Luftschiffe Leipzig besuchten. 1911 wurde in Lindenthal ein erster zivil genutzter Flugplatz eröffnet, wo auch eine Flugschule angesiedelt war. Die Deutschen Flugzeug-Werke besaßen dort drei Hangars, die bis zum Ersten Weltkrieg zum Flugzeugbau genutzt wurden. 1913 errichtete die Stadt Leipzig mit dem Flughafen Leipzig-Mockau einen weiteren Flugplatz, auf dem unter anderem auch eine 160 Meter lange Luftschiffhalle für bis zu drei Luftschiffe sowie Deutschlands erstes Flughafenhotel zu finden waren. Während des Ersten Weltkriegs wurde in Mötzlich, nördlich von Halle, einer der seinerzeit größten deutschen Militärflugplätze eröffnet. Mit dem Flugplatz Halle-Nietleben wurde 1925 der erste wirkliche zivile Flugplatz eröffnet.
Planung, Bau und Betriebsaufnahme Bereits kurz nach der Eröffnung des Flugplatzes in Nietleben wurde klar, dass der Flugplatz für die plötzlich rasant steigenden Flugbewegungen nicht ausreichend war. Das Reichsverkehrsministerium strebte zur selben Zeit eine neue Gliederung des mitteldeutschen Luftraums an. Daraus entwickelte sich die Idee, einen Flughafen gemeinsam für den Ballungsraum Leipzig-Halle in der Mitte zwischen beiden Städten zu bauen. Trotz großen Widerstands, vor allem aus Leipzig, setzte sich diese Idee schließlich durch. Die Stadt Halle kaufte im Jahr 1926 durch Beschluss des Magistrats 400 Morgen geeigneter Landfläche nahe der damals preußischen Ortschaft Schkeuditz zum Preis von zwei Millionen Reichsmark, um das damalige Projekt Flughafen Halle/Leipzig zusammen mit der Stadt Leipzig voranbringen zu können.E. Buchsbaum: Halle. Geschichte der Stadt in Wort und Bild. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1979 (2. Auflage 1982), S. 84. Die Planung der Hochbauten des Flughafens wurde von Paul Thiersch geleitet. Der in dieser Zeit moderne kreisrunde Flugplatz sorgte dafür, dass man je nach Windrichtung ideal starten und landen konnte. Der erste Spatenstich fand am 1. September 1926, die Eröffnung schon acht Monate später am 18. April 1927 statt. Zu dieser Zeit bestand der Flughafen aus einem Flugfeld, einem Hangar sowie einem Verwaltungsgebäude, das jedoch nur provisorisch ausgeführt war.
1928 wurde eine 400 Meter lange Start- und Landebahn angelegt und der bisherige Name Flugplatz Schkeuditz durch den neuen Namen Flughafen Halle/Leipzig ersetzt. Der alte Flughafen Leipzig-Mockau wurde hauptsächlich von der Junkers Luftverkehr AG getragen, die 1926 in der Deutschen Luft Hansa aufging, welche auf den neuen Großflughafen umzog.
Ausbau in den 1930er Jahren mit abruptem Ende mini|Neues Restaurantgebäude von Hans Wittwer, Anfang der 1930er Jahre
Im Mai 1931 wurde das neue Restaurantgebäude des Flughafens eröffnet. Der von Hans Wittwer erbaute „Glaspalast“, der sich durch eine moderne und funktionale Architektur hervorhob, wurde zum beliebten Ausflugsziel in der Bevölkerung und bei den Fluggästen. Ein ebenfalls von Wittwer geplantes luftseitig vollständig verglastes Empfangsgebäude wurde wegen fehlender Finanzmittel nicht realisiert. Das bisherige provisorische Verwaltungsgebäude wurde erst durch ein 1936/1937 im Stil nationalsozialistischer Architektur erbautes repräsentatives Abfertigungsgebäude ersetzt.
Der Flughafen Halle/Leipzig stand im Jahr 1937 mit mehr als 40 Starts pro Tag an vierter Stelle in der Rangliste der verkehrsreichsten Flughäfen Deutschlands. Diese Entwicklung wurde durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges abrupt beendet. Der zivile Flugverkehr wurde stark eingeschränkt, der Flughafen samt seinen Anlagen und Werkstätten von der deutschen Luftwaffe übernommen und für militärische Zwecke verwendet. So wurden unter anderem in den Lufthansa-Werkstätten am Platz Geräte für den militärischen Bedarf hergestellt. Die in Halle beheimateten Siebel Flugzeugwerke richteten ein Zweigwerk ein.Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 2: Sachsen. VDM, Zweibrücken 2001, ISBN 3-925480-62-5, S. 139. Am 16. April 1944 zerstörten alliierte Bomber einen großen Teil der Anlage, darunter auch das Restaurantgebäude.
Neuer Start nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Sonderflugverkehr zur Frühjahrsmesse 1968 auf dem Messeflughafen Leipzig: Landung einer Fokker F-27 der Balair mini|Flughafen Leipzig im Jahr 1988
Nach dem Ende des Krieges arbeiteten in den Produktionsanlagen zunächst noch Teile der Flugzeugindustrie weiter, woraus nach einigen Umwegen 1947 der VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz hervorging. Der Flugplatz wurde während dieser Zeit nur als Werksflugplatz verwendet. Ehrgeizige Projekte zur Entwicklung des Luftverkehrs in der DDR führten zwischen 1957 und 1960 zum Bau einer 2500 Meter langen Start- und Landebahn. Da sich der Flugzeugbau nicht lohnte, wurde er am Flughafen alsbald eingestellt, wodurch die Start- und Landebahn zunächst kaum Verwendung fand. Der zu dieser Zeit als Messeflughafen genutzte Flughafen Leipzig-Mockau genügte Anfang der 1960er Jahre immer weniger den technischen Anforderungen, also besann man sich darauf, den Flugverkehr auf die neu gebaute und kaum benutzte Landebahn in Schkeuditz zu verlegen. Der Flugplatz wurde ab 1963 zweimal jährlich als Messeflughafen Leipzig genutzt und von der staatlichen Fluggesellschaft der DDR, der Interflug, angeflogen. Bis 1966 wurden zu jeder Saison provisorische Abfertigungsanlagen auf- und wieder abgebaut. Am 30. August 1968 wurde ein neues, eingeschossiges Abfertigungsgebäude (heute Teil des Terminals A) in Betrieb genommen, das eine einmalige Doppelfunktion besaß: Vier Wochen im Jahr diente es als Empfangsgebäude des Messeflughafens, die restliche Zeit als Autobahnraststätte.
Die Anlage wurde in den folgenden Jahren in kleinen Schritten erweitert und ausgebaut, sodass am 19. Mai 1972 der Flughafen Leipzig den ganzjährigen Betrieb als Verkehrsflughafen aufnehmen konnte. Trotz finanzieller und kapazitärer Engpässe und wirtschaftlicher Schwierigkeiten in den Folgejahren wurde der Flughafen Stück für Stück erweitert und Flugsicherungsanlagen errichtet, um den immer weiter steigenden Passagierzahlen gerecht zu werden, die sich von 1972 bis 1988 auf circa 550.000 pro Jahr verzehnfacht hatten. Das 1968 erbaute Abfertigungsgebäude wurde um eine neue Einreisehalle erweitert, die nach viermonatiger Bauzeit am 30. August 1984 fertiggestellt wurde. Am 30. August 1985 wurde eine rekonstruierte Abflughalle in Betrieb genommen.
Zur Leipziger Messe landete am 18. März 1986 erstmals eine aus Paris kommende Concorde der Air France in Leipzig. Ihr folgte zwei Tage später eine Concorde der British Airways, was jedoch eine Ausnahme bleiben sollte, denn auch in den Folgejahren gab es in Messezeiten nur Concordeflüge Paris–Leipzig. Der Flughafen Leipzig/Halle hält mit insgesamt sieben Concorde-Landungen (sechsmal Air France und einmal British Airways) den Rekord in Deutschland.
Nach der Wiedervereinigung Der zivile Neuanfang mini|Innenansicht der sog. Mall mini|Außenansicht der Mall von AP Brunnert Architekten (Baujahre 2000/2001), ausgezeichnet mit dem Renault Traffic Design Award 2002Flughafen Leipzig-Halle Zentralgebäude, Mall – Zentral-check-in auf den Seiten von Geißel Architektur (abgerufen am 10. Juni 2026) mini|Vorfeld mit Terminal B mini|hochkant|Der im Jahr 2000 eingeweihte Tower
Nach der deutschen Wiedervereinigung musste sich die Flughafenverwaltung auf die enormen Strukturveränderungen des wirtschaftlichen Umbruchs einstellen und somit wurde am 17. September 1990 durch die Treuhandanstalt die provisorische Flughafen Leipzig GmbH i. G. gegründet, die dank der Hilfe einiger westdeutscher Flughäfen den Betrieb aufrechterhalten konnte und erste Baumaßnahmen zur Modernisierung der bestehenden Anlagen beginnen konnte. Zuerst wurde vom 7. Januar bis 24. Mai 1991 das nun Terminal A genannte Abfertigungsgebäude von 1968/84 modernisiert und erweitert.
Nachdem nach den Kommunalwahlen im März 1990 und den Landtagswahlen im Oktober 1990 der Aufbau neuer Landesverwaltungen begonnen hatte, lud die Treuhandanstalt mit Inbetriebnahme des umgebauten Terminals am 24. Mai 1991 zu einer Gesellschafterversammlung ein, in der unter Beteiligung der Gebietskörperschaften (die umliegenden Landkreise) und der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt ein erster Aufsichtsrat bestellt wurde. Dieser beschloss am selben Tag die Umbenennung der Gesellschaft in Flughafen Leipzig/Halle GmbH. Am 16. Juli 1991 konnte von den Ländern der Übernahmevertrag unterzeichnet werden. Im September 1991 beschloss der Aufsichtsrat umfangreiche Sofortmaßnahmen zur weiteren Sanierung der Flughafenanlagen, so die Einführung der Allwettertauglichkeit nach ILS-CAT III b, die Sanierung der Flugbetriebsflächen und die Verbesserung der straßenseitigen Anbindung des Flughafens zusammen mit dem Bau neuer Parkplätze.
Ebenfalls 1991 ging der ehemalige Minol-Tankbetrieb des Flughafens an die Turbo Fuel Services Sachsen (TFSS) über. Seit 2008 ist die TFSS auch Betreiber der posteigenen Tankwagenflotte, die zum Betrieb des DHL Hubs erforderlich ist.
Ende 1992 wurden erstmals eine Million Passagiere abgefertigt. Um die große Anzahl von Passagieren der Charterflüge von Reiseveranstaltern abfertigen zu können, wurde am 12. Mai 1993 das „Urlauber“-Terminal C eröffnet. Innerhalb eines Jahres stieg das Fluggastaufkommen um mehr als 500.000, weswegen am 16. Mai 1994 der Grundstein für ein neues Abfertigungsgebäude (Terminal B) gelegt wurde, das für die Abfertigung von 3,5 Millionen Passagieren bemessen war. Es wurde am 3. März 1996 eingeweiht. Mit seiner Inbetriebnahme wurde gleichzeitig Terminal C für den Passagierverkehr geschlossen. Es diente weiterhin dem Umschlag des Post- und Güterfrachtverkehrs, so der Posttochter DHL bis zur Inbetriebnahme deren neuer „Hubs“ als Gateway.
Der Freistaat Sachsen erwartete 1993 für das Jahr 2000 einen Anstieg der Fluggastzahlen auf rund 3 Millionen.