Der Lausitzring (früher EuroSpeedway Lausitz) ist eine Motorsport-Anlage in der Niederlausitz, im Ortsteil Klettwitz der Gemeinde Schipkau in Brandenburg. Sie befindet sich etwa 115 Kilometer südöstlich von Berlin und 55 km nördlich von Dresden. Die Anlage wurde im Jahr 2000 als Grand-Prix-Kurs, Speedway und Teststrecke eröffnet.

Mit der Übernahme des Lausitzrings durch die Sachverständigenorganisation DEKRA 2017 erfolgte die Umbenennung in DEKRA Lausitzring.

Geschichte Die Anfänge Die Rennstrecke entstand als Ersatz für die Berliner AVUS in einem ehemaligen Braunkohletagebau, die dort allerdings bereits zur DDR-Zeit angestrebt und 1986 in deren Fünfjahresplan aufgenommen wurde. Der Mauerfall von 1989 verzögerte zunächst den Bau, der seitdem aber zusätzlich noch einmal angestiegene Verkehr in der Berliner Innenstadt zum Berliner Ring beschleunigte die Suche nach einer alternativen Rennstrecke im erweiterten Großraum. Nach einem schweren Rennunfall wurde im Jahre 1998 der Rennbetrieb auf der AVUS vorfristig eingestellt, dann ein Jahr später jedoch der EuroSpeedway Lausitz, nach einer Abschlussfeier für die AVUS, im Jahre 1999 eröffnet.

Mit der Schließung des Tagebaus in der Lausitz wurden die Pläne zum Bau der Rennstrecke konkret. 1991 wurde die Firma Lausitzring Project GmbH gegründet, um einen geeigneten Standort für die neue Rennstrecke in der Lausitz zu suchen. Die Wahl fiel auf den ehemaligen Tagebau Meuro. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg stimmte diesem Standort im Amt Schipkau mit seinen Gemeinden Klettwitz, Meuro, Drochow, Hörlitz und Annahütte am 8. September 1995 zu. Bereits 17 Tage später wurde der Förderverein Lausitzring e. V. gegründet. Der Verein ist seither der Eigentümer des Areals und verpachtet die Rennstrecke an die Betreibergesellschaften.Neuer Betreiber für Lausitzring. In: Der Tagesspiegel, 3. Januar 2009, Ausgabe Brandenburg.

Am 17. Juni 1998, nach drei Jahren Planung, wurde der Bau der neuen Rennstrecke begonnen. Der Baubetrieb wurde im August desselben Jahres wegen eines Widerspruchsverfahrens eines Anwohners für 2 Monate unterbrochen, konnte aber durch die Unterstützung der Bürgerinitiative „Pro Lausitzring“ und des ADACs Berlin-Brandenburg zeitnah wieder aufgenommen werden. Die Bürgerinitiative „Pro Lausitzring“ ging später im Club 98 e. V. auf und unterstützt den EuroSpeedway Lausitz noch heute. EuroSpeedway Lausitz, abgerufen am 18. März 2010.

Am 14. Mai 1999 war die Grundsteinlegung der Haupttribüne, und im Juni 1999 folgten die ersten Asphaltierungsarbeiten. Nach 18 Monaten Bauzeit wurde am 2. Dezember 1999 das Richtfest gefeiert. Die Feinarbeiten wurden bis August 2000 abgeschlossen. Die Kosten für den Bau des Lausitzrings beliefen sich auf 158 Millionen Euro, 123 Millionen Euro wurden vom Land Brandenburg übernommen.

In Anlehnung an deutsche Rennstrecken sollte die Rennstrecke ursprünglich offiziell nur Lausitzring heißen. Aus Gründen der besseren Vermarktbarkeit der Strecke, vor allem in Nordamerika, sollte der Name wenige Wochen vor Eröffnung der Anlage in Eurospeedway Berlin-Brandenburg geändert werden. Nach heftigen Protesten in der lokalen Presse und Bevölkerung wurde der Name dann in EuroSpeedway Lausitz geändert.Eurospeedway mit Lausitz-Verweis. Rennstrecke bei Hörlitz erhält wieder lokalen Bezug. In: Berliner Zeitung, 18. Juli 2000.

2000–2004 Am 20. August 2000 feierten 110.000 Zuschauer die offizielle Eröffnung des neuen EuroSpeedway Lausitz. Bereits eine Woche später startete mit der Deutschen Motorrad-Straßenmeisterschaft (IDM) die erste Rennveranstaltung und am 3. September die DTM. Das Rennen am Sonntag musste wegen starker Regenfälle abgesagt werden. Am 15. Oktober kam die BERU Top 10 in die Lausitz, am 22. Oktober Porsche GTP Weekend.

Am 25. April 2001 verunglückte Michele Alboreto bei Testfahrten für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf dem DEKRA-Testoval neben dem EuroSpeedway Lausitz tödlich. In dieser Saison kam am 10. Juni zum ersten Mal die Superbike-Weltmeisterschaft in die Lausitz und am 12. August zum zweiten Mal die DTM. Das erste Open-Air-Konzert fand mit AC/DC am 16. Juni statt.

Als Saisonhöhepunkt war das „German 500“ eingeplant – für Samstag, den 15. September 2001. Die Ausrüstung der Teams war bereits vor Ort als die Luftraumsperrung nach Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA die Anreise von Piloten und anderen Personen verzögerte. Dennoch führte die US-amerikanische CART-Serie ihr erstes Oval-Rennen in Europa durch, das in „The American Memorial“ umgetauft wurde. Hierbei fuhren Formelrennwagen mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 330 km/h im Dreieck des Tri-Ovals, kaum langsamer in den Kurven (Turns), wobei eine Runde weniger als 40 Sekunden dauerte und von den rund 100.000 Zuschauern fast komplett verfolgt werden konnte. Durch das auch durch Wetter eingeschränkte Training ab Donnerstag wurden nicht alle Wagen gleich gut vorbereitet, und das Starterfeld wurde nicht nach Trainingszeiten sortiert, sondern nach Meisterschaftsstand. Dadurch lagen schnelle Autos wie das des Italieners Alessandro Zanardi zunächst hinten. 13 Runden vor Schluss des spannenden Rennens schleuderte Zanardi, zweimaliger CART-Champion und ehemaliger Formel-1-Fahrer, bei der Ausfahrt aus der Boxengasse direkt auf Turn 1 der Rennstrecke. Fahrer wie Patrick Carpentier konnten noch ausweichen, aber dessen Team-Kollege Alex Tagliani rammte Zanardis querstehenden Wagen mit etwa 320 km/h seitlich in Höhe der Vorderachse. Das Chassis wurde durch den Aufprall in zwei Teile gerissen und Zanardi beide Beine oberhalb der Knie amputiert. Wrackteile sowie der Wagen von Tagliani rutschten die Mauer entlang. Das Rennen wurde unter Gelben Flaggen neutralisiert beendet, mit Kenny Bräck (Rahal Lola Ford-Cosworth) als Sieger. Die Fernsehübertragung in ORB/ARD wurde abgebrochen. Zanardi wurde per Hubschrauber ins Unfallkrankenhaus Berlin geflogen, wo er von einem Team um Walter Schaffartzik behandelt wurde. Zanardi musste sieben Mal wiederbelebt werden und überlebte den Unfall trotz extrem hohen Blutverlustes – bei der Einlieferung ins Krankenhaus zirkulierte in seinem Körper lediglich noch ein Liter Blut.

miniatur|hochkant|Wappen der Gemeinde Schipkau mit Start-Ziel-Flagge

Die IDM war 2002 am 12. Mai zu sehen. Die britische ASCAR-Serie kam am 26. Mai und am 30. Juni mit gutem Erfolg zum Eurospeedway. Die Superbike-WM gastierte am 9. Juni. Zum dritten Mal in Folge war am 14. Juni die DTM in der Lausitz. Die Eigner- und Betreibergesellschaft bestehend aus der IBG, einer Tochtergesellschaft der Bankgesellschaft Berlin, der DEKRA (10 %) und dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz (10 %), meldete am 20. Juni 2002 Insolvenz an. In: Berliner Morgenpost, 20. Juni 2002 Die Champ-Car-Serie wollte zum zweiten Mal hier an den Start gehen, wieder im September, es musste aber aus Kostengründen abgesagt werden, es wurde in Europa nur auf dem Rockingham Motor Speedway Oval gefahren. Am 31. Dezember 2002 wurde die Zukunft des Eurospeedways durch den Betrieb der Lausitzer Rennstrecke durch die EuroSpeedway Lausitz Betriebs GmbH gesichert.

Bereits im Mai konnte die CART-Serie ihr zweites Rennen als „2003 German 500“ erfolgreich durchführen. Im Vorprogramm vollendete Alessandro Zanardi symbolisch das abgebrochene Rennen von 2001, indem er unter großer Anteilnahme des Publikums mit Beinprothesen 13 Runden in „seinem“ Rennwagen von 2001 absolvierte. Das Rennen gewann Sébastien Bourdais (Newman/Haas Lola Ford-Cosworth) nach 154 Runden und 312,069 Meilen (502,226 km) Distanz in 1:58:44 Stunden. Der Rennschnitt betrug 170,903 mph, 275 km/h. Nach zweimal „Rockingham 500“ auf dem Oval fuhren die Amerikaner diesmal in Brands Hatch auf dem verkürzten Indy-Straßenkurs. Für die Champ-Car-Saison 2004 organisierte sich dieser Teil der US-Rennszene neu und fokussierte sich wieder auf Nordamerika.

miniatur|links|Boxenausfahrt des Lausitzrings

Beim DTM-Rennen am 8. Juni 2003 sollte zum ersten Mal der GP-Kurs mit dem schnellen „Turn 1“ verbunden werden. Anstatt nach Start/Ziel links in das Kurven-Geschlängel einzubiegen, sollte die erste leicht überhöhte „Steilkurve“ des Triovals befahren werden. Doch bei den Testfahrten am Freitag vor dem Rennen kam es zu Reifenschäden an den Abt-Audis von Christian Abt und Laurent Aïello. Da auch andere Teams von Reifenproblemen sprachen, entschloss man sich für das Rennen doch wieder auf den normalen GP-Kurs zurückzukehren. Erst in der DTM-Saison 2021 wurde dieser Versuch nochmals wiederholt. Als erste deutsche Rennserie fuhr die V8-Star am 6. Juli Rennen auf dem Tri-Oval-Kurs. Am 20. Juli fuhr zum allerersten Mal die World Series by Nissan auf der Strecke.

Am 1. Januar 2004 übernahm die neugegründete Betreibergesellschaft EuroSpeedway Lausitz GmbH den Betrieb. Der Pachtvertrag mit dem Eigentümer, dem Förderverein Lausitzring e. V., lief über 5 Jahre. Bis 2008 sollten bis zu 5,8 Millionen Euro Subventionen des Landes Brandenburg für die Sicherung des Betriebs und Investitionen an die EuroSpeedway Lausitz GmbH fließen.Pachtvertrag sichert Fortführung des Lausitzrings Ministerium für Wirtschaft, Land Brandenburg Die DTM sah man am 6. Juni und die IDM am 1. August. Am 4. Juli feierte die Historische Formel-1-Meisterschaft Premiere auf der Strecke. Der Viertelmeilen-Cup wurde zum ersten Mal in der Lausitz ausgetragen. 50.000 Besucher sahen am 18. Juni das Open-Air-Konzert von Herbert Grönemeyer.

2005–2008 miniatur|Historische Formel 1 am Eurospeedway (2005)

Die DTM gastierte 2005 gleich zweimal in der Lausitz und zwar am 1. Mai und am 18. September. Das Rennen in Frankreich musste abgesagt werden, woraufhin der EuroSpeedway einsprang. Mit dem Eastside 100 wurde am letzten August-Wochenende erstmals in Deutschland ein Ovalrennen mit Formel-3-Boliden durchgeführt. Die Superbike Motorrad-Weltmeisterschaft kehrte nach einem Jahr Pause am 11. September zurück. Am 9. Oktober gastierte zum einzigen Mal die A1-Grand-Prix-Serie. Jahreshöhepunkt war das Abschiedsfestival der Böhsen Onkelz vor 120.000 Zuschauern am 17. und 18. Juni.

miniatur|links|Blick auf die Haupttribüne des Rings Im Jahr 2006 machte die DTM am 30. April Station und die IDM am 11. Juni. Premiere feierte die BELCAR mit ihrem Holiday Race am 23. Juli. Wieder gastierten die Beru Top 10, das Porsche GTP Weekend und zum dritten Mal in Folge der Viertelmeilen-Cup. Erneut fand das Eastside 100 des Deutschen Formel-3-Cups statt, diesmal am letzten Juli-Wochenende. Seit 2006 fanden keine Rennen mehr auf dem Tri-Oval-Kurs statt.

Im ersten Quartal 2007 wurde eine erneute europaweite Ausschreibung für den Verkauf und Betrieb der Rennstrecke eröffnet.Ralf Krüger: Lausitzring auch 2006 ohne Landeszuschuss. In: Sächsische Zeitung, 19. Januar 2007 Zum siebten Mal gastierte die DTM am 20. Mai auf dieser Rennstrecke. Wieder wurde auf Idee der ITR (DTM-Dachorganisation) hin die Streckenführung des EuroSpeedways für das DTM-Rennen ein wenig verändert. Diesmal betraf es die Startkurve. Mit Hilfe von mobilen Curbs wurde eine enge Kehre geschaffen, die die Rennstrecke um 36 Meter verlängerte. Dadurch sollte eine bessere Überholmöglichkeit für die Piloten geschaffen werden. Am 29. April kam die IDM und am 5. August der ADAC GT Masters in die Lausitz.

Nach einem Jahr Ausschreibungs- und Verhandlungsverfahren wurde im Juni die Betriebsführung der Rennstrecke ab dem 1. Januar 2009 an die „Bietergemeinschaft alpha-Technik“ vergeben. Die IDM kam 2008 am 27. April, die DTM am 18. Mai und der ADAC GT Masters am 7. September; außerdem fand ein 24-Stunden-Rennen statt. Der Viertelmeilen-Cup der SPRINT-Tankstellen absolvierte seinen fünften Auftritt in der Lausitz.