mini|hochkant=1.25|Bevölkerungsentwicklung von 2019 bis 2022.

Die Demografie Deutschlands betrachtet die Wirkung natürlicher und künstlicher Veränderungsfaktoren auf die Bevölkerung in Deutschland. In der Wissenschaftsdisziplin Demografie werden die Bevölkerungszusammensetzung und -entwicklung beobachtet, beschrieben, Statistiken auch grafisch aufbereitet und nach Erklärungen für längerfristige Veränderungen gesucht. Nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes beträgt die Einwohnerzahl Deutschlands 83.555.478 (30. September 2023).

Deutschland ist damit nach Russland das zweitbevölkerungsreichste Land Europas und (Stand 2025) an 19. Stelle der Welt.Bevölkerungsreichste Länder der Welt 2025. In diesen Ländern leben aktuell die meisten Menschen. Wirtschaftswoche, abgerufen am 27. April 2025.

Mit nur 677.000 Geburten im Jahr 2024 wurde, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der fünftniedrigste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht.Im Jahr 2024 wurden 677 000 Kinder geboren. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 27. April 2025. Im Jahr 2025 lag er mit 654.300 Geburten nach vorläufiger Schätzung des Statistischen Bundesamtes auf dem niedrigsten Stand seit dem Nachkriegsjahr 1946.

Die Geburtenziffer sinkt jährlich und wurde im Jahr 2023 mit 1,35 angegeben, was weit unter der Ersatzrate von 2,1 liegt.Geburtenziffer 2023 auf 1,35 Kinder je Frau gesunken. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 27. April 2025.Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt laut Statistikamt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekäme, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweiligen Jahr. Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,23. Zuletzt lag sie 1996 in diesem Bereich, erholte sich dann 2011 auf 1,39 und 2016 auf 1,59. Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,84. Mit Ausnahme des Corona-Jahrs 2021 gehen alle Geburtenraten seit 2017 kontinuierlich zurück. Der mit 8 % stärkste Rückgang erfolgte 2021/22. Seitdem schwächt sich der Rückgang ab.Bevölkerung - Geburten, Statistisches Bundesamt (Destatis) | 2025. In: destatis.deGeburtenrate sinkt erneut – aber langsamer (17. Juli 2025).

Der Rückgang der deutschen Geburtenziffer von 2,4 im Jahr 1960 auf 1,35 im Jahr 2024 entspricht dem Trend der OECD-Staaten. Im Zeitraum von 1960 bis 2022 halbierte sich die Geburtenziffer pro Frau in den OECD-Staaten und sank von durchschnittlich 3,3 auf rund 1,5 Kinder pro Frau.In OECD-Staaten Geburtenrate hat sich innerhalb von 60 Jahren halbiert. Der Spiegel, abgerufen am 26. April 2025.

mini|hochkant=1.25|Karte der Fertilitätsrate in deutschen Landkreisen (Kinderanzahl je Frau im Durchschnitt der Jahre 2017–2019).

Aufgrund niedriger Geburtenrate gab es in Deutschland seit 1972 in jedem Jahr mehr Sterbefälle als Geburten. Seit 53 Jahren hätte es demnach ohne Zuwanderung ein jährliches Geburtendefizit gegeben. Fast alle europäischen Staaten verzeichnen einen deutlichen Rückgang der Geburtenraten. Bis auf Montenegro liegen alle anderen europäischen Staaten bei einer Geburtenrate unter 2,1.

Nur durch Zuwanderung konnten Bevölkerungsrückgang und Überalterung der Bevölkerung aufgrund des Geburtendefizits vermieden oder begrenzt werden. 2022 lag der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei 28,7 %. Zu dieser Kategorie zählen Ausländer, Eingebürgerte, Spätaussiedler aus Osteuropa und deren Kinder.

Bis zum frühen 20. Jahrhundert war Deutschland selber ein starkes Auswandererland. 5 Millionen Menschen wanderten aus Deutschland in den Grenzen des Kaiserreichs im 19. Jahrhundert in die USA aus und über zwei Millionen im 20. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Einwanderung die Auswanderung zu überwiegen, da etwa 14 Millionen ethnische Deutsche aus den ehemaligen Ostprovinzen des Reiches und anderen Gebieten Osteuropas vertrieben wurden, von denen etwa 12 Millionen in das heutige Deutschland und mehrere Hunderttausend nach Österreich und in andere Länder gelangten oder starben. Nach 1950 repatriierten weitere 4,5 Millionen ethnische Deutsche aus Osteuropa, insbesondere gegen Ende des Ostblocks aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Rumänien.Aktuelle Aussiedlerstatistik, auf bund-der-vertriebenen.de.Russia Hopes to Lure Back Ethnic Germans, auf dw.com.

Die massive Zuwanderung nach Westdeutschland begann in der Zeit des Wirtschaftswunders von den 1950er bis Anfang der 1970er Jahre, als Deutschland einen Arbeitskräftemangel hatte und Südeuropäer aus Ländern wie der Türkei, Italien und Spanien vorübergehend als Gastarbeiter einließ (dazu wurden Anwerbeabkommen mit der Türkei, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und weiteren Staaten geschlossen). Die Liberalisierung der Gastarbeitergesetzgebung ermöglichte es vielen, in Westdeutschland zu bleiben und sich ein Leben aufzubauen.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zerfiel der Ostblock und dann die Sowjetunion; viele deutschstämmige Bürger von Ostblockstaaten (Spätaussiedler) migrierten nach Deutschland. Eine weitere große Einwanderungswelle ereignete sich, als viele Menschen vor den Jugoslawienkriegen und vor dem Bosnienkrieg (alle im ehemaligen Jugoslawien) flohen. Zugleich kamen viele Menschen aus der Türkei und beantragten in Deutschland Asyl.

Die nächste große Einwanderungswelle begann nach der Osterweiterung der Europäischen Union im Jahr 2011, als Osteuropäer nun ohne Visum in Deutschland leben und arbeiten durften. Deutschland hat 2015/16 eine hohe Zahl von Flüchtlingen auf der Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg, aber auch anderen Konflikten im Irak und in Afghanistan aufgenommen: 476.649 Asylsuchende im Jahr 2015, 745.545 im Jahr 2016 und danach rückläufig.

Russische Streitkräfte begannen am 24. Februar 2022 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine und verursachten damit eine große Flucht- und Migrationswelle. Deutschland verzeichnete 2022 allein aus der Ukraine eine Nettozuwanderung von 962.000 Menschen.

Überblick Die Geburtenrate der deutschen Bevölkerung befindet sich seit den 1970er Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau; im Jahr 2015 betrug der Sterbeüberschuss 187.625 Personen.Statistisches Bundesamt (Destatis): Bevölkerung – Geborene und Gestorbene. Abgerufen am 29. November 2017. Dem stand im selben Jahr ein Zuwanderungsgewinn von 1.139.402 Personen gegenüber, so dass die Bevölkerung zahlenmäßig um 951.777 Personen zunahm.Statistisches Bundesamt (Destatis): Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland. Abgerufen am 29. November 2017. Als eine der gegenwärtigen Herausforderungen wird wegen der niedrigen Geburtenrate die Orientierung zu einer familienfreundlichen, kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft mit Mehrkindfamilien gesehen (Pronatalismus). Bei einer Fortsetzung sehr niedriger Geburtenraten, wie in den vergangenen vier Jahrzehnten, werden für Deutschland große soziale, ökonomische und geopolitische Problemstellungen vorhergesagt.Kinderlosigkeit ist das wirkliche Problem Europas, Die Welt vom 21. Dezember 2012. Abgerufen am 9. Januar 2013.

Die Binnen- und die Auswanderungsbewegungen waren im Jahrzehnt 2000 bis 2010 sehr unterschiedlich. De facto ist insgesamt ein Gleichstand mit den Vorjahren zu beobachten (Veränderung unter 0,1 Prozent, Wanderungssaldo). Mehr als 10 Millionen hier lebender Menschen waren laut Daten des Ausländerzentralregisters ausschließlich ausländische Staatsbürger (Stand: 12.2016). Rund 18,6 Millionen Einwohner Deutschlands hatten im Jahr 2016 einen Migrationshintergrund.Statistisches Bundesamt (Destatis): Themenbereich Migration & Integration. Abgerufen am 29. November 2017.

Die Anzahl der nicht registrierten Personen anderer Staatsangehörigkeit in Deutschland, oft illegale Einwanderer genannt, ist amtlich nicht erfasst. Die meisten Schätzungen und der Vergleich mit anderen Staaten Westeuropas und Nordamerikas lassen 0,5 % bis 2 % der amtlichen Bevölkerung annehmen, also zwischen 415.000 und 1.660.000 Personen.

Natürliche Bevölkerungsentwicklung, Faktoren mini|hochkant=1.3|Gesamtbevölkerung Deutschlands seit 1950 (bis 1990 Einwohner BRD und DDR jeweils addiert) mini|hochkant=1.3|Geburten und Sterbefälle in Deutschland seit 1950 einschließlich DDR und Berlin

In den westdeutschen Bundesländern ging die Zahl der Geburten seit Ende der 1960er Jahre zurück (sog. Pillenknick). In der DDR war die Entwicklung zeitversetzt um etwa drei Jahre ähnlich, wenngleich die Geburtenraten im Osten ab 1969 höher waren als im Westen. Nach der Wiedervereinigung sank in Ostdeutschland die Geburtenrate um über % verglichen mit dem Vorwendeniveau.

Die zusammengefasste Geburtenziffer Deutschlands lag im Jahr 2015 mit 1,50 unter dem Durchschnitt der Europäischen Union (1,58).Statistisches Bundesamt (Destatis): Zusammengefasste Geburtenziffer nach Kalenderjahren. Abgerufen am 29. November 2017. Insgesamt kamen in diesem Jahr in Deutschland 737.575 Kinder zur Welt, je 1000 Einwohner waren es 9 Neugeborene. Die absolute Geburtenzahl stieg bereits in den Jahren zuvor; 2013 lag sie bei 682.069, 2014 bei 714.927.

Frauen mit Migrationshintergrund bringen im Laufe ihres Lebens durchschnittlich mehr Kinder zur Welt als die in Deutschland geborenen Frauen. Bei Frauen, die 2016 zwischen 45 und 54 Jahre alt waren, betrug die Zahl der geborenen Kinder im Durchschnitt 1,6 Kinder pro Frau. Die in Deutschland geborenen gleichaltrigen Frauen hatten mit 1,5 Kinder pro Frau eine etwas geringere und die Zuwanderinnen mit 2,0 eine höhere Kinderzahl. Bei Frauen mit höherer Bildung waren die Unterschiede deutlich geringer: Die in Deutschland geborenen Frauen brachten im Laufe ihres Lebens 1,4 Kinder pro Frau zur Welt, die Migrantinnen 1,5. Bei Frauen mit niedrigem Bildungsstand sind die Unterschiede größer: Die in Deutschland Geborenen hatten durchschnittlich 1,7 Kinder und die Zugewanderten 2,4 Kinder je Frau.Statistisches Bundesamt (Destatis): Kinderlosigkeit, Geburten und Familien (PDF-Dokument), Ausgabe 2019. Ergebnisse des Mikrozensus 2018. Abgerufen im September 2022.

Für das Jahr 2012 ermittelte das Statistische Bundesamt letztmals die Religionszugehörigkeit der Eltern. Von den rund 674.000 Kindern, die in diesem Jahr geboren wurden, hatten etwa 180.000 (ca. 27 %) eine Mutter mit römisch-katholischer und 169.000 (ca. 25 %) mit evangelischer Religionszugehörigkeit. 54.000 (ca. 8 %) der Mütter waren dem Islam zugehörig. Der Anteil der sogenannten „Gemeinschaftslosen“ fiel auf 162.000 (ca. 24 %). Unbekannt war die Zugehörigkeit bei 84.000 (ca. 12 %)., Statistisches Bundesamt – Destatis, Wiesbaden 2014.

Es ist jedoch sowohl umstritten, inwieweit ein höheres Bevölkerungswachstum in Deutschland positive wirtschaftliche Effekte hätte. Weiterhin ist umstritten, ob die derzeitige Bevölkerungsentwicklung eine Gefahr für die sozialen Sicherungssysteme darstellt oder bei der derzeitigen Arbeitslosigkeit hierfür eher irrelevant ist und vielmehr eine expansive Lohnpolitik negative Effekte auffangen müsste. Erstgenannte Position wurde vor allem von Herwig Birg, letztgenannte von Gerd Bosbach vertreten.

Die Zahl der Gestorbenen schwankte von den 1950er Jahren bis etwa 2020 zwischen 800.000 und 1.000.000 pro Jahr, seit 2004 (818.271)Statistischer Bericht – Sterbefälle nach Tagen, Wochen und Monaten – endgültige Daten – 2000 bis 2019 (Direkt-Link zur Excel-Datei), Statistisches Bundesamt, abgerufen am 1. Mai 2024. steigt die Zahl, 2022 waren es 1.066.341.Daten der Lebendgeborenen, Totgeborenen, Gestorbenen und der Gestorbenen im 1. Lebensjahr, Statistisches Bundesamt, abgerufen am 1. Mai 2024. Die insgesamt hohe Lebenserwartung in Deutschland resultiert aus dem inneren Frieden, relativem Wohlstand, der Existenz einer breiten Mittelschicht und einer leistungsfähigen Medizin sowie Gesundheitsfürsorge.