mini|Griechische Agora von Athen mit Blick auf die Akropolis mini|Griechische Agora von Athen, von der Akropolis aus gesehen mini|Hephaisteion auf der Agora Die Agora (Betonung: Agorá, von , „Marktplatz“) in Athen war in der griechischen Antike ein Versammlungsplatz der Polis und wurde für die Heeres-, Gerichts- und Volksversammlungen der freien Bürger genutzt. Er existiert seit etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. und bildet einen Gegensatz zum kultischen und politischen Machtzentrum der archaischen Burganlage (der Akropolis). Daher stellt die Agora einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der attischen Demokratie dar. Ab Kleisthenes von Athen wurde dies die Pnyx, ab 330 v. Chr. das Dionysostheater.

Geschichte Das Gebiet der späteren Agora von Athen wurde wahrscheinlich bereits seit der Jungsteinzeit bewohnt. Den ältesten Beleg für Siedlungen auf der Agora gibt Keramik, die in der Nähe von Brunnen geborgen wurde. Sie wird auf rund 3000 v. Chr. datiert. Allerdings wurden keine Siedlungsspuren aus dieser Zeit gefunden. Von der späten Bronzezeit an (1600–1100 v. Chr.) bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. wurde die Agora als Friedhof benutzt. Man fand etliche Gräber aus dieser Zeit.Agora XIII, passim; Agora XIV, 6–9.

Ab etwa 1000 v. Chr. wurde das Gebiet der Agora auch als Wohnstätte benutzt. Zwar lassen sich keine Reste der damaligen Häuser finden, da dieses Gebiet später als Steinbruch verwendet wurde, aber es finden sich etliche Brunnenschächte aus dieser Zeit. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. wurden viele dieser Brunnen zugeschüttet, was auf einen drastischen Bevölkerungsrückgang hindeutet.Agora XIV, 9–18.

Gegen 600 v. Chr. begann man, die Agora als öffentlichen Platz auszubauen. Erst um 500 v. Chr. wurde die Agora auch formalrechtlich durch Grenzsteine (so genannte Horoi – griechisch ) abgegrenzt. Die Horoi, die an den Eingängen der Agora aufgestellt wurden, trugen den Schriftzug „“ (, „Ich bin die Grenze der Agora“). Durch die Aufstellung der Grenzsteine sollte ein wildes Bauen auf der Agora verhindert werden. Verbrechern, Kriegsdienstverweigerern und anderen Leuten, die auf der Agora nicht erwünscht waren, wurde der Zutritt zur Agora verboten.

Im Jahr 480 v. Chr. eroberten die Perser Athen und zerstörten dabei die Stadt und die Agora zu einem großen Teil. Ironischerweise sind uns erst durch diese Zerstörung und den anschließenden Wiederaufbau viele Gebäude (als Ruine) erhalten geblieben. Nach der Zerstörung der Agora durch die Perser begann man mit dem Wiederaufbau. Daher entstanden zu dieser Zeit auch viele neue Gebäude. Bald schon brachen schwierige Zeiten für Athen an; vor allem die Bürgerkriege verhinderten einen weiteren Ausbau der Agora.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde Athen immer mehr zum geistigen Mittelpunkt der mediterranen Welt. Herrscher verschiedener Länder (beispielsweise aus Ägypten, Syrien, Pergamon) begannen, ihre Macht und Kultur zu demonstrieren, indem sie in Athen Gebäude bauen ließen. Dadurch nahm die Bautätigkeit auf der Agora enorm zu. Zu dieser Zeit wurden die großen, imposanten Stoen erbaut. Erst in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts war die Agora vollständig von Gebäuden umbaut. Auf allen Seiten war der Besucher der Agora nun von Gebäuden umgeben, die mit Säulenfronten geschmückt waren.

Im Jahre 146 v. Chr. besiegte der römische General Lucius Mummius den Achäischen Bund und Griechenland wurde zur römischen Provinz erklärt. Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. stellte sich Athen gegen Rom, was zu einer Belagerung der Stadt im Jahre 86 v. Chr. führte, bei der unter anderem der südliche Teil der Agora in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bereits gegen Mitte des Jahrhunderts zeigten die Römer ein größeres Interesse an Athen. Dies führte erneut zu erhöhter Bautätigkeit. So wurde rund 150 Meter östlich der Agora ein neuer Marktplatz, die Römische Agora, angelegt, der der Agora diese Funktion weitgehend nahm. Der freie Platz auf der Agora war nun nicht mehr nötig und wurde zugebaut.

Auf die Regentschaft Augustus’ folgte ein Jahrhundert geringer Bautätigkeit, bis Trajan (98–117) und Hadrian (117–138) während ihrer Zeit als Kaiser des Römischen Reiches eine letzte Blütezeit für die Agora einleiteten. Nachdem die Heruler im Jahre 267 Athen stürmten und dabei die meisten Gebäude der Agora zerstörten, wurde die Agora nie wieder zu dem bedeutenden Zentrum, das sie in den vorherigen Jahrhunderten gewesen war. Das 4. Jahrhundert bedeutete den endgültigen Niedergang der Agora; sie wurde weitgehend aufgegeben.

Forschungsgeschichte Seit 1931 führt die American School of Classical Studies at Athens Ausgrabungen auf der Agora durch, zunächst unter Leitung von Theodore Leslie Shear und finanziert durch John D. Rockefeller. Innerhalb kürzester Zeit konnte er, unterstützt von einer Gruppe junger Archäologen, darunter Homer A. Thompson, Eugene Vanderpool, Benjamin Dean Meritt, Dorothy Burr, Virginia Grace, Lucy Talcott, Alison Frantz, Margaret Crosby, Piet de Jong, Rodney Young und Ioannis „John“ Travlos, den Marktplatz des antiken Athens freilegen, bis die Grabungen 1939 in Folge des Krieges zunächst eingestellt werden mussten. 1946 wurden diese unter Leitung von Homer A. Thompson wieder aufgenommen, diesem folgten 1967 T. Leslie Shear, Jr. und 1994 John McK. Camp als Leiter der Grabung. John D. Rockefeller finanzierte in den frühen 1950er Jahren die Rekonstruktion der Stoa des Attalos, die seither als Museum dient. Dort wurde der EU-Beitrittsvertrag 2003 zum Beitritt 10 neuer Mitglieder unterzeichnet.

Bauten

mini|Plan der Agora im 5. Jahrhundert v. Chr.

Panathenaia-Straße

Die breite Panathenäen-Straße durchquerte die Agora von Südosten nach Nordwesten. Obwohl sie einer der Hauptverkehrswege Athens war, bestand sie nur aus einer festgestampften Schotterdecke. Erst in der Zeit des Hellenismus bekam sie zusätzlich einen Rinnstein.

Die Panathenäen-Straße diente nicht nur als Verkehrsweg, sie war auch Austragungsort von Sportveranstaltungen und Prozessionen sowie Übungsplatz für die Reiterei. Für die Zuschauer der verschiedenen Veranstaltungen wurden neben der Straße hölzerne Tribünen (sogenannte Ikria) errichtet. Löcher für die Pfosten der Tribünen können noch heute gefunden werden.

Orchestra

Ein Teil der Agora wurde als Orchestra bezeichnet. Hier fanden die meisten öffentlichen Veranstaltungen statt. Auch an der Orchestra wurden Pfostenlöcher gefunden. Nachdem im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. die Ikria zusammenbrach, wurden die meisten Veranstaltungen in das Dionysostheater verlegt. Die Orchestra blieb aber weiterhin ein Ort, an dem Wettkämpfer verehrt wurden, wie der Fund vieler später aufgestellter Denkmäler zur Erinnerung an Wettkampfsiege zeigt.

Sakralbauten Das Hephaisteion (13)

mini|Hephaisteion auf der Agora mini|Hephaisteion auf der Agora

Hauptartikel: Tempel des Hephaistos

Auf dem Kolonos Agoraios, dem Hügel, der die Agora westlich begrenzt, befindet sich ein beinahe unzerstörter Marmortempel. Es wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um das Hephaisteion handelt, in dem Hephaistos, der Gott der Schmiedekunst, und Athene, die Göttin des Handwerks und der schönen Künste, verehrt wurden. Die Identifizierung ist nicht gesichert (es wurde auch vermutet, dass es sich bei dem Tempel um das Theseion oder den Tempel der Eukleia handeln könnte), aber sie wird durch den Fund von Metallschmelzgruben und Schlackeresten gestützt. Es scheint durchaus logisch, dass der Tempel des Schmiedegottes in der Nähe der Wirkungsstätte von Schmieden und weiteren metallverarbeitenden Handwerken errichtet worden sein könnte. Der Gott Hephaistos war für das gesamte künstlerische Spektrum der Metallverarbeitung „zuständig“, einschließlich der Herstellung von Schmuck, Waffen, sakral-rituellen und profanen Gebrauchsgegenständen.

Man nimmt an, dass der Tempel Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., während der perikleischen Zeit (443–429 v. Chr.), begonnen wurde. Fertig gestellt wurde er wahrscheinlich erst gegen Ende des Jahrhunderts. Inschriften besagen, dass das Statuen-Paar im Innern der Cella erst zwischen 421 und 415 v. Chr. aufgestellt wurden. Es wurde vom Bildhauer Alkamenes aus Bronze hergestellt und zeigte Hephaistos und Athene.

Das Hephaisteion wurde größtenteils aus Pentelischem Marmor erbaut. Außen besitzt es 6×13 dorische Säulen. Ansonsten hat es alle Elemente eines klassischen griechischen Tempels. Der Tempel verfügt über einen besonders reichen Skulpturenschmuck. An der Vorderfront sind die Metopen mit den Taten des Herakles verziert, seitlich sind dort die Taten des Theseus angebracht. An einem Fries über dem Pronaos wird eine Schlacht dargestellt. An der gegenüberliegenden Seite (dem Fries über dem Opisthodomos) wird eine Schlacht zwischen Lapithen und Kentauren gezeigt (Kentauromachie). Pflanzlöcher, die um den Tempel herum entdeckt wurden (und inzwischen wieder benutzt werden), zeigen, dass bereits in klassischer Zeit um Tempel herum regelrechte Haine angelegt wurden, die die Umgebung um die Tempel begrünten.

Vom Parthenon abgesehen ist das Hephaisteion der besterhaltene und bestausgestattete griechische Tempel. Dies liegt daran, dass zum einen Athen kein klassisches Erdbebengebiet ist, dass zum anderen das Hephaisteion als christliche Kirche benutzt wurde und daher nicht, wie viele andere Gebäude, als Steinbruch für neuere Gebäude diente.

Der Zwölfgötter-Altar (16)

In der nordwestlichen Ecke der Agora wurde 1934 neben der Panathenäen-Straße eine quadratische Fläche aus Steinquadern gefunden. Diese Fläche wurde von einem niedrigen Kalksteinsims begrenzt, in dem noch die Markierungen eines Steingitters zu erkennen sind. Die Fläche war ursprünglich von einer kleinen Mauerbrüstung umgeben. Dank einer Inschrift auf einem Statuensockel an der Westseite der Umfriedung, „Leagros, Sohn des Glaukon, weihte dies den zwölf Göttern“ (eingemeißelt zwischen 490 und 470 v. Chr.), wird vermutet, dass es sich bei dieser Umfriedung um den Altar der zwölf olympischen Götter handeln muss.

Der jüngere Peisistratos hat laut Thukydides diesen Altar als Archont (522/521 v. Chr.) gestiftet. Er scheint in den Perserkriegen beschädigt und anschließend repariert worden zu sein. Der Altar diente unter anderem der Entfernungsmessung und stellte einen künstlichen Mittelpunkt Athens dar. Außerdem war der Altar im Altertum als Fluchtort und Asyl bekannt.

Tempel des Apollon Patroos (14)

In die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. zu datieren ist der Tempel des Apollon Patroos, der an der Westseite der Agora, südlich der Stoa des Zeus errichtet wurde. Es handelte sich vermutlich um einen Prostylos mit sechs Frontsäulen ionischer Ordnung und tiefem Pronaos zwischen langgezogenen Antenwänden. Ältere Rekonstruktionsversuche gingen von einem Antentempel mit vier Säulen zwischen den Anten aus. Die Cella maß 10 × 16,5 Meter und barg laut Pausanias Apollon-Statuen aus der Hand bedeutender Künstler. An der Nordseite der Cella schloss sich ein separater Raum an, der als Adyton gedeutet wird. Der Bau ersetzte wahrscheinlich einen älteren, während der Perserkriege 480 v. Chr. zerstörten Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., von dem die Reste einer Apsis freigelegt werden konnten.Heiner Knell: Der jüngere Tempel des Apollon Patroos auf der Athener Agora. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 109, 1994, S. 217–237.

Ares-Tempel