Holtershausen ist eine Ortschaft der Stadt Einbeck im südniedersächsischen Landkreis Northeim.
Geographie mini|Holtershausen (Blickrichtung Nord-West vom Lietberg) Das Dorf Holtershausen, welches heute rund 60 Einwohner in 18 Wohnhäusern zählt, liegt – zwischen Hannover und Göttingen – im Leinebergland zwischen den Höhenzügen Selter im Norden, Hube im Süden und Hils im Westen und hat Verbindung zu den Bundesstraßen B 3 und B 64. Das kleine Dorf befindet sich in einem kleinen Tal am Hang (Lietberg) des Höhenzuges Hube auf etwa .
Geschichte mini|Historische Militärkarte (Auszug) der Kämpfe an der Hube vom November 1761, welche Truppenaufstellungen rund um Holtershausen zeigt. Die roten Markierungen kennzeichnen alliierte Verbände, die gelben französische Truppen.
Holtershausen wurde erstmals als Haholdeshusen erwähnt. Bereits im 9. Jahrhundert soll ein sächsischer Edelhof gleichen Namens bestanden haben, welcher früher fälschlicherweise für den Ursprung von Bad Arolsen gehalten wurde. Am 29. Juni 1148 taucht Haholdeshusen in einer Urkunde des Gandersheimer Stifts erneut auf, als Graf Hermann II. von Winzenburg 14 Hufen Land u. a. in Haholdeshusen und Brunessen (Brunsen) gegen die Burg Schildberg bei Seesen tauscht. Als Zeugen werden in dieser Urkunde ein Hahold de Ruden und Hahold de Burnham aufgeführt. Das Dorf wird somit früher eine Gründung oder im Besitz der Haholde gewesen sein (Behausung eines Hahold). Noch im 15. Jahrhundert lässt sich eine Familie von Holdeshusen urkundlich belegen, deren Name vermutlich auf den Ort zurückgeht.
Unweit von Holtershausen in dem Flurstück „In der Mönchelieth“ befand sich einst ein Wirtschaftshof (Grangie) des Zisterzienserklosters Amelungsborn, welcher als der sog. Abtshof bekannt war. Der Ursprung dieses Abtshofes ist in dem Dorf bzw. der Wüstung Winenvelde zu suchen, welches durch sog. Bauernlegen in den Besitz des Klosters kam. Im Jahr 1385 erwarben Mönche des Augustinerklosters zu Einbeck zwei Hufe Land bei dem (damals bereits altem) Sattelhof und Steinwerk in Holtershausen, von welchem heute nur noch Reste existieren. Am 24. August 1421 erhielten die Augustiner-Mönche von Hans von Minnigerode (mit fürstlichem Konsens von Herzog Erich von Grubenhagen) auch noch den Abtshof bei Holtershausen zu Lehen und bekamen ihn 1436 von ihm geschenkt. Das Dorf Holtershausen wurde nachweislich in den folgenden Jahrzehnten Stück für Stück an das Einbecker Augustiner-Kloster verkauft und kam schließlich 1508 ebenfalls in dessen Besitz. Flurnamen wie Mönchelieth, Mönchsbreite und Möncheholz zeugen noch heute von dieser Vergangenheit.
Im Jahr 1543 kommt es zu einem aufwendigen Rechtsstreit zwischen Herzog Philipp I. und Burchard von Salder um das Dorf Holtershausen und den ehemaligen Abtshof nebst Zubehör.
Das Erbregister des Amtes Greene führt 1548 in Holtershausen 3 Hofstellen, mit zwei Ackerleuten und einem Halbspänner auf.
Während des Siebenjährigen Krieges geriet das kleine Dorf am Fuße der Hube zwischen die Fronten. Vom 5. bis 9. November 1761 kam es in der Feldmark und den angrenzenden Höhenzügen zu heftigen Kämpfen zwischen den alliierten Truppen und der französischen Armee. Dieses Ereignis ging als Schlacht an der Hube in die Regionalgeschichte ein. Im Stadtarchiv Einbeck befindet sich dazu eine ausführliche Militärkarte Plan de l’Attaque le 5me de Novbr. 1761 de la Hube von 1761. Dabei griffen die alliierten Truppen unter dem Erbprinzen von Braunschweig aus Richtung Ammensen kommend die französischen Stellungen an, die das Gebiet südlich von Holtershausen und die Hube-Pässe blockierten. Nach dem alliierten Hauptangriff am 5. November und weiteren gegenseitigen Attacken in den folgenden Tagen zogen sich die französischen Verteidiger schließlich zurück. Der Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig bezog während dieser Angriffe auf die französischen Stellungen an der Hube sein Biwak bei Holtershausen. Die alliierten Truppen verlagerten ihr Lager am 9. November schließlich weiter in Richtung Vorwohle, während die französischen Verbände die Hube räumten, sich zunächst in die Stadt Einbeck und kurz darauf vollständig aus der Region zurückzogen. Nach den Kämpfen wurde in Holtershausen ein Behelfsfriedhof (Begräbnisfeld) für die gefallenen Soldaten eingerichtet, der bis um 1900 erhalten blieb. Johann Georg Keidel, Pfarrer von Brunsen, Stroit und Holtershausen, berichtete in seinen Aufzeichnungen und Schriftstücken ausführlich über die Ausmaße und Schrecken dieses Krieges in der RegionJürgen Diehl und Udo Strohmeier: Der Pastor, die Pfarre und sieben Jahre Krieg. In: Einbecker Jahrbuch. (Hrsg.): Einbecker Geschichtsverein. Band 54. Isensee Verlag Oldenburg, 2021, Seite 157ff, ISBN 978-3-7308-1897-8.
Die Entwicklung des Ortsnamens lässt sich von Haholdeshusen, Holdeshusen, Holdershusen bis Holtershausen (Schreibweise ab Anfang 18. Jahrhundert) urkundlich gut belegen.
Holtershausen war die zweitkleinste selbständige Gemeinde im Herzogtum Braunschweig.
Ein deutsches Jagdflugzeug (Messerschmidt Bf 109) der III. Gruppe des Jagdgeschwaders 27 stürzt am 24. März 1945 auf dem Lietberg ab. Am 8. April 1945 besetzen Einheiten der 113th US-Cavlary nach kurzem Schusswechsel mit deutschen Truppen Holtershausen.
Der Ort bestand noch bis 1959 nur aus 7 Wohnhäusern und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten um weitere 11 Häuser und ein Dorfgemeinschaftshaus erweitert. Zu dem Dorf gehört ein Aussiedlerhof und ein Spielplatz. Jahr Wohngebäude 1548 3 1761 6 1878 7 1950 7 1970 13 2000 15 2025 18
Im Jahr 1962 trat die Gemeinde Holtershausen der Samtgemeinde Auf dem Berge bei.
mini|Älteste bekannte fotografische Ortsansicht auf einer Postkarte von 1911 mini|Das Dorf Holtershausen im Jahr 1918 (Komplettansicht) mini|Erste farbige Ortsansicht auf einer kolorierten Postkarte um 1925
Eingemeindungen Bis 1974 behielt Holtershausen im Landkreis Gandersheim seine politische Selbständigkeit; erst anlässlich der Gebietsreform in Niedersachsen wurde der Ort am 1. März 1974 in die Stadt Einbeck eingemeindet und gehörte nun zum Landkreis Northeim.
Heimatpflege Ortsheimatpfleger ist Udo Strohmeier. (Stand: August 2017)Ortsheimatpflege in der Stadt Einbeck bei einbeck.de
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1552 24 ¹ 1774 49 1799 44 1823 42 1858 75 1885 53 1905 51 1910 36 1925 51 1933 51 1939 54 Jahr Einwohner Quelle 1946 126 1950 113 1956 69 1961 53 1970 71 1973 57 1995 75 2005 66 2015 63 2020 63
¹ davon 6 Männer
Politik Ortsrat Der Ortsrat „Auf dem Berge“, der die Ortschaften Bartshausen, Brunsen, Hallensen, Holtershausen, Naensen, Stroit, Voldagsen und Wenzen gemeinsam vertritt, setzt sich aus 13 Ratsmitgliedern zusammen. Die Wahlperiode begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026. Wgem. „Auf dem Berge“: 13 Sitze (Stand: Kommunalwahl 12. September 2021)
Ortsbürgermeister, Ortsbeauftragter Der Ortsbürgermeister ist Gerhard Mika (WG).
Ortsbeauftragter ist Marco Strohmeier. (Stand: Dezember 2021)
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die Mönchelieth mini|Infotafel an den Resten eines Steinwerkes mini|„Stein der Erinnerung“ mit Ruhebank mini|Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehr und Dorf- und Grillplatz in der Ortsmitte
Die Mönchelieth mit Holzkreuz Oberhalb von Holtershausen beginnt auf dem Lietberg (bis 287,7 m) die sogenannte Mönchelieth. Ihre ursprüngliche Größe ist dem Greener Erbregister von 1548 zu entnehmen, welches besagt:
Heute erinnert eine Schautafel an die Geschichte des Dorfes und die Bedeutung der Mönchelieth (siehe Abschnitt Geschichte) in früherer Zeit. Der Platz, den ein großes Holzkreuz ziert, wird regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Vom Lietberg hat man einen schönen Überblick über die Umgebung.
Reste eines historischen Steinwerkes In der Ortsmitte, in Höhe des Spielplatzes, befinden sich mögliche Reste eines historischen Steinwerkes, welches sich urkundlich bereits im Jahr 1385 im Zusammenhang mit den beiden ehemaligen Augustinerhöfen nachweisen lässt. Heute zeugen nur noch große Steinquader und Mauerreste von diesem einstigen steinernen Bauwerk, das vor vielen Jahrhunderten das Ortsbild prägte. Eine an den Mauerresten angebrachte Informationstafel erinnert an dieses Steinwerk und erläutert seine frühere Funktion.
Stein der Erinnerung Seit September 2024 erinnert ein Gedenkstein in der Ortsmitte (Straße Richtung B 64) an verstorbene Einwohner aus Holtershausen. Ein ehemals vorhandenes Begräbnisfeld am östlichen Ortsrand wurde um 1900 aufgegeben.
Scheunenwand und Trafoturm mit historischen Motiven Am 1. und 2. Juli 2023 feierte die Ortschaft ihre 875ste Ersterwähnung im Jahr 1148 mit einem Jubiläumsfest. Im Zuge dieses Festes wurde eine Scheunenwand in der Ortsmitte mit historischen Ortsmotiven versehen und der alte Trafoturm von 1923 am Ortseingang mit alten Ansichten beklebt, die dort dauerhaft verbleiben sollen. mini|Scheunenwand mit historischen Motiven in der Ortsmitte mini|Trafoturm von 1923 mit historischen Motiven am Ortseingang
Hirschsprung Zwischen Holtershausen und Greene, im Greener Wald, befindet sich der sog. Hirschsprung-Gedenkstein, der auf ein besonderes Ereignis bei einer herzöglichen Jagd im Jahr 1606 hinweist.
Vereinsleben Von etwa 1850 bis 2004 gab es eine Gastwirtschaft in Holtershausen. Die Freiwillige Feuerwehr, die 1955 gegründet wurde und 2020 mit den Dörfern Andershausen und Kuventhal zur Feuerwehr An der Hube fusionierte, und der „Kultur- und Heimatverein Holtershausen e. V.“ von 2006 sind heute Hauptkulturträger im Dorf. Für die verschiedensten Veranstaltungen im Ort wird das Dorfgemeinschaftshaus und der Dorf- und Grillplatz in der Ortsmitte genutzt.
Sagen und Legenden Holtershausen verbindet eine Sage mit der Kreisstadt Hameln im Weserbergland. In dem 1854 erschienenen Buch Niedersächsische Sagen und Märchen von Georg Schambach und Wilhelm Konrad Hermann Müller wird über einen Bauern aus Holtershausen berichtet, den ein Traum auf die Hamelner Brücke führt und so zu einem Schatz auf der Mönchelieth verhilft. Das Interessante an dieser Sage ist, dass sich ein wahrer Kern im Jahr 1793 urkundlich belegen lässt.
Holtershausen in der Literatur Der Autor und Journalist Dieter Krause beschreibt in seinem autobiografischen Buch "Kollwitz 66" (2017) seine Kindheitsferien bei seiner Westverwandtschaft in Holtershausen und Einbeck. Die Erzählung gibt Einblicke in das Leben der 1950er und 60er Jahre aus der Perspektive eines Stadtkindes aus Ost-Berlin zu Zeiten von Teilung und Mauerbau.
Weblinks
Offizielle Seite der Stadt Einbeck Homepage der Ortschaft Holtershausen Homepage des Ortsrates „Auf dem Berge“ Holtershausen bei Einbeck Tourismus
Literatur
Einzelnachweise Hauptstaatsarchiv Hannover – Cal. Or. 100 Einbeck, Augustiner Urkunden Nr. 37 von 1421, Nr. 56 von 1436.
Staatsarchiv Wolfenbüttel – Urkunde Nr. 28 Alt Nr. 1711 Oberforstämter 1793/94.
Staatsarchiv Hannover – Cal. Or. 100 Augustiner Urkunde Nr. 17 vom 12. März 1385.
Kategorie:Ort im Landkreis Northeim Kategorie:Ortsteil von Einbeck Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Northeim) Kategorie:Ersterwähnung 1148 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974