Rhauderfehn ist eine Gemeinde im ostfriesischen Landkreis Leer in Niedersachsen. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist in Westrhauderfehn. Mit Einwohnern ist sie die viertgrößte Kommune des Landkreises Leer. Diese verteilen sich auf rund 103 Quadratkilometer. Nicht zu Rhauderfehn gehört die politisch selbstständige Gemeinde Ostrhauderfehn, ebenfalls im Landkreis Leer.
Der Name der Gemeinde rührt von der 1769 gegründeten Fehnsiedlung gleichen Namens her, die wiederum nach dem alten Geestdorf Rhaude im Nordwesten des Gemeindegebietes benannt ist. Neben Rhaude sind Backemoor und Collinghorst die ältesten Ortsteile. Weite Teile des Gemeindegebietes wurden im 18. und 19. Jahrhundert durch Moorkolonisten urbar gemacht. Der Ortsteil Klostermoor hingegen wurde erst im Zuge des Emslandplans ab 1951 vollkommen erschlossen. Damit ist Rhauderfehn die einzige ostfriesische Gemeinde, die am Emslandplan beteiligt war.
Wirtschaftlich ist Rhauderfehn von Landwirtschaft, Tourismus und wenigen Industriebetrieben geprägt, darunter einem Hersteller von Reißverschlüssen (Opti). Die Kommune ist in deutlichem Maße eine Auspendler-Gemeinde.
Rhauderfehn verfügt über drei mittelalterliche Kirchen. Zu weiteren historischen Bauwerken gehören Windmühlen sowie eine Vielzahl von Klappbrücken über die Fehnkanäle.
Geografie Lage und Ausdehnung Rhauderfehn liegt im Süden des Landkreises Leer. Klostermoor ist die südlichste Ortschaft des Landkreises Leer und damit auch Ostfrieslands.Gemeinde Rhauderfehn zwischen Moor und Meer. Zahlen, Daten und Fakten: Rhaudermoor. Abgerufen am 12. August 2022. Südlich der Gemeinde erstreckt sich die Nachbarregion Emsland. Rhauderfehn bildet zusammen mit seinen östlichen und westlichen Nachbargemeinden Ostrhauderfehn und Westoverledingen das Overledingerland, eine der vier historischen Landschaften auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Leer. Die anderen drei sind das Moormerland, das Lengenerland und das Rheiderland.
Das Gemeindegebiet ist in Nord-Süd-Richtung deutlich größer als in Ost-West-Richtung. Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt zirka 20,5 km, in Ost-West-Richtung hingegen lediglich 7,0 km.
Der Ortskern des Hauptortes Westrhauderfehn liegt etwa 13 km südöstlich des Zentrums der Kreisstadt Leer.Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft: Westrhauderfehn (PDF; 0,7 MB), abgerufen am 22. November 2024.
Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer teilt dem Hauptort Westrhauderfehn sowie dem unmittelbar benachbarten Ort Rhaudermoor die Funktion eines Grundzentrums für das Gemeindegebiet zu. (PDF; 587 kB) landkreis-leer.de, S. 13 nach ursprünglicher Paginierung; abgerufen am 22. November 2024.
Gemeindegliederung mini|Windmühle Rhaude (Galerieholländer)Niedersächsische Mühlenstraße: Windmühle Rhaude-Holte Die Gemeinde besteht aus zehn Ortsteilen. Diese sind Backemoor (plattdeutsch: Baakmoor), Holte (plattdeutsch: Holte), Burlage (plattdeutsch: Burlaag), Collinghorst (plattdeutsch: Cöllenhöst), Klostermoor (plattdeutsch: Kloostermoor), Rhaude (plattdeutsch: Rhaud), Rhaudermoor (plattdeutsch: Rhaudermoor), Schatteburg (plattdeutsch: Schattbörg), Westrhauderfehn (plattdeutsch: Westerfehn) und Langholt (plattdeutsch: Langholt). Letztgenannter Ortsteil hat die Besonderheit, dass sich nur ein Teil des Ortes in der Gemeinde Rhauderfehn befindet. Das Dorf wurde bei der niedersächsischen Kommunalreform 1973 auf die Gemeinden Rhauderfehn und Ostrhauderfehn aufgeteilt. Dem Gefühl der Zusammengehörigkeit hat dies jedoch keinen Abbruch getan. So werden beispielsweise die kirchlich gebundenen Rhauderfehntjer Langholter vom Pastor im Ostrhauderfehntjer Ortsteil mit betreut.
Neben den zehn offiziellen Ortsteilen gibt es noch weitere benannte Wohnplätze. Zum Hauptort Westrhauderfehn gehört die Ortschaft Rajen. Zu Collinghorst gehörig sind die Ortschaften Glansdorf und Neu-Glansdorf. Sie sind nach dem Stickhauser Amtmann Rudolf von Glan benannt, einem der fünf Gründer der Rhauderfehn-Compagnie, die die Fehnkolonisierung einleitete.
Der Siedlungsschwerpunkt befindet sich im Osten des Gemeindegebietes mit dem Hauptort Westrhauderfehn (7160 Einwohner) und Rhaudermoor (2940 Einwohner). Beide Orte sind mittlerweile ohne größere Baulücken zusammengewachsen und beherbergen etwa 10.000 der gut 17.000 Einwohner der Gemeinde. Zudem befinden sich dort die zentrale Infrastruktur und der wirtschaftliche Schwerpunkt mit zwei Gewerbegebieten, Einkaufsmöglichkeiten etc. Mit 170 Einwohnern je km² ist die Gemeinde im innerostfriesischen Vergleich (148 Ew/km²) dichter besiedelt und liegt recht genau im niedersächsischen Durchschnitt (168 Ew/km²). Im Vergleich zum bundesrepublikanischen Durchschnitt (230 Ew/km²) ist die Gemeinde jedoch dünner besiedelt.
Nachbargemeinden Rhauderfehn hat sieben Nachbargemeinden. Im Nordwesten grenzt die Gemeinde auf einem sehr kurzen Teilstück an die Kreisstadt Leer. Im Norden wird Rhauderfehn von der Gemeinde Detern (Samtgemeinde Jümme) begrenzt; teils bildet die Leda die Grenze. Östlich von Rhauderfehn liegt die „Schwestergemeinde“ Ostrhauderfehn (alle im Landkreis Leer gelegen). Im Süden wird die Gemeinde von den beiden zur Samtgemeinde Nordhümmling gehörenden Kommunen Bockhorst und Surwold begrenzt; im Südwesten schließt sich die Stadt Papenburg an. Diese drei Kommunen gehören zum Landkreis Emsland. Westlich von Rhauderfehn liegt die Gemeinde Westoverledingen im Landkreis Leer.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Zu den Oberflächengewässern auf dem Gebiet der Gemeinde Rhauderfehn zählen vor allem die für die Fehnkolonisation typischen Kanäle und Wieken. Prägend ist insbesondere der Hauptfehnkanal, der das Gemeindegebiet von Norden nach Süden durchzieht und über die Leda an das ostfriesische Wasserstraßennetz angebunden ist. Der Kanal entstand im Zuge der Moorkultivierung ab dem 18. Jahrhundert und diente ursprünglich der Entwässerung sowie dem Torftransport. Im äußersten Norden des Gemeindegebiets befindet sich die Flussmarsch der Leda. Im Nordosten reicht die Gemeindegrenze bis an den Fluss heran.
Weitere bedeutende Fließgewässer sind das Langholter Tief beziehungsweise Burlage-Langholter Tiefhttps://www.alleangeln.de/gewaesser/langholter-tief, das den Hauptfehnkanal speist, sowie das Holter Sieltiefhttps://www.alleangeln.de/gewaesser/holter-sieltief. Hinzu kommen zahlreiche Entwässerungsgräben und kleinere Fehnkanäle, die das Landschaftsbild der Gemeinde prägen.
Zu den Stillgewässern auf dem Gemeindegebiet zählen unter anderem das teilweise auf Rhauderfehner Gebiet liegende Langholter Meerhttps://www.ostfriesland.travel/sehenswuerdigkeiten/sehenswuerdigkeit/sehenswuerdigkeit/100035447--langholter-meer, der Hahnentanger Seehttps://angeln-in.de/gewasserliste/angelgebiete/angeln-am-hahnentanger-see-29059-2 sowie der künstlich entstandene Idasee. Darüber hinaus befinden sich im Gemeindegebiet mehrere kleinere Baggerseen, Altarme und Poldergewässer. Die Gewässer besitzen neben ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung auch einen hohen Stellenwert für Tourismus, Freizeitnutzung und Angelsport. Insbesondere die historischen Fehnkanäle prägen bis heute den charakteristischen Siedlungsaufbau der Gemeinde.
Die Landschaft der Gemeinde Rhauderfehn ist überwiegend durch ehemalige Hochmoorflächen geprägt, die im Zuge der Fehnkolonisation seit dem 18. Jahrhundert kultiviert und entwässert wurden. Ursprünglich gehörte das Gemeindegebiet zum ausgedehnten ostfriesisch-emsländischen Hochmoorgürtel, der sich südlich der Geestgebiete erstreckte. Große Teile der Moorflächen wurden zur Torfgewinnung abgetorft oder landwirtschaftlich genutzt. Reste naturnaher Hochmoore sind nur noch kleinflächig erhalten.
Bedeutendstes Moorgebiet auf dem Gemeindegebiet ist der zur Esterweger Dose (NSG WE 245) gehörende Hochmoorrest im Südosten der Gemeinde, insbesondere im Bereich Burlage und Jammertal. Das Gebiet gehört zu den größten zusammenhängenden Hochmoor-Renaturierungsflächen Nordwestdeutschlands und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Die dortigen Moorflächen werden seit den 1980er Jahren wiedervernässt, um die typische Hochmoorvegetation zu regenerieren.https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutzgebiete/verordnungstext-zum-naturschutzgebiet-esterweger-dose-41449.html
Weitere Feuchtgebiete befinden sich im Umfeld des Langholter Meereshttps://www.seen.de/langholter-meer/ und des Rhauder Meeres. Dabei handelt es sich um verlandende Niederungsgewässer mit Röhricht- und Bruchwaldzonen, die wichtige Lebensräume für Wasservögel und Amphibien darstellen. Die angrenzenden Niederungsflächen werden teilweise als Grünland genutzt.
Das Entwässerungssystem der Fehnkanäle, Wieken und Gräben prägt bis heute den Wasserhaushalt der Gemeinde. Viele der ehemals großflächigen Moor- und Sumpfgebiete wurden dadurch dauerhaft entwässert und in Kulturlandschaft umgewandelt.
Geologie, Hydrologie und Böden Das geologische Bild wird vom Pleistozän und vom Holozän bestimmt. Weite Teile des Gemeindegebietes sind (inzwischen meist abgetorfte) Hochmoorflächen. Niedermoor findet sich lediglich südöstlich des Ortsteils Backemoor, der selbst aber auf der Geest liegt, ebenso wie die anderen im Norden des Gemeindegebietes gelegenen Ortschaften Rhaude, Holte, Schatteburg und Collinghorst. Ebenfalls auf der Geest liegt der Ortsteil Langholt: Er befindet sich auf einem schmalen Streifen Geest, der mit den genannten nördlich gelegenen Geestdörfern ebenso verbunden ist wie mit der Geest im südlich gelegenen Emsland. Dieser schmale Streifen Geest trennt das Hochmoor im Raum Westrhauderfehn von demjenigen in Ostrhauderfehn. Die Böden der ostfriesischen Geest bestehen aus Decksanden und Geschiebelehm.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24. Rund um die genannten Geestdörfer befinden sich ausgedehnte Wallheckenlandschaften. mini|Torfschichten im Moor Bei den Hochmoorgebieten handelt es sich um Hochmoore, genauer Plateauregenmoore. Der Beginn ihrer Entstehung erfolgte vor rund 11.000 Jahren. Im „Jammertal“, einem Teil des Naturschutzgebietes Esterweger Dose, ist noch Hochmoor zu finden. Noch vorhandene Hochmoorflächen im Ortsteil Klostermoor sollen nach dem Willen des Gemeinderates als solche erhalten bleiben und nicht zum Torfabbau genutzt werden.Klares „Nein“ zum Abtorfen im Kloster Moor. General-Anzeiger, 25. November 2010, abgerufen am 18. Juni 2011.
Im äußersten Norden des Gemeindegebiets befindet sich die Flussmarsch der Leda. Im Nordosten reicht die Gemeindegrenze bis an den Fluss heran; ansonsten verläuft die Grenze nur wenige Dutzend Meter südlich des Flussufers, das in diesem Abschnitt bedeicht ist. Die Leda ist ein Tidefluss, was auf dem Rhauderfehntjer Abschnitt noch spürbar ist: Selbst im einige Kilometer weiter östlich (also landeinwärts) gelegenen Bereich Barge/Roggenberg (Gemeinde Detern) beträgt der Tidenhub noch 80 cm. leda-juemme-verband.de; abgerufen am 12. November 2024. Über das Schatteburger Sieltief und das Holter Sieltief wird der nördliche Teil des Gemeindegebietes entwässert, wofür der in Leer ansässige Leda-Jümme-Verband zuständig ist, ein kombinierter Deich- und Wasserverband.
Flächennutzung Die Gemeinde ist 102,92 km² oder 10.292 Hektar groß. Fast 80 Prozent des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt. (PDF; 13,7 MB) In: rhauderfehn.de; abgerufen am 22. November 2024. Neben Wasserflächen spielen im Süden des Gemeindegebietes auch Waldflächen eine Rolle, der Norden der Gemeinde hingegen ist sehr waldarm.
Gesamtfläche: 10.292 ha Landwirtschaftlich genutzte Flächen: 8050,7 ha Gebäude- und Freiflächen: 1168,4 ha Betriebsflächen: 138,6 ha Verkehrsflächen: 413,7 ha Waldflächen: 191,8 ha Wasserflächen: 264,4 ha Sportflächen: 38,1 ha Sonstige Flächen: 26,1 ha
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