Pulheim ist eine mittlere kreisangehörige Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Rhein-Erft-Kreis und grenzt im Osten an die nordwestlichen Stadtbezirke Kölns. In seiner heutigen Ausdehnung besteht Pulheim seit der kommunalen Gebietsreform vom 1. Januar 1975. Die Gemeinde erhielt am 1. Januar 1981 Stadtrechte. Im gleichnamigen Ortsteil Pulheim leben rund 24.000 Menschen, in der Stadt insgesamt rund 57.000.
Geografie Geografische Lage Pulheim liegt in einer offenen Ackerlandschaft im linksrheinischen Teil der Kölner Bucht. Die Entfernung zwischen dem Stadtteil Pulheim (Mitte) und dem Kölner Stadtzentrum beträgt etwa 13 km (Luftlinie). Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf liegt rund 25 Kilometer nördlich von Pulheim, die Entfernung zur Bundesstadt Bonn beträgt rund 35 Kilometer.
Der nordöstliche Teil des Stadtgebietes mit den Orten Sinnersdorf, Stommelerbusch und Orr liegt auf der Niederterrasse des Rheintales (etwa ); durch Stommeln und den Zentralort verläuft die Grenze zur unteren Mittelterrasse (etwa ). Nach Südwesten steigt das Gelände weiter an. Die übrigen Stadtteile liegen bereits am unteren Rand des Ostabhangs der Ville. Dansweiler ist mit etwa der am höchsten gelegene Ort.Topographische Karte Kreiskarte Nr. 43 und Dorothea Wiktorin u. a. (Hrsg.): Köln, der historisch-topographische Atlas. Hermann-Josef Emmons Verlag, Köln 2001, S. 48.
Gewässer mini|Große Laache mini|Kiesförderung am Pulheimer See mini|Kölner Randkanal
Pulheimer Bach und Große Laache Der Pulheimer Bach durchfließt Pulheim, vom Bergheimer Stadtgebiet kommend, in nordöstlicher Richtung und versickert kurz hinter dem Gut Pletschmühle im 1993 renaturierten und 1999 zum Naturschutzgebiet erklärten Feuchtgebiet Große Laache, dem Relikt einer ehemaligen Rheinschlinge, die hier in den Mittelterrassenrand hineinerodiert hatte. Im Rahmen des Regionale-2010-Projektes Regio Grün wird der Bach seit 2007 renaturiert. Der Verlauf der verrohrten Abschnitte innerhalb der Ortslagen Sinthern, Geyen und Pulheim, die aufgrund der Bebauung nicht wieder geöffnet werden können, wird oberirdisch durch blaue, in die Gehwege eingelassene Steine markiert.Bergheim/Pulheim: Blaue Steine für den Erlebnispfad. Website des Unterhaltungsverbands Pulheimer Bach, vom 2. Dezember 2011, abgerufen am 30. März 2013.
Seen An der Grenze zu Köln liegt der Pulheimer See, der bis 2020 zum Abbau von Kies und Sand genutzt wurde. Zusammen mit den benachbarten Seen auf Kölner Stadtgebiet bildet er das in Entwicklung befindliche Naherholungsgebiet Stöckheimer Hof. Der Pulheimer See soll dabei zu einem Schwimm-, Bade- und Freizeitsee ausgebaut werden.. Website der Pulheimer Zeitung. Abgerufen am 30. März 2013. Er wird bereits seit 1981 vom Surf- und Segelclub Pulheim genutzt.SSCP – Surf- und Segelclub Pulheim. Website des Surf- und Segelclubs Pulheim. Abgerufen am 30. März 2013.
Nordwestlich von Sinnersdorf befinden sich zwei weitere Seen, die als Kiesgruben entstanden sind. Der südlicher gelegene wurde nach Ende der Abgrabungen renaturiert und ist heute als Vogelbiotop ein Geschützter Landschaftsbestandteil. Das Biotop ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.Vogelbiotop Sinnersdorf. Website des Naturparks Rheinland. Abgerufen am 30. März 2013. Der nördlich gelegene Hasselrather See wird ebenfalls renaturiert.
Kölner Randkanal Der Kölner Randkanal ist ein in den 1950er Jahren angelegter, etwa 20 km langer Entwässerungskanal, der hauptsächlich der Sümpfung der rheinischen Braunkohletagebaugebiete dient. Er ist oberirdisch in einem betonierten Einschnitt angelegt und verläuft auf seinem Weg bis zur Mündung in den Rhein bei Köln-Worringen auch über Pulheimer Stadtgebiet. Dabei nimmt er die gereinigten Abwässer der zwischen Pulheim und Sinnersdorf gelegenen städtischen Zentralkläranlage auf.
Naturschutzgebiete NSG „Orrer Wald und Große Laache“, ca. 60 ha (seit 1999) NSG „Königsdorfer Forst“, ca. 330 ha auf Pulheimer, Frechener und Bergheimer Stadtgebiet (seit 2004), zugleich FFH-Gebiet NSG „Kernzone Ommelstal“, ca. 14 ha auf Pulheimer und Bergheimer Stadtgebiet (seit 2017)
Stadtgliederung mini|Gliederung der Stadt Pulheim Die Stadt Pulheim besteht aus zwölf Stadtteilen, die zu fünf Bezirken zusammengefasst sind (Einwohnerzahlen-Stand: 31. Dezember 2025):
Bezirk Stadtteil Einwohner Brauweiler – Dansweiler – Freimersdorf Brauweiler 8.473 Dansweiler 2.888 Freimersdorf 175 Geyen – Sinthern – Manstedten Geyen 2.581 Sinthern 3.250 Manstedten 146 Pulheim – Orr Pulheim (Mitte) 24.388 Orr 9 Sinnersdorf Sinnersdorf 5.842 Stommeln – Stommelerbusch – Ingendorf Stommeln 8.444 Stommelerbusch 902 Ingendorf 93 Stadt Pulheim gesamt 57.191
In der nach Einwohnerzahlen sortierten Rangfolge deutscher Städte liegt Pulheim auf Platz 166 (Stand: 31. Dezember 2024).
Nachbarorte Pulheim grenzt im Osten an die Stadt Köln, im Süden und Westen an die Städte Frechen und Bergheim (beide im Rhein-Erft-Kreis) sowie im Nordwesten an die Gemeinde Rommerskirchen und im Norden an die Stadt Dormagen (beide im Rhein-Kreis Neuss).
Geschichte Römische Zeit In römischer Zeit gab es im Gebiet der heutigen Stadt zahlreiche villae rusticae, römische Gutshöfe und Landsitze, wie die vielen Bodenfunde belegen.
Mittelalter Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurden die Römer durch fränkische Eroberer verdrängt. Da nur wenige Funde aus dieser Zeit bekannt sind, liegen die Anfänge der fränkischen Epoche im Dunkeln. Nennenswerte fränkische Bodenfunde gibt es nur in Stommeln.
Erste urkundliche Zeugnisse einzelner Orte stammen aus dem 10. Jahrhundert: Stommeln, Geyen und Sinthern werden erstmals 962 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Brun genannt.
Im Jahre 1067 wird Pulheim als Polhem in einer Urkunde erwähnt, die der Kölner Erzbischof Anno II. für das von ihm gegründete Stift St. Georg ausstellen ließ.Die Geschichte, pulheim.de
Das Gebiet um den heutigen Ort Brauweiler war nachweislich in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts im Besitz des lothringischen Pfalzgrafen Hermann I. (Pusillus), der hier ein verfallenes älteres Hofgut zusammen mit einer dem heiligen Medardus geweihten Kapelle wieder aufbauen ließ. Um 991 heiratete sein Sohn und späterer Nachfolger Ezzo die Tochter Mathilde des deutschen Kaisers Otto II. und überreichte ihr das Anwesen als Morgengabe. Beide stifteten im Jahre 1024 die Benediktinerabtei Brauweiler.
Die urkundlichen Erstnennungen der übrigen Orte sind jünger: Dansweiler, Freimersdorf und Manstedten werden in einer Liste von Gütern genannt, mit denen der lothringische Pfalzgraf Ezzo sein Hauskloster Brauweiler nach der Gründung ausstattete. Ingendorf wird erstmals 1094 erwähnt, Orr 1086 und Sinnersdorf 1230 (nach anderer Auffassung 1233, da das Datum der lateinischen Quelle nicht eindeutig lesbar sei).
Während des Mittelalters gehörten der nördliche und westliche Teil der heutigen Stadt mit den Hauptorten Pulheim und Stommeln zum Herzogtum Jülich. Sinnersdorf und Orr wurden vom Herzogtum Berg und vom Kurfürstentum Köln gemeinsam verwaltet. Der südliche Teil um Brauweiler bildete eine eigene Unterherrschaft im Kölner Erzstift.
Bedeutende Grundherren in allen Orten waren geistliche Institutionen wie Kölner Stifte und Klöster sowie die Abtei Brauweiler. Das prägende Element im Bild aller Siedlungen bildeten ihre landwirtschaftlichen Großbetriebe. Neben dieser geistlichen Grundherrschaft war der Besitz des Adels geringer. Nennenswerte ritterliche Güter gab es in Stommeln und Geyen. Die Anlage der Geyener Wasserburg (Junkerburg) – ein Lehen der Kölner Domkirche – zeigt noch heute die wehrhaften Funktionen eines Adelssitzes. Neben diesen großen Höfen gab es kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe, deren Existenz zum Teil nur durch Anpachtung von Ackerland aus dem Besitz der geistlichen Grundherren gewährleistet war.
Neuzeit Im Zuge des Truchsessischen Krieges zogen 1581 spanische Truppen durch Pulheim. Zwei Jahre später plünderten wallonische Soldaten die Orte und richteten schwere Schäden an. Bis zum Ende des Konflikts 1589 kam es in Pulheim wiederholt zu Plünderungen. Der Dreißigjährige Krieg erwies sich als noch verheerender; abermals wurden große Teile der Orte zerstört und zudem 1623, 1635 und 1666 von der Pest heimgesucht.
Erst die Auflösung des geistlichen Grundbesitzes während der französischen Herrschaftsperiode am Ende des 18. Jahrhunderts hatte grundlegende soziale Veränderungen zur Folge. Die landwirtschaftlichen Großbetriebe der Kirchen und Klöster wechselten ihre Besitzer. Vielfach wurden sie von den bisherigen Halfen aufgekauft. Ein Teil dieser Höfe wurde ebenso wie der übrige bäuerliche Besitz während des 19. Jahrhunderts durch die bestehende Sitte der Realteilung unter den Erben aufgesplittet. Neue Häuser und Gehöfte wurden gebaut, was zu einer Verdichtung der Bebauung innerhalb der Siedlungen führte. Zahlreiche Backsteinbauten dieser Zeit prägen noch heute die alten Siedlungskerne. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand auch Stommelerbusch, der jüngste Ortsteil der heutigen Stadt Pulheim, als Waldrodungssiedlung.
Bereits während der Franzosenzeit von 1794 bis 1815 entstanden auf der unteren Verwaltungsebenen Mairien (Bürgermeistereien): Die Mairie Freimersdorf mit Brauweiler, Dansweiler und Manstedten sowie die Mairie Pulheim mit Sinthern und Geyen waren dem Kanton Weiden untergeordnet. Die Mairie Stommeln mit Sinnersdorf gehörte zum Kanton Dormagen. Ab 1816, dem Gründungsjahr des ehemaligen Landkreises Köln unter preußischer Verwaltung, waren die Orte der heutigen Stadt durch wechselnde Verwaltungseinheiten immer wieder miteinander verknüpft. Als Sitz eines größeren Amtsverbandes trat Pulheim mehrfach in Erscheinung. So bestand das Amt Pulheim bis 1956 aus den Orten Pulheim, Sinnersdorf, Esch, Pesch, Orr, Geyen, Manstedten, Auweiler, Stommeln, Ingendorf und Stommelerbusch.
In den 1960er Jahren setzte – wie in den meisten größeren Städten der Bundesrepublik – auch im Kölner Raum ein Suburbanisierungsprozess ein. Durch seine günstige Lage im nahen Kölner Umland wurde Pulheim vermehrt Ziel von Wohnbevölkerung, die aus der Kernstadt abwanderte. Fast alle Orte der heutigen Stadt Pulheim verzeichneten bis Ende der 1970er Jahre große Bevölkerungszuwächse, und die zuvor ländlichen Strukturen wurden sowohl baulich als auch hinsichtlich des sozialen Gefüges der Bevölkerung städtisch überprägt. Um einer drohenden Eingemeindung durch die Stadt Köln zu entgehen, forcierten die Orte das Wachstum aktiv, indem sie neue Wohngebiete errichteten und ihre Infrastruktur durch den Bau von Schulen, Sportplätzen und anderen öffentlichen Einrichtungen erweiterten.Jürgen Hillie u. Tilman Röhrig: Pulheim. Bilder und Geschichten einer jungen Stadt, Pulheim 1993, ISBN 3-929769-03-4, S. 7
Die kommunale Neugliederung, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, vereinte die bestehenden Gemeinden Pulheim und Stommeln sowie Teile der Gemeinden Brauweiler und Sinnersdorf zur neuen Großgemeinde Pulheim. Am 1. Januar 1981 wurde die Gemeinde zur Stadt ernannt.
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung getrennt nach Zentralort (rot) und Stadtgebiet (blau) von 1773 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Datum Einwohner Zentralort 1773 577 1804 889 1854 1.398 1871 1.508 1910 1.872 1925 2.449 1933 2.708 1939 2.694 1950 3.699 1960 6.006 06.06.1961 6.148 1965 9.300 27.05.1970 10.871 30.06.1974 14.785 1989 19.133 31.12.2007 21.516 28.03.2013 21.715 31.12.2015 22.327 31.08.2016 22.402 31.03.2019 22.577 30.11.2020 23.271 06.06.1961 16.971 Datum Einwohner Stadtgebiet 31.12.1962laut Quelle nachträglich auf den Gebietsstand 01.07.1976 umgerechnet 19.768 31.12.1965 23.812 31.12.1970 29.678 31.12.1975 38.242 31.12.1980 44.870 31.12.1985 47.353 31.12.1990 49.353 31.12.1995 51.365 31.12.2000 53.158 31.12.2005 53.694 31.12.2007 53.752 31.12.2008 53.872 31.12.2009 53.842 31.12.2010 53.769 31.12.2011 53.208 31.12.2012 53.080 31.12.2013 53.109 31.12.2014 53.345 31.12.2015 54.200 31.12.2016 53.834 31.12.2017 53.900 31.12.
Politik