mini|Die Betteleiche am Ihlefeld: Das Symbol des Hainich mini|Nationalpark Hainich: Urwaldartige Buchenwälder im Weberstedter Holz, seit 2011 Weltnaturerbe mini|Seit dem 31. Dezember 1997 ist der Südteil des Hainich ein Nationalpark
Der Hainich ist ein ausgedehnter, bewaldeter Höhenrücken im Nordwesten Thüringens. Er nimmt einen großen Teil der nordwestthüringischen Muschelkalk-Randplatten ein, eines Abschnitts der Umrahmung des Thüringer Keuperbeckens und Ackerhügellandes. Im Osten hebt sich der Hainich durch seine fast lückenlose Bewaldung stark vom intensiv landwirtschaftlich genutzten Mühlhäuser Becken ab, einem Teilbereich des Thüringer Beckens. Die im Namen enthaltene Vorsilbe Hain- lässt sich vom mittelhochdeutschen hagen für „gehegter Wald“ ableiten. Mit dem Begriff wurden heilige, mit einer Hainbuchenhecke umzäunte Wäldchen bezeichnet. Der Nationalpark Hainich im Süden des Höhenrückens ist der einzige Nationalpark Thüringens und die größte nutzungsfreie Waldfläche Deutschlands. Zentrale Bereiche des Nationalparks Hainich wurden von der UNESCO 2011 zum Weltnaturerbe erklärt.
Lage und Größe mini|Der Hainich von Südosten mini|Der Südwestrand des Hainichs vom Reitenberg aus gesehen mini|Alter Berg, höchster Punkt des Hainichs
Mit einer Gesamtfläche von etwa 16.000 Hektar ist der Hainich das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Im Dreieck der thüringischen Städte Eisenach, Mühlhausen und Bad Langensalza gelegen, befindet sich der Hainich etwa in der Mitte Deutschlands. Der Hainich liegt auf dem Gebiet der beiden thüringischen Landkreise Wartburgkreis und Unstrut-Hainich-Kreis. Er erstreckt sich von der Bundesstraße 249 im Norden bis zur Beckenlandschaft des Westthüringer Berg- und Hügellandes bei Oesterbehringen im Südosten in einem Bogen von etwa 24 km Länge. Die höchsten Erhebungen sind der Alte Berg mit 493,9 m ü. NN im Süden und das Hohes Rode (493,0 m) im Norden des Hainich.
Naturräumliche Gliederung Der Hainich im engeren Sinne stellt eine in sich homogene naturräumliche Einheit dar, die ohne Reliefgrenze nach Norden in das nur sporadisch bewaldete Obere Eichsfeld und schließlich den Dün (und seine südliche Abdachung) übergeht. Dessen ungeachtet führt das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (bzw. seine Nachfolgepublikation im Blatt Kassel 1:200.000) in der Haupteinheit Ringgau–Hainich–Obereichsfeld–Dün–Hainleite eine Untereinheit namens Hainich, die nach Westen deutlich über den landläufigen Hainich hinausgeht:Hans-Jürgen Klink: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 112 Kassel – Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1969 → Online-Karte (zu 47/48 Thüringer Becken (mit Randplatten)) (zu 483 Ringgau–Hainich–Obereichsfeld–Dün–Hainleite) 483.5 Hainich 483.50 Hoher Hainich 483.51 Grundbachtal 483.52 Falkener Platte
Der Hohe Hainich ist gleichbedeutend mit der landläufig als Hainich verstandenen Landschaft, während die nach Westen bis zur Werra bei (Treffurt-)Falken reichende Falkener Platte einen eigenständigen Höhenzug darstellt, der durch das sich östlich anschließende Grundbachtal des Lempertsbaches=Grundbachs an der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone vom Kern-Höhenzug separiert wird.
Orographisch nicht vom Hainich getrennt sind im sich nach Nordwesten bis Norden anschließenden Oberen Eichsfeld: (zu 483.2 Westliches Obereichsfeld) 483.21 Oberes Friedatalgebiet im Bereich der Störungszone Rücken zu Pfaffenkopf (451 m) und Dünberg (445 m) 483.20 Kalteneberer Stufenrandbereich Rode (498 m) und sich anschließende Südwesthänge zur Frieda (zu 483.3 Östliches Obereichsfeld) Kamm nach Norden zu Dün und Hainleite
Gliederung nach TLUG In der rein innerthüringischen Gliederung Die Naturräume Thüringens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) wird der Hainich demgegenüber der Einheit Hainich–Dün–Hainleite zugerechnet und insofern von Falkener Platte und Grundbachtal (gehören dort zur Einheit Werrabergland–Hörselberge) getrennt geführt.
Geomorphologie Während der Hainich am Rand des Thüringer Beckens von Osten nach Westen nur sanft ansteigt, bildet er im Südwesten z. T. eine markante Schichtstufe aus. Diese hängt mit der Aufwölbung des Höhenrückens im Westen und der sie begrenzenden Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone zusammen. Durch den Wechsel verschieden widerstandsfähiger Gesteine ist innerhalb des Hainich an der Grenze zwischen Mittlerem und Oberem Muschelkalk ebenfalls eine leichte Geländestufe ausgebildet. Ein Beispiel dafür findet sich südlich des Hohen Rode im Mühlhäuser Stadtwald.
Die höchsten Höhen des Hainich sind von Nord nach Süd sind: Hohes Rode (493,0 m ü. NN) Winterstein (467,6 m ü. NN) Haardt (451,3 m ü. NN) Steiger (448,9 m ü. NN) Otterbühl (465,6 m ü. NN) Craulaer Kreuz (483,2 m ü. NN) Alter Berg (493,9 m ü. NN) Renn (473,2 m ü. NN) Rittergasserberg (440,3 m ü. NN) Sie markieren den Hainichkamm im Westen. Der Südwestabhang wird von folgenden Kuppen und Ausliegerbergen gebildet (von Nordwest nach Südost): Sommerstein (461,8 m ü. NN) Sengelsberg (433,8 m ü. NN) Elsberg (360,5 m ü. NN) Schlossberg (377,0 m ü. NN) Pfarrkopf (399,4 m ü. NN) Harsberg (409,7 m ü. NN) Mittelberg (413,3 m ü. NN) Eichenberg (421,5 m ü. NN) Burg-Berg (398,0 m ü. NN) Löhberg (468,2 m ü. NN) Alter Busch (454,7 m ü. NN) Wartenberg (429,9 m ü. NN)
Der Hainich ist auf Grund des geologischen Untergrunds ein Karstgebiet. Die häufigste Karstbildung sind Erdfälle. Sie entstehen durch die unterirdische Auslaugung von Gips und Anhydrit des Mittleren Muschelkalkes und den Einsturz der darauf lagernden Gesteine. Ein Erdfallereignis der jüngeren Zeit hat 1967/68 im Hainich bei Reichenbach innerhalb eines Ackers einen damals 48 m tiefen Einsturztrichter geschaffen.Roland Geyer et al.: Geologie erleben, S. 21. Am Hainichrand bestehen im Übergangsbereich zum Keuper z. T. stark schüttende Karstquellen. Entlang des steileren Südwestabfalls ist der Hainich stark zertalt. Im Bereich der Täler sind zahlreiche Steilhangbereiche vorhanden sowie Ausliegerberge und Riedel. Bedeutende Täler sind der Schliemengrund bei Nazza, der Kalkgrund bei Lauterbach, das Lange Tal bei Berka vor dem Hainich. Im Norden sind die Reliefenergie und die damit zusammenhängende Zertalung geringer. Nennenswerte Täler sind dort der Spittelgrund bei Mühlhausen, der Seebachgrund bei Oberdorla und das Langulaer Tal. Felsen und Felsabbrüche sind im Hainich selten und allenfalls vom Südabfall des Sommersteins und vom Nordwesthang des Wintersteins bekannt. Ansonsten werden die Steilhänge der Südwestabdachung des Hainich nur stellenweise mit schmalen Felsbändern durchragt.
Geologie mini|Muschelkalkaufschluss im Langen Tal, südlicher Hainich mini|Nebel steigt aus dem Seebachgrund bei Oberdorla herauf Der oberflächennahe geologische Untergrund wird von den Kalken und Mergeln des Unteren, Mittleren und Oberen Muschelkalks geprägt. Im Osten wird der Muschelkalk von zum Teil beträchtlichen Lössablagerungen, Decklehmen und Muschelkalkschutt überlagert. Die Unterhangbereiche im südwestlichen Hainich werden von Röttonen und -gipsen gebildet, der obersten Formation des Buntsandsteins. Im Bereich der Saalfeld-Gotha-Eichenberg-Störungszone, die den Hainich im Südwesten kreuzt bzw. dessen steilere Westabdachung bedingt, kommen stellenweise auch Gesteine des Keuper und Zechstein an die Oberfläche. Auch die Craulaer Lehde verläuft entlang einer Verwerfungslinie dieser Störungszone. Die Verwerfung ist mit einem Profil am ehemaligen Steinbruch am Rabenhög aufgeschlossen. Der Aufschluss gilt als ein Standardprofil der Schaumkalkzone des Unteren Muschelkalks und wurde 1907 von dem Geologen Ernst Neumann erstmals beschrieben. Eine Besonderheit im Nordteil des Aufschlusses ist der durch den sogenannten Grenzgelbkalk unter dem kompakten Kalksteinpaket des Schaumkalks deutlich zu erkennende Übergang vom Oberen Buntsandstein zum Unteren Muschelkalk. Es ist Exkursionspunkt 18 der Geologischen Route im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Fast die gesamte Gesteinsabfolge des Muschelkalks wird durch die Einkerbung der ehemaligen Bahntrasse zwischen Heyerode und Diedorf angeschnitten. Dieser Aufschluss ist als Exkursionspunkt 6 der oben genannten Geologischen Route zugänglich.
Klima Klimaprägend sind aus westlichen Richtungen heranströmende atlantische Tiefausläufer. Sie bringen den Kammlagen vermehrt Niederschläge. Die Ostlagen liegen im Regenschatten des Höhenzuges. So ergibt sich ein Klimagradient von Westen nach Osten. Während die Kammlagen noch durchschnittliche Jahresniederschläge von rund 800 mm erhalten, sind es in den niederen östlichen Randlagen nur noch 600 mm. Die Jahresmitteltemperatur erniedrigt sich mit der Annäherung an den Hainichkamm von 8 °C am Ostrand auf 6,5 °C. Während der kalten Jahreszeit fällt der Niederschlag in den Hochlagen des Hainich vermehrt als Schnee. Winterliche Hochdruckgebiete erzeugen häufig Nebel, der sich an den Baumkronen oft als Raureif absetzt. Hauptwindrichtung ist West, während winterlicher Hochdrucklagen können eisige Ostwinde vorherrschen. Herannahende Tiefdruckgebiete können auch am Hainich eine deutliche Leewelle erzeugen und damit verbundene Föhneffekte auf der Ostseite. Eine Wetterstation befindet sich westlich von Weberstedt am Rand des Nationalparks Hainich. Sie bietet auch Daten für die tägliche Wettervorhersage.
Gewässer mini|Erdfallweiher im Schönstedter Holz mini|Der Melchiorbrunnen bei Oberdorla und andere Karstquellen werden durch Wasser aus dem Hainich gespeist. Der Abfluss im Hainich erfolgt überwiegend unterirdisch. Die Bäche sind daher als Steingräben ausgeprägt und ihre Täler sind Trockentäler. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Große Steingraben im Mühlhäuser Stadtwald. Die Steingräben führen nur nach längeren Regenperioden Wasser, meist nach länger anhaltendem Frost und bei Schneeschmelze, wenn die Gesteinsklüfte durch Eis abgedichtet sind, aber auch nach sommerlichen Starkregenereignissen. Natürliche Stillgewässer bilden ebenfalls die Ausnahme und kommen als Erdfallweiher nur in Erdfallsenken vor. Als künstliche Gewässer sind im Hainich auch wenige Teiche vorhanden, z. B. der Hünenteich südöstlich von Kammerforst. Als weitere Karsterscheinung treten am Ostrand des Hainich topfförmige und stark schüttende Karstquellen auf. Sie sind im Übergangsbereich zwischen Muschelkalk und Unterem Keuper häufig durch Erdfälle entstanden und führen das im Hainich versickerte Karstwasser an die Oberfläche. Infolge des Druckes der auflagernden Keuperschichten sind sie artesische Quellen. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung für die Wasserversorgung der Hainichrandgemeinden tragen sie Eigennamen. Die wichtigsten Quelltöpfe sind (von Nord nach Süd): Breitsülzenquelle (Mühlhausen) Popperöder Quelle (Mühlhausen) Thomasquelle (bei Weidensee) Spittelbrunnen (Spittelgrund) Dittelhainsbrunnen (Oberdorla) Kainspring (Oberdorla) Melchiorbrunnen (Oberdorla) Kleine und Große Golke (Bad Langensalza).
Am Hainichkamm verläuft die Wasserscheide zwischen der Werra und ihren Nebenbächen (z. B. Lempertsbach und Lauter) im Westen, die über die Weser in die Nordsee entwässert, und der Unstrut, die über Saale und Elbe ebenfalls zur Nordsee fließt.
Flora und Vegetation Baumarten mini|links|Strukturreicher Buchenwald im Mühlhäuser Stadtwald (Nördlicher Hainich)