mini|Erzherzog Johann von Österreich (Gemälde von Leopold Kupelwieser, um 1840). Johanns Unterschrift: rahmenlos|klasse=skin-invert-image

Erzherzog Johann Baptist Josef Fabian SebastianAnton Schlossar: Erzherzog Johann von Österreich. Styria, Wien/Graz 1908, S. 2, 35, 25, 36 und 64. von Österreich (* 20. Jänner 1782 in Florenz; † 11. MaiHHStA, Burgkapelle 1, Totenschein der k.k. Garnisons-Seelsorge Graz. 1859 in Graz) war ein Mitglied des Hauses Habsburg, Bruder von Kaiser Franz I., österreichischer Feldmarschall und in der Revolutionszeit von 1848/1849 deutscher Reichsverweser. Im Herzogtum Steiermark war er ein halbes Jahrhundert Förderer und Modernisierer von Industrie, Landwirtschaft, Eisenbahnwesen und Kultur- und Bildungswesen.

Leben mini|Stammbaum von Johann mini|Johann um 1805 im Alter von etwa 18 Jahren (Heeresgeschichtliches Museum). mini|Anna Plochl, Fotografie von 1860 mini|Gedenkstein am Toplitzsee mit der Inschrift: „Hier begegneten sich zum erstenmal Erzherzog Johann Anna Plochl“

Johann war das 13. Kind und der neunte Sohn des Großherzogs Leopold von Toskana, des späteren Kaisers Leopold II., und dessen Gattin Maria Ludovica von Spanien. Den für einen Habsburger eher ungewöhnlichen Namen Johann erhielt er zu Ehren von Johannes dem Täufer, dem Stadtpatron von Florenz. Auch waren die Taufpaten keine Verwandten aus dem Hochadel, sondern der Florentiner Bürger Giovanni Filippo Barelai,Friedrich Weissensteiner: Reformer, Republikaner und Rebellen. Das andere Haus Habsburg-Lothringen. Piper, München/Zürich 1995, ISBN 3-492-11954-9, S. 102. genannt Barchettone, und ein ungenannter Kapuziner.Charlotte Keil-Meran (Hrsg.): Erzherzog Johann – Daten und Taten. Styria, Graz o. J.

Die erste Sprache, die er erlernte, war Italienisch; anschließend Französisch und erst in der Folgezeit Deutsch und schließlich Latein. Bereits als Jugendlicher zeigte er großes Interesse an den Alpenländern, bestärkt und beeinflusst durch den Historiker Johannes von Müller, der ihn unterrichtete. Geschichte, soziale Fragen, Militär- und Naturwissenschaften faszinierten und beschäftigten ihn sein Leben lang. Er sammelte Mineralien, war Alpinist und Jäger, Landwirt, Weinbauer, Industrieller und Mäzen.

Frühestens 1818 konnte er sich die Prachtdraisine (wohl von Anton Burg in Wien) beschaffen, sie gehört heute dem Universalmuseum Joanneum in Graz.Das "Jahr ohne Sommer" und seine Folgen: Draisine Erzherzog Johanns museum-joanneum.at, 2018, abgerufen am 1. November 2021.

1819 traf Johann im Alter von 37 Jahren am Westufer des steirischen Toplitzsees zum ersten Mal auf die damals 15-jährige Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl. Am 18. Februar 1829 heiratete er sie zu mitternächtlicher Stunde in der hauseigenen Kapelle auf dem Brandhof in Gußwerk bei Mariazell. Wegen der Ehe mit einer Bürgerlichen musste Johann hinnehmen, dass er von der Thronfolge ausgeschlossen wurde und seine Nachkommen keinen Adelstitel tragen sollten. Im Jahre 1834 zeigte sich Kaiser Franz I. gnädig und verlieh Anna, der Frau seines Bruders, den Titel „Freifrau von Brandhofen“, womit sie in einen niedrigen Adelsstand erhoben wurde. Der einzige Sohn aus dieser Ehe und Erbe des Erzherzogs, Franz, wurde 1839 geboren. Dem Vater gelang es, bei Metternich 1845 für den Sohn den vererbbaren Titel „Graf von Meran“ durchzusetzen. Erst fünf Jahre nach dieser Nobilitierung ihres Sohnes wurde Johanns Ehefrau von Kaiser Franz Joseph I. zur „Gräfin von Meran“ ernannt.Hans Magenschab: Erzherzog Johann. Styria, Wien / Graz / Klagenfurt 2008, ISBN 978-3-222-13255-1, S. 276.

mini|Erzherzog Johann im Alter von etwa 64 Jahren (Lithographie) mini|Erzherzog Johann als Reichsverweser; Lithographie von Joseph Kriehuber, 1848mini|Erzherzog Johann von Österreich (Lithographie von Josef Kriehuber, 1859) Nach der Geburt des Sohnes Franz wurde Graz allmählich zum zentralen Sitz der Familie. Schon 1828 hatte Johann ein Haus und einige Parzellen im Grazer Stadtteil St. Leonhard angekauft.Gabriele Praschl-Bichler: Die Habsburger in Graz. Leopold Stocker Verlag, Graz/Stuttgart 1998, ISBN 3-7020-0772-5, S. 81. Dort wurde Jahre später das Palais Meran errichtet und 1843 von der Familie bezogen.Renate Basch-Ritter: Anna Plochl. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 2003, ISBN 3-201-01845-7, S. 197ff. Von nur diesem einen ehelichen Sohn (Franz Graf von Meran (1839–1891) ⚭ Theresia, geborene Gräfin von Lamberg (1836–1913)) gibt es – beziehungsweise gab es – bis heute über 900 Nachkommen des „steirischen Prinzen“.The Counts of Meran. In: angelfire.com.

Obwohl Johann sich selbst als Nichtliberalen bezeichnete, so hatte er doch ein bestimmtes liberales Gedankengut. Mit dem Habsburger Hof stand er oft im Konflikt. Diese Konflikte nahmen zu, nachdem er seine Absicht kundgetan hatte, eine Bürgerliche zu heiraten. In seinen Briefen und Aufzeichnungen kommt öfters seine Meinung zum Ausdruck, dass sich der Hof in Wien und auch die adeligen Grundherren zu wenig um die Anliegen und Probleme der einfachen Menschen kümmerten. Letztlich ist er aber doch dem Kaiserhof gegenüber immer loyal geblieben. Er heiratete Anna Plochl auch erst, nachdem er von seinem kaiserlichen Bruder dazu die Genehmigung erhalten hatte, obwohl ihn dieser sechs Jahre lang auf diese Zustimmung warten ließ.

Erzherzog Johann starb im 78. Lebensjahr am 11. Mai 1859 um 9 Uhr an einer Lungenentzündung. Er wurde am 14. Mai 1859 in Graz bestattet und erst am 21. Juni 1869 in das inzwischen fertiggestellte Mausoleum bei Schloss Schenna überführt, einem Ansitz der Grafen von Meran in Schenna bei Meran (Südtirol).Anton Schlossar: Erzherzog Johann Baptist von Österreich. Adolf Hölder, Wien 1880, S. 120 ff. Das Schloss hatte er 1844 gekauft und sein Sohn, Franz Graf von Meran, ließ das Mausoleum als letzte Ruhestätte erbauen.Hannes Lammer: Erzherzog Johann und Tirol. Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung und der Südtiroler Landesregierung (Hrsg.), Graz 1984.

Militärische Laufbahn Obwohl für die militärische Laufbahn bestimmt, entwickelte Johann schon früh vielseitige Interessen, insbesondere für Natur, Technik und Landwirtschaft, denen er auch während seiner militärischen Engagements nachging. Am 22. Juli 1795 wurde er zum Generalmajor befördert und zum Oberst-Inhaber des Dragoner-Regiment Nr. 26 ernannt. Im Zweiten Koalitionskrieg übernahm Johann im August 1800 anstelle von Feldzeugmeister Kray den Oberbefehl des kaiserlichen Heeres in Süddeutschland. Er drang in Bayern ein, erreichte einen Erfolg bei Ampfing (1. Dezember), wurde aber zwei Tage später in der Schlacht bei Hohenlinden (3. Dezember) von General Moreau schwer geschlagen. Bei der Schlacht am Walserfeld am 12. bis 14. Dezember 1800 konnte er über einen Teil der französischen Rheinarmee (verst. I. Korps Lecourbe) im Raum Wals – Siezenheim – Saalachspitz einen vollständigen Sieg erringen, musste jedoch aufgrund der Bedrohung durch die Masse der französischen Truppen unter Jean-Victor Moreau aus dem Norden das Gefecht abbrechen und den Rückzug nach Osten antreten. Der Friede von Lunéville (9. Februar 1801) beendete den Krieg, worauf ihn sein Bruder Erzherzog Karl zum Generaldirektor des Genie- und Festungswesens berief. General-Genie-Direktor blieb er noch bis 1849.Friedrich Gatti, Geschichte der k. und k. Technischen Militär-Akademie, Erster Theil: Geschichte der k.k. Ingenieur- und k.k. Genie-Akademie, 1717–1869, Wien 1901, S. 617 Nach seiner am 30. März 1801 erfolgten Beförderung zum Feldmarschallleutnant wurde er auch zum Direktor der Wiener Ingenieurakademie und der Militärakademie in Wiener Neustadt ernannt.

Im Koalitionskrieg von 1805 sollte er zunächst die Tiroler Landmiliz in Innsbruck organisieren, musste aber nach seiner Beförderung zum General der Kavallerie Anfang September auf kaiserlichen Befehl die von Erzherzog Karl in Italien kommandierte Armee übernehmen. 1808 organisierte er in Tirol und Innerösterreich die Landwehr für den Volkskrieg gegen Napoleon und förderte 1809 den Tiroler Freiheitskampf Andreas Hofers gegen Bayern und Franzosen.

Anfang April 1809 übernahm er den Oberbefehl über die Südarmee in Italien und führte zwei Korps gegen den dortigen französischen Vizekönig Eugène de Beauharnais in die venetianische Tiefebene. Am 13. April zogen seine Truppen in Udine ein und überraschten am 15. die feindliche Nachhut bei Pordenone. Schließlich besiegte er die Truppen des Vizekönigs am 16. April in der Schlacht von Sacile. Die Niederlagen der Hauptarmee in Bayern zwangen ihn jedoch über Kärnten zum Rückzug in die Steiermark. Auf seinen Befehl hin wurden im Mai 1809 die Festungen in Malborgeth durch Hauptmann Hensel, am Predil-Pass durch Hauptmann Hermannsdorf und der Grazer Schloßberg durch Major Hackher verteidigt. Erzherzog Johann konnte Graz nicht halten, vereinigte seine Truppen mit ungarischen Reserven im Raum Körmend und versuchte sein Korps der Hauptarmee unter Erzherzog Karl über Preßburg zuzuführen. Am 14. Juni durch die verfolgenden Truppen unter Beauharnais eingeholt und in der Schlacht bei Raab schwer geschlagen, konnte er nicht mehr rechtzeitig zur entscheidenden Schlacht bei Wagram eintreffen. Nachdem die Hauptarmee an den Fürsten Johann von Liechtenstein überging, verlor Johann zwar sein aktives Feldkommando, erhielt aber wenigstens das Großkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt.

Nach dem Wiener Kongress leitete Johann ab Juni 1815 noch die Einschließung der Festungen im oberen Elsass und die Belagerung und Bestürmung der Vauban-Festung Hüningen gegenüber von Basel, die sich nach elf Tagen Beschuss am 26. August 1815 zur großen Freude der Basler Bürger ergab.Jürg-Peter Lienhard: Geschichte von Hüningen. Die Festung wurde danach auf BitteAddenda: der Basler Bürger geschleift.Sibylle Bartl: Den Fall der Festung konnte auch Barbanègre nicht verhindern. In: Badische Zeitung. 31. Jänner 2009. Abgerufen am 18. August 2011. Seiner Tagebuchaufzeichnung vom 28. Juli 1815 ist sein Mitgefühl mit dem unterlegenen Feind und seine Kriegsmüdigkeit zu entnehmen: Walter Pietsch u. a.: Unser Erzherzog Johann. Leykam, Graz 1959, S. 60. Die am 17. September 1836 ehrenhalber durch den neuen Kaiser Ferdinand ausgesprochene Ernennung zum Feldmarschall schloss seine militärische Karriere ab.

Tirol (1800–1813) Johann kam im September 1800 erstmals nach Tirol und damit begann Lutz Maurer: Prinz Hanns und der arme verlassne Sünder Andre. In: Guido Jaklitsch: Steirische Brauchstumskalender 2009. Volkskultur Verlag, Leibnitz 2008, S. 66–73. In Scharnitz lernte er den Freiherrn Josef von Hormayr kennen. Hormayr stand mit an der Spitze des späteren Tiroler Volksaufstands und im engsten Kontakt mit Andreas Hofer und mit dem Kaiserhaus in Wien. Ab 1805 organisierte Johann mit unumschränkter Vollmacht des Kaisers das Landesverteidigungswesen in Tirol. Nach dem Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 musste Österreich allerdings Tirol und Vorarlberg an Bayern abtreten. Johann blieb aber weiterhin mit Hormayr in engstem Kontakt, der von Wien aus in Tirol einen Gebirgs- und Volkskrieg mit Andreas Hofer gegen die als schikanös empfundene bayrische Besatzung vorbereitete, der 1809 ausbrach und nach mehreren Schlachten mit einer Niederlage der Aufständischen und der standrechtlichen Erschießung Andreas Hofers endete.