Linkenheim-Hochstetten ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Karlsruhe.
Geographie Gemeindegliederung Die Gemeinde Linkenheim-Hochstetten besteht aus den ehemaligen Gemeinden Hochstetten und Linkenheim. Zur ehemaligen Gemeinde Hochstetten gehört das Dorf Hochstetten. Zur ehemaligen Gemeinde Linkenheim gehören das Dorf Linkenheim und das Haus Forsthaus. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hochstetten liegt die abgegangene Ortschaft Ovestat, die 1103 erwähnt wurde, möglicherweise jedoch mit Hochstetten identisch ist. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Linkenheim liegen die Wüstungen Wanesheim (Wansheim) und teilweise auch in der Gemeinde Frecanstetten bzw. Frechstatt.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 101–102.
Prähistorie, Römische Kaiserzeit und Frühmittelalter Neolithikum Die früheste Besiedlung der Gemarkung Linkenheim-Hochstetten geht wohl bereits in das Neolithikum zurück. Als Beweis für frühe menschliche Aktivitäten können zwei Steinartefakte gelten. Beim ersten handelt es sich um ein Steinbeil aus Amphibolit, welches 1985 in Hochstetten gefunden wurde.Fundberichte Baden-Württemberg 15 (1990), S. 526, Tafel 20. 1993 wurde ein weiteres Steinbeil aus grünlichem Silitstein im Osten der Linkenheimer Gemarkung gefunden. Besonders daran ist dessen Herkunft. Diese Gesteinsart stammt ursprünglich aus dem Südschwarzwald oder dem Schiefergebirge. Beile aus Stein sind jedoch nicht die einzigen Zeugen des Neolithikums. Aus den Baggerseen Rohr- und Streitköpfle sind eine Vielzahl von Geweihhacken und anderen knöchernen Artefakten bekannt.Fritz Wagner: Funde aus dem Rohrköpfle. in: Anno Dazumal. Heft 5, Freundeskreis Heimatgeschichte Linkenheim-Hochstetten, Linkenheim-Hochstetten 2005,
Bronzezeit Frühbronzezeit Aus der Bronzezeit gibt es nur wenige Funde, darunter ein Randleistenbeil aus Bronze, welches im Hardtwald westlich von Linkenheim gefunden wurde. Das Stück ist heute in der Dauerausstellung des Badischen Landesmuseums zu betrachten.
Spätbronzezeit/Urnenfelderzeit Von den für die Urnenfelderzeit typischen Vasenkopfnadeln sind zwei Stücke aus dem Baggersee Rohrköpfle bekannt.
Eisenzeit Ein besonderes Stück aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit stellt ein verzierter Gürtelhaken aus Bronze dar, der ein Bestandteil der keltischen Frauentracht war.
Römische Zeit Bisher beschränken sich die Hinterlassenschaften auf der Gemarkung Linkenheim-Hochstetten auf Einzel- oder Verlustfunde. Ab der Römerzeit lassen sich jedoch erstmals auch Siedlungsreste und andere Bauwerke nachweisen. So verläuft östlich der Doppelgemeinde im Hardtwald in einer Nord-Süd-Achse eine Römerstraße. Es handelt sich dabei um einen heute noch im Gelände erkennbaren Wall aus Erde und Kies, welcher noch bis zu 50 cm hoch erhalten ist. Veranlasst wurde der Bau dieser Straße 74 n. Chr. von Kaiser Vespasian. Die Straße führte von Offenburg über Ladenburg (Lopodunum) nach Mainz (Mogontiacum) als Hauptstadt der römischen Provinz Germania superior.
Die römische Anwesenheit unter der Herrschaft von Vespasian belegt neben der Römerstraße auch ein Denar mit seinem Bildnis aus dem Baggersee Rohrköpfle. Neben weiteren 96 Münzen fanden sich hier römische Fibeln (zum Beispiel Kniefibel), ein goldener Ohrring, Fingerringfragmente (zum Teil mit Inschrift) sowie mehrere Bronzegefäße, darunter eine Kasserolle, eine Schale und ein Hemmoorer Eimer.
Nördlich der Gemeinde Hochstetten, unter dem heutigen Industriegebiet, direkt an der Gestadtekante entdeckte Albrecht Bonnet 1898 eine kleine Ansiedlung aus vier Hütten, welche zwischen 1898 und 1900 ausgegraben wurde.K. Schuhmacher: Vorgeschichtliche Funde aus der Umgegend von Karlsruhe von A. Bonnet. in: Veröffentlichungen der Grossherzoglichen Badischen Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe und des Karlsruher Altertumsvereins 3 (1902), S. 43–44. Nach Bonnet handelt es sich dabei um Hütten, die zum Teil in den Boden eingetieft waren und eine Größe von bis zu 3,80 m × 2,10 m erreichten. Die Keramikfunde zeugen von einer langen Besiedlungsdauer der Siedlung, welche wohl mit der verkehrsgünstigen Lage zusammenhängt. Es ist möglich, dass die Siedlung einen Fährübergang über den Rhein kontrollierte, über den Töpferwaren aus Rheinzabern (Tabernae) in das rechtsrheinische Gebiet gelangten.Robin Dürr: Frühmittelalterliche Besiedlung im Gewann „Auf die alte Sandgrube“, Linkenheim-Hochstetten bei Karlsruhe. in: Archäologische Nachrichten aus Baden 52 (2012), S. 34–39.
Frühmittelalter Neuste Funde zeigen, dass diese kleine Siedlung scheinbar auch im Frühmittelalter weiterhin eine wichtige Rolle gespielt hat. Nach einem kleinen Hiatus nach dem Abzug der Römer im 4. Jahrhundert scheint die Siedlung im späten 7. Jahrhundert wieder besiedelt worden zu sein. Davon zeugen Stücke der frühen älteren gelben Drehscheibenware, einer Keramikart, die links und rechts des Rheins sowie im mittleren Neckarraum verbreitet ist.Rainer Schreg: Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Verein für Archäologie des Mittelalters, Tübingen 1998, ISBN 3-9806533-0-7. Die feintonige Beschaffenheit sowie bestimmte Dekore der Hochstettener Stücke deuten auf eine Herkunft aus Töpfereien im nördlichen Elsass hin.
Einen weiteren Hinweis auf nachantike Besiedlung brachte neben diesen Funden der älteren gelben Drehscheibenware ein Silberdenar von Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn und Nachfolger Karls des Großen. Dieser Denartyp wurde 822 n. Chr. von Ludwig dem Frommen eingeführt, der sich durch immer häufiger auftretende Fälschungen gezwungen sah, den vorhergegangenen Typ mit mehrzeiligem Münzstättennamen und kaiserlicher Titulatur zu verrufen.Clemens Maria Haertle: Karolingische Münzfunde aus dem 9. Jahrhundert. Teil 2, Böhlau, Köln/Weimar/Wien 1997, ISBN 3-412-01697-7. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt der Denar aus der Münzstätte von Dorestad, einem bedeutenden karolingerzeitlichen Handelszentrum in den nördlichen Niederlanden. Er ist der erste einschlägige Fund am Oberrhein. Eine Ausgrabung des Regierungspräsidiums Karlsruhe (Referat 26: Archäologische Denkmalpflege) im Jahre 2008 erbrachte weitere Gebäudegrundrisse und erhärtete den Verdacht auf eine mittelalterliche Siedlung.
Im Rohrköpfle fanden sich darüber hinaus einige eindrucksvolle Stücke aus dem Frühmittelalter, darunter Teile von Pferdezaumzeug, wie zwei Schrägrandbügel aus Eisen mit feinen Tauschierungen aus Silber. Hier wurde auch ein weiterer Silberdenar aus der Kölner Münze geborgen.
Geschichte Linkenheim Die erste urkundliche Erwähnung Linkenheims findet sich im Jahre 777 in einem Güterverzeichnis des Klosters Lorsch.
Linkenheim hatte ursprünglich eine rein bäuerliche Struktur. Während der Industrialisierung im Deutschen Kaiserreich begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, da vorwiegend in Karlsruhe viele Arbeitsplätze entstanden. Von da an stieg die Bevölkerungszahl stetig.
1827 wurde im Zuge der Rheinbegradigung von der Lautermündung bis Roxheim der Verlauf des Rheins bei Linkenheim korrigiert. Die früheren Rheinschleifen sind auf Satellitenbildern noch gut zu erkennen und sind teilweise als Gewässer in Form von Bade- und Anglerseen erhalten.
Hochstetten Hochstetten war zunächst ebenfalls ein rein bäuerliches Dorf. Die Nähe der Stadt Karlsruhe veranlasste jedoch die Bauern früh, sich auf den Anbau von Gemüse und Tabak zu spezialisieren. Vor dem Ersten Weltkrieg war der Ort für den Spargelanbau bekannt.
Die endgültige Wandlung des einstigen Bauern- und Arbeiterdorfes zur heutigen Wohngemeinde begann in der Zeit nach 1945. Dies wurde durch die Entstehung der Möbelfabrik (Imkereibedarf und Küchenmöbel) „Husser“ eingeleitet. Besondere Dynamik im Ortswachstum brachte der Aufbau des Kernforschungszentrums und des Euratom-Forschungszentrums im südlich benachbarten Leopoldshafen ab Mitte der 1960er Jahre.
Linkenheim-Hochstetten Am 1. Januar 1975 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Linkenheim und Hochstetten zur neuen Gemeinde Linkenheim-Hochstetten zusammen. Der Zusammenschluss erfolgte im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg.
Im Jahr 1989 erhielt die Gemeinde mit der Stadtbahn (Linie S1/S11) einen Anschluss an das Öffentliche Verkehrsnetz der Stadt Karlsruhe (KVV).
mini|hochkant|Evangelische Kirche Linkenheim Religionen mini|links|Kirche Maria Königin Im Ortsteil Linkenheim befinden sich die Kirche Maria Königin der katholischen Pfarrei Linkenheim/Dettenheim, eine evangelische Kirche, eine Gemeinde des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes und eine Neuapostolische Kirche. Hochstetten hat eine evangelische Kirche und eine der ältesten freien evangelischen Gemeinden in Süddeutschland. Landeskirchliche Gemeinschaften spielen eine große Rolle. Die CVJM Linkenheim und Hochstetten gehören aufgrund ihrer Jugendarbeit zu den bedeutendsten Vereinen des CVJM in der ganzen Umgebung. 2006 wurde das charismatische „czhardt“ gegründet. Das spiegelt auch ungefähr die Konfessionenverteilung wider: Es gibt mehr als doppelt so viele Protestanten wie Katholiken. 2000 eröffnete in Linkenheim-Hochstetten der erste Ostergarten Deutschlands.BNN Nr. 85, Ostern 2020, S. 25.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 18 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Vorsitzender des Gemeinderats.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Linkenheim-Hochstetten; abgerufen am 14. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 aus Linkenheim-Hochstetten. In: bnn.de, abgerufen am 14. Juni 2024. mini|Rathaus Linkenheim-Hochstetten
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wähler 35,4 % (+4,7) 6 (±0) CDU 25,1 % (+2,0) 5 (+1) Grüne 14,3 % (−3,6) 3 (±0) SPD 13,4 % (−2,9) 2 (−1) FDP 11,8 % (−0,2) 2 (±0) Wahlbeteiligung: 63,5 % (+1,2)
Bürgermeister Am 1. Februar 2015 wurde Michael Möslang (CDU) mit 67,5 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Linkenheim-Hochstetten gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,3 Prozent. Am 29. Januar 2023 wurde er mit 94 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,8 Prozent.
Wappen Blasonierung: „In Blau mit goldenem Innenbord schräggekreuzt eine goldene Schifferstange und ein goldenes Ruder.“
Gemeindepartnerschaften Linkenheim-Hochstetten pflegt seit dem 29. Mai 1966 eine Städtepartnerschaft mit Jarny in Frankreich. Seit dem 14. September 1990 besteht zudem eine Partnerschaft mit der Stadt Gröditz in Sachsen, die informell (erstes Treffen der Bürgermeister) bereits 1984 begann.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Haltestelle „Linkenheim Rathaus“ Verkehr Die Gemeinde liegt an der Bundesstraße 36 (Mannheim – Rastatt) und auf der Hardtbahn verkehren die S1 und die S11 der Stadtbahn Karlsruhe. Auf dieser Linie werden ausschließlich Bahnen der Baureihe NET 2012 eingesetzt.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de sind Linkenheim und Hochstetten über Eggenstein-Leopoldshafen mit Karlsruhe verbunden und in der anderen Richtung über Graben-Neudorf und Waghäusel mit Hockenheim und Schwetzingen.
Durch das Gemeindegebiet verläuft die rechtsrheinische Variante des Rheinradwegs, die aber zwischen Karlsruhe und der Höhe von Speyer nicht ausgeschildert ist.
Zusätzlich besitzt der Ort einen kleinen Flugplatz (Sonderlandeplatz Linkenheim (EDRI)) für Kleinflugzeuge (bis 2 t). Es sind aber auch schon größere Transportflugzeuge gelandet.
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