Alexander Wassiljewitsch Suworow-Rymnikski (, wiss. Transliteration ; * in Moskau; † in Sankt Petersburg) war ein russischer Generalissimus und Stratege.
mini|Alexander Wassiljewitsch Suworow-Rymnikski in der Eremitage (Sankt Petersburg).Suworows Unterschrift: rahmenlos|klasse=skin-invert-image mini|Alexander Wassiljewitsch Suworow (1730–1800); Porträt von George Dawe (ca. 1830)
Leben Alexander Wassiljewitsch Suworow war der einzige Sohn von Wassili Iwanowitsch Suworow, der am Hof Peters I. erzogen wurde, später die Aufgaben des Dienstadels zu erfüllen. Als sein Vater im Jahr 1775 als General-en-Chef und Mitglied des Kriegskollegiums starb, hinterließ er Alexander Güter mit fast zweitausend Bauern.
Alexander Suworows Geburtsjahr wird in den Dokumenten zu seiner Person unterschiedlich angegeben, aber nach eigener Angabe wurde er am 13. November 1730jul. geboren.A.F. Petruschewski: Generalissimus Fürst Suworow, Sankt Petersburg 1884, Kapitel 1 (russisch). Am 5. November 1742Im Folgenden werden sämtliche Daten nach dem Gregorianischen Kalender angegeben. wurde Suworow in die Stammliste des Semjonowski-Garderegiments eingetragen. Bis zum aktiven Dienstantritt als Korporal am 12. Januar 1748 bestand seine Dienstpflicht darin, seine Schulbildung zu erweitern. Bis 1748, als das Regiment nach Moskau verlegt wurde, war sein Dienstort Sankt Petersburg. In Moskau besuchte Suworow die Landkadettenakademie, deren Abschluss sowohl einen militärischen als auch einen zivilen Rang beinhaltete. Absolventen, die sich bisher nicht in der Militärlaufbahn befanden, bekamen damit zwei Dienstränge, die sowohl eine militärische als auch eine zivile Laufbahn ermöglichten. Im Jahr 1751 erfolgte seine Versetzung als Adjutant zu Generalmajor Nikita Fjodorowitsch Sokownin. Von März bis Oktober war er in Diplomatischer Mission unterwegs nach Dresden und Wien.
Die erste Versetzung in ein anderes Regiment fand 1755 zum Ingermanländischen Infanterieregiment statt. Als nächste Aufgabe erhielt er 1756 die Inspektion der Proviantmagazine im Gouvernement Nowgorod übertragen und wurde dazu zum Oberproviantmeister im Range eines Hauptmanns berufen. Im selben Jahr wirkte er kurzzeitig als General-Auditor-Leutnant im Kriegskollegium, bis er am 15. Dezember zur Infanterie versetzt wurde.
Siebenjähriger Krieg 1756–1763 Im Siebenjährigen Krieg nahm er 1759 in der Brigade des Generalmajors Michail N. Wolkonski an der Einnahme von Crossen und der Schlacht bei Kunersdorf am 12. August 1759 teil. Im folgenden Jahr wurde er Oberkriegskommissar des Kasaner Infanterie-Regimentes und war am 9. Oktober 1760 an der Einnahme von Berlin beteiligt. Später im selben Jahr diente er bei den leichten Truppen des Generalmajors Gustav Berg. Während des Gefechts bei Stettin am 22. Oktober 1761 wurde er verwundet und nahm ebenfalls an der Belagerung von Kolberg als zeitweiliger Kommandeur der Twerer Dragoner teil. Am 11. September 1762 bekam Suworow das Kommando über das Astrachaner Infanterie-Regiment und versah mit diesem den Wachdienst in der Hauptstadt. Der siebzehnjährige Michail Kutusow diente zu dieser Zeit unter ihm. Bereits am 17. April 1763 übernahm er erstmals für längere Zeit das Kommando über ein Regiment, das Susdaler Infanterie-Regiment.
Feldzug gegen die polnische Konföderation von Bar 1768–1772 Im polnischen Feldzug gegen die Konföderation von Bar marschierte er als Folge der Verlegung des Regimentes von November bis Dezember 1768 nach Smolensk, wenig später nach Orscha, dann nach Minsk. Am 26. Mai 1769 übernahm Suworow erstmals eine Brigade, die aus den Regimentern Smolensk, Susdal und Nischni Nowgorod gebildet wurde. In nur zwölf Tagen legte er im Sommer 1769 mit dem Susdaler Regiment und zwei Eskadronen Husaren die 500 Kilometer bis Warschau zurück und nahm die Stadt ein. Am 23. September 1771 besiegte Suworow mit 822 russischen Soldaten 3000 bis 4000 polnische Konföderierte. Der Wawel, die Burg von Krakau, kapitulierte am 26. April 1772 vor Suworow. Bereits Ende des Jahres war er wieder in Sankt Petersburg.
Russisch-Türkischer Krieg 1768–1774 mini|Briefmarke der Sowjetunion die A. W. Suworow gewidmet ist, 1980 (Michel 5009, Scott 4878)
Vor seiner Versetzung ins türkische Kriegsgebiet im Russisch-Türkischen Krieg inspizierte er Finnland. Auf dem linken Ufer der Donau bei Bukarest übernahm er am 17. April 1773 das Kommando über den Verband aus dem Astrachaner Infanterie-Regiment, ein Kavallerie-Regiment und ein Detachment Kosaken. Mit diesen Truppen war er Teil des rechten Flügels der 1. Armee des Generalleutnants Iwan P. Saltykow. Suworows zweiter Angriff am 28. Juni 1773 auf das türkische Lager bei Turtukai am anderen Donauufer war sein erster Sieg auf diesem Kriegsschauplatz. Das führte dazu, dass er das Kommando über den einzigen Brückenkopf der Russen auf dem türkischen Donauufer bei Hirsova übertragen bekam. Er schlug den türkischen Angriff am 14. September erfolgreich zurück. Am 27. Januar 1774 heiratete er Warwara Iwanowna Prosorowskaya, die Tochter eines Generals a. D. Im April 1774 war Suworow mit seinen Truppen auf dem Marsch zum Balkan. Dort schlug er mit nur 8000 Russen bei Kosludscha etwa 40.000 Türken.
Einsatz in der Ukraine und auf der Krim Am 30. August wurde er zur Armee Pjotr I. Panins ins Wolgagebiet versetzt, in dem inzwischen der Pugatschow-Aufstand ausgebrochen war. Nach dem Ende des Aufstandes brachte Suworow den gefangenen Pugatschow nach Moskau. Im befriedeten Gebiet des Aufstandes erhielt Suworow das Kommando über die dort stationierten Truppen. Das Jahr 1775 brachte zwei private Ereignisse, den Tod des Vaters und die Geburt der Tochter Natalja am 11. August. Nach einem längeren Urlaub wurde er 1776 erst stellvertretender Kommandeur des Krimkorps und 1777 dessen Kommandeur. Mit der Übernahme des Kommandos über die Truppen des Kuban-Gebietes im November 1777 nahm von Suworow sofort eine Umstrukturierung der Truppenverteilung vor. Im Jahr 1778 war es seine Aufgabe, die christliche Bevölkerung im Krimkhanat auf russisches Territorium umzusiedeln. Dafür erhielt er das Kommando über alle Truppen am Kuban und auf der Krim. Bereits im Sommer waren 31.098 Personen erfolgreich umgesiedelt.
Suworow wurde 1779 zum Kommandeur der Neurussländischen Division mit dem Stabsquartier in Poltawa ernannt, die die von der Türkei neu erworbenen Gebiete in der Ukraine schützen sollte. Aber bereits 1780 schien man ihn vergessen zu haben. Erst am 11. Januar 1782 erreichte er es, das Kommando über die Kasaner Division als neue Aufgabe zu bekommen. Es folgte 1784 das Kommando über die Wladimirer Division, die Geburt des Sohnes Arkadi und 1785 die Übernahme der Petersburger Division. Ende 1786 kommandierte er die Jekaterinoslawer Armee und 1787 die Division Krementschug.
Russisch-Türkischer Krieg 1787–1791 Zu Beginn des Krieges standen unter Suworows Kommando rund 30.000 Soldaten der 1. Jekaterinoslawer Armee und der Truppen im Bereich der Dnepr-Mündung. Die Türken wählten als Angriffsziel die schwach ausgebaute Festung Kinburn. Trotz der wenigen Zeit, die zur Verstärkung der Festungswerke blieb, konnte der türkische Angriff am 11. Oktober 1787 zurückgeschlagen werden. Suworow wurde an der linken Hüfte und am Unterarm schwer verwundet. Nach der Genesung kommandierte er den Sturm auf die türkische Festung Otschakow am 7. August 1788. Die erneute schwere Verwundung, diesmal am Hals, verbannte ihn zur Genesung in die Festung Kinburn. Dort explodierte am 29. August das Pulvermagazin. Da er sich zu dieser Zeit nicht mehr in seinem Krankenzimmer aufhielt, überlebte er schwer verletzt. Allerdings zog er sich die Ungnade Potjomkins zu und wurde auf diesem Teil des Kriegsschauplatzes nicht mehr eingesetzt. Erst im Dezember 1788 wurde ihm wieder ein Kommando übertragen. In der Armee Rumjanzews kommandierte er die 3. Division auf dem rechten Flügel. Für den Sieg in der Schlacht von Focșani am 1. August 1789 schickte ihm Katharina II. den St.-Andreas-Orden mit Brillanten.
Zwischen den Flüssen Rimna und Rimnik schlug er mit den österreichischen Verbündeten unter dem Prinzen von Coburg die Türken am 22. September 1789 in der Schlacht bei Martinesti (auch als „Schlacht am Rimnik“ bezeichnet)Animierter Schlachtverlauf auf Русско-Турецкие войны - Сражение при Рымнике 1789 года (Schlacht am Rimnik 1789).. Die Zarin erhob ihn zum Grafen Suworow-Rymnikski, Kaiser Joseph II. erhob ihn zum Grafen des Heiligen Römischen Reiches. Potjomkin würdigte seine Leistungen und übertrug ihm am 6. Dezember 1790 das Kommando über alle Belagerungstruppen vor der Festung Ismajil. Generalmajor Kutusow kommandierte dort die 5. Angriffskolonne. Am 22. Dezember fiel Ismajil, und Suworow erwähnt in seinem Bericht ausdrücklich den Mut und das Können Kutusows. Wegen einer unziemlichen Antwort auf Potjomkins Frage, wie er Suworow für die Eroberung belohnen könne, fiel Suworow erneut bei Potjomkin in Ungnade. Der Sieg von Ismail wurde gänzlich Potjomkin zugeschrieben. Als Anerkennung wurde Suworow Ehrenoberst des Preobraschenski-Garde-Regimentes, eine Ehrung im wörtlichen Sinne. Den türkischen Krieg sah er nunmehr nur noch als Beobachter.
Die Zarin kommandierte ihn am 5. April 1791 an die schwedische Grenze ab. Dort sollte er die Grenze inspizieren. Am 6. Juli 1791 wurde er Leiter des Festungsbaus in Karelien. Am 13. Dezember 1792 folgte die Versetzung in die Ukraine. Alle Truppen an der türkischen Grenze wurden ihm unterstellt. Er gründete Odessa, die Festung in Tiraspol und baute Sewastopol zu einer starken Festung aus.
Kościuszko-Aufstand 1794 1794 wurde Suworow von Katharina nach Polen geschickt (Zitat: Ich schicke eine doppelte Macht nach Polen: die Armee und Suworow). Mit seinem Eintreffen in Polen nahm der Kościuszko-Aufstand ein schnelles Ende. Eigenmächtig beteiligte er sich an den Kampfhandlungen und siegte am 19. September 1794 bei Brest gegen die Polen unter Karol Sierakowski. Warschaus Vorstadt Praga eroberte er am 4. November 1794, worauf einen Tag später Warschau kapitulierte. Nach der Schlacht bei Praga kam es zum Massaker an der Zivilbevölkerung des Stadtteils. Dabei wurden mehr als zehntausend Einwohner getötet. Wachsmuth spricht von 8.000 getöteten Soldaten und 12.000 Zivilisten.Wilhelm Wachsmuth: Das Zeitalter der Revolution: Geschichte der Fürsten und Völker Europa's seit dem Ausgange der Zeit Friedrichs des Grossen. Band 2. Leipzig: Renger 1847, S. 347.
mini|240px|Das Massaker von Praga. Gemälde von Aleksander Orłowski, ca. 1810, Czartoryski-Museum Krakau
Neben dem langersehnten Rang des Feldmarschalls, den Suworow nunmehr 64-jährig erhielt, bekam er aus dem ehemaligen Besitz des letzten polnischen Königs Stanislaw II. August Poniatowski, der nach drei Jahren in russischer Haft plötzlich verstarb, die Herrschaft Kobrin und 700 dazugehörige Bauern. Er kommandierte nun alle russischen Truppen in Polen.
Ende 1795 kehrte er nach Sankt Petersburg zurück, um nach dem folgenden Jahreswechsel das Kommando über die Neurussländische Armee in Tultschyn (heute Ukraine) zu erhalten. Die Thronbesteigung Zar Pauls I. im Jahr 1796 hatte für die russische Armee unangenehme Konsequenzen. Zar Paul löste, orientiert an Preußen, das Stabswesen auf; außer dem Zaren durfte niemand im Offizierskorps Entscheidungen treffen. Suworows Bonus war bald aufgezehrt, und im Februar 1797 bekam er seine unehrenhafte Entlassung mitgeteilt. Im Jahr darauf wurde ihm sein Aufenthaltsort zugewiesen, und der Zar stellte ihn zusätzlich unter Aufsicht.
Zweiter Koalitionskrieg 1799–1801
mini|links|Suworow überquert die Alpen Historiengemälde von Wassili Iwanowitsch Surikow (1899)