mini|Ehemaliger Sitz der DGE in Bonn, Godesberger Allee 18

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) ist eine laut eigenen Angaben unabhängige wissenschaftliche deutsche Fachgesellschaft in der Rechtsform eines gemeinnützigen eingetragenen Vereins. Sie ist nach ihrer SatzungSatzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. Stand vom 24. September 2025 dem Gemeinwohl und der Wissenschaft verpflichtet und verfolgt vor allem zwei Ziele:

die ernährungswissenschaftliche Forschung ideell zu fördern und deren Erkenntnisse verfügbar zu machen, Ernährungsaufklärung, -beratung und -bildung zu einer gesundheitsförderndenund nachhaltigen Ernährung voranzubringen, deren Qualität zu sichern und dadurch die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern.

Geschichte Die Ernährungswissenschaft wurde während des Nationalsozialismus durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsforschung (DGEF, 1935–1945) vertreten, die als Vorgängerorganisation der DGE anzusehen ist. Die DGEF unterstand dem Reichsgesundheitsamt und sah ihre Aufgabe in der „Stärkung des Volkskörpers“, der „Politikberatung“ und der „Volksaufklärung“. Sie wollte die Gesundheit des Volkes durch Ernährung verbessern. Gleichzeitig sollte sie als gleichgeschaltete Fachgesellschaft politische Strategien des Regimes wissenschaftlich untermauern und bei der Umsetzung unterstützen. Nach Ende des Krieges stellte die DGEF ihre Aktivitäten ein.

1953 wurde die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als gemeinsame Organisation mehrerer Vereinigungen und Vereine gegründet, die sich mit dem Themenbereich Ernährung und Gesundheit beschäftigten. Diese Vereinigungen wurden gleichzeitig kooptierte Mitglieder und deren Vorsitzende automatisch Mitglieder des Vorstands. Die Satzung wurde am 4. November 1953 verabschiedet, die erste offizielle Mitgliederversammlung fand am 4. März 1954 in Mainz statt.

Die Gründer der DGE (unter anderem Heinrich Kraut) verschwiegen die nationalsozialistische Vorgängerorganisation DGEF. Es gab keine Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. In der Satzung von 1953 wird als wichtiges Ziel genannt, die „Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung durch Anleitung zu richtiger und vollwertiger Ernährung zu erhalten und zu steigern.“

Zum ersten Vorstand der DGE gehörten u. a. Hermann Ertel, Erich Grafe, Louis Grote, Wilhelm Heupke, Heinrich Kraut und Franz Wirz. Erster Präsident war Heupke. Er trat aber bereits vor der ersten Mitgliederversammlung zurück und trat auch aus der DGE aus. Sein Nachfolger wurde Grafe, 1956 folgte KrautJörg Martin Melzer: Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus. Stuttgart 2003, S. 291. und von 1958 bis 1964 Joachim Kühnau.

Organisation Die Mitgliederversammlung der DGE ist das oberste Organ der Gesellschaft; sie wählt das „Wissenschaftliche Präsidium“ und den Verwaltungsrat. Das „Wissenschaftliche Präsidium“ erarbeitet vor allem Positionen und stellt fest, in welchen Bereichen der Ernährung Forschungsbedarf besteht. Der Verwaltungsrat überwacht und bestellt die Geschäftsführung, prüft den Jahresabschluss und genehmigt den Arbeitsplan der DGE. In der Öffentlichkeit wird die DGE durch die Geschäftsführung repräsentiert, die die fachlichen Aufgaben der DGE initiiert und koordiniert. Die Geschäftsführung ist außerdem für Finanzen und Haushalt, Personalwesen und organisatorische Belange verantwortlich. Geschäftsführerin ist seit 2018 Kiran Virmani.https://www.dge.de/dge/team/#c1543 Die Oecotrophologin folgte auf Helmut Oberritter.

Die DGE unterhält eine Hauptgeschäftsstelle mit ca. 93 Mitarbeitenden (vielfach Oecotrophologen, Ernährungswissenschaftler etc.) in Bonn. Ihre Fachreferate gliedern sich in die folgenden Bereiche: Wissenschaft, Wissenschaftsredaktion inkl. Sektionskoordination, Fortbildung, Gemeinschaftsverpflegung und Qualitätssicherung und Öffentlichkeitsarbeit sowie das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung. Auch weitere, verschiedene Projekte wie z. B. Start Low (Projekt zur Reduktion von Salz und Zucker sowie zur Optimierung von Fetten in der Kita-Verpflegung) werden von der DGE durchgeführt. Bis 2021 zählten auch die Projekte Diet-Body-Brain (DietBB), auf diet-body-brain.de, aufgerufen am 28. Juli 2017. und Geprüfte IN FORM-Rezepte, sowie 2017 das EU-Projekt JANPA Joint Action on Nutrition and Physical Activity zur DGE.

Die Inneren Dienste in der DGE-Hauptgeschäftsstelle sind für administrative und finanzielle Belange der DGE zuständig.

Auf Länderebene ist die DGE durch rechtlich selbstständige und rechtlich unselbstständige Sektionen vertreten. Zu den rechtlichen selbstständigen gehören Baden-Württemberg und Hessen. Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen sind rechtlich unselbstständig. Sie alle tragen das Fachwissen der DGE in ihre regionalen Netzwerke und informieren zu Ernährungsfragen, beraten und organisieren Fachtagungen und Fortbildungsseminare für Multiplikatoren und initiieren Projekte.

Darüber hinaus arbeitet die DGE eng mit Vernetzungsstellen für Senioren und Schulverpflegung in verschiedenen Bundesländern zusammen und teilweise Trägerin.Ziele und Aufgaben der Vernetzungsstellen Schulverpflegung, auf dge.de

Ziele Diese sind in der Satzung festgelegt:

Zweck Die DGE beabsichtigt, zu fördern, . Sie stellt Forschungsbedarf in ernährungsrelevanten Fragen fest, sammelt Ergebnisse, wertet sie aus und macht sie öffentlich.

Die DGE gibt die deutschen Ernährungsempfehlungen, Leitlinien sowie Stellungnahmen usw. anhand wissenschaftlicher Forschung heraus. Dazu gehört zum Beispiel der DGE-Ernährungsbericht.DGE-Ernährungsberichte, auf dge.de Sie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen, Seminare und Lehrgänge und macht Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die DGE nimmt die Vertretung der deutschen Ernährungswissenschaft in nationalen und internationalen Organisationen sowie die bilaterale Zusammenarbeit mit ernährungswissenschaftlichen Gesellschaften anderer Staaten wahr.

Zudem übernimmt die DGE nach der Satzung Aufgaben der Qualitätssicherung in der Gemeinschaftsverpflegung. Daher hat sie die DGE-Qualitätstandards erstellt. Diese enthalten Kriterien für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung in Gemeinschaftseinrichtungen. Einrichtungen, Betriebe und Caterer können sich extern auf Grundlage der DGE-Qualitätsstandards überprüfen lassen und erhalten bei Erfüllung der Kriterien eine DGE-Zertifizierung.

Auch die Koordination und QualitätssicherungQualitätssicherung, auf dge.de von Inhalten der Ernährungsberatung und -aufklärung ist ihre satzungsgemäße Aufgabe. Deshalb gibt es u. a. Fortbildungen und das Zertifikat Ernährungsberater/DGE.Zertifikatslehrgang Ernährungsberater*in/DGE (EB/DGE)

Medien Ihr Publikationsorgan ist seit 1954 die Ernährungs Umschau.ERNÄHRUNGS UMSCHAU – seit sechs Jahrzehnten kompetente Informationen zu Ernährungsthemen, auf ernaehrungs-umschau.de, abgerufen am 10. Oktober 2023 Diese Fachzeitschrift erscheint monatlich und wendet sich mit aktuellen Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen sowohl an Forscher als auch Ernährungsfachkräfte. Das ebenfalls monatlich erscheinende Journal Annals of Nutrition and MetabolismAnnals of Nutrition and Metabolism, auf dge.de, abgerufen am 10. Oktober 2023 ist das englischsprachige Organ der DGE. Alle DGE-Mitglieder erhalten die Online-Ausgabe kostenfrei.

Die DGE gibt Medien heraus. Diese können zum Teil kostenfrei heruntergeladen werden oder – z. T. kostenpflichtig – im DGE-MedienService bestellt werden.

Der DGE-Ernährungsbericht wird im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat erstellt. Er erscheint seit 1969 im vierjährigen Turnus, auf seiner Website schreibt die DGE: "regelmäßig". Außerdem werden einzelne abgeschlossenen Projekte laufend vorgestellt. Die DGE-Ernährungsberichte schreiben Daten zur Ernährungssituation in Deutschland fort und stellen jeweils aktuelle Forschungsergebnisse vor. Der DGE zufolge, sollen sie als dienen.

DGE-Mitglieder Ordentliche Mitglieder können laut Satzung z. B. Einzelpersonen werden, die auf einem der Fachgebiete der DGE tätig sind oder die Ziele der DGE fördern. Dazu gehören Fachleute, Wissenschaftler, Forschende, Ernährungsberater, aber auch Studierende und Schüler der Diätfachschulen (Ausbildung zur staatlich anerkannten Diätassistentin).Satzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (PDF; 0,1 MB), auf dge.de

Für ihre Mitglieder bietet sie seit Anfang 2026 regelmäßige sogenannte „DGE-Insights“ an. Diese informieren im einstündigen Online-Format über aktuelle Themen der Ernährungswissenschaft. Themen waren bislang Alkohol und Sporternährung.

Sie wird zu etwa 70 Prozent von Bund und Ländern über öffentliche Mittel finanziert. Die restlichen 30 Prozent werden durch eigene Einnahmen, Gebühren für Schriften und Medien, Beratungen und Lehrgänge sowie Mitgliedsbeiträge gedeckt.

Ihren Sitz hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung seit Dezember 2021 in der Godesberger Allee 136 in Bonn, nachdem sie zuvor das Gebäude der ehemaligen Ständigen Vertretung der DDR im Bonner Ortsteil Plittersdorf (Godesberger Allee 18) bezogen hatte.

Zu den Ehrenmitgliedern der DGE gehörte ab 1983 der Chemiker und Ernährungsphysiologe Ernst Kofrányi (1908–1989).Kofrányi, Ernst. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 674.

Ernährungsempfehlungen Die lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen (Englisch food-based dietary guidelines, FBDG) bestehen aus den DGE-Empfehlungen "Gut Essen und Trinken", welche im März 2024 die 10 Regeln der DGE ablösten, und dem DGE-Ernährungskreis. Die Empfehlungen gelten für gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren, die sich mit einer Mischkost, inkl. Fleisch und Fisch, ernähren. Sie zeigen eine Idealsituation auf. Laut DGE sollen bereits kleine Veränderungen in der täglichen Ernährung schon ein Schritt in die richtige Richtung sein – hin zu einer gesundheitsfördernden und umweltschonenderen Ernährung. Die DGE formuliert, dass die neuen Empfehlungen "auf einem neu entwickelten mathematischen Optimierungsmodell, das die DGE mit Unterstützung von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen entwickelt hat" beruhen. Neu an diesem Modell ist, dass es neben der Empfehlung zu einer gesunden Ernährung gleichzeitig auch Aspekte wie Nachhaltigkeit, Umweltbelastung sowie die in Deutschland üblichen Verzehrgewohnheiten berücksichtigt. Die Ergebnisse bestätigen laut DGE eindeutig, dass pflanzliche Lebensmittel in der Ernährung eine noch größere Rolle spielen sollten. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Milchprodukten belaste die Umwelt hingegen stärker und ein hoher Fleischverzehr sei mit einem höheren Risiko für die Entstehung bestimmter Krankheiten verbunden.

DGE-Ernährungskreis Der Ernährungskreis der DGE ist ein 1956 entwickeltes grafisches Schema für die von ihr vertretene vollwertige Ernährung. Dem Beispiel der Lebensmittelpyramide des USDA folgend, wurden in den 1990er Jahren angepasste Empfehlungen veröffentlicht. 2005 wurde aufgrund neuer Erkenntnisse in der Ernährungswissenschaft (z. B. Nurses’ Health Study) eine dreidimensionale Pyramide als Präsentationsform gewählt, um quantitative und qualitative Empfehlungen getrennt voneinander deutlich machen zu können. Zentrum dieser neuesten Empfehlung bildet wieder der Ernährungskreis. Verschiedene Gruppen von Lebensmitteln werden in einem Kreis, jeweils mit ihrem empfohlenen Anteil an der Gesamternährung, symbolhaft durch Vertreter der Lebensmittelgruppen dargestellt. Seit 2003 symbolisiert ein Glas Wasser in der Mitte des Kreises die tägliche empfohlene Menge an Flüssigkeit, die konsumiert werden soll.

Der DGE-Ernährungskreis zeigt den Weg zu einer gesundheitsfördernden und vollwertigen Ernährung.Er unterteilt das Lebensmittelangebot in sieben Gruppen: