mini|Fingerhandschuhe aus Leder für Herren Der Handschuh ist ein Kleidungsstück, das die Hand ganz oder teilweise bedeckt, hauptsächlich zum Schutz der Hand des Trägers vor schädlichen Umwelteinflüssen, seltener zum Schutz der Umwelt vor schädlichen Einflüssen durch die Hand.

Die Hand als wichtigstes Arbeitsgerät und „Werkzeug“ des Menschen soll durch Handschuhe nicht nur vor Kälte, Wärme, Reibung und chemischen Einflüssen geschützt werden, sondern auch oft in ihrer Funktionalität verbessert werden.

Geschichte mini|Mann mit dem Handschuh (Tizian; um 1523) Handschuhe zum Schutz der Hände gegen Kälte gab es schon recht früh. Aus roh zubereiteten Fellen mit Knochenspangen waren sie ein Bekleidungsstück der vorgeschichtlichen Menschen. Bereits die Bibel erwähnt sie im Zusammenhang mit Jakob, als er seinen Bruder Esau um den Segen des Vaters betrog. Die wahrscheinlich erste Nachricht über einen Handschuh findet sich vor etwa 3000 Jahren im vierten Kapitel im Buch Rut.Origin and Antiquity of the Glove. In: William Hull: The history of the glove trade. London 1834. Jedoch waren Handschuhe bei den Juden keine verbreiteten Gebrauchsartikel, sie waren nur Teil des Prunkornats der Könige.

Ägypter, Meder, Perser, Griechen und Römer bedienten sich des Handschuhs. Griechen und Römer kannten bereits Handschuhe mit und ohne Finger.J. R. Sobitschka: Entstehung und Gebrauch des Handschuhes. A. Haase, Prag 1906, S. 11.

Die ursprüngliche Form der Handschuhe war sackartig, erst später kamen Handschuhe mit gesondertem Daumenteil (Fausthandschuhe) und Fingerhandschuhe hinzu. Bereits im alten Ägypten waren Handschuhe in Gebrauch. Die Pharaonen trugen sie als Symbol ihrer herausgehobenen Position. Howard Carter entdeckte 1922 im Grab von Tutanchamun († ca. 1323 v. Chr.) unter anderem 27 Paar Leinenhandschuhe.Bild eines Leinenhandschuhes aus dem Grab des Tutanchamun

Alle drei Handschuhformen kannte man bereits in der Antike. Bei den Römern hießen die Fingerhandschuhe Digitales, ohne Finger hießen sie Chirotocae, Winterhandschuhe nannte man Mufsulae, sie waren aus Leinen oder Seide gefertigt. Gegen die Mode des vornehmen Handschuhs eiferte der Philosoph Gaius Musonius Rufus: „Es ist schändlich, dass vollkommen gesunde Personen ihre Hände und Füße mit weichen, haarigen Bedeckungen bekleiden.“ Sie werden in der Odyssee, von Herodot und Xenophon erwähnt. Marcus Terentius Varro nennt Handschuhe in seinem Werk De re rustica. („Oliven, die mit der unbedeckten Hand gepflückt wurden, sind jenen vorzuziehen, die mit dem Handschuh gepflückt wurden.“) Plinius der Jüngere berichtete über seinen Onkel Plinius den Älteren, dass dessen Sekretär und Stenograph Handschuhe trug. Gladiatoren zogen sich für den Kampf Handschuhe über, um ihre eingeölten Gegner besser festhalten zu können.

Auch in anderen Kulturen trug man zum Essen Handschuhe, da Gabeln noch nicht in Gebrauch waren, sie ermöglichten das angenehmere Anfassen heißer Speisen. So benutzten Frauen im Alten Ägypten eine Art Fausthandschuh, um die Hände beim Essen und bei der Arbeit zu schützen. Auch noch im Mittelalter aß man teilweise mit Handschuhen, oft wurden nur eine Art Fingerlinge aus dünnem, feinem Gewebe über die Finger gezogen.

Handschuhe hatten auch symbolische Bedeutung bei rituellen Handlungen, später auch in der katholischen Kirche; im Mittelalter besonders im Lehnswesen. Der Handschuh des christlichen Herrschers wurde beispielsweise als äußeres Zeichen bei der Verleihung des Marktrechtes verwendet. Im Sachsenspiegel, dem bedeutendsten, um 1220 geschriebenen Rechtsbuch des Mittelalters, war festgelegt: „Kein Ort darf einen Markt errichten, es sei denn, der König sende seinen rechten Handschuh als Zeichen des Rechtsbannes und seines Schutzes.“ Sollte im Mittelalter eine Stadt gegründet werden, schickte der Herrscher ein Paar Handschuhe als Zeichen seines Einverständnisses. Von Kaisern, Königen oder geistlichen Würdenträgern erhaltene Handschuhe waren eine besondere Gunstbezeugung. Andererseits war es ein Akt der Huldigung, wenn das Volk oder die Stände dem Regenten Handschuhe überreichten.

Hingegen war der vor die Füße hingeworfenen Fehdehandschuh eine ausdrückliche Herausforderung zum Duell. Jemandem mit einem Handschuh ins Gesicht zu schlagen war eine große Beleidigung, die ebenfalls gerächt werden musste. Erhielt ein Ritter einen Handschuh von einer Dame überreicht, hatte das eine völlig andere Bedeutung: Es war ein Symbol des Wohlwollens und der Gunst. Der Ritter trug diesen Handschuh dann in einem speziellen Beutelchen um den Hals. Der Handschuh diente auch als Liebespfand zwischen Ritter und Adelsfräulein. Allerdings konnte man die Liebe auch kündigen, indem man ihn zurückwarf, wie Friedrich Schiller es in der Ballade Der Handschuh beschrieben hat.

Die Überreichung eines Handschuhs an einen Ritter (z. B. durch den König) bedeutete, dass er der Vasall der überreichenden Person wurde. Bei den Langobarden wurden der Braut zur Hochzeitszeremonie vom Bräutigam ein Handschuh und ein Schwert als Zeichen der Treue überreicht.

Bischöfe trugen Handschuhe, die mit goldenen Fäden gestrickt waren, während Priester in niederen Rängen nur weiße Handschuhe trugen, die die Reinheit symbolisieren sollten. Anfang des 9. Jahrhunderts setzte die Kirche ihre Autorität unter den Geistlichen bei den Tragevorschriften für Handschuhe durch: Mönchen war es verboten, andere Handschuhe als solche aus Schafleder zu tragen.

Die erste Rechtsurkunde, die einen Handschuh erwähnt, findet sich in Frankreich. Karl der Große gewährte um 790 dem Abt und den Mönchen des Klosters Sithin (jetzt Saint-Omer in Nordfrankreich) das unbeschränkte Jagdrecht, damit sie aus den erlegtem Wild Leder für die Anfertigung von Handschuhen, Gurten und Buchdeckeln haben. Nachdem Äbte und Mönche allgemein solche Handschuhe aus Wildleder trugen, intervenierten die Bischöfe und bestanden auf ihrem exklusiven Privileg für solche Handschuhe. Der Rat von Aachen, unter der Herrschaft von Ludwig dem Frommen, ordnete um 820 an, dass niedere Geistliche keine Wildlederhandschuhe mehr tragen dürfen, sondern nur Handschuhe aus Schaffell.

Im 13. Jahrhundert wurde es Sitte, einer Bittschrift ein Paar Handschuhe beizulegen. Diese wurden vorher mit entsprechenden Geldsummen gefüllt und verliehen der Bitte damit entsprechenden Nachdruck.

Als Artefakte greifbar werden sie erst mit dem Mittelalter, aus dem unter anderem Fehdehandschuhe und metallene Rüstungshandschuhe bekannt sind. Ab dem 8. Jahrhundert war der Handschuh ein Herrschafts- und Rechtssymbol. Um 1000 kamen die ersten Handschuhe für Damen auf; nach anderen Quellen ab dem 12. oder 13. Jahrhundert. Diese waren für gewöhnlich parfümiert, kunstvoll bestickt und oft mit Juwelen und Perlen verziert. Im späten Mittelalter wurde das Kleidungsstück zum Modeartikel der höheren Stände.

Ein roter Handschuh, mit Juwelen verziert, war ein Symbol des Heiligen Römischen Reiches. Richter trugen immer Handschuhe, wenn sie Recht sprachen. Spanische Adlige hatten in Anwesenheit des Papstes oder des Königs nicht das Recht, Handschuhe zu tragen, ebenso nicht in Kirchen, bei Begräbnissen, in Trauerzeiten und bei Zeremonien.

Frühe Handschuhe wurden durch Nadelbindung hergestellt oder aus Leder oder gewebtem Stoff genäht. Die Passform war noch eher schlecht.

Frankreich war die Geburtsstätte der gewerblichen Handschuhfabrikation. Die erste französische Innung für Handschuhmacher entstand 1190; die Hugenotten brachten die Handschuh-Fertigung dann nach Deutschland.

Nach der Eroberung Englands durch die Normannen im 11. Jahrhundert wurden Handschuhe auch dort populär, besonders unter Adligen und Würdenträgern als Statussymbol von Macht und Wohlstand. Im 11. Jahrhundert breitete die Handschuhproduktion in England aus, wo eine der ältesten Handschuhmachergilden entstand. Matthäus Paris berichtete, dass Heinrich II. von England 1189 mit Handschuhen begraben wurde, die er in seiner Hand hielt.

Anfang des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts waren die französischen Meister führend auf dem Handschuhmarkt. Unter dem Einfluss Napoleons öffneten die Franzosen ihre technologischen Geheimnisse für das restliche Europa. Von Grenoble aus verbreitete sich die Handschuhproduktion Ende des 17. Jahrhunderts nach Deutschland, Zentren waren Magdeburg, Halberstadt und Erlangen. Später wurden auch Wien, Prag, Berlin, Chemnitz, Dresden und Altenburg dafür bekannt. In Sachsen wurden große Mengen gestrickter Handschuhe hergestellt. mini|Schwedische Brauthandschuhe aus weißem Leder aus dem 17. Jahrhundert. Noch im 10. und 11. Jahrhundert gehörte das Handschuhmachergewerbe in Österreich zur Kürschner- und Rüstzeuginnung. Erst im 14. Jahrhundert schlossen sich die Handschuhmacher zu einer selbständigen Gilde zusammen.J. R. Sobitschka: Entstehung und Gebrauch des Handschuhes. A. Haase, Prag 1906, S. 48.

Im 13. Jahrhundert kamen gestrickte Handschuhe auf. Aus dem 17. Jahrhundert sind sehr fein gearbeitete und mit Stickerei und Pailletten verzierte Modelle erhalten. Die kostbarsten Stücke stammen aus der irischen Stadt Limerick. Sie wurden aus der Haut ungeborener Schafe genäht („Jungfernpergament“). Lederhandschuhe wurden zum Teil parfümiert, wahrscheinlich, um den Gerbgeruch zu überdecken.

Nach Deutschland und Skandinavien kamen Handschuhe im 13./14. Jahrhundert. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts sieht man sie recht häufig auf Abbildungen, getragen von Männern und Frauen, danach bis um 1800 nur noch selten.

Medizinische Schutzhandschuhe wurden 1758 erstmals beschrieben.Andreas Wittmann: Vom Ziegenlederhandschuh zum Doppelhandschuhindikatorsystem. sifa-sibe.de, 12. November 2018; abgerufen am 7. Februar 2020.

Erst mit der kurzärmeligen Mode von Directoire und Empire gewannen lange, bis zum Oberarm reichende Damenhandschuhe wieder an Bedeutung und blieben bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts für Ballgarderobe quasi verpflichtend. Im 19. Jahrhundert waren die Handschuhe auch für Männer wieder ein modisches Muss. Sie wurden Teil von Berufsuniformen (Kutscher, Chauffeur, Diener, Kellner, Bestatter etc.). Eine Neuerung des 19. Jahrhunderts waren Halbhandschuhe, die die Fingerspitzen unbedeckt ließen.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts war eine Dame ohne Handschuh nicht ordnungsgemäß bekleidet. Der Herr trug ebenfalls stets Handschuhe und Stock. Es war nicht schicklich, die Handschuhe mit Hilfe der Zähne auszuziehen, ebenso gehörte es sich nicht, mit angezogenem Handschuh jemandem die Hand zu geben oder etwas mit der behandschuhten Hand zu greifen. Zum Essen und Kartenspielen wurden die Handschuhe ausgezogen. Damen durften ihre Abendhandschuhe während eines Balls auf keinen Fall ausziehen. Für den Fall, dass die Handschuhe zu Schaden kamen, nahm man ein Paar Ersatzhandschuhe mit. Auch war nicht schicklich, sich die Handschuhe in aller Öffentlichkeit anzuziehen. Die Ringe wurden über den Handschuhen getragen, was das Ausziehen umständlicher machte.

Oft wurden die Handschuhe von den Herren jedoch nur in der Hand gehalten. Im 19. Jahrhundert gab es die Regel, dass ein wahrer Gentleman seine Handschuhe sechsmal am Tag wechselt. Auch die Damen zogen sich mehrmals am Tag frische Handschuhe an.

1807 erfand James Winter aus Stoke-sub-Hamdon in der Grafschaft Somerset eine Vorrichtung, in die die Handschuhe bei der Herstellung eingespannt wurden. Sein gloving donkey revolutionierte die Handschuhproduktion. Die Arbeit ging jetzt schneller und die Nähte wurden gleichmäßiger. Da zu dieser Zeit alle Handschuhe von Hand gearbeitet wurden, war eine gleichmäßige Naht ein wichtiges Qualitätsmerkmal.The annual register for the year 1807. London 1809, S. 854 (books.google.de).