Weinheimer Senioren-Convent 280px|Das Symbol des Weinheimer Senioren Convents ist die Wachenburg in Weinheim an der Bergstraße. Sie wurde in den Jahren 1907–13 eigens als Tagungsstätte durch den WVAC erbaut. Gründung 7. April 1863 in Frankfurt am Main Mitglieder 60 Weinheimer Corps an 24 Hochschulorten (2020) Grundsätze SubsidiaritätCouleurMensur Wahlspruch Jemer bereit stan! Altherrenverband Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten (WVAC) Kartellvertrag mit dem KösenerSenioren-Convents-Verband (KSCV) Verbandsorgan CORPS – Das Magazin(vier Ausgaben pro Jahr) Geschäftsstelle Büro des WVAC Taubenbergweg 9 69469 Weinheim Homepage www.die-corps.de
Der Weinheimer Senioren-Convent (WSC) ist der Dachverband von Corps an Technischen Hochschulen und Universitäten. Derzeit gehören dem WSC 60 Corps an 24 deutschen Hochschulorten an. Die Corps im WSC tragen Couleur und stehen zur Mensur. Der WSC und seine Mitgliedscorps vertreten das Toleranzprinzip. Die Mitgliedschaft ist nicht an eine bestimmte Nationalität, Hautfarbe oder Konfession gebunden. Es werden nur männliche Personen aufgenommen. Rund 1.600 Studenten und rund 8.000 berufstätige Akademiker bezeichnen sich als Weinheimer Corpsstudenten.
Gliederung
Der WSC ist ein Zusammenschluss von einzelnen Corps als direkten Mitgliedern des Dachverbandes. Diese sind auf Hochschulortebene in örtlichen Senioren-Conventen zusammengeschlossen, welche aus wenigstens zwei Corps bestehen müssen. An Hochschulorten mit nur einem Corps hat sich dieses dem SC eines benachbarten Hochschulortes anzuschließen. Corps geographisch naheliegender, benachbarter Hochschulorte wie Freiberg und Dresden können ebenfalls einen gemeinsamen SC bilden. Im WSC existieren folgende Senioren-Convente: SC zu Karlsruhe mit Franconia, Saxonia, Alemannia und Friso-Cheruskia SC zu Hannover mit Saxonia, Slesvico-Holsatia, Hannovera, Hannoverania, Normannia, Baltica-Borussia Danzig zu Bielefeld, Agronomia Hallensis zu Göttingen, Frisia Göttingen, Alemannia-Thuringia zu Magdeburg, Alemannia zu Kiel, Irminsul zu Hamburg, Rhenania zu Hamburg und Cheruscia zu Lüneburg SC zu Stuttgart mit Teutonia, Rhenania, Stauffia, Bavaria und Germania zu Hohenheim SC zu Braunschweig mit Rhenania ZAB, Teutonia-Hercynia, Marchia, Frisia und Corps Berlin zu Berlin SC zu Darmstadt mit Hassia, Rhenania, Franconia, Obotritia, Chattia, Hermunduria Leipzig zu Mannheim und Heidelberg, Rheno-Nicaria zu Mannheim und Heidelberg, Thuringia zu Heidelberg, Franconia Berlin zu Kaiserslautern SC zu Aachen mit Marko-Guestphalia, Delta, Montania, Saxo-Montania, Palaeo-Teutonia, Saxonia-Berlin und Franconia Fribergensis SC zu Clausthal mit Hercynia, Montania und Borussia SC zu München mit Cisaria, Vitruvia, Germania, Normannia-Vandalia, Suevo-Guestphalia, Saxo-Thuringia, Alemannia, Pomerania-Silesia zu Bayreuth (die Weinheimer Corps sind gemeinsam mit den Kösener Corps im Münchner SC) SC zu Köln mit Silingia Breslau und Franco-Guestphalia Sächsischer SC mit Saxo-Borussia zu Freiberg, Teutonia zu Dresden, Altsachsen zu Dresden und Marchia zu Greifswald Mit diesen Strukturen unterscheidet sich der WSC vom Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), der ein Zusammenschluss von örtlichen SC ist. Im KSCV können auch Einzelcorps an einem Hochschulort einen SC bilden. Aufgrund dieser unterschiedlichen Strukturen haben in der Verbandspolitik die örtlichen SC im WSC eine weniger bedeutende Rolle als im KSCV.
Leitung mini|Wappentor der Wachenburg
Der WSC wird durch den jährlich wechselnden Vorort geleitet. In einer festgelegten Reihenfolge wechseln sich die SC des WSC bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe ab. Durch eine Wahl wird dann innerhalb des SC ein Vorort-Corps bestimmt, welches die Leitung des WSC übernimmt und mindestens den 1. Vorortsprecher stellt. Dieser wird durch den 2. und den 3. Vorortsprecher und den Streifenleiter sowie durch die Ausschüsse des WSC wie auch des Altherrenverbandes WVAC (s. u.) unterstützt.
Hauptaufgaben des Vororts sind die Vertretung des WSC nach außen und die Führung des Verbandes im Innenverhältnis. Die Vorortsprecher sind gehalten, während ihres Amtsjahres möglichst alle SC zu besuchen und die Verbandstagung durchzuführen. Auch die Organisation von Fechtseminaren, die Erhebung von Statistiken über den Verband sowie die Bündelung der Hochschulpolitischen Interessen der SC und der Corps des WSC zählen zu den Aufgaben des Vororts.
Die Satzungen des Verbandes und der ihm angehörenden Corps schließen ein Allgemeinpolitisches Mandat aus, so dass weder der Verband, noch die Seniorenconvente und die Einzelcorps zu politischen Fragen des außeruniversitären Bereichs Stellung nehmen. Wie der KSCV betreibt auch der WSC nur eine sehr zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit. Diese beschränkt sich im Wesentlichen auf die Eigendarstellung zum Zwecke der Nachwuchsgewinnung.
Geschichte In der Geschichte vieler Weinheimer Corps spielen Fusionen, Verlegungen und Umbenennungen eine große Rolle.
Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg mini|Antrag des SC zu Freiberg auf Aufnahme in den WSC (1873)
Gegründet wurde der Verband in Frankfurt am Main am 7. April 1863 von zehn Corps an der TH Karlsruhe (Franconia, Bavaria, Saxonia, Alemannia), der TH Hannover (Saxonia, Teutonia), TH Stuttgart (Teutonia, Rhenania) und der ETH Zürich (Rhenania ZAB, Helvetia) als „Allgemeiner Senioren-Convent“ (ASC). Die Bezeichnung Weinheimer A.S.C oder Weinheimer SC kam erstmals 1867 auf. Seit 1875 wird sie ausschließlich verwendet. Seit 1864 ist Weinheim der Tagungsort des Verbandes. Hier findet seitdem jedes Jahr am Himmelfahrtswochenende die Jahrestagung des WSC und seiner Unterorganisationen statt. Unzufriedenheit mit der Organisation und der Wunsch nach einem Verband alleine der Corps auf den Technischen Hochschulen führte 1883 zu einer vorübergehenden Auflösung des WSC. Im darauffolgenden Jahr 1884 wurde der Verband von den Corps an den Hochschulen Stuttgart, Hannover und Braunschweig jedoch wieder erneuert. Der Senioren-Convent zu Freiberg und der SC zu Clausthal wurden erst 1902 und 1905 wieder aufgenommen. Mit dem Beitritt des Polytechnischen SC an der Technischen Hochschule München (1912), des SC zu Breslau (WSC) (1920) und des Danziger Senioren-Convents war dann die Sammlung der Corps an den Technischen Hochschulen im damaligen Reichsgebiet abgeschlossen. Der WSC war zum Interessenvertreter aller Corps an diesen Hochschulen und den Bergakademien geworden.
Weimarer Republik Um in der Frage der Straffreiheit der Mensur auf breiterer Basis agieren zu können, trat der WSC 1920 dem Allgemeinen Deutschen Waffenring (ADW) bei. Dieser sollte die Interessen der schlagenden Verbindungen in geeigneter Weise bündeln. Unter dem nationalen und großdeutschen Eindruck des Ersten Weltkrieges entstand 1921 der Allgemeine Deutsche SC-Verband, ein Zweckverband von KSCV und WSC. Die Geschäftsführung wechselte zwischen Berlin und München. Ein zentrales Thema waren die Ausdehnungsbestrebungen des Rudolstädter Senioren-Convents von den tierärztlichen auf die technischen Hochschulen. Da der Rudolstädter Vertrag vom 7./8. Oktober 1922 daran nichts änderte, wurde er wieder gelöst.
NS-Zeit Im April 1933 unterstellte sich der WSC in einem Potsdamer Bekenntnis dem Führer des deutschen Befreiungskampfes und bekundete seine Entschlossenheit, sich „in den Gleichschritt der deutschen Nation“ einzureihen.Zit. in: Michael Grüttner: Studenten im Dritten Reich. Paderborn 1995, S. 293. Auf der Weinheimtagung 1933 forderten der Aktiven- und der Altherrenverband des WSC die Verbindung mit dem KSCV. Ideengeber war angeblich die Spinnstube, der Alte-Herren-Senioren-Convent Hannover. Unter dem Druck der Gleichschaltung standen die Corps aller Verbände im Abwehrkampf gegen den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Zugleich versuchte der RSC – seit Jahrzehnten im Kampf um „akademische“ Anerkennung – mit aller Macht zu expandieren. Dem WSC waren solche Absichten fremd. Wie im Abkommen von 1921 vereinbart, wollte er sich auf Technische Hochschulen und Bergakademien beschränken.
Von diesen (nationalsozialistischen) Verbandsführern am 25. März 1934 beschlossen, war die Vereinigung ein „Zusammenschluss der Aufsteiger“, nämlich der Corps an den (nichtuniversitären) technischen, veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Hochschulen und Fachhochschulen.H. Scherer Ihre Speerspitze war Hans Heinrich Lammers, Angehöriger des Miltenberger Rings. Die Eingliederung der schließlich 27 Rudolstädter Corps bescherte dem WSC und seinen Senioren-Conventen größte Probleme, die zum Teil erst in den 1950er Jahren gelöst wurden. Das Erscheinen von Rudolstädter Einzelcorps an Universitäten brachte auch Konflikte mit dem KSCV.
Es bestanden reine Weinheimer SC in Karlsruhe, Stuttgart, Braunschweig, Freiberg, Aachen, Danzig und Clausthal SC mit WSC- und RSC-Corps in Dresden, Berlin, München und Breslau Weinheimer SC mit zugeordneten Corps in Hannover, Darmstadt und Berlin Rudolstädter SC in Bonn, Halle und Leipzig (mit jeweils drei Corps).
Schließlich kam das vorläufige Ende für den WSC im Wintersemester 1935/36: auf einer außerordentlichen Tagung des WSC wurde am 20. Oktober 1935 die Auflösung des WSC beschlossen. Viele Corps existierten zwar als Kameradschaften im NSDStB weiter, ein verbindungsstudentisches Leben war jedoch aus damaliger Sicht für die Zukunft unmöglich geworden. Wegen eines Formfehlers bei der Zwangsauflösung erstand der WSC nochmals von 1936 bis 1938; da jedoch die meisten Corps bereits aufgelöst waren oder sich in Auflösung befanden, war das Wirken während dieser „Galgenfrist“ sehr eingeschränkt. 1940 war die Liquidation auch des WVAC abgeschlossen.
Vom Zweiten Weltkrieg bis heute