Schwackenreute ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühlingen im baden-württembergischen Landkreis Konstanz in Deutschland.
Geographie Geographische Lage Schwackenreute liegt im Nordosten des Hegaus, am Übergang zum Linzgau, etwa anderthalb Kilometer östlich der Mühlinger Ortsmitte, auf einer Höhe von bis zu .Top25 Viewer - [Top. Karte 1:25000 Baden-Württemberg (Süd)] Früher, im ausgehenden Mittelalter, wurde diese Landschaft nördlich von Stockach als das „Madach“ bezeichnet.
Im Westen grenzt Schwackenreute an Mühlingen, im Südwesten an den Ortsteil Mühlweiler, im Süden an den Ortsteil Zoznegg, im Osten an die Gemeinde Hohenfels sowie im Nordosten an Sauldorf im Landkreis Sigmaringen.
Gliederung 1874 betrug die Fläche von Schwackenreute 383 Morgen und 234,4 Ruten (= 1,381 Quadratkilometer).Uebersichts-Plan der Gemarkungen Mühlingen, Hecheln und Schwackenreuthe; gezeichnet im Maßstabe von 1/10.000 der natürlichen Grösse. Stich und Druck der Hof-Steindruckerei v. H. Straub, 1874.
Zur ehemaligen Gemeinde Schwackenreute gehören heute das Dorf „Schwackenreute“, der Weiler „Stohrenhof“, die Höfe „Mühle“ und „Neuhäuslerhof“ sowie die Wüstung „Mangenhof“.
Geologie mini|NSG „Schwackenreuter Baggerseen-Rübelisbach“
Im Wesentlichen liegt Schwackenreute im Bereich der Überlinger Gletscherzunge des Rheingletschers; regionalgeologisch bedeutet das: am Nordrand der Äußeren Jungmoräne bzw. des voralpinen Molassebeckens.Matthias Geyer: Landschaft und Geologie um Mühlingen in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, Seiten 12 bis 17.
Gewässer Durch den Ort fließt die nordöstlich, im Bereich der Europäischen Wasserscheide entspringende Stockacher Aach. Sie nimmt in Schwackenreute das von Norden zufließende „Talbächlein“ auf.
Schutzgebiete In Schwackenreute sind neben mehreren Biotopen, das Naturdenkmal „Stohrenbühl“, das FFH-Gebiet „Ablach, Baggerseen und Waltere Moor“ sowie das Naturschutzgebiet „Schwackenreuter Baggerseen-Rübelisbach“ ausgewiesen.Onlinedienst der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW); abgerufen am 23. April 2017.
Geschichte mini|hochkant=1.34|Schwackenreute auf einer Karte aus dem Jahr 1760 (Ausschnitt)Karte von 1760 im Landesarchiv Baden-Württemberg; abgerufen am 27. Mai 2023.
Schwackenreute ist eine Rodungssiedlung des 9./10. Jahrhunderts, 1437 wurde sie erstmals in einer Urkunde erwähnt: die Brüder Albrecht, Kaspar und Ortlof von Heudorf zu Waldsberg verkauften den Ort mit den Höfen Etschtreu und Waldhof an Johann Brotbeck d. J. von Stockach.
Im 15. Jahrhundert kam die Rodungssiedlung an die Grafen von Nellenburg, die sie 1538 an die Stadt Radolfzell verkauften.
Von den zu Schwackenreute zählenden Höfen Mühle, Neuhäuslerhof und Stohrenhöfe waren die letzteren seit 1548 nachweisbare bis 1802/03 Besitzungen des Klosters Salem.
Die Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses führte 1810 zur Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden. 1843 kam der Ort zum Bezirksamt Stockach, das 1939 in Landkreis Stockach umbenannt wurde.Wolfgang Kramer: Die alte Geschichte von Mühlingen und seinen Ortsteilen in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, Seiten 51 bis 92.
Bei der Auflösung des Landkreises Stockach im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform 1973 kam das Dorf zum Landkreis Konstanz.
Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Mühlingen durch Vereinigung der Gemeinden Mühlingen, Mainwangen und Gallmannsweil neu gebildet. Die heutige Gemeinde entstand am 1. Januar 1975 durch Vereinigung dieser Gemeinde mit Schwackenreute und Zoznegg.
Name „Schwaigrüti“ (1437), „Schwaigkruti“Ortsname bei www.leo-bw.de; abgerufen am 10. November 2018 (1486), „Schwaigrüthi“, „Schwagreuthe“, „Schwiggereuthe“ (1760), „Schwakenreuthe“ (1848), „Schwackenreuthe“, Schwackenreute: der Name kommt wohl vom althochdeutschen Wort „swaiga“ für Viehweide.
Einwohnerentwicklung {| width="100%" | width="33%" valign="top" | 1705: ?? in sechs Häusern 1803: 41 in sechs Familien 1840: 63 katholische Einwohner in je acht Familien und Häusern 1852: 73 in 18 Familien in 13 Wohngebäuden, alle katholisch 1871: 124 (62 / 62 ) 1885: 87 in 15 Häusern in 19 Haushaltungen 1890: 124 (64 / 60 ) 1900: 95 (54 / 66 ) 1905: ?? in 15 Häusern | width="33%" valign="top" | 1907: 118 katholische und 5 evangelische Einwohner 1910: 137 (69 / 68 ) 1925: 126 (67 / 59 ) 1933: 111 (56 / 55 ) 1937: 84 Katholiken 1939: 92 (48 / 44 ) 1946: 99, davon 55 Wahlberechtigte 1948: 80 Katholiken und 5 Protestanten 1950: 92 | width="33%" valign="top" | 1951: 119 Katholiken und 5 Protestanten 1956: 121 (64 / 57 ) 1961: 125 (63 / 62 ) 1966: 126 1968: 103 Katholiken und 3 Protestanten 1969: 114 1970: 122 (62 / 60 ) 1977: 108 1996: 86Eine Gemeinde stellt sich vor – Die Imagebroschüre der Gemeinde Mühlingen, Seite 13; Mühlingen, 1996Bevölkerungsentwicklung bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 10. November 2018.Geschlechterverteilung bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 10. November 2018.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Schwackenreuter Bürger lebten früher hauptsächlich von der Landwirtschaft. Erst im 19. Jahrhundert nahm die zuvor unbedeutende Viehwirtschaft zu.
Tabelle: Viehstand Jahr 1803 um 1850 um 1900 1925 Pferde 19 8 23 20 Rinder ? 59 117 141 Ochsen 3 ? ? ? Schweine ? 18 73 113 Ziegen ? - - 9 mini|Gewächshaus der Vermarktungsgenossenschaft Reichenau Gemüse (2023) 1938 betrieben je ein Dachdecker, Gipser, Maler, Maurer und Zimmerer in Schwackenreute ihr Gewerbe. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs mussten einige Geschäfte geschlossen werden, so dass das Angebot an Gewerbe- und Handwerksbetrieben nach Kriegsende noch geringer war, sich aber mit der Währungsreform wieder erholte.Hildegard Bibby: An der Grenze von Bezirk und Land gelegen – Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg 1805–1947 in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, Seiten 92 bis 216.
Ende 2017 wurde nordöstlich von Schwackenreute ein vier Hektar großes Gewächshaus für Biogemüse von der Vermarktungsgenossenschaft Reichenau Gemüse in Betrieb genommen. Hier sollen jährlich voraussichtlich 600 Tonnen Tomaten, etwa 170 Tonnen Paprika und eine Million Gurken exklusiv für Rewe unter dem Label NaturlandSüddeutschland: Modernstes Bio-Gewächshaus eingeweiht In: gabot.de, 27. Dezember 2017, abgerufen am 21. Januar 2018. geerntet werden.Wirtschaft im Südwesten (Zeitschrift der IHK Hochrhein-Bodensee, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Südlicher Oberrhein): Reichenau Gemüse: Zehn Millionen Euro für modernes Biogewächshaus - Die dritte Anlage auf dem Festland, Januar 2018, Seite 41
Post Vor 1900 Privatpersonen mussten vor 1821 ihre Post auf der Stockacher Postanstalt selbst abgeben. Dann entstand durch die Einrichtung einer Amtsbotenanstalt die Möglichkeit, dass Privatpersonen ihre Post einem Amtsboten übergeben konnten. Dieser brachte die Post anfangs zweimal, später dreimal wöchentlich zur Stockacher Postexpedition.In den 1850er Jahren wurde die Amtbotenanstalt aufgrund stetig zunehmendem Schriftverkehr aufgehoben, ihre Dienste der Post übertragen und zum 1. Mai 1859 die Landpostanstalt ins Leben gerufen. Im Amtsbezirk Stockach wurden fünf Botenbezirke eingerichtet. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag machte sich der Bote (Botenbezirk No. I) von Stockach auf die Runde über Mahlspüren, Winterspüren und Zoznegg nach Schwackenreute sowie über Hoppetenzell, Zizenhausen und Hindelwangen zurück nach Stockach. Poststücke, die in die Schwackenreuter Brieflade eingeworfen worden waren, wurden vor der Weiterleitung vom Postboten mit dem Uhrradstempel „10.“ versehen.Dr. Edwin Fecker: Der Landpostbezirk von Stockach im Rundschreiben Nr. 140 der „Arbeitsgemeinschaft Baden“ im Bund Deutscher Philatelisten e. V. (BDPh), Herbst 2004; Seite 1713ff.
Verkehr Schwackenreute ist über die Bundesstraße 313 (Sauldorf–Stockach) in das Fernstraßennetz eingebunden.
Öffentlicher Personennahverkehr Vom Verkehrsverbund Hegau-Bodensee (VHB) wird Schwackenreute mehrmals täglich durch die Linie 7391 angefahren. Es bestehen Verbindungen nach Stockach, Meßkirch, Mühlingen und Sigmaringen. des VHB, abgerufen am 21. April 2017
Eisenbahn Schwackenreute war bis 1971 ein Eisenbahnknoten, an dem die Bahnstrecke Altshausen–Schwackenreute von der Bahnstrecke Radolfzell–Mengen abzweigte. In den 1970er Jahren wurden beide Strecken für den Personenverkehr stillgelegt und später die Schienen Richtung Altshausen demontiert. Bis 2005 erfolgte in Schwackenreute noch die Verladung von Kies auf Güterzüge.
Am 17. Juli 2021 wurde die Strecke feierlich wieder für den Personenverkehr reaktiviert: An Sonn- und Feiertagen fahren nun zwischen Mai und Oktober immer drei Zugpaare im Freizeitverkehr unter dem Namen Biberbahn zwischen Stockach und Mengen. Diese halten allerdings nicht in Schwackenreute.Biberbahn
Im Juni 2025 wurde der Bahnhof Schwackenreute für den Güterverkehr reaktiviert. Seitdem wird dort Holz verladen.
Wanderwege Durch Schwackenreute verläuft neben einigen von der Gemeinde ausgeschilderten Wanderwegen auch der von Engen nach Stockach führende „Hegau-Panorama-Weg“.
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.62|Flurkreuz in der unteren Ortsstraße
Die Kapelle „St. Anna“ mit Datum von 1712 steht am Abzweig zu den Stohrenhöfen, wohl auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus, denn die Heilige Anna wird bereits 1679 als Schutzpatronin genannt. Mehrere Flurkreuze an exponierten Stellen, auf Anhöhen und an Weggabelungen in und um Schwackenreute werden heute von der Denkmalpflege zu den Kleindenkmalen gezählt und stehen zum Teil unter Denkmalschutz.
Literatur
Weblinks
Internetauftritt der Gemeinde Mühlingen Virtuelle Tour durch die Gemeinde Mühlingen und ihre Ortsteile
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Mühlingen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Konstanz) Kategorie:Ersterwähnung 1437 Kategorie:Gemeindeauflösung 1975 Kategorie:Ort im Landkreis Konstanz Kategorie:Ort im Hegau