mini|Beidseitig konisches Projektil, Treibladung, Flaschenhalshülse und Zündhütchen Eine Patrone (von für „Form, Muster, Modell“) fasst die zum Abfeuern eines Geschosses (Projektil oder Granate) aus einer Feuerwaffe notwendigen Komponenten in einer Einheit zusammen. Die Einheitspatrone besteht in der Regel aus Hülse, Anzündhütchen, Treibladung und Geschoss. Historische Patronen stellen diese Einheit nicht her. Die Treibladung ist schlagunempfindlich und muss durch eine Zündflamme entzündet werden. Das übernimmt das Anzündhütchen, das eine Zündmasse enthält, die sich beim Aufschlagen des Schlagbolzens der Waffe auf das Zündhütchen entzündet.

Patronen zählen zur Munition und werden heute für Kaliber von 4,3 mm (.170) bis zu 130 mm bei AK-130 verwendet. Besondere Bauformen, beispielsweise Schrotpatronen, enthalten mehrere Geschosse (Schrote), deren Größe und Zahl je nach Verwendungszweck variiert. Spezielle Patronen können anstelle des Geschosses oder zusätzlich zum Geschoss auch Treib-, Leucht- oder Knallsätze oder Reizstoffladungen enthalten.

Etymologie Die Patrone geht wie lateinisch patria („Vaterland“) auf lateinisch pater („Vater“) zurück. Ursprünglich bedeutete Patrone „Musterform“ und wurde samt dieser Bedeutung aus dem Französischen entlehnt. Das französische patron geht zurück auf lateinisch patronus „(väterlicher) Schutzherr, Schirmherr“, welches auch Ausgangspunkt für das deutsche Wort Patron ist. Der Bedeutungsübertragung auf die Musterform liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Familienvater Vorbild und Musterbild für Gestalt und Charakter des Sohnes ist.Der Newsletter der Duden-Sprachberatung vom 6. Mai 2024. Im Mittellateinischen erhielt patronus die Bedeutung „Musterform“, wurde in Bezug auf die „Geschosshülse“ eingeengt auf die Bedeutung „Pulvermaß“, womit die Patrone eine „Papierhülse mit einer bestimmten Menge Pulver“ war, die der Schütze in den Lauf schüttete, nachdem er die Hülse aufgebissen hatte.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 535.

Geschichte Einleitung Die Forderung nach einer immer höheren Kadenz (Schussfolge) bei Feuerwaffen machte eine Entwicklung notwendig, die letztlich zu einer Ablösung des Ladens der einzelnen Komponenten (Treibladung, Schusspflaster und Projektil plus Anzündmittel) durch das Laden der Kammer mittels Patronen führte. Erst dadurch wurde auch die Entwicklung von praxistauglichen Hinterladern und damit von halb- und vollautomatischen Waffen möglich.

Papierpatrone mini|Gießzange, Gussform und Papierpatronen für Vorderlader, spätes 18. Jahrhundert Hatten die Musketiere im 16. und 17. Jahrhundert noch Holzröhrchen mit abgemessenen Pulverladungen an ihrem Bandelier hängen, um den Ladevorgang zu beschleunigen, war die Papierpatrone der erste Schritt dazu, Pulverladung und Projektil zu vereinigen. Die Papierpatrone kam seit dem Ende des 17. Jahrhunderts zum Einsatz. Hierbei enthielt eine längliche verklebte Papierhülse das Schießpulver und die Bleikugel. Diese erste Generation der Papierpatrone diente nur der Bereitstellung einer abgemessenen Pulvermenge und des Projektils und wurde bei Vorderladern verwendet.

Zum Laden der Waffe biss der Schütze die Papierhülse hinten auf, wobei die Waffe mit der zweiten Hand gehalten werden musste, gab etwas Pulver auf die Zündpfanne und leerte den Rest in den Lauf der Muskete. Um nicht aus dem Zündloch auszutreten, musste das Pulver eine ausreichend grobe Körnung aufweisen. Das Papier samt Projektil wurde anschließend nachgeschoben. Das Papier glich als Dichtmaterial die großen Fertigungstoleranzen der gegossenen Kugel im Lauf aus. Gezündet wurde die Ladung mittels Steinschloss und dem Pulver in der Pulverpfanne, ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch ein Zündhütchen. Die Vorteile dieser frühen Patrone lagen in der Möglichkeit der Massenfertigung, der besseren Transportierbarkeit der Munition und der gleichmäßigeren Ladung der Waffen. Aus einer preußischen Dienstanweisung stammt das Zitat: „… beißen soll der Kerl bis er das Pulver schmeke.“

mini|Chassepot-Papierpatrone für frühe Hinterladergewehre (Zündnadelgewehre), um 1866 mini|Papierpatronen Kaliber .44 und .36 für Perkussionsrevolver

Für spätere Gewehrmodelle, insbesondere Hinterladergewehre, wurde die Papierpatrone weiterentwickelt. So wurden zum Beispiel bei den Sharps-Hinterladern Papierpatronen verwendet, welche das Projektil, den Dämmstoff (meist Filz) und die Pulverladung enthielten. Die Patrone war einige Millimeter länger als die Ladekammer. Wurde der Blockverschluss geschlossen, wurde das hintere Ende der Patrone abgeschnitten und platzierte das Zündloch direkt vor der Treibladung. Der Schütze musste nur noch das Zündhütchen auf den Piston des Perkussionsschlosses aufsetzen und konnte sofort feuern. Um zu verhindern, dass Papierreste im Lauf und im Patronenlager verblieben, konnte nitriertes Papier als Hülsenmaterial verwendet werden, das fast rückstandsfrei verbrannte.

Mit der Weiterentwicklung der Waffen wurde auch die Papierpatrone weiterentwickelt. Für die aufkommenden Modelle wurden weitere Arten von Patronen entwickelt. Beispiele dafür sind die Konstruktionen von Dreyse und Chassepot (Zündnadelgewehrpatronen), Sharps und Gallager, aber auch Westley Richards Monkey-Tail-Gewehr und das bayerische Podewils-Gewehr.

Auch die ersten Revolver von Colt oder Remington wurden mit Papierpatronen geladen, in denen sich das Geschoss und die Treibladung befanden. Lediglich das Zündhütchen musste noch auf das Piston aufgesteckt werden.

An den Papierpatronen rühmten die Zeitgenossen die Einfachheit und die billige Herstellung. Bald wurde es aber notwendig, durch die Patrone und deren Liderung (druckbedingte Anpassung) ans Patronenlager Gasdichtigkeit zu erreichen, was bei Papierpatronen nicht möglich war (Zündnadelpatrone).

mini|Lefaucheux-Revolver zur Ver­wendung mit der abge­bildeten Lefaucheux-Stift­zünderpatrone mini|Entwicklung der US-Hand­feuer­waffen-Munition 1860 bis 1875

Metallpatrone Als einer der Zwischenschritte der Entwicklung zur modernen Patrone mit Metallhülse kann die um 1830 von Casimir Lefaucheux entwickelte Lefaucheux-Stiftzünderpatrone betrachtet werden, die gegen 1846 verschiedene Patente erhielt. Die Besonderheit der Patrone besteht in einem seitlich aus der Kupferhülse herausgeführten Stahlstift, der den Schlagimpuls des Hahns auf die Innenseite des in der Patrone befindlichen Zündhütchens überträgt.

Ein wichtiger Schritt zur Entwicklung der modernen Patronenmunition war die Erfindung des französischen Büchsenmachers Louis Nicolas Auguste Flobert, der bereits 1846 eine Patrone in der heute gebräuchlichen Form patentieren ließ. Als Zünd- und Treibmittel diente das in den inneren Rand der Hülse eingearbeitete Knallquecksilber. Im Unterschied zur modernen Munition enthielt die Flobertpatrone neben dem Zündsatz keine Pulverladung als Treibmittel.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts schritt die Entwicklung moderner Patronen, so wie sie bis heute verwendet werden, schnell voran, die dann letztlich auch die Waffenentwicklung stark beeinflusste.

Ein Zwischenschritt zur modernen Metallpatrone war die gewickelte Hülse aus dünner Metallfolie, wie sie z. B. bei der .577 Snider verwendet wurde. Beim Abschuss wickelte sich die Folie etwas ab und schloss zur Patronenkammer gasdicht ab. Nachdem der Gasdruck nachgelassen hatte, wickelte sich die Folie wieder leicht auf und die Patrone konnte einfach aus der Patronenkammer herausgezogen werden.William Thomas Brande (Hrsg.): A dictionary of science, literature and art, Band 3, Verlag Longmans, Green & Company, 1867, S. 480–481 .

Sonderform – hülsenlose Patrone

Zur hülsenlosen Munition gehören Patronen ohne Hülse oder mit sich selbst aufbrauchender (vollständig verbrennender) Hülse sowie Raketengeschosse. Als erste hülsenlose Patrone kann die 1848 von Walter Hunt patentierte, im amerikanischen Hunt-Repetiergewehr verwendete Rocket Ball bezeichnet werden. Bei dieser war die Treibladung in der hinteren Höhlung des Geschosses untergebracht. Horace Smith und Daniel Wesson verbesserten sie, indem sie zusätzlich zum Treibmittel auch die Zündpille in die Höhlung des Geschosses einsetzten. Ab 1855 wurde sie in den Volcanic-Unterhebelrepetierern verwendet, infolge fehlender Liderung (schlechter Gasabdichtung) verschwand sie rasch wieder.

Verbrennbare Hülse Manche Panzerkanonen verwenden Munition mit verbrennbaren Hülsen. Konventionelle Metallhülsen stellen nach dem Abschuss ein Problem dar. Die großen Hülsen werden ausgeworfen, können unkontrolliert zu Boden rollen und sind anfangs zu heiß um angefasst zu werden. Außerdem verströmen sie Verbrennungsreste der Treibladung im Kampfraum. Erst in einer Kampfpause können sie über die Einstiegsluken entsorgt werden. Bei einer verbrennbaren Hülse verbrennt hingegen ein Großteil der Hülse beim Abschuss. Zurück bleibt ein Hülsenstummel aus Hülsenboden und einem niedrigen Rand. Die aus nitriertem Karton bestehenden Hülsen sind außerdem leichter als aus Metall. Nachteilig ist jedoch die Gefahr einer vorzeitigen Entzündung bei unsachgemäßem Nachladevorgang. Brennende Rückstände und heiße Gase im Rohr können dieses auslösen.Michael Green: M1 Abrams at War. Verlag Zenith Imprint, ISBN 9781610607315, S. 62–64 (online).

Aufbau mini|Gewehrpatrone 8 × 57 mm I mit Berdanzündung (aus Meyers Konversations-Lexikon, 1892) In der am weitesten verbreiteten Bauform der Patrone enthält die Patronenhülse die Treibladung, das Projektil (Geschoss) und die Anzündladung (siehe Abbildung): Projektil (Geschoss), in der Jägersprache immer noch als Kugel bezeichnet Patronenhülse, die alle Teile zusammenhält Treibmittel, zum Beispiel Schießpulver oder Kordit Auszieherrille, die hinten an der Patronenhülse (z. B. bei Pistolenmunition und Munition automatischer Waffen) zum Ausziehen der abgeschossenen Hülse oder beim Entladen zum Ausziehen der Patrone benötigt wird, bei anderen Waffen wird ggf. ein Rand am unteren Ende der Hülse verwendet Anzündhütchen, zur Zündung des Treibmittels

Besondere Bauformen: Mikrokaliberpatrone Mehrfachgeschosspatrone Duplexpatrone Triplexpatrone Quetschkaliberpatrone Pfeilpatrone Kapselpatrone Hülsenlose Munition Platzpatrone Gaspatrone

Patronenkomponenten mini|Hülsen moderner Patronen am Beispiel .223 Remington Patronenhülse Moderne Patronenhülsen bestehen zumeist aus Messing. Hülsen für den militärischen Einsatz werden oft auch aus Stahl gefertigt und korrosionsschutzbehandelt. Sie sind leichter als Patronenhülsen aus Messing und billiger herzustellen. Auch Aluminium wird verwendet. Die Hülsen werden durch Fließpressen in mehreren Arbeitsgängen aus einem Metallstück geformt. Der Hülsenboden ist in der Regel härter als der Hülsenhals; dies wird durch Härten bzw. Weichglühen erreicht. Eine neue Entwicklung ist die hülsenlose Patrone, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte.

Patronenhülsen aus Messing werden nach ihrer Verwendung auf Schießständen zu einem hohen Grad wiederverwertet, entweder durch Wiederladen oder als Material zur industriellen Neufertigung. Die Messinghülsen sind als Wertstoff besonders beliebt, da es bei der Verwendung und bei der Sammlung kaum zu nennenswerten metallurgischen Verunreinigungen kommt.

Patronenarten Man unterscheidet Patronenhülsen nach der verwendeten Zündart: Zentralfeuerpatronen Randfeuerpatronen (auch Flobertmunition) Zündnadelpatronen (historisch) der Form: randlose und Randpatronen Flaschenhalshülse Gürtelhülse sowie des Materials: Metall (siehe oben) Kunststoff, der hauptsächlich bei Knall-/Manöverpatronen (ohne Projektil) verwendet wird. Der Hülsenboden mit dem Anzündhütchen besteht meistens aus Metall Pappe/Papier, für Flintenmunition, in Verbindung mit einem Becher aus Messing oder Kunststoff, der das Anzündhütchen und die Treibladung aufnimmt