mini|Simulierte Pflegesituation, 2012 Die Gesundheits- und Krankenpflege als Berufsfeld umfasst die Versorgung und Betreuung von Menschen aller Altersgruppen, insbesondere Kranker, Behinderter und Sterbender. Die Kinderkrankenpflege hat ihren Schwerpunkt in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen. In beiden Fachrichtungen gehört die Verhütung von Krankheiten und Gesunderhaltung zum Aufgabengebiet der professionellen Pflege.
Krankenpflege hat zum Ziel, als mitmenschliches Handeln sowohl eine möglichst selbstbestimmte Lebensgestaltung des Kranken wiederherzustellen als auch innerhalb einer Gesellschaft die Gesundheit aller Mitglieder zu erhalten.Josef N. Neumann: Krankenpflege. 2005, S. 791.
Während früher vor allem von Krankenpflege die Rede war, wird heute auch der Begriff Gesundheits- und Krankenpflege verwendet. Dieser Wertepriorität entsprechen die Berufsbezeichnungen Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Krankenpflegehelferin bzw. Gesundheits- und Krankenpflegehelfer in Deutschland und Österreich, wobei sich darüber hinaus noch andere, ähnliche Berufe diesem Tätigkeitsfeld zuordnen lassen.
Definition des internationalen Pflegeverbandes Der International Council of Nurses (ICN) definiert Pflege wie folgt (hier in deutscher Übersetzung):Übersetzung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) (PDF; 42 kB) www.icn.ch
Geschichte der Krankenpflege
Die Pflegegeschichte ist untrennbar mit Entwicklungen in anderen Fachbereichen wie solchen der Medizin, der Sozialwissenschaft und der Theologie verbunden und ist über weite Strecken ihrer Entwicklung Teil deren Geschichte, insbesondere der Geschichte der Medizin.
Entwicklung bis zum Mittelalter Die Rolle, die Funktion, das Selbstverständnis und das Bild der Pflege haben sich im Wandel der Zeit stark verändert. Die zunächst als Überlebensstrategie zur Existenzsicherung innerhalb des Familien- oder Stammesverbandes geleistete zwischenmenschliche HilfeJosef N. Neumann (2005), S. 790 f. wandelte sich in eine strukturierte und teilweise organisierte gesellschaftliche Aufgabe ärztlicher Assistenz in den archaischen Hochkulturen und der Antike, während die grundständige Pflege überwiegend von der Familie erbracht wurde.
Mit dem Christentum setzte eine Neuorientierung ein, welche die Pflege bis in die Neuzeit prägte: das Ideal der tätigen Nächstenliebe, der Karitas. Diese Grundlage pflegerischen Handelns entwickelte sich im antiken Rom und verbreitete sich mit dem Christentum über ganz Europa. Im MittelalterVgl. etwa Conrad Brunner: Über Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in Schweizerischen Landen. Orell Füssli, Zürich 1922 (= Veröffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 1), passim. bildete die Karitas die Grundlage für zahlreiche Ordensgründungen, unter anderen auch die Beginen und die Orden der Barmherzigen Brüder, die sich der Kranken- und Armenpflege verschrieben.
18. und 19. Jahrhundert Mit Beginn des 18. Jahrhunderts werden Forderungen nach einer Professionalisierung der Krankenpflege laut, erste von Ärzten initiierte Krankenpflegeschulen entstehen. Im 19. Jahrhundert bemüht sich Theodor Fliedner mit der Einrichtung der Diakonissenanstalt Kaiserswerth um eine Verbesserung der Ausbildung religiös motivierter Pflegekräfte. Florence Nightingale veröffentlicht die erste pflegetheoretische Schrift Notes on Nursing und reformiert mit dem Nightingaleschen System die konfessionell unabhängige Pflegeausbildung.
20. Jahrhundert mini|Eine japanische Krankenschwester im Manzanar War Relocation Center, Kalifornien, USA (1943) Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstehen eine Reihe von Pflegeverbänden und Berufsorganisationen, darunter das International Council of Nurses und der Agnes-Karll-Verband. Erste pflegewissenschaftliche Studiengänge werden 1910 in den Vereinigten Staaten eingeführt, die Pflegeforschung beginnt sich kurz darauf zu etablieren. Die beiden Weltkriege unterbrechen die Entwicklung der Pflege in Deutschland und Österreich, die Krankenpflege im Nationalsozialismus stellt dabei eines der dunkelsten Kapitel der Pflegegeschichte dar.
Nach 1950 findet in den angloamerikanischen Ländern eine rasante pflegetheoretische Weiterentwicklung statt, die wegweisenden konzeptionellen Pflegemodelle entstehen und die Pflege emanzipiert sich als eigenständiger akademischer Beruf. Zur gleichen Zeit finden in Deutschland und Österreich Bemühungen statt, die Pflegeausbildung dem internationalen Stand anzugleichen, die dreijährige Berufsausbildung wird eingeführt und es entwickeln sich eine Reihe von Fachweiterbildungen.
„Seitdem in den 1990er Jahren in Deutschland Pflegestudiengänge eingeführt wurden, professionalisiert sich die Pflege; man bemüht sich darum, ein gemeinsames Pflegeverständnis und ein gemeinsames Profil professioneller Pflege zu entwickeln und zu etablieren. Dass eigenständige Wissensbestände durch Pflegeforschung und Expertenstandards entwickelt werden, ist ein Zeichen der Emanzipation, aber auch der eigenständigen Profilierung der Pflege.“Sechster Altenbericht an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin, Juni 2010, S. 190.
Museen zur Geschichte der Krankenpflege Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth mit seiner traditionsreichen Diakonissenanstalt gibt es in 15 Räumen des ehemaligen Schwesternkrankenhauses Tabea ein Pflegemuseum mit einer umfangreichen Sammlung zur Geschichte der Diakonie und der Krankenpflege.Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Der weite Weg zur professionellen Pflege. (Das Pflegemuseum in Düsseldorf-Kaiserswerth) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 1: Norddeutschland. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2015, S. 129–131. Auch die Krankenhausmuseen in Bielefeld, Bremen, München und Nürnberg beachten dieses Thema.
Pflegeforschung Nachdem die Pflege im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend professionalisiert und akademisch verankert worden war, entstand insbesondere gegen Ende des 20. Jahrhunderts das Bedürfnis, die Entwicklung des Berufsbildes und die Veränderung der Rolle von Pflegekräften in der Gesellschaft zu verstehen. Pflegeforschung wird überwiegend von Laien, interessierten Pflegekräften und Wissenschaftlern betrieben, die nicht über eine geschichtswissenschaftliche Ausbildung verfügen. Weltweit führend ist die angloamerikanische Pflegeforschung, die mit anderen Fachbereichen zusammenarbeitet. In Europa haben vergleichbare Forschungsprojekte begonnen. Medizingeschichte und die Geschichte der Alten- und Krankenpflege sind heute Teil der Ausbildung von Pflegefachkräften aller Bereiche und werden dort im Rahmen der Berufskunde unterrichtet.
Aus-, Fort- und Weiterbildung Ausbildungsgänge in Deutschland Die berufliche Krankenpflege wird in Deutschland nach folgenden Qualifikationsebenen unterschieden: Schwesternhelferin/Pflegediensthelfer, für die kein besonderer Bildungsgang vorgeschrieben istSchwestern-/Pflegediensthelfer/in – Berufliche Einsatzmöglichkeit Arbeitsagentur.de; abgerufen am 17. März 2024. ein- bis zweijährige Ausbildung in der Pflegeassistenz; Berufsbezeichnung und Dauer abhängig vom jeweiligen Bundesland dreijährige berufsschulische Ausbildung im Gesundheitsfachberuf Pflegefachfrau in der Gesundheits- und Krankenpflege oder mit Schwerpunkt Altenpflege bzw. Kinderkrankenpflege (bis 2003 auch Krankenpfleger und Krankenschwester, von 2004 bis 2019 Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger) Duales Studium Pflege bzw. berufsbegleitendes bachelorqualifizierendes Studium
Die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege unterteilt sich zum einen in theoretischen und praktischen Unterricht und zum anderen in die praktische Ausbildung. In Deutschland findet der Unterricht in der Regel an Krankenpflegeschulen oder Berufsfachschulen statt, während die praktische Ausbildung in Teilen in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder ambulanten Pflegediensten absolviert wird. Dort hat nach der jeweiligen Ausbildungsordnung eine Praxisanleitung stattzufinden. Diese Ausbildungsstruktur ist der dualen Ausbildung von Handwerkern recht ähnlich, stellt jedoch einen eigenen Zweig innerhalb der Berufsbildung dar.
Die berufliche Grundausbildung ist in ihrer Funktion der Lehre oder dem Studium in anderen Berufen vergleichbar, Fort- und Weiterbildung bauen darauf auf.
Die Pflegeberuf hat traditionell einen hohen Frauenanteil. Im Jahr 2020 waren 24 % derjenigen, die einen Ausbildungsvertrag zum Pflegefachmann/-frau abschlossen männlich. Die Quote betrug im Jahr 2023 27 %.
Ausbildungen in Österreich
Die Ausbildung im gehobenen Dienst zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson (DGKP) war seit dem Jahr 1997 einheitlich geregelt und dauerte drei Jahre; für die Pflegehilfe ein Jahr. Bis zum Jahr 2016 wurde im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern keine Reifeprüfung (Matura(A)/Abitur(D)) für die Ausbildung zur DGKP vorausgesetzt. Mit der Gesetzesnovelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) des Jahres 2016 wurden die Berufe in der Gesundheits- und Krankenpflege neu geregelt; es werden nun drei Berufsgruppen unterschieden: Aus den Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) wird der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege, daneben gibt es die Berufe in der Pflegefachassistenz (PFA) und Pflegeassistenz (PA). Die Ausbildung für die DGKP erfolgte bisher in Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege, seit 2024 ausschließlich an Fachhochschulen. Die Ausbildung zur PFA erfolgt in Krankenpflegeschulen bzw. wird auch als integriertes Modell in höheren Schulen geplant. Die Ausbildung zur PA erfolgt in Schulen für Sozialbetreuungsberufe, in Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege und in Institutionen der Gesundheits- und Krankenpflege.
Zu allen Ausbildungsvarianten gehört eine praktische und theoretische Ausbildung, die einander immer wieder abwechseln. Das hat den Vorteil, schneller theoretisches Wissen in der Praxis umsetzen sowie praktische Erfahrungen in den Unterricht einbringen zu können. Insbesondere in der Ausbildung für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege wird darauf geachtet, ein breites Wissen aus medizinischen Grund- und Fachkenntnissen mit pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden.
Nach abgeschlossener Ausbildung sind für Angehörige des gehobenen Dienstes Spezialisierungen wie z. B. Intensiv-, Anästhesie oder OP-Pflege, Pflege bei Nierenersatztherapie, Führungs- und Management sowie Lehraufgaben etc. für die gewählten Spezialbereiche in der Praxis möglich. Diese erfolgen anhand von akademischen Weiterbildungen an Fachhochschulen und Universitäten. In Österreich sind Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege dazu verpflichtet, ihre Kenntnisse auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu halten und sich mit den aktuellen Erkenntnissen vertraut zu machen. Um dies in der Praxis kontrollieren zu können, muss jeder Gesundheits- und Krankenpfleger einen Aus- und Fortbildungsnachweis führen und im Laufe von fünf Jahren mindestens 60 Ausbildungsstunden nachweisen. PFA und PA sind zu 40 Fortbildungsstunden innerhalb 5 Jahren verpflichtet. Kommt eine Gesundheits- und Krankenpflegerin dieser Pflicht nicht nach, so kann ihr vorübergehend die Führung der Berufsbezeichnung untersagt oder diese entzogen werden. Seit dem Jahr 2017 gilt die Registrierungspflicht für alle Beschäftigten in Gesundheitsberufen, so auch für Gesundheits- und Krankenpfleger. Damit soll transparent werden, wie viel Menschen welche Qualifikationen in welchen Bereichen der Gesundheitsberufe besitzen.Gesetzesnorm
Akademische Wege in der Pflege