mini|Stadtlogo (seit 2013)
Limburg an der Lahn (amtlich Limburg a. d. Lahn) ist die Kreisstadt des mittelhessischen Landkreises Limburg-Weilburg und mit Einwohnern () zugleich dessen bevölkerungsreichste Stadt.
Die Stadt Limburg erfüllt nach hessischer Landesplanung die Funktion eines Mittelzentrums mit oberzentraler Teilfunktion und bildet zusammen mit der angrenzenden rheinland-pfälzischen Stadt Diez ein länderübergreifendes Doppelzentrum mit rund 47.000 Einwohnern. Limburg hat aufgrund seiner Lage eine Zentrumsfunktion für den dünn besiedelten westlichen Teil Hessens sowie für Teile des Westerwaldkreises und des Rhein-Lahn-Kreises im Land Rheinland-Pfalz.
Überregional bekannt ist die Stadt hauptsächlich durch das gleichnamige Bistum mit seiner Kathedralkirche, dem spätromanischen Dom St. Georg, und den Bahnhof Limburg Süd an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutend, ist die in einer aufwändigen Altstadtsanierung erneuerte, gut erhaltene mittelalterliche Altstadt Limburgs.
Geographie mini|Blick über die Kernstadt von Osten
Lage Limburg liegt unmittelbar an der Westgrenze Hessens zwischen Taunus und Westerwald zu beiden Seiten des Flusses Lahn.
Die Stadt liegt relativ zentral im Limburger Becken innerhalb des Rheinischen Schiefergebirges, das von den Mittelgebirgshöhen des Taunus und des Westerwalds umgeben ist. Dank seines fruchtbaren Bodens und seines günstigen Klimas bildet das Limburger Becken eine der ertragreichsten Agrarlandschaften Hessens und hat darüber hinaus als Lahnübergang seit dem Mittelalter eine hohe verkehrsgeographische Bedeutung. Innerhalb des Beckens weist das sonst recht enge Tal der unteren Lahn einige deutliche Weitungen auf, sodass die mittlere Höhenlage Limburgs lediglich 117 Meter beträgt.
Entscheidende Faktoren für die Herausbildung von Herrschaftssitz und Stadt an diesem Standort waren zum einen der besonders günstige Lahnübergang im Verlauf von Handelsstraßen zwischen dem Rheinland und dem Rhein-Main-Raum und zum anderen der exponierte Kalkfelsen, der sich nach Nordosten steil über dem Lahntal erhebt und nach Süden bzw. Südwesten sanft abdacht.Ursula Braasch-Schwersmann, Holger Th. Gräf und Ulrich Ritzerfeld: Limburg an der Lahn. Textheft. In: Ursula Braasch-Schwersmann (Hrsg.): Hessischer Städteatlas. Lieferung I.6. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Marburg 2005, S. 26 bzw. S. 3
Ein Teilstück des Stadtteils Staffel liegt als Exklave westlich außerhalb des Stadtgebiets. Zwischen der Exklave und der Hauptgemarkung Limburgs liegen die hessische Gemeinde Elz und die rheinland-pfälzische Ortsgemeinde Gückingen. mini|Ansichtskarte von 1899 mini|Limburg an der Grenze der moselfränkischen Mundarten Limburg liegt an der dat-das-Linie, auf der Seite der südmoselfränkischen Mundarten, unmittelbar an der Grenze zum rheinfränkischen Hessisch.
Nachbargemeinden Der Siedlungsbereich der Stadt Limburg reicht über die Stadtgrenze hinaus. Die Stadt Diez im benachbarten Rheinland-Pfalz schließt sich nahtlos an Limburg an.
Umliegende Städte und Gemeinden sind die Gemeinde Elz und die Stadt Hadamar im Norden, die Gemeinde Beselich im Nordosten, die Stadt Runkel im Osten, die Gemeinden Villmar und Brechen im Südosten, die Gemeinde Hünfelden im Süden (alle im Landkreis Limburg-Weilburg), die Gemeinde Holzheim im Südwesten sowie im Westen die Stadt Diez und die Gemeinden Aull und Gückingen (alle im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz).
Die nächsten größeren, zwischen 40 und 60 Kilometern entfernten Städte sind Siegen im Norden, Wetzlar und Gießen im Nordosten, Frankfurt am Main im Südosten, Wiesbaden im Süden und Koblenz im Westen.
Geologie Die Verhältnisse im Gesteinsuntergrund sind komplex. Als Teil des Limburger Beckens, das im Neogen an Bruchlinien gegenüber seiner Umgebung abgesenkt wurde, sind im Stadtgebiet von Limburg verschiedene bei der variskischen Gebirgsbildung entstandene Schuppen und Decken des Rheinischen Schiefergebirges erhalten, die in westsüdwestlich-ostnordöstlicher Richtung verlaufenWitigo Stengel-Rutkowski: Die Geologie der näheren Umgebung der Stadt Limburg a.d. Lahn (Exkursion A am 5. April 1988). In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins, N.F., 70, 1988, S. 19–27.. Von besonderer Bedeutung – auch hinsichtlich der Formung der Erdoberfläche – ist dabei das mächtige Gesteinspaket aus Riffkalk (aus dem oberen Mitteldevon), das den Domberg aufbaut, den Untergrund für den größten Teil der Limburger Altstadt bildet und sich über die Lahninseln auf der anderen Flussseite fortsetzt.HLNUG: Geologie Viewer Hessen, https://geologie.hessen.de/mapapps/resources/apps/geologie/index.html?lang=de Weitere paläozoische Gesteinsformationen sind der oberdevonische Schalstein und verschiedene Schieferlagen, die nach Südosten auf den Riffkalk folgen. Diese paläozoischen Formationen werden vielfach von Sedimenten des Neogen überlagert (Tone, Tonsande) sowie von eiszeitlichen Ablagerungen, insbesondere von mächtigem Löss.
Im Miozän reichten darüber hinaus auch die Ausläufer des Basaltvulkanismus des Westerwalds bis nach Limburg; so bilden der Schafberg im Westen der Stadt und der Stephanushügel südlich des Bahnhofs Reste von Basaltschloten aus dieser Zeit.Witigo Stengel-Rutkowski: Die Geologie der näheren Umgebung der Stadt Limburg a.d. Lahn (Exkursion A am 5. April 1988). In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins, N.F., 70, 1988, S. 19–27; hier S. 21
Klima Limburg liegt in der Wetterregion MittelhessensWetterregionen Deutschlands auf wetterdirekt.com, abgerufen am 31. Januar 2014. und damit in einer gemäßigten Klimazone der mittleren Breiten. Aus den Talverläufen und unterschiedlichen Geländehöhen ergeben sich unterschiedliche kleinklimatische Verhältnisse. Auf den Anhöhen südlich und nördlich des Lahntals regnet es mit 800 Millimetern genau den Durchschnittswert.
Stadtgliederung Stadtteile mini|Karte von Limburg mit Stadtteilen und angrenzenden Gemeinden
Die Stadt besteht neben der Kernstadt aus den sieben ehemals selbstständigen Gemeinden, die im Zuge der hessischen Gebietsreform eingemeindet wurden. Am 1. Oktober 1971 wurde die Gemeinde Dietkirchen auf freiwilliger Basis eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Ahlbach und Lindenholzhausen hinzu. Eschhofen, Linter, Offheim und Staffel folgten am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz. Gleichzeitig wurde der amtliche Name in „Limburg a. d. Lahn“ geändert. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke gebildet.
Die Stadtteile (nach HGO: Ortsbezirke) nach Einwohnerzahl: Nr. Wappen Stadtteil Einwohner Gemarkungs-fläche [km²] 1 30px|zentriert Limburg (Kernstadt) 20.386 8,78 2 30px|zentriert Lindenholzhausen 3.431 8,30 3 30px|zentriert Linter 3.146 3,38 4 30px|zentriert Eschhofen 3.119 5,67 6 30px|zentriert Staffel 2.914 5,29 5 30px|zentriert Offheim 2.729 5,58 7 30px|zentriert Dietkirchen 1.784 3,10 8 30px|zentriert Ahlbach 1.264 5,04
Siedlungsgebiete In der Anschrift beispielsweise wird von Einheimischen und Unternehmen als ein weiterer Stadtteil oftmals Blumenrod genannt, das jedoch nur ein Siedlungsgebiet im Süden der Kernstadt ist. Namensgebend für das im Jahr 1967 neu entstandene Siedlungsgebiet und heutiges Wahrzeichen ist die Domäne Blumenrod, ein ehemaliges Hofgut, das von der Freien evangelischen Gemeinde Limburg saniert und umgebaut wurde (siehe auch: Burgstall Blumenrod). Gleiches gilt für die Brückenvorstadt auf der anderen Lahnseite der Kernstadt, die schon im Jahr 1564 unter dem Namen Keuch erwähnt wurde und 1795, nach dem Einmarsch französischer Truppen, fast vollständig abbrannte. Das neueste Siedlungsgebiet ist seit 2002 die ICE-Stadt Limburg.
Weitere Unterteilungen der Kernstadt in Siedlungsgebiete sind die Frankfurter Vorstadt, die Diezer Vorstadt und die Nordstadt mit einem eigenen Gemeindezentrum. Die Innen- und Altstadt von Limburg zählen ebenso zu den abgegrenzten Siedlungsgebieten innerhalb der Kernstadt, haben in der Stadtgliederung jedoch nur informellen Charakter. Dies gilt auch für das Siedlungsgebiet Am Meilenstein, ein kleines in den 1960er Jahren entstandenes Wohngebiet in Stadtrandlage, das aufgrund seiner zahlreichen, teilweise sehr farbenfroh gestalteten Reihenhäuschen einen eigenen Siedlungscharakter entwickelt hat.
Etymologie Der Ursprung des Namens Limburg ist nicht vollständig geklärt. Er geht wahrscheinlich auf eine dort gegründete Burg in merowingischer Zeit zurück. Im Jahr 910 wurde das erste Mal der Ort unter dem Namen Lintpurc erwähnt. Zwei der gängigsten Thesen sind: Der Name wurde aufgrund der Nähe zum heute versiegten Linterer Bach gewählt (Linda ist das gallische Wort für Wasser), der am Domfelsen in die Lahn mündete. Eher unwahrscheinlich, aber sehr populär ist die Verbindung mit einer Drachensaga (siehe Lindwurm) und der Zusammenhang mit dem in Limburg gegründeten Stift des Heiligen Georg, des Drachentöters, da das Stift erst nach der Errichtung der Burg und zusammen mit der ersten schriftlichen Erwähnung Limburgs entstand. Der Stadtname hat keinen Bezug zu den Provinzen Limburg in Belgien und den Niederlanden. Deren Name stammt von Limbourg in der heutigen belgischen Provinz Liége.
Geschichte Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Limburg unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Lintburk (910) (Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 1, Nr. 1) Limburg (1062) (Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 1, Nr. 7) Limburc (1122) (Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 1) Limpurg (1616) (Kupferstichkarte von Nassau)
Vor- und Frühzeit Archäologische Grabungen legten 2012 auf dem heutigen Areal der neu erbauten Lahntal-Autobahnbrücke bedeutende Artefakte frei. Zum einen entdeckte man eine weilerartige Siedlung aus der Jungsteinzeit. Gefundene Scherben von Töpfen stammen aus der Zeit um ca. 5000 v. Chr. und sind damit die bisher ältesten entdeckten Spuren einer Besiedlung des Limburger Raums. Zum anderen wurden auf einer Fläche von insgesamt 14 Hektar zwei römische Militärlager aus der Zeit von Julius Caesar freigelegt, welche die ersten Spuren dieses Feldherrn im rechtsrheinischen Germanien überhaupt waren. Vergleichbare Befunde waren bei Grabungen 1935 zum Bau der Reichsautobahn noch unentdeckt geblieben und wieder zerstört worden.
Frühere Funde auf dem Limburger Domberg lassen darauf schließen, dass dieser bereits um 500 v. Chr. eine keltische Siedlung trug. Ihr Zentrum lag auf dem heutigen Domplatz.
Um das Jahr 760 entstand die erste merowingische Befestigung auf dem späteren Domberg. Sie wurde wahrscheinlich zur Überwachung einer Furt der Lahn errichtet. Dieser Übergang dürfte zu diesem Zeitpunkt vor allem Verkehr auf der Hohen Straße zwischen den Räumen um Mainz und Frankfurt im Süden und dem Eisenverarbeitungsrevier bei Siegen aufgenommen haben, der von Limburg aus über die Lange Meil verlief. Übergänge in Richtung Rhein befanden sich zu diesem Zeitpunkt wohl weiter westlich in Diez und Staffel. Im Schutz der Burg entstand eine Ansiedlung, aus der sich später die Stadt entwickelte.
10. bis 13. Jahrhundert mini|hochkant|Limburger Dom