mini|Falsche Freunde: Das deutsche Wort Firma bedeutet „Unternehmen“ oder „Unternehmensname“, das italienische Wort firma bedeutet „Unterschrift“.
Falscher Freund ist ein Begriff aus der Interlinguistik. Falsche Freunde sind zwei Wörter aus verschiedenen Sprachen, die sich äußerlich stark ähneln, aber in ihren jeweiligen Sprachen eine unterschiedliche Bedeutung haben. Beispiel: klingt wie Warenhaus, bedeutet aber „Lager(halle), Großmarkt“.
Häufig haben beide Benennungen einen gemeinsamen etymologischen oder begrifflichen Ursprung. Falsche Freunde gehören zu den Übersetzungsschwierigkeiten und Interferenzfehlern und können zu einer falschen Übersetzung verleiten.
Bezeichnungen Die drei häufigsten Bezeichnungen sind im Deutschen (im Singular): falscher Freund – zusammen mit den wörtlichen Entsprechungen in anderen Sprachen ist dies weltweit wahrscheinlich die häufigste Bezeichnung das gleichbedeutende Fremdwort Fauxami ().Fauxami bei Duden online. Der Begriff wurde ursprünglich 1928 als faux amis du traducteur („falsche Freunde des Übersetzers“) von den französischen Sprachwissenschaftlern Maxime Koessler und Jule Derocquiny eingeführt. Seitdem wurden Übersetzungen des Ausdrucks faux ami („falscher Freund“) in zahlreiche andere Sprachen übernommen, z. B. false friend im Englischen.Artur Dariusz Kubacki: „When will I Become a Schnitzel? – I Hope Never.“ Echte und falsche Freunde des Übersetzers in der Translationsdidaktik. In: Comparative Legilinguistics. Vol. 29/2017, S. 87f. Siehe auch Maxime Koessler, Jule Derocquigny: Les faux amis ou Les trahisons du vocabulaire anglais: Conseils aux traducteurs. Paris 2008. das Fremdwort TautonymVgl. etwa Ryszard Lipczuk: Verbale Tautonyme lateinischer Herkunft in deutsch-polnischer Relation. Ein Beitrag zur semantischen Beschreibung nach dem gebrauchstheoretischen Ansatz (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Band 457). Kümmerle Verlag, Göppingen 1987, ISBN 3-87452-692-5. (= sinngemäß „Gleichnamiges“)
Laut Józef Jarosz (2008) wurden in der deutschsprachigen Fachliteratur außerdem folgende Bezeichnungen und Umschreibungen verwendet (im Plural; nachfolgend anders geordnet als bei Jarosz): (zwischensprachliche) Homonyme und Paronyme Pseudo-Analogonyme Approximate Falsiäquivalente Internationalismen Pseudointernationalismen falsche Paare trügerische Entsprechungen trügerische Verwandte trügerische Wörter verräterische Wörter verräterische Zwillinge die „schönen Treulosen“
Die Vielzahl dieser Bezeichnungen hängt laut Jarosz mit den Schwierigkeiten der Definition zusammen. Die weiteren Bezeichnungen wurden teilweise verwendet, um bestimmte Kategorien von falschen Freunden benennen zu können. Viele von ihnen wurden in der fachlichen Diskussion kritisch bewertet oder ganz abgelehnt.Józef Jarosz: Zu Typologie und semantischen Relationen im Bereich der lexikalischen Tautonyme im Deutschen und Dänischen. In: B. Blahak, C. Piber (Hg.): Deutsch als fachbezogene Fremdsprache in Grenzregionen. Bratislava 2008, S. 125–137 (online bei researchgate.net, Januar 2009), hier S. 126.
Definitionsversuche und lexikografische Auswahlkriterien Trotz umfangreicher linguistischer und lexikografischer Forschungsarbeiten zu falschen Freunden in den letzten Jahrzehnten existiert aufgrund unterschiedlicher theoretischer Ansätze weder eine einheitliche fachwissenschaftliche Definition noch eine grundlegende lexikografische Theorie oder Konzeption für wörterbuchkritische Arbeiten.Vgl. Svitlana Kiyko: Metalexikographische Überlegungen zum Wörterbuch der Falschen Freunde. In: Lexicographica, Band 29: Heft 1, 28. November 2013, S. 199ff. Online kostenpflichtig zugänglich bei De Gruyter – Academic Publishing unter . Abgerufen am 9. August 2020.
Zurückgegriffen wird häufig in zum Teil abgewandelter Form auf die Definition von K. H. Gottlieb, die vor allem aus Sicht der Sprachpraxis als hilfreich erscheint: Falsche Freunde sind demnach „Wörter und Wortverbindungen, zweier oder mehrerer Sprachen, die wegen der Analogie ihres Laut- und/oder Morphembestandes falsche Assoziationen hervorrufen und zu irreführender Aufnahme der fremdsprachlichen Information oder bei der Übersetzung zu mehr oder weniger bedeutenden Entstellung des Inhalts, Ungenauigkeiten in der Wiedergabe der stilistischen Färbung, falschen Wortverbindungen sowie Fehlern im Wortgebrauch führen.“Andrzej Katny: Zu Tautonymen und Internationalismen aus linguistischer und didaktischer Sicht. In: Folia Scandinavica, Band 20, Heft 1, 1. Dezember 2016, S. 143, online zugänglich . Abgerufen am 9. August 2020. Siehe auch Karl Heinrich Gottlieb: Grundprinzipien eines Wörterbuchs der „falschen Freunde des Übersetzers“. Ein Beitrag zur praktischen Lexikographie. In: Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Studien zur neuhochdeutschen Lexikographie V. Hildesheim / Zürich / New York: Olms, 1984, 103–134.
Für die Auswahl der Lemmata für Sammlungen oder Wörterbücher der falschen Freunde werden in der Regel lexikografische Quellen wie repräsentative einsprachige Wörterbücher beider Sprachen sowie zweisprachige Übersetzungswörterbücher zugrunde gelegt. Teilweise werden jedoch auch sprachdidaktische Kriterien mit einbezogen, um die Schwierigkeiten oder Irrtümer der Lernenden angemessen zu berücksichtigen. Dabei werden Interferenzfehler aus dem Fremdsprachenunterricht gesammelt, die beim Textverstehen, beim freien Sprechen, bei Übersetzungen oder bei Textproduktionen entweder bei Anfängern oder aber bei Fortgeschrittenen auftreten. Die auf dieser Grundlage zusammengestellten Korpora unterscheiden sich dementsprechend aufgrund der unterschiedlichen Basistypologien, wobei zudem entweder von einer eher weiten oder eher engen Auffassung des Terminus des falschen Freundes ausgegangen wird.
So werden nach der weiten Auffassung nicht nur phonetisch oder grafisch gleiche Wortpaare zu den falschen Freunden gezählt, sondern alle Fälle, die potentielle Interferenzfehler hervorrufen können, beispielsweise auch Wörter mit gleicher Wortbildungsstruktur, aber verschiedener phonologisch-grafischer Gestalt und Bedeutung, oder Scheinentlehnungen, d. h. Wörter die mit entlehntem Sprachmaterial gebildet werden, in der Ausgangssprache aber nicht existieren, beispielsweise dt. Showmaster, das aus zwei entlehnten Lexemen gebildet ist, im Englischen in dieser Bedeutung jedoch nicht benutzt wird. Neben lexikalischen falschen Freunden werden in den weiter gefassten Typologien auch Phraseologismen mit ähnlicher Struktur, aber unterschiedlicher Bedeutung zu den falschen Freunden gezählt. Gleichermaßen werden Einschränkungen in der Kombinierbarkeit von Lexemen in der Ausgangs- und Zielsprache von Linguisten wie Hausmann oder John McHardy Sinclair als Kriterien für die Auswahl von falschen Freunden herangezogen, so etwa dt. „einen Nagel in die Wand schlagen“ und engl. „hammer oder drive a nail into the wall“, nicht jedoch „beat a nail into the wall“. Eine sehr weitgehende Definition birgt jedoch die Gefahr in sich, dass bereits bei relativ beliebigen, geringfügigen Unterschieden als hinreichender Bedingung eine übergroße Anzahl von Wortpaaren als falsche Freunde einzustufen sind.
Demgegenüber werden in der engen Fassung nur solche Wörter aus zwei oder mehreren Sprachen als falsche Freunde betrachtet, die sich bei gleicher oder zumindest sehr ähnlicher grafischer und/oder phonemischer Form in ihrem semantischen Gehalt unterscheiden. Allerdings wird durch den Einbezug nicht nur semantischer, sondern auch morphologischer oder prosodischer Merkmale bei gleicher oder ähnlicher Form der Begriff des falschen Freundes in der jüngeren Fachdiskussion tendenziell wieder erweitert.Vgl. Svitlana Kiyko: Metalexikographische Überlegungen zum Wörterbuch der Falschen Freunde. In: Lexicographica, Band 29: Heft 1, 28. November 2013, S. 199–206. Online kostenpflichtig zugänglich bei De Gruyter – Academic Publishing unter . Abgerufen am 9. August 2020. Siehe auch Franz Josef Hausmann: Praktische Einführung in den Gebrauch des „Student’s Dictionary of Collocations“. In: Benson, Morton / Benson, Evelin / Ilson, Robert (Hrsg.): Student’s Dictionary of Collocations. Berlin: Cornelsen, 1999, IV. Vgl. ebenfalls John McHardy Sinclair: Corpus, Concordance, Collocation. Oxford: Univ. Press 1991, S. 110. Vgl. ebenfalls Artur Dariusz Kubacki: „When will I Become a Schnitzel? – I Hope Never.“ Echte und falsche Freunde des Übersetzers in der Translationsdidaktik. In: Comparative Legilinguistics. Vol. 29/2017, S. 90ff.
In der Fachliteratur wird des Weiteren zwischen absoluten (totalen, eigentlichen) und partiellen falschen Freunden unterschieden: Bei den absoluten falschen Freunden gibt es keinerlei gemeinsame Bedeutungsmerkmale und keine Kongruenz der Bedeutungen der beiden Lexeme, d. h. dem ausgangssprachlichen Lexem ist mit einem gänzlich anderen zielsprachlichen Lexem wiederzugeben.Andrzej Katny: Zu Tautonymen und Internationalismen aus linguistischer und didaktischer Sicht. In: Folia Scandinavica, Band 20, Heft 1, 1. Dezember 2016, S. 143, online zugänglich . Abgerufen am 9. August 2020.
Bislang besteht in der Linguistik oder Sprachwissenschaft auf diesem Hintergrund kein Konsens über die Bedingungen der formalen Ähnlichkeit; ebenso wenig sind bisher eindeutige und unstrittige operationale Kriterien für die Zuordnung zu den faux amis entwickelt worden. Die Verfasser der bestehenden Wörterbücher oder Sammlungen falscher Freunde folgen vor allem ihrer Intuition bei der Lemmaauswahl und stützen sich je nach ihrer Lehr- und Spracherfahrungen auf unterschiedliche sprachliche Korpora, vom fachsprachlichen, literarischen, allgemeinsprachlichen bis hin zum umgangssprachlichen oder populärwissenschaftlichen Gebrauch. Auch Kriterien wie Aktualität, Häufigkeit des Gebrauchs oder mutmaßliche Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Interferenzfehlern bei Fremdsprachenlernern mit durchaus abweichenden Kenntnisständen werden mit erkennbarer Subjektivität in unterschiedlicher Form angewendet. Dementsprechend sind erhebliche Unterschiede in dem Umfang der verschiedenen Wörterbücher der falschen Freunde festzustellen; so reicht die Anzahl der Wortpaare in den gängigen Wörterbüchern für die deutsch-englischen false friends je nach Adressatengruppe und zugrunde liegenden Auswahlkriterien von ca. 200 bis ca 4000.Vgl. Svitlana Kiyko: Metalexikographische Überlegungen zum Wörterbuch der Falschen Freunde. In: Lexicographica, Band 29: Heft 1, 28. November 2013, S. 199–206, insbesondere S. 200, 203 und 218. Online kostenpflichtig zugänglich bei De Gruyter – Academic Publishing unter . Abgerufen am 9. August 2020.
Arten falscher Freunde Normalerweise handelt es sich um interlinguale falsche Freunde. Das sind Paare von Wörtern oder Ausdrücken aus zwei Sprachen, die orthografisch oder phonetisch ähnlich sind, jedoch unterschiedliche Bedeutungen haben.
Daneben existieren noch innerhalb einer Sprache die intralingualen falschen Freunde oder Paronyme, zum Beispiel antiseptisch – aseptisch. Auch Scheinentsprechungen zwischen zwei Dialekten derselben Sprache bzw. zwischen einem Dialekt und der Standardsprache sowie Lexeme mit einer diachronischen Bedeutungsveränderung gelten für diverse Linguisten als falsche Freunde.Vgl. Artur Dariusz Kubacki: „When will I Become a Schnitzel? – I Hope Never.“ Echte und falsche Freunde des Übersetzers in der Translationsdidaktik. In: Comparative Legilinguistics. Vol. 29/2017, S. 91.
Manchmal werden auch Wörter als „falsche Freunde“ bezeichnet, die wie gewöhnliche Fremd- oder Lehnwörter anmuten, aber in der vermeintlichen Herkunftssprache keine oder eine ganz andere Bedeutung haben. Ein bekanntes Beispiel ist die deutsche Bezeichnung „Handy“ für ein Mobiltelefon. Im Englischen bedeutet das Wort handy nicht „Mobiltelefon“, sondern „handlich, geschickt, gewandt“. Solche Wörter werden auch als Pseudoentlehnung bezeichnet (oder Scheinanglizismus, Scheingallizismus und so weiter).