Als eine Göre (oder als ein GörGör. duden.de; abgerufen am 23. November 2011.) bezeichnet man insbesondere in Norddeutschland und im Berliner Dialekt scherzhaft oder abwertendGöre. duden.de; abgerufen am 5. April 2014. ein kleines, unartiges oder lebhaftes Kind, insbesondere Mädchen. Der Begriff ist heute im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet.

Etymologie Das Wort stammt aus dem Niederdeutschen und ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Seine Herkunft ist ungeklärt, vermutlich handelt es sich um eine Bildung zu einem Adjektiv, das im Rheinischen als gor ‚gering‘ erhalten ist und in der Ableitung im Althochdeutschen vom 9. Jahrhundert zu gōrag und im Mittelhochdeutschen als gōrec für ‚gering, armselig‘ überliefert wurde. Gör(e) wäre demnach als kleines, armseliges Wesen zu deuten.Etymologisches Wörterbuch des Deutschen nach Pfeifer. dwds.de abgerufen am 23. November 2011.

Das Grimm’sche Wörterbuch sieht letztere Herkunft kritisch und merkt an: „göre wird gewöhnlich zu gurre, gorre, f. ‚stute‘ gestellt, das übertragen als schimpfwort für frauen und mädchen gebraucht wird“; dagegen spräche aber, dass „neben formalen schwierigkeiten […] gegen eine solche beziehung, dasz auf menschen übertragenes gurre obd., bes. schweiz. vorkommt, md. und nd. aber nur vereinzelt; ferner wird gurre in der grundbedeutung oft, im übertragenen sinne stets pejorativ gebraucht, göre dagegen ist zunächst nie verächtlich gemeint.“ Vielmehr liege eine „annahme einer abstraktbildung zu einem adj. *gôr, das als gorig […], in älterer bedeutung ‚gering, armselig‘, heute vor allem rhein. belegt ist; daraus erklären sich das fem. genus und die aus diesem resultierende häufigere verwendung für ‚mädchen‘. die auch sonst übliche konkretisierung solcher abstraktbildungen […] führt hier zunächst zu der bedeutung ‚das kleine, hilflose wesen‘.“

Das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm definierte Gör folgendermaßen:

Eine sprachliche Verwandtschaft mit dem Englischen girl (mittelenglisch: gurle, gerl für „Kind, junger Mensch“) ist wahrscheinlich; die genauen Zusammenhänge sind aber unklar, da die Herkunft von englisch girl wissenschaftlich umstritten ist.Wolfgang Falkner, Hans-Jörg Schmid: Words, Lexemes, Concepts, Approaches to the Lexicon: Studies in Honour of Leonhard Lipka. Gunter Narr Verlag, 1999, S. 8; books.google.de Liberman schreibt zu girl, sowie dessen Beziehung zu Gör, Kerl und gurre:

Begriffsverwendung Nach dem Deutschen Wörterbuch wird das Wort zeitgeschichtlich unterschiedlich verwendet. So erscheint in den ältesten Belegen nur die Bedeutung 'kleines kind'. Heinrich Heine benutzte in seiner Dichtung Elster „Gören“ für Kinder „ohne besonderes charakteristikum, verwendet, so vor allem im pl., doch ist es hier nicht immer sicher, ob göre, f. oder gör, n. (s. d.) zugrunde liegt“: . Jüngere Verwendungen verbinden „besondere vorstellungen mit dem wort [und] finden sich besonders im berlinischen und, wohl mit entlehnung von dorther, auch im literarischen gebrauch auszerniederdt. sprecher. scherzhaft billigend oder ärgerlich tadelnd für ein frisches, freches, auch verzogenes, unfug treibendes (kleines oder groszes) mädchen, kind“.Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971.

„Für die weibliche Sozialisation war seit dem späten 19. Jahrhundert das Verhaltensmuster Göre, ob es nun durch das Mädchenbuch aufgenommen wurde oder durch den Roman, eine ins Leben übertragbare Rolle. Görenhaft etwa gibt sich die junge und nie alternde Franziska zu Reventlow“.Hannelore Schlaffer: Die Göre – Karriere einer literarischen Figur. In: Merkur, März 2011, 65.3, S. 274–279, Zitat: S. 275. In der Volkskultur wird die sprichwörtlich gewordene Wendung „Berliner Göre“ für eine selbstbewusste, aufgeweckte, kesse und abgebrühte junge Frau und teilweise als literarische Figur verwendet, die als Bühnenfigur im Berliner Kabarett der 1920er und 30er Jahren als Bestandteil eines typischen proletarischen Milieus (Heinrich Zille) auch in der Mittelschicht popularisiert wurde.Hans-Werner Rautenberg: Wanderungen und Kulturaustausch im östlichen Mitteleuropa: Forschungen zum ausgehenden Mittelalter und zur jüngeren Neuzeit. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, S. 156; books.google.de So galt etwa Claire Waldoff als Inbegriff der Berliner Göre. Steidl Verlag; abgerufen am 6. April 2014.Roger Stein: Das deutsche Dirnenlied: Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht. Böhlau, Köln 2007, S. 272; books.google.de

Im Taschenbuchlexikon Kindheit – Jugend – Alter steht „Göre“ für „plattdeutsch Kind“ und daneben in Abgrenzung „Göhre“ für „Fohlenstute“.Manfred Günther: Kindheit – Jugend – Alter. Rheine 2020, S. 73.

Seit 2003 verleiht das Deutsche Kinderhilfswerk den Preis „Goldene Göre“, der nach eigenen Angaben „Deutschlands höchstdotierter Preis für Kinder- und Jugendbeteiligung“ ist. DKHW, abgerufen am 5. April 2014.

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