Lothar Herbert Matthäus (* 21. März 1961 in Erlangen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer und heutiger Co-Kommentator und Experte im Fernsehen. Er ist Fußball-Welt- und Europameister.
Matthäus begann seine Karriere im Herrenbereich 1978 in der Landesliga Mitte beim 1. FC Herzogenaurach, für den er bereits in der Jugend gespielt hatte. Im Jahr darauf wechselte er zum Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Mit 18 Jahren und aus dem Amateurfußball kommend, wurde er in der Fohlen-Elf schnell Stammspieler und absolvierte für den Verein in fünf Jahren fast 200 Pflichtspiele. 1984 kam er zum ersten Mal zum FC Bayern München. In den vier Spielzeiten für die Münchener wurde er dreimal deutscher Meister und gewann 1985/86 den DFB-Pokal. Im Anschluss ging er erstmals ins Ausland; nach Italien zu Inter Mailand. Erneut absolvierte er vier Spielzeiten, diesmal in der Serie A, in denen er den Meistertitel 1988/89 sowie UEFA-Pokal 1990/91 mit der Mannschaft gewann. Während seiner Zeit bei den Nerazzurri gipfelte seine sportliche Einzelleistung im Fußball in der Ehrung mit dem Ballon d’Or 1990 als „Europas Fußballer des Jahres“ sowie der Ernennung zum ersten FIFA-Weltfußballer des Jahres 1991; zusätzlich erklärte man ihn 1990 zum Fußballer des Jahres in Deutschland. Im Jahr 1992 kehrte er nach Deutschland und zum FC Bayern zurück. Dabei errang er mit der Mannschaft vier deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege sowie den UEFA-Pokal 1995/96, außerdem wurde er 1999 noch einmal Fußballer des Jahres in Deutschland. Im Frühjahr 2000 ging er kurz vor seinem 39. Geburtstag noch einmal ins Ausland und schloss sich für eine Saison den MetroStars in der Major League Soccer an, bevor er zu Jahresbeginn 2001 seine aktive Karriere nach über 22 Jahren beendete.
Matthäus gilt als einer der wichtigsten Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Von 1979 bis 1983 war er in den U-Auswahlen der Bundesrepublik aktiv, bereits ab 1980 kam er auch für die A-Auswahl zum Einsatz. Sein erstes Spiel bestritt er bei der EM 1980 in Italien, die seine Mannschaft letztlich gewann. Ab 1982 war Matthäus Leistungsträger in der Nationalmannschaft. Er nahm an den Weltmeisterschaften 1982 in Spanien, 1986 in Mexiko, 1990 in Italien, 1994 in den Vereinigten Staaten sowie 1998 in Frankreich teil; dazu an den Europameisterschaften 1984 in Frankreich, 1988 im eigenen Land sowie 2000 in Belgien und den Niederlanden. Von 1987 bis 1994 war er Mannschaftskapitän des DFB-Teams. Er hält außerdem mit 150 Länderspieleinsätzen bis heute den Rekord als Spieler des DFB. Sein sportlich bedeutendster Erfolg ist der Gewinn der WM 1990 mit der Nationalmannschaft.
Nach seiner Spielerkarriere arbeitete er von 2001 bis 2011 als Trainer in Österreich, Serbien und Montenegro, Brasilien und Israel sowie als Nationaltrainer für die A-Auswahlen Ungarns und Bulgariens. Anschließend ging er zum Fernsehen und arbeitet vor allem als Gesprächspartner bei Fußball-Liveübertragungen für den Pay-TV-Sender Sky und den Privatsender RTL.
Jugend Lothar Matthäus wuchs in der mittelfränkischen Stadt Herzogenaurach auf. Sein Vater arbeitete als Hausmeister in der örtlichen Zentrale des Sportartikelherstellers Puma. Ab dem neunten Lebensjahr durchlief Matthäus die Jugendmannschaften des Fußballvereins 1. FC Herzogenaurach. Nach dem Ende seiner Schulzeit folgte eine Ausbildung zum Raumausstatter.Lothar Matthäus: Ehepartnerinnen, Kinder und Erfolge, focus.de, abgerufen am 10. März 2021 Für die Saison 1978/79 berief ihn Trainer Franz Brungs in die Seniorenmannschaft. Mit 20 Toren hatte Matthäus maßgeblichen Anteil am Gewinn der Landesliga und er wurde 1979 für die U-18-Nationalmannschaft nominiert.
Karriere als Spieler Durchbruch in Gladbach und Sprung in die Nationalelf Durch seine Arbeit bei Puma lernte Matthäus’ Vater den leitenden Angestellten und ehemaligen Fußballprofi Hans Nowak kennen, der den Kontakt zu seinem damaligen Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach herstellte.11 Freunde, Ausgabe 233, S. 52–55, abgerufen am 22. März 2021 Beim Probetraining lieferte sich Matthäus ein hitziges Duell mit dem gerade erst von einem Schien- und Wadenbeinbruch genesenen Weltmeister von 1974 Berti Vogts. Der „Terrier“ selbst setzte sich gegenüber Manager Helmut Grashoff für den jungen Mann ein, der einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hatte, und im Sommer 1979 wechselte Matthäus zu Mönchengladbach. Der 18-jährige Neuzugang erhielt die vereinsseitige Zusage über ein Monatsgehalt von 2.500 D-Mark sowie für symbolische 99 Pfennig einen VW Golf I von Puma-Chef Rudolf Dassler. Armin Veh, 48 Tage älter als Matthäus, war ebenfalls neu zur Mannschaft gestoßen und schloss schnell mit diesem und dem älteren Jürgen Fleer Freundschaft. Matthäus bezog eine kleine Wohnung in der Nähe des Hauptbahnhofs, für die er ein Zehntel seines Gehalts entrichten musste, während Veh in der Villa der Rentnerin „Tante Titti“ unterkam, die bereits Jahre zuvor unter anderem Rainer Bonhof in dessen Anfangstagen betreut hatte.
Sein erstes Bundesliga-Spiel absolvierte Matthäus bei der 2:4-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern am 22. September 1979 (7. Spieltag der Saison 1979/80). Bei der Borussia setzte sich Matthäus auf Anhieb unter seinem Trainer und späteren Förderer Jupp HeynckesBittere Pille. In: spiegel.de, 27. Mai 1984. durch. Er verdrängte verdiente Spieler wie Horst Wohlers, Winnie Schäfer oder Dietmar Danner und schaffte als Achter im Mittelfeld den Sprung in die Stammelf. Dabei konnte Matthäus sowohl die Defensive unterstützen als auch andererseits mithilfe seines Tempos, seiner überdurchschnittlichen Technik und sauberen Ballkontrolle aus der Tiefe heraus das Spiel gestalten. Im noch sehr physischen Fußball der 1980er-Jahre halfen ihm diese Attribute, seine vergleichsweise geringe Größe von 174 cm auszugleichen.Wie gut war eigentlich… Lothar Matthäus?, cavanisfriseur.de, abgerufen am 10. März 2021 Der Spieler war rasch ebenso für seine Anführermentalität auf dem Platz bekannt wie für seine präzisen und harten Standards. In seiner Premierensaison erreichte er mit den Fohlen das Finale des UEFA-Pokals, das im nationalen Duell gegen Eintracht Frankfurt verloren ging. Im Hinspiel auf dem Bökelberg hatte Matthäus das wichtige Tor zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich erzielt.
mini|Matthäus beim DFB-Pokalspiel SSV Dillenburg – Borussia Mönchengladbach (2:7) am 29. August 1981 rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Lothar Matthäus (Autogramm) deutscher Fußballspieler Nationaltrainer Jupp Derwall nominierte Matthäus für den Kader zur EM 1980 in Italien. Dieser gab im Rahmen des Turniers, das die deutsche Nationalmannschaft gewann, sein Länderspieldebüt, als er am 14. Juni 1980 in Neapel beim Stand von 3:0 im Gruppenspiel gegen die Niederlande in der 73. Minute eingewechselt wurde.Statistik zum Spiel Deutschland-Niederlande; Deutscher Fußball-Bund, abgerufen am 26. Dezember 2019. In der 79. Minute verursachte er einen Strafstoß, wobei das Foulspiel außerhalb des Strafraumes lag. Das Spiel endete mit einem knappen 3:2-Sieg. Der Einsatz war Matthäus’ einziger Auftritt bei diesem Wettbewerb, auch, weil auf derselben Position Bernd Schuster als Spielmacher ein überragendes Turnier spielte.Zu gut für dieses Land. In: 11freunde.de, abgerufen am 19. März 2021.1980: Der Teufel mit dem Engelsgesicht. In: tagesspiegel.de, 1. Juni 2012. Während der Europameisterschaft hatte der 19-Jährige unter anderem eine körperliche Auseinandersetzung mit einem Sicherheitsmann im Olympiastadion Rom und inszenierte sich mit seiner Verlobten für die Presse. Derwalls Assistent Erich Ribbeck bemängelte Matthäus’ Einstellung, dem er vorwarf, „mehr zu reden, als zu spielen“ und an Übermut zu leiden.
In den folgenden Jahren spielte Matthäus mit Gladbach meist im Mittelfeld der Liga und bestätigte seinen Status als Nationalspieler durch konstante Leistungen. 1981 heiratete er seine Jugendliebe Sylvia nach kurzzeitiger Trennung und bezog mit ihr ein Reihenhaus im Stadtteil Rheydt; zu den Nachbarn zählten die Mitspieler Veh und Ewald Lienen. 1982 gehörte Matthäus zum Kader der DFB-Elf bei der WM in Spanien, nachdem er sein zweites Länderspiel erst zu Beginn der Vorbereitungsspiele Anfang des Jahres absolviert hatte. Obwohl Deutschland Vize-Weltmeister wurde (1:3-Niederlage im Finale gegen Italien), verlief die Endrunde für Matthäus persönlich nicht zufriedenstellend, er wurde nur in der Vorrunde zweimal eingewechselt und blieb die nächsten Spiele ohne Einsatz. Trainer Derwall hatte sich mit Paul Breitner ausgesöhnt, der in die Mannschaft zurückkehrte und die Rolle im zentralen Mittelfeld übernahm.WM 1982: Fallrückzieher und Foulspiel. In: dfb.de, 26. März 2010.
Jupp Heynckes ließ seinen Schützling in Ligaspielen gerne gegen erfahrene Offensivspieler antreten. So war Matthäus als Manndecker für Felix Magath oder Hansi Müller zuständig und sollte sich an deren taktischer Finesse orientieren, um selbst zum Spielmacher reifen zu können. Mit dem Nationalteam traf er erstmals auf Zico und Diego Maradona, zur damaligen Zeit zwei der besten Angriffsspieler der Welt. Im Anschluss an die Weltmeisterschaft erhielt er einen neuen Vertrag in Mönchengladbach, der ihm fortan 150.000 DM Jahresgehalt plus Prämien zusicherte.
1983/84 spielte Mönchengladbach eine starke Saison, die Mannschaft erreichte am Ende den dritten Tabellenplatz und zog ins Endspiel des DFB-Pokals, in dem man auf den FC Bayern München traf, ein. Matthäus hatte inzwischen einen Vertrag bei Bayern München für die neue Saison unterschrieben und diesen Wechsel bereits vor dem Finale bekannt gegeben, woraufhin Gladbacher Fans ihn als „Judas“ beschimpften.Philipp Köster: Geliebt, gewechselt, gehasst. In: spiegel.de, 11. Oktober 2007.Jürgen Schmieder: Vom Jesus zum Judas – und zurück. In: sueddeutsche.de, 17. Mai 2010. Somit fand das Finale zwischen seinem alten und seinem neuen Verein statt. Im Elfmeterschießen – nach regulärer Spielzeit stand es 1:1 – schoss er seinen Elfmeter über das Tor, nachdem er zuvor den Führungstreffer vorbereitet hatte. Auch Norbert Ringels traf nicht und die Bayern gewannen den Pokal (6:7 n. E.). Bereits vor der Partie hatte Matthäus sich selbst in Aussicht gestellt, so oder so „werde er einen sehr ungemütlichen Nachmittag haben“, hatte sich aber auch „reinhängen wollen, um später Heynckes gerade in die Augen schauen zu können“.
Die Verkündung des Wechsels hatte auch direkten Einfluss auf die Beziehung zwischen Matthäus und Gladbachs Trainer Heynckes. Während er zum Beispiel in seiner letzten Spielzeit für die Fohlen in 33 Partien über die volle Distanz auf dem Platz gestanden hatte, ließ ihn Heynckes sechs Spieltage vor Schluss in einem Meisterschaftsspiel gegen Waldhof Mannheim 70 Minuten auf der Bank. Nach seiner Einwechslung beim Stand von 1:2 aus Sicht Mönchengladbachs erzielte Matthäus innerhalb von 19 Minuten zwei Tore und gewann mit seiner Mannschaft noch 3:2. Während der Spieler diesen Vorfall als „[...] Retourkutsche vom Trainer, nur weil ich zu Bayern München gehe“ bezeichnete, äußerte sich sein Übungsleiter mit den Worten: „Der Lothar war etwas nachlässig geworden und brauchte einen Denkzettel.“ Zuvor hatte das Team durch ein Remis sowie eine Niederlage die zwischenzeitlich errungene Tabellenführung wieder abgeben müssen.