mini|Jan Brueghel der Ältere mit seiner Frau und zwei Kindern, 1613–15 (Gemälde von Peter Paul Rubens, heute in der Courtauld Gallery London)
Jan Brueghel der Ältere [] (auch: Bruegel oder Breughel; * 1568 in Brüssel; † 13. Januar 1625 in Antwerpen, Spanische Niederlande), auch genannt Samtbrueghel (französisch: Brueghel de Velours), Blumenbrueghel oder Paradies-Brueghel, war ein bedeutender flämischer Maler zwischen Spätmanierismus und Barock aus der Maler-Dynastie Brueghel.
Leben Jan Brueghel d. Ä. wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1568 geborenEmile Michel, Victoria Charles: The Brueghels. Confidential/Parkstone Press International, New York (o. J.), S. 201. und war der zweite Sohn von Pieter Brueghel dem Älteren (genannt Bauernbrueghel)Bruegel (auch Brueghel), Jan (I), d. Ä. In: Lexikon der Kunst. Bd. 2, Karl Müller Verlag, Erlangen 1994, S. 344. und dessen Frau Mayken Coecke, einer Tochter des Malers Pieter Coecke van Aelst.Bruegel (auch Brueghel), Pieter d. Ä. In: Lexikon der Kunst. Bd. 2, Karl Müller Verlag, Erlangen 1994, S. 345. Jans älterer Bruder, Pieter Brueghel der Jüngere, war auch Maler. Da Jan noch ein Baby war, als sein Vater starb, hatte dieser keinen direkten Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung. Seinen ersten Malunterricht erhielt Jan von seiner Großmutter, der Miniaturmalerin Marie de Bessemers, bekannt als Mayken Verhulst, die ihm eine Aquarelltechnik beibrachte; dieser frühen Prägung verdankte er die außerordentliche Feinheit und Präzision seiner späteren, oft kleinformatigen Bilder. Seine weitere Ausbildung soll er von Pieter Goetkint und Gillis van Coninxloo erhalten haben.
mini|links|Flusslandschaft, 1607, Öl auf Kupfer, 20,7 × 32,1 cm, National Gallery of Art, Washington
Schon früh reiste Jan Brueghel d. Ä. über Köln nach Italien, wo er 1590 in Neapel nachgewiesen ist; 1595–1596 wirkte er in Rom und Mailand in den Diensten des Kardinals Federigo Borromeo,Helge Siefert: Zum Ruhme des Helden. Historien- und Genremalerei des 17. und 18. Jahrhunderts. München 1993, S. 160 f., 191. mit dem er sein Leben lang in freundschaftlichem Kontakt blieb.S. 98 in: Zu Brueghels ersten erhaltenen Bildern gehören ein Christus am See Genezareth und eine Landschaft mit Eremiten aus dem Jahr 1595.E. Michel, V. Charles, S. 204.
In Rom freundete er sich mit dem Landschaftsmaler Paul Bril an. Wie dieser arbeitete er fruchtbar und arbeitsteilig mit Johannes Rottenhammer zusammen, der die figürlichen Elemente, religiöse oder mythologische Szenen, in die gemeinsamen Darstellungen hineinkomponierte.
Nachdem Jan Brueghel d. Ä. im September 1596 nach Flandern zurückgekehrt war,E. Michel, V. Charles, S. 205. wurde er 1597 als Sohn eines Meisters in die Antwerpener Malergilde, die Sint-Lucasgilde aufgenommen. Am 27. Januar 1599 heiratete er seine erste Frau Isabella de Jode,Der Name der Frau geht u. a. aus seiner Grabinschrift hervor. Siehe, S. 99 in: eine Tochter des Kupferstechers Gerard de Jode; Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: Sein erster Sohn Jan Brueghel der Jüngere (* 13. September 1601), der später die väterliche Werkstatt übernahm, und die Tochter Paschasia, welche die Mutter des Malers Jan van Kessel wurde.E. Michel, V. Charles, S. 250. Nach dem frühen Tode seiner Frau Isabella im Jahr 1603 heiratete er zwei Jahre später Catharina van Marienburg, mit der er acht weitere Kinder hatte, darunter den ebenfalls als Maler bekannten Ambrosius (1617–1675).E. Michel, V. Charles, S. 205, 234 und 250
mini|Jan Brueghel d.Ä und Peter Paul Rubens: Das irdische Paradies mit dem Sündenfall von Adam und Eva, ca. 1615, Öl auf Holz, 74,3 × 114,7 cm, Mauritshuis, Den Haag. In diesem Meisterwerk sind nur die Figuren von Adam und Eva von Rubens, alles andere von Brueghel; das Bild ist von beiden Malern signiert. Jan Brueghel d. Ä. wurde 1601/1602 zum Dekan der Sint-Lucasgilde ernannt und unternahm 1604 eine Reise nach Prag, an den Hof des kunstliebenden Kaisers Rudolph II. Später arbeitete Brueghel vielfach für den Brüsseler Hof des erzherzoglichen Statthalterpaares Albrecht und Isabella, wo er 1606 erstmals dokumentiert ist, als er einige besonders schöne, seltene und nie gesehene Blumen in den erzherzoglichen Gärten und Gewächshäusern „porträtierte“;E. Michel, V. Charles, S. 208. ein Ergebnis davon war ein Prunk-Blumenstillleben für Kardinal Borromeo, das sich heute in der Pinacoteca Ambrosiana in Mailand befindet.Jan Brueghel il Vecchio “Dei Velluti”: Vaso di fiori con gioiello, monete, conchiglie, Artikel auf der Website der Pinacoteca Ambrosiana (italienisch; Abruf am 20. Januar 2021) Auch die Menagerien von Brüssel mit ihren exotischen Vögeln und anderen Tieren wurden für Brueghel wichtige Studienorte für seine diversen Darstellungen des Paradieses, der Arche Noah, der Jahreszeiten und Elemente, sowie der Fünf Sinne.
Nachdem er schon längere Zeit regelmäßig für das Statthalterpaar gearbeitet hatte und oft nach Brüssel reiste, wurde er 1610 offiziell zum Brüsseler Hofmaler ernannt; dies war mit einer Steuerfreiheit verbunden.E. Michel, V. Charles, S. 223.
Jan Brueghel hatte einen angenehmen und großzügigen Charakter, der ihn zu einem beliebten Mann machte und ihm viele Vorteile einbrachte. So wurde er beispielsweise 1608 während einer schweren Krankheit aufopferungsvoll von Frans Snyders, einem Schüler seines Bruders Pieter d. J., gepflegt; Jan revanchierte sich dafür mit einem Empfehlungsschreiben für Snyders an verschiedene Mäzene in Italien.E. Michel, V. Charles, S. 213.
Brueghel war auch Mitglied in der Gesellschaft der Romanisten, deren Dekan er 1609 war, just in dem Jahr, als der soeben von Italien zurückgekehrte Peter Paul Rubens in die Gesellschaft aufgenommen wurde. Brueghel und Rubens waren eng befreundet und arbeiteten mehrfach zusammen; Rubens fungierte sogar zeitweise als Sekretär Brueghels, kümmerte sich um dessen Korrespondenz mit Kardinal Borromeo,E. Michel, V. Charles, S. 213 und 218 und malte auch ein Porträt Brueghels und dessen Familie.
mini|Blumenvase mit Insekten, einem Frosch und einem Bezoar (oder Ei ?),Brueghel the Elder, Jan: Vase of Flowers, Kurzinfo auf der Website des Prado, Madrid (englisch oder spanisch; Abruf am 19. Januar 2021) ca. 1600–1625, Öl auf Holz, 49 × 39 cm, Prado, Madrid
Jan Brueghels Kunst wurde hochgeschätzt und brachte ihm ein Vermögen ein. Sein Stil wurde oft kopiert, unter anderem von seinem Sohn Jan Brueghel d. J., was teilweise zu Zuschreibungsproblemen geführt hat. Zu seinen Kunden zählten Prinz Friedrich Heinrich von Oranien, österreichische und deutsche Fürsten, wie besonders der Kurfürst von der Pfalz, und König Sigismund III. von Polen.E. Michel, V. Charles, S. 231.
Durch einige signierte Zeichnungen sind Reisen Jan Brueghels nach Deutschland bezeugt, insbesondere nach Nürnberg (1616) und Heidelberg.
Brueghel lebte mit seiner Familie ab 1604 in Antwerpens bester Gegend in einem großen Haus namens „Meerjungfrau“ (Meerminne), das er mit Gemälden von Tizian, Snyders und Seghers dekorierte.E. Michel, V. Charles, S. 231 und 234 Nachdem er 1622 durch den Bankrott zweier Antwerpener Handelshäuser 9000 Florin verloren hatte, zog er in ein anderes Haus um, das er 1619 erworben hatte und das als „Der Ziegenbock“ bekannt war.Englisch: „The Billy Goat“. Emile Michel, Victoria Charles: The Brueghels. Confidential/Parkstone Press International, New York (o. J.), S. 234.
Jan Brueghel d. Ä. starb 1625 an einer Durchfallerkrankung; im selben Monat fielen der Krankheit auch drei seiner Kinder (Pieter, Elisabeth und Maria) zum Opfer.E. Michel, V. Charles, S. 241.Teilweise wird in der Literatur als Todesursache Cholera angegeben, was allerdings fraglich ist, da diese bis Anfang des 19 Jhs. als endemisch in Indien galt. Er wurde in der St. Joriskerk in Antwerpen beigesetzt; sein Grabmal wurde von dem Bildhauer Robert de Mole geschaffen, Rubens malte dafür ein (nicht erhaltenes) Porträt und verfasste die Grabinschrift.S. 99 in: Rubens übernahm auch gemeinsam mit Hendrik van Balen und zwei anderen Freunden die Vormundschaft für Jan Brueghels Kinder.E. Michel, V. Charles, S. 218. Brueghels Witwe Catharina überlebte ihn nur um zweieinhalb Jahre, sie starb am 15. Juli 1627.
Zu Brueghels Schülern gehörten sein gleichnamiger Sohn Jan Brueghel d. J., Daniel Seghers und Lucas De Wael. David Teniers der Jüngere heiratete Jan Brueghels Tochter Anna.Brueghel the Elder, Jan, Biografie und über 50 Werke im Prado, Madrid (englisch (auch Spanisch); Abruf am 13. Januar 2021) Darüber hinaus übte er indirekt auch einen bedeutenden Einfluss auf andere Maler wie Ambrosius Bosschaert d. Ä., Andries Danielzs., Lucas van Valckenborch, Roelant Savery, Alexander Keirincx, Adriaen Pietersz. van de Venne und die Begründer der Landschaftsmalerei in Holland aus (Schulen von Utrecht, Haarlem und Amsterdam).E. Michel, V. Charles, S. 247.
Werk mini|links|Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1600, Öl auf Kupfer, 16 × 12 cm, Rijksmuseum, Amsterdam
Jan Brueghel der Ältere war neben seinem Vater Pieter d. Ä. das bedeutendste Mitglied der Künstlerfamilie Brueghel. Seine Kunst ist zwar in den Sujets teilweise vom väterlichen Werk beeinflusst, doch fand Jan einen ganz eigenen, persönlichen Stil, der sich durch eine sehr feine, präzise Zeichnung und ungeheure malerische Virtuosität auszeichnet, mit leuchtenden und zugleich zart abgestuften Farben und – vor allem in seinen Landschaften – einem teilweise virtuosen und poetischen Umgang mit Lichteffekten. Jan Brueghel war im Grunde ein Miniaturmaler. Die meisten seiner Bilder sind von eher kleinem Format, nicht selten auf Kupfer, und ihre fast unglaubliche Raffinesse und die vielen fantasievollen Details eröffnen sich besonders bei genauerer Betrachtung. In ihrer betont edlen und kostbaren Wirkung setzen sie sich deutlich von der betont „rustikalen“ Art seines Vaters ab und waren seinerzeit gesuchte Sammlerstücke. Dieser stilistische Gegensatz zum Werk seines Vaters, des sogenannten „Bauern-Brueghels“, spiegelt sich auch in Jans Beinamen „Samt-Brueghel“, den er jedoch nicht einer Darstellung kostbarer Stoffe verdankt (wie manchmal kolportiert), als vielmehr der außerordentlich feinen Pinselführung mit weichen, teils verschleiernden malerischen Effekten – besonders in der Atmosphäre seiner Landschaften.Andere erklären den Spitznamen Samtbrueghel damit, dass der Maler sich mit Vorliebe in Samt und Seide gekleidet habe. Emile Michel, Victoria Charles: The Brueghels. Confidential/Parkstone Press International, New York (o. J.), S. 231.