Bridgetown [] im Parish Saint Michael ist die Hauptstadt des karibischen Inselstaates Barbados und ebenso dessen Haupthafen und wirtschaftliches Zentrum. Geschichte Die Stadt wurde 1628 von Briten an der Stelle einer ausgedehnten einheimischen Siedlung gegründet. Ursprünglich wurde die Stadt Indian Bridge genannt, nach einer indianischen (vermutlich Taino) Brücke über den Constitution River. Sie wurde bis 1654 verwendetFrederick H. Smith, Karl Watson, Urbanity, Sociability, and commercial Exchange in the Barbados Sugar Trade: A Comparative Colonial Archaeological Perspective on Bridgetown, Barbados in the Seventeenth Century. International Journal of Historical Archaeology 13/11, 2009, 71. Stable URL: https://www.jstor.org stable/20853182.
Barbados gilt als die erste Kolonie, in der ein systematisches System der Bewirtschaftung von Zuckerplantagen in Zwangsarbeit durchgeführt wurde, zuerst durch Schuldknechte und kriegsgefangene Iren, dann durch afrikanische Sklaven. Bridgeton war der Hauptumschlagplatz für afrikanische Sklaven, zunächst sogar noch vor den Häfen von JamaikaGregory O’Malley, Final Passages: Intercolonial Slave Trade of British America, 1619-1807. Chapel Hill, University of North Carolina Press 2014. Hier waren auch die Zwischenhändler und Geldverleiher ansässig, die "den Handel" erst ermöglichten. Sklaven wurden von hier weitergehandelt, sowohl in die spanischen als auch die französischen KolonienGregory E. O’Malley, Final Passages, The Intercolonial Slave Trade of British America, 1619-1807. University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 2014, 357. Die Aufzeichnungen der Hafenbehörden sind jedoch nicht erhalten, was genaue Angaben schwierig machtGregory E. O’Malley, Final Passages, The Intercolonial Slave Trade of British America, 1619-1807. University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 2014, 361f..
1663 wurden auf der Blackamore, die König Karl II. gehörte, durch die Company of Royal Adventurers trading to Africa 373 Sklaven aus Allada nach Barbados verschifft. Nur 150 davon kamen lebend an, eine Sterblichkeit von ca. 60 %.Simon P. Newman, Freedom Seekers: Escaping from Slavery in Restoration London. London, University of London Press 2022, 187
Zwischen 1685 und 1715 waren mindestens die Hälfte der Bewohner von Bridgetown SklavenFrederick H. Smith, Karl Watson, Urbanity, Sociability, and commercial Exchange in the Barbados Sugar Trade: A Comparative Colonial Archaeological Perspective on Bridgetown, Barbados in the Seventeenth Century. International Journal of Historical Archaeology 13/11, 2009, 73. Stable URL: https://www.jstor.org stable/20853182. Das Gebiet um den Markt der Butcher's ShamblesSmith F. H., Watson K, Western Bridgetown and the Butchers' Shambles in the seventeenth to nineteenth centuries: New insights from the Jubilee garden archaeological investigations. Journal of the Barbados Museum Historical Society 53, 2007, 185-198 war hauptsächlich von schwarzen Sklaven bewohntFrederick H. Smith, Karl Watson, Urbanity, Sociability, and commercial Exchange in the Barbados Sugar Trade: A Comparative Colonial Archaeological Perspective on Bridgetown, Barbados in the Seventeenth Century. International Journal of Historical Archaeology 13/11, 2009, 73. Stable URL: https://www.jstor.org stable/20853182. Bridgetown bot aber auch einen Unterschlupf für Sklaven, die von den Plantagen entkommen warenJerome S. Handler, Escaping SLAVERY IN A CARIBBEAN PLANTATION SOCIETY: MARRONAGE IN BARBADOS, 1650s-1830s. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids 71/3-4, 1997, 194. Royal Netherlands Institute of Southeast Asian and Caribbean Studies. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/41849851. Seit 1650 gab es in der Broad Street einen Käfig, um entkommene Sklaven festzuhaltenJerome S. Handler, escaping SLAVERY IN A CARIBBEAN PLANTATION SOCIETY: MARRONAGE IN BARBADOS, 1650s-1830s. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids 71/3-4, 1997, 205. Royal Netherlands Institute of Southeast Asian and Caribbean Studies. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/41849851.
1781 wurde ein Käfig in einer Nebenstraße gebaut, wo er weniger ins Auge fielJerome S. Handler, ESCAPING SLAVERY IN A CARIBBEAN PLANTATION SOCIETY: MARRONAGE IN BARBADOS, 1650s-1830s. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids 71/3-4, 1997, 206. Royal Netherlands Institute of Southeast Asian and Caribbean Studies. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/41849851. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es auch eine wachsende Zahl freier Schwarzer in der StadtJerome S. Handler, ESCAPING SLAVERY IN A CARIBBEAN PLANTATION SOCIETY: MARRONAGE IN BARBADOS, 1650s-1830s. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids 71/3-4, 1997, 195. Royal Netherlands Institute of Southeast Asian and Caribbean Studies. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/41849851. Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde lebten vor allem in der Swan StreetFrederick H. Smith, Karl Watson, Urbanity, Sociability, and commercial Exchange in the Barbados Sugar Trade: A Comparative Colonial Archaeological Perspective on Bridgetown, Barbados in the Seventeenth Century. International Journal of Historical Archaeology 13/11, 2009, 73. Stable URL: https://www.jstor.org stable/20853182.
Die Fertigstellung des Barbados Heritage District am Newton Enslaved Burial Ground war für 2024 geplant, verzögert sich aber. Auf dem Gelände einer der frühesten und größten Begräbnisstätten versklavter Afrikaner auf der westlichen Hemisphäre entstehen unter anderem ein neues Mahnmal, kulturelle Einrichtungen, ein Archiv, ein genealogisches Forschungszentrum und eine spirituelle Einrichtung zum Zweck der Besinnung und gemeinschaftlichen Heilung. Der Masterplan für das Projekt stammt von Adjaye Associates.
Wirtschaft Die Bewohner leben hauptsächlich vom Tourismus, produzieren aber auch Zucker, Rum und Melasse. mini|290px|rechts|Bridgetown, National Heroes Square, Parliament Buildings mini|hochkant=1.3|Chamberlain-Brücke über die Careenage, Unabhängigkeitsbogen
Stadtzentrum mini|hochkant=0.8|rechts|Nelson-Denkmal mit Blick auf die Broad Street Die Mündung des Constitution River ist heute ein Yachthafen. Er wird im Zentrum der Stadt als Careenage bezeichnet, weil hier früher die Segelschiffe kielgeholt wurden (englisch: careening), um die Rümpfe zu säubern. Direkt an der Careenage liegt der National Heroes Square (früher: Trafalgar Square), der zentrale Platz der Stadt, wo jeden Tag von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends laut gesetzlicher Regelung die Flagge von Barbados weht.
Hier sind auch die Parliament Buildings (früher: Public Buildings), der Sitz der beiden Kammern des barbadischen Parlaments zu finden. Im Zentrum des Platzes steht das Nelson-Denkmal, das 1813 eingeweiht wurde und damit fast 30 Jahre älter ist als die Nelsonsäule in London. Am Heroes Square beginnt mit der Broad Street die wichtigste Geschäftsstraße Bridgetowns, an der Kaufhäuser mit internationalem Angebot, kleinere Geschäfte sowie Banken liegen.
In Bridgetown gibt es einige bedeutende Beispiele britischer Kolonialarchitektur, so das alte Barbados Mutual Building, die anglikanische St. Michael’s Cathedral, das Harrison College und die St. Ann’s Garrison. Die Altstadt von Bridgetown ist zusammen mit der Garnison seit 2011 UNESCO-Welterbe. Betont wird auch die hybride kreolische Kultur, die auch die heutige Funktionsweise der Stadt präge"This hybridized culture, which did not wholly abandon either European or African ways, lives on in the ways in which the urban space functions today", UNESCO 2014.
Die Stadt hat zwei Sklavenfriedhöfe, in Fontabelle und PierheadCrain, C., Farmer K., Smith Frederick H., Watson K., Human skeletal remains from an unmarked African burial ground in the Pierhead section of Bridgetown, Barbados. Journal of the Barbados Museum Historical Society 50, 2004, 66-83; Farmer K., Frederick H. Smith, Karl Watson, Yamazaki J., The health and lifestyles of Bridgetown's enslaved population: an archaeological and physical anthropological analysis of dentition from the Fontabelle. Journal of the Barbados Museum Historical Society 51, 2005, 151-165 auf ansonsten wertlosem Land gelegenFrederick H. Smith, Karl Watson, Urbanity, Sociability, and Commercial Exchange in the Barbados Sugar Trade: A Comparative Colonial Archaeological Perspective on Bridgetown, Barbados in the Seventeenth Century. International Journal of Historical Archaeology 13/11, 2009, 74. Stable URL: https://www.jstor.org stable/20853182.
Wirtschaft Bridgetown ist der Sitz der Barbados Stock Exchange, der Wertpapierbörse des Landes.
Sonstiges Am Rande der Stadt befindet sich das Kensington Oval, das größte Stadion von Barbados. Das Stadion ist ein Test-Cricket-Stadion und wird vom West Indies Cricket Team sowie vom West Indies Women’s Cricket Team benutzt. Das Stadion war auch einer der Austragungsorte beim Cricket World Cup 2007, der ICC World Twenty20 2010, der gleichzeitigen ICC Women’s World Twenty20 2010 und des ICC Men’s T20 World Cup 2024, darunter jeweils das Finale. 2010 fanden die Boxweltmeisterschaften, 2004 der Pan American Cup der Frauen und 2001 die NORCECA-Meisterschaft in Bridgetown statt. Der internationale Flughafen Bridgetown Grantley Adams liegt 12,9 km östlich von Bridgetown und wurde 1939 eröffnet. Die Stadt ist Sitz des katholischen Bistums BridgetownBistum Bridgetown sowie der gleichnamigen anglikanischen Diözese.
Söhne und Töchter der Stadt
Städtepartnerschaften Wilmington, USA (2004)15. Stand 24. März 2008. Bridgetown, Kanada (2004)13. Stand 24. März 2008. Londoner Stadtbezirk Hackney, Großbritannien. Stand 24. März 2008.
Siehe auch Welterbe in Barbados
Literatur Pedro L. V. Welch, Slave society in the city: Bridgetown, Barbados 1680-1834. Ian Randle, Kingston, Jamaica, 2003.
Weblinks
Einzelnachweise
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