Bruno Alexander Biehler (* 19. Juli 1884 in Freiburg im Breisgau; † 24. März 1966 in München)Erich Scheibmayer: Wer? Wann? Wo? Persönlichkeiten in Münchner Friedhöfen. 1989.Personenstandsdaten-Auskunft der Stadt Freiburg im Breisgau war ein deutscher Skisportpionier und später als Architekt vorwiegend in München, Oberbayern und Linz tätig.
Leben Bruno Biehlers Eltern waren der Freiburger Kaufmann Rudolf Biehler und Lina Biehler, geb. Groenewald, aus Pyrmont, die ein Bekleidungsgeschäft an der Kaiserstraße führten. Sein Bruder Rudolf Biehler wurde am 18. April 1882 in Freiburg geboren und war später ebenfalls ein bekannter Skisportler, er wurde Arzt und fiel im Ersten Weltkrieg.
Von Sommersemester 1907 bis Wintersemester 1909/10 war Bruno Biehler an der Technischen Hochschule München im Fach Architektur eingeschrieben. Als Religionszugehörigkeit ist in der Studentenkartei „mosaisch“ vermerkt.TU München, Historisches Archiv: Personalstand der Technischen Hochschule zu München, Jahrgänge 1902–1911.
Anschließend arbeitete er zunächst bei Theodor Fischer, dann für Stadtbaumeister Karl Höpfel am Neubau des Maximiliansgymnasiums mit.
Nach Bestehen des 2. Staatsexamens unternahm Biehler eine eineinhalbjährige Reise durch Asien. Startend im November 1913 in Triest mit dem Dampfer Africa besuchte er Ceylon, Indien, Burma, Java, China sowie Japan und kehrte mit der Transsibirischen Eisenbahn über Moskau im Juni 1914 nach Freiburg zurück. Von Bauwerken, der Landschaft und der einheimischen Bevölkerung fertigte er mehr als 600 Schwarzweiß-Diapositive auf Glasplatten im Format 9 × 12 cm an, die in seinem Nachlass erhalten sind (Auswahl siehe Weblinks und Ausstellungskatalog). Am 11. Mai 1914 gelang ihm die wohl erste Winterbesteigung im Alleingang des Fuji, auch diese mit Fotos dokumentiert.
Kurz nach der Rückkehr aus Asien begann der Erste Weltkrieg. Bruno Biehler war Zugführer im 1. Bayerischen Schneeschuh-Bataillon des Deutschen Alpencorps.
Nach Kriegsende erfolgte 1919 die Ummeldung von Freiburg nach München. Laut Geburtenregister war er zweimal verheiratet, seine erste Ehefrau wurde 1928 die aus einer Münchner Goldschmiede- und Juwelierdynastie stammende Johanna Neresheimer,Stadtarchiv München (Hrsg.), Andreas Burgmaier: Häuserbuch der Stadt München, Bd. 4, S. 93, R. Oldenbourg, München 1966 die zweite Eheschließung erfolgte 1947 in Bad Wiessee.
In München war er Mitglied im Rotary ClubAnfrage von Joseph Schlippe, Freiburgs Hochbauamtsleiter, technischer Geschäftsführer der städtischen Siedlungsgesellschaft und seinerzeit kommissarischer Leiter des badischen Landesdenkmalamtes, Gründungsmitglied des Freiburger Rotary Clubs, an Bruno Biehler vom 13. Oktober 1947 betreffend Wiederaufleben des Rotary Clubs in München; Stadtarchiv Freiburg, Bestand K1/44/1069 (PDF; 1,4 MB) (1928 gegründet, 1933 Streichung jüdischer Mitglieder aus der Kartei, 1937 Selbstauflösung, 1949 WiedergründungPaul U. Unschuld: ).
Neben Architekturberuf, Winter- und Bergsport sowie Fotografie fühlte sich Biehler auch zum Malen und Zeichnen hingezogen und musizierte mit dem befreundeten Carl Orff. Mit dem Landschaftsplaner Alwin Seifert verband ihn ebenso eine enge Freundschaft.F. u. R. Biehler: Bruno Biehler, 1913, S. 5.
Skisportler Bruno Biehler war wie sein Bruder zunächst Mitglied des Ski-Club Freiburg. Beide traten später (Bruno 1904) dem 1903 gegründeten Akademischen Ski-Club Freiburg bei.Frieder Uihlein: 100 Jahre Akademischer Skiclub Freiburg. In: Skiverband Schwarzwald (Hrsg.): Schwarzwälder Schneegestöber. Offizielles Organ des Skiverbandes Schwarzwald, Ausgabe 2, November 2003, S. 8–10, hier: S. 8. () 1908 war er Gesamtsieger der ersten Deutschen Meisterschaften in der Nordischen Kombination (Einzelwettkampf Militärpatrouille), desgleichen 1909.www.sport-komplett.de Bei den 1. Österreichischen Meisterschaften der Skispringer 1907 wagten die Brüder Rudolf und Bruno Biehler sowie Viktor Sohm aus Bregenz und Karl Gruber aus München einen sensationellen Doppelsprung von der Schattbergschanze in Kitzbühel. Bei den ersten Allgäuer Skimeisterschaften 1910, noch auf der alten Oberstdorfer Schanze auf den Halden, Vorgängerin der Schattenbergschanze (heute Erdinger Arena), wurde Bruno Biehler mit 21 Metern Meister im Sprunglauf und hielt seit 1909 mit 22 m auch den Schanzenrekord.
1905/06 trat Bruno Biehler dem Akademischen Ski-Club München beiAuskunft ASC Freiburg (ASCM, auch Asem; gegründet als Akademische Sektion des Skiclubs Schwarzwald, die meisten Gründungsmitglieder kamen von einem Freundeskreis aus Freiburg im Breisgau; auch Fritz Todt war ASCM-Mitglied) und war Vorsitzender dessen Hüttenvereins. Nach seinem Entwurf entstand für den Verein die Grünseehütte (heutige Uli-Wieland-Hütte des ASCM in der Nähe des Grünsees im Spitzingsee-Gebiet).
Architekt miniatur|Gebirgsjägerdenkmal auf dem Grünten miniatur|Neufriedenheim miniatur|Christuskirche München-Neuhausen miniatur|Wandelhalle des Jod-Schwefelbades in Bad Wiessee, 1935 Nach seinem Studium und einer Referendariatszeit in der öffentlichen Bauverwaltung legte Bruno Biehler das 2. Staatsexamen zum Regierungsbaumeister ab. Er machte sich jedoch bald selbständig und arbeitete in den 1920er und 1930er Jahren freiberuflich in München. Spätestens Ende der 1920er Jahre war er auch Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA). Ab etwa 1938 arbeitete Biehler und weitere Münchner Architekten unter der Oberleitung von Reichsbaurat Roderich Fick am Bau der sogenannten „Führer-Siedlung“ in der oberösterreichischen „Führerstadt“ Linz („Patenstadt des Führers“) mit.
Bauten (Auswahl) 1917: Soldatenfriedhof des „Jägerregiments 3“ – des ersten deutschen Gebirgstruppenteils der Alten Armee – im Vaser Tal (Wassertal) in den nordrumänischen Karpaten, etwa zwischen Miraj und Macârlau nahe der Stadt Marmaros Sziget (angelegt unter Mitwirkung des Holzbildhauers Wilhelm Math aus Oberstdorf und des Kunstmalers Hermann Grosselfinger aus Hindelang; sie hatten wie Biehler selbst dem „Jägerregiment 3“ angehört).Ralf von Rango (Bearb.): Das Jäger Regiment Nr. 3, Verlag Anton Dreselly Nachf. Max Probst, München 1929. 1921–1924: Gebirgsjägerdenkmal 1914–18 zur Erinnerung an die 3.000 gefallenen Angehörigen des Jägerregiments 3 auf dem Übelhorn, dem Hauptgipfel des Grünten. Der Steinturm auf einem Sockel von fünf Metern Durchmesser mit einer Gedenkhalle im Innern ist inspiriert von buddhistischen Lhathos in Tibet. Das Denkmal wurde von den Gebirgsjägern selbst errichtet; die Bruchsteine wurden mit Hilfe von Mulis auf den Berg gebracht., Allgäuer Anzeigeblatt, 10. September 2004 1922–1923: München, Georgenstraße 4 (Maxvorstadt). Aufstockung des nördlichen Rückgebäudes einer ursprünglich von August Thiersch 1892–94 im Stil der Neorenaissance errichteten Villa (Sitz des Piper Verlags; mit dem Hauptgebäude unter Denkmalschutz, D-1-62-000-2086) 1923–24: erste Skisprungschanze von Reit im Winkl (Steinbachschanze) gebaut, sie ermöglichte bereits Weiten bis 45 Meter.Reit im Winkl – Skisprungschanzen-Archiv, skisprungschanzen.com 1923–1924: Kriegergedächtniskapelle 1914–18 in Reit im Winkl, oberhalb des Dorfes am HausberghangJ. Popp: Die Krieger-Gedächtniskapelle von Reit im Winkel. In: Dekorative Kunst, illustrierte Zeitschrift für angewandte Kunst, Bd. 33 = Jg. 28., 1924/25, S. 257–260 (Digitalisat) 1928–1930: „Siedlung Friedenheim“ (auch „Neufriedenheim“) in München (teilweise unter Denkmalschutz)Siedlung des sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Republik; Die abschirmende Außenbebauung der von Biehler geplanten Siedlung stammt Reichsbaurat Roderich Fick und wurde später von Alwin Seifert fortgesetzt. 1933–1934: Wohnhaus Biehler, MünchenDie Kunst und das schöne Heim, Jg. 1935, H. 70, S. 247, F. Bruckmann, München. 1933–1935: Wandelhalle mit Konzert- und Theatersaal des Jod-Schwefelbades Wiessee, Adrian-Stoop-Straße 37 sowie Pumpenhaus, Adrian-Stoop-Straße 39 (alle Bauten unter Denkmalschutz; D-1-82-111-35)Baudenkmäler Bad Wiessee (PDF; 199 kB), Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege ab 1935: Musterwohnsiedlung am Möslewald, Freiburg im Breisgau, zwischen Hansjakobstraße und Möslewald/Oberrieder Straße (1. Preis in Architektenwettbewerb der Bauherrin Siedlungsgesellschaft Freiburg; Ausführung unter Biehlers künstlerischer Oberleitung durch eine Arbeitsgemeinschaft der sechs prämierten Entwurfseinreicher, neben Biehler Alfred Giese, Paul Rittershausen, Alfred Wolf, Philipp Müller, Gregor Schroeder, alle aus Freiburg)Die Ausstellung der Entwürfe für die Mustersiedlung am Möslewald. In: Der Alemanne, 19. Februar 1935Notizen zum Architektenwettbewerb Möslesiedlung, Stadtarchiv Freiburg i. Br., K1/44/1294 1935–1936: Gebirgsjägerkaserne (Prinz-Heinrich-Kaserne) in Lenggries, Ortsteil Wasenstein, Gebirgsjägerstraße 15; für die Heeresbauverwaltung, mit Karl Erdmannsdorffer (unter Denkmalschutz; D-1-73-135-213; bis 2014 Umbau zu einem Funsport-Zentrum geplant)Denkmalliste Lenggries, Bayerisches Landesamt f. Denkmalpflege (PDF-Datei; 167 kB), Stand 26. April 2013"Wow"-Erlebnis erst ab 2014, Süddeutsche Zeitung, 13. November 2012 1936: Friedhofsgebäude im Waldfriedhof Solln, Warnbergstraße 2, für die Gemeinde Solln (heute zu München) (unter Denkmalschutz, D-1-62-000-7339), siehe Liste der Baudenkmäler in Bad Wiessee 1936–1937: Evangelisch-lutherische Friedenskirche mit Pfarrhaus, Bad Wiessee, Kirchenweg 6 (unter Denkmalschutz; D-1-82-111-10)Was Wandelhalle und Friedenskirche verbindet, Münchner Merkur, Ausgabe Kreis Miesbach, 21. Juni 2010 1937–1938: Gebirgsjägerkaserne Bischofswiesen 1938: Auftrag zum Bau eines der ersten modernen Schlepp-Skilifte in Deutschland, am Iseler bei Oberjoch/Hindelang (kriegsbedingt erst Ende 1942 fertiggestellt)Eberl Medien (Hrsg.),Wolfgang B. Kleiner (Fotos), Martin Kluger (Text): Bad Hindelang im Allgäu. Context Verlag, 2009, ISBN 978-3-939645-21-4. Der allererste Skilift Deutschlands wurde bereits 1908 in Schollach im Hochschwarzwald errichtet. 1940–1943: Teile der Wohnsiedlung „Bachlfeld“ in Linz-Urfahr: Im Bachlfeld 22–38c, ursprünglich als Block IX der „Führer-Siedlung“ geplant. Die Hausnummern 30–38c (gerade Nummern) standen von 15. Oktober 2009 bis 2018 unter DenkmalschutzHerfried Thaler (Bearb.), Bundesdenkmalamt, Abteilung für Inventarisation und Denkmalforschung (Hrsg.): Österreichische Kunsttopographie, Band LV: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil: Außenbereiche, Urfahr, Ebelsberg. 2001, ISBN 978-3-85028-301-4. () 1940–1942: Teile der Harbachsiedlung in Linz-Urfahr bzw. Pöstlingberg: Leonfeldner Straße 66–92 (gerade Hausnummern) (); die Hausnummern 94–130b (gerade Nummern) () stehen seit 15. Oktober 2009 unter Denkmalschutz 1948 oder früher: Friedhoferweiterung für Elbach und IrschenbergDer Baumeister, Jahrgang 1948, Heft 2/3. 1949–1950: Prinzregenten-Lichtspiele (Kino), München-Bogenhausen (zusammen mit Architekt Schwarzkopf; heute Supermarkt) 1953: vereinfachter Wiederaufbau der ursprünglich 1899/1900 nach Plänen von Erich Göbel von Heilmann & Littmann errichteten, im Zweiten Weltkrieg durch Bomben und Brand stark beschädigten, evangelisch-lutherischen Christuskirche in München-Neuhausen, Dom-Pedro-Platz 4, Evangelisch in Neuhausen-Nymphenburg, abgerufen am 22. Mai 2012; unter Denkmalschutz, siehe Liste der Baudenkmäler in Neuhausen (München) 1957–1958: Ufa-Peterhof-Lichtspiele (Kino), München, Marienplatz 22, 1. Stock; zusammen mit Herbert Korn (nicht erhalten; ab 1958 Gaststätte und Hoch-Café Peterhof, heute ist dort die Großbuchhandlung Hugendubel)
Entwürfe 1933: Teilnahme am Wettbewerb für die Reichsführerschule der NSDAP in Neu-Grünwald bei München (gemeinsam mit Walter Schetelig und Dominikus Weißkirchen)Zentralblatt der Bauverwaltung, Band 54, 1934Rasp, S. 30